Stralsund: Abschlusskonzert der „Rock gegen Rechts“ Aktionstage am 27. September

++ Rock gegen Rechts Aktionstage 2014 am 27. September in Stralsund +++ buntes Musikprogramm unter anderem mit Egotronic und Kobito +++ Kartenvorverkauf ab 30. August +

Von Franziska Wilke

Auch in diesem Jahr wird es ein kräftiges Abschlusskonzert der Rock gegen Rechts Aktionstage in Stralsund geben. In diesem Jahr wird es ab dem 30.08. einen Vorverkauf geben. Sichert euch ein Ticket in dem ihr online per e-mail an info[ätt]rockgegenrechts.com bestellt (6,00 Euro zzgl. Versand) oder besucht einer unserer Veranstaltungen und kauft vor Ort eure Tickets. Auf der Bühne sind für euch in diesem Jahr:

Flemming and the Gang – eine Band der rauen Küstenluft. Über ihren Musikstil sagt die Band selbst: „In die Segel bläst ordentlich Stoner, Doom und ganz viel heavy Rock, ohne Eingängigkeit vermissen zu lassen.“ Eine regionale Band, mit Erfahrung und viel Freude an ihrer Musik.
Lashdown – eine Combo aus Berlin, die für eine ordentliche Packung progressiven Hardcore und hochgradig energische Live Shows stehen. Hardcore ist für sie „more than music“, weshalb ihre Auftritte geprägt von klaren Statements und einer antifaschistischen Grundhaltung sind.

The Detectors – Streetpunk der feinsten Art und Weise. Mit eingängigen Texten und Melodien überzeugen The Detectors nicht nur auf CD, sondern auch Live. „Wütend und trotzdem voller Hoffnung“ setzen sie sich in ihren Texten mit Alltagsproblemen, Missständen, Tierrechten und mit menschenverachtenden Ideologien auseinander. Musikalisch auf sehr hohem Niveau, werden sie auch beim Rock gegen Rechts Abschlusskonzert begeistern.

Kobito – politischer Rap, der unter die Haut geht. Kobito ist nicht nur auf der Bühne mit Herz und mit Verstand bei der Sache. „Die Erfahrungen aus den letzten Jahren sind in sein aktuelles Album mit eingeflossen, die Musik ist noch emotionaler, gleichzeitig noch politischer, noch durchdachter geworden.“

Egotronic – „Raus aus dem Electro-Dancefloor-Strudel wollen auch Egotronic, die schon zuvor auf dem 10-Jahre Jubiläumsalbum beherzt die Gitarren schreddeln ließen. „Mehr Punkrock wagen” ist kein verzweifelter Fluchtplan, sondern einfache Rückbesinnung auf die eigenen subkulturellen Wurzeln.“ […] „der Ruf ist so ruiniert und hervorragend wie nie zuvor, der Vereinnahmungskonflikt zwischen autonomem AZ-Publikum und feierwütigen Hipstern nach wie vor erfreulich ungeklärt“. Electro auf eine vollkommen neue Art wird hier den Gästen geboten. „Beat für die Beine und ne Message für den Verstand“ trifft hier vollkommen zu.

Das Konzert findet in der Alten Eisengießerei in Stralsund statt. Ab 18 Uhr ist Einlass, das Konzert beginnt 20 Uhr. Wir sehen uns in Stralsund!

Rostock: „Sommerfest vs. Isolation“ in Flüchtlingsunterkunft am 28.08.2014

Erstmals seit Jahren steigen die Zahlen asylsuchender Geflüchteter in der Bundesrepublik und auch Mecklenburg-Vorpommern nimmt verstärkt vor Hunger, Krieg und/oder politischer oder religiöser Verfolgung Geflohene auf.

Diese Freitag, den 28. August, findet in der Flüchtlingsunterkunft in der Satower Straße 129 in Rostock das diesjährige Sommerfest statt. 15 Uhr beginnt das bunte Programm aus Musik, Workshops, Sport und einigen anderen Highlights. Die Antifa Rostock schreibt dazu:

„Eine gute Gelegenheit die Refugees kennen zu lernen, Kontakte zu knüpfen und zumindest temporär die Isolation, der die Flüchtlinge ausgesetzt sind, zu durchbrechen. […] Bis 22 Uhr kann gekickt, getanzt, gegessen und gequatscht werden.“

Rostock: QueerPolDo „Noize, booze and revolution: Geschlechterverhältnisse in der DIY-Punkszene am 28.08.14 im Peter-Weiss-Haus

Die Do-It-Yourself-Punkszene ist eine radikale zeitgenössische Synthese von Metal, Punk und Hardcore, die sich fernab ökonomischer Verwertung und massentauglicher Ästhetik versteht und untrennbar mit der linken Szene in Deutschland verbunden ist. Paradox anmutend fallen emanzipatorischer Impetus, der auch feministische Positionen beinhaltet, und eine von weißen Männlichkeiten dominierte Struktur zusammen. Auf Grundlage einer ethnografischen Feldforschung und sozialwissenschaftlicher Beiträge wird beleuchtet, wie Geschlecht performativ hergestellt und männliche Dominanz in einer Egalität und Freiräume behauptenden Szene stabilisiert wird. Dabei finden historische und strukturell geschlechtsspezifische Zusammenhänge Beachtung. Die musikalischen Kämpfe sind, wie viele Kämpfe der linken Szene, in erster Linie von Männern und Männlichkeit dominierter Aktivismus, dessen Forderungen eher symbolische als reale Wirkung besitzen: gesamtgesellschaftliche Ungleichheiten werden fortschreitend reproduziert, die Benachteiligung von Frauen und die Verdrängung von Weiblichkeit an die Peripherien scheinen der Szene eingeschrieben.

Wann und wo? Der Politische Donnerstag beginnt am 28. August wie immer 20 Uhr im Peter-Weiss-Haus in Rostock. Die VoKü fällt sommerpausenbedingt aus.

Dokumentation „Der Banker – Master Of The Universe“

Durch seine Hände gingen Millarden. Er selbst gerät ins Staunen, wenn er laut über staatliche Rettungsaktionen von Banken nachdenkt. Die Finanzwelt ist zwar eine gläserne Welt und dennoch kaum zu durchschauen. Wer kennt sich schon aus in Finanztheorien? Reichtum, Macht und Herrschaftswissen schließen den Großteil der Bevölkerung aus. Das Jonglieren von unermesslichen Geldbeträgen bleibt einer kleinen Minderheit vorbehalten. Marc Bauder beschäftigt sich in seinen Filmen immer wieder mit der Welt des Geldes.

Bauder studierte Wirtschaftswissenschaften, bevor er begann, Filme über die Banken zu drehen. Er stellt die richtigen Fragen, gibt sich nicht mit den erstbesten Antworten zufrieden. Sein Film ermöglicht glasklare Einsichten ins Finanzwesen. Der Erkenntnisgewinn ist hoch, obwohl die Fakten alle bekannt sind.

Rainer Voss berichtet von seinem eigenen Aufstieg in den 1980er Jahren, zeitgleich mit den Banken. Der ehemalige Investmentbanker weiß, wie es sich anfühlt, „Master Of The Universe“ zu sein, sehr viel Geld zu verschieben und daran selbst viel zu verdienen. Er kennt das geschlossene System von innen, war lange Zeit ein Teil davon. Finanzkrisen häufen sich in immer kürzeren Abständen. Eine Lösung erwartet Voss nicht aus der Branche. „Master Of The Universe“ kann keine endgültigen Antworten geben. Dafür gelingt ein Einblick, den man bisher nur selten bekam. Keine böse Abrechnung, sondern eine spannende Entmystifizierung der Finanzwelt.

Die Dokumentation „Master Of The Universe“ bietet einén Einblick, den man bisher nur selten bekam.

Rostock: Politischer Donnerstag „Ukraine – Russland – Krim“ am 21.08.14 im Peter-Weiss-Haus

Die künftige Bedeutung der jüngsten Ereignisse in und um die Ukraine ist im Augenblick schwer einzuschätzen. Sie stellen in jedem Fall eine drastische Veränderung der „hergebrachten Ordnung“ dar, wie sie nach dem Ende des Sowjetunion entstanden war. So weit wie es zum Zeitpunkt der Veranstaltung möglich ist, wird ein kleines Resümee des nun eintretenden dynamischen Wandels zu ziehen sein.

Der Einführungsvortrag des Referenten stellt sich aber zunächst Fragen nach den spezifischen Besonderheiten der Entwicklung in der Ukraine und in der Krim, berücksichtigt aber auch die Voraussetzungen und Hintergründen des politischen Handelns der Russischen Föderation. Unter anderem werden Ideologien, Mythen und mediale Projektionen veranschaulicht und kontextualisiert und die Entwicklung des politischen Systems in der postsowjetischen Ukraine gestreift.

Nach der Einführung können die aufgeworfenen Fragen zur Diskussion gestellt. Der Referent Boris Krumnow aus Leipzig ist politischer Bildner, Religions- und Osteuropawissenschaftler und stellvertretender Vorsitzender der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen. Er gehört dem Osteuropanetzwerk AGRU an.

Wann und wo? Los geht’s am 21. August ab 20 Uhr im Peter-Weiss-Haus in Rostock.

Demmin: „Traditionslinien“ 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkrieges

In diesem Jahr jährt sich zum hundertsten Mal der Beginn des Ersten Weltkrieges, der oftmals als die historische “Urkatastrophe” bezeichnet wird. Die Auswirkungen des Krieges waren tatsächlich katastrophal in seinen Ausmaßen und traumatisch für viele Generationen. Millionen von meist jungen Menschen wurden in einen vermeidbaren Krieg geschickt. Der Erste Weltkrieg markiert einen Einschnitt in die Geschichte unserer Zivilisation, ohne ihn sind der Zweite Weltkrieg und der Nationalsozialismus nicht zu erklären.


Bild: Das Ausrücken der Demminer Ulanen in den ersten Weltkrieg. (Foto eingebunden über Demmin nazifrei)

Wie brutal die Kriegsführung schon vor dem ersten Weltkrieg im Deutschen Kaiserreich war, der noch zusätzlich ein Rassewahn innewohnte, zeigte die Niederschlagung des Aufstands der Herero und Nama „Hottentotten“) in Deutsch-Südwest-Afrika (heute Namibia) von 1904 bis 1908. Der Kampf der deutschen Kolonialherren war gnadenlos und wurde zum ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts.
Die Kriegführung Trothas zielte auf die vollständige Vernichtung der Herero ab („Ich glaube, dass die Nation als solche vernichtet werden muß“ und wurde darin vom Chef des Generalstabs Alfred Graf von Schlieffen („Der entbrannte Rassenkampf ist nur durch die Vernichtung einer Partei abzuschließen.“) und Kaiser Wilhelm II. unterstützt. Im Anschluss an die Kampfhandlungen wurden die Herero und Nama in Konzentrationslagern interniert, in denen annähernd jeder zweite Insasse starb. Vom um 1904 auf rund 80.000 bis 100.000 Personen geschätzten Hererovolk lebten 1911 nur noch 15.130 Personen. Die Bundesregierung hält unverändert daran fest, dass es sich ihrer Ansicht nach nicht um einen Völkermord gehandelt habe. Dass die Bundeswehr mit die­ser Ver­gan­gen­heit nie kom­plett ge­bro­chen hat, belegt beispielsweise die Panzergrenadier-Kaserne in Lüneburg, die ab 1958 Schlieffen-Kaserne hieß und bis heute so genannt wird.

Aus Demmin waren in Deutsch-Südwest-Afrika ab 1904 dabei: 78 Ulanen und 3 Unteroffiziere, ab 1905 der Offizier Ernst von Maltzan, Freiherr von Wartenberg und Pentzlin. Alle hatten sich freiwillig gemeldet. Drei dieser Ulanen starben im Kampf, fünf an Krankheiten, vor allem Typhus.
Andere Wege schlug ein wenig später beispielsweise Ernst Barlach ein.


Bild: Holzschnitzfigur Ernst Bachlachs. (Foto eingebunden über Demmin nazifrei)

Ernst Bar­lach ver­än­der­te sich, vor allem durch seine di­rek­ten Er­fah­run­gen im ers­ten Welt­krieg, vom Kriegs­be­für­wor­ter zum Kri­ti­ker von Ge­walt und Kriegs­geg­ner. In der Nazi-Zeit galt seine Kunst als entartet.

Text übernommen mit freundlicher Genehmigung von Demmin nazifrei.

Schwerin: Birthday Special Party „11 Jahre Underground Basement“ am 16.08.14 im Komplex

Wir haben den Sommer 2014, als sich die beiden Brüder Ralf und Dirk als UN_NODE dazu entschlossen ihren Sound aus dem ländlichen Studio hinaus in die weite Welt zu tragen. Nach etlichen Auftritten in Clubs wie der Berghain Kantine, dem Prince Charles oder diversen Ostdeutschen Open Air Festivals war dies nur die logische Konsequenz. Ihr ganz spezieller Sound, obgleich analoge Töne oder gesampelte Alltagsgeräusche bilden ein stets mit viel Liebe zum Detail kreiertes Klangbild. Geprägt von den beeindruckenden Kraftwerk Klängen arbeiten die beiden überwiegend mit analogen Geräten und fügen die handgemachten Samples in einen unverwechselbaren Kontext zusammen, für die schon einige Labels starkes Interesse bekundet haben. Zuerst kommt aber ihr Release „Paul und Paula“ in die Plattenläden.
Ihr Debüt ist ein melancholischer Tech-House Mix mit einer Attitude von Ricardo Villalobos zwischen den Zeilen. Die Scheibe wird definitiv auf einigen Sommer Festivals zu begeistern wissen. Besonders auf der Bühne spürt man die volle Hingabe und Leidenschaft der verträumten Nordlichter. Detail-verliebt, kreativ und stets bestens gelaunt, präsentieren sie ihre ganz eigene Interpretation von elektronischer Tanzmusik und bringen damit selbst den letzten Eckensteher zum steppen.

Line up:
UN_NODE – LIVE
Alex Schenk – LIVE
Long T. UB
Josh

Wann und wo? 16. August 2014 im Komplex Schwerin ab 22 Uhr
Wie viel?: 5€

ATTENTION, BHиMAHиE, ATENCIÓN, UWAGA, ACHTUNG, UPPMÄRKSAMHET…

!!! KEINE NAZIS – KEINE ATZEN !!!

Eintritt ab 16 Jahren und nur mit Personalausweis/ Pasz bis 0.00 Uhr, danach ab 18 Jahren oder in aufsichtsberechtigter Begleitung! Gäste die zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr alt sind und ohne aufsichtsberechtigter Begleitung rein möchten, benötigen für diese Veranstaltung den sogenannten Muttizettel. Der Einlasz ist bis zum 18. Lebensjahr nur mit VOLLSTÄNDIG ausgefülltem Zettel möglich. AUSNAHMEN, AUSREDEN, ETC. GIBT ES NICHT!

Den Muttizettel gibt’s HIER.

Bützow: Naziaufmarsch gegen „Asylmissbrauch“ morgen stoppen!

Hetze gegen Geflüchtete ist eines der zentralen Themen der neofaschistischen Szene. Hier können die Nazis nicht selten an bereits in der bevölkerung bestehende Ressentiments anknüpfen und ihren Einfluss in der „Mitte der Gesellschaft“ weiter ausdehnen.

Morgen wollen rund 150 Nazis unter dem Motto „Asylmißbrauch – Nicht mit uns! – Bützow wehrt sich“ durch die Kleinstadt marschieren. Hintergrund sind 55 syrische Flüchtlinge, die in der Ortschaft untergebracht werden sollen. Zwar wird ein offizielles Hervortreten der NPD als stärkste neonazistische Organisation in MV bislang vermieden, ein Mitwirken – dürfte dennoch mehr als wahrscheinlich sein.

Wo wollen die Nazis marschieren?
Die Nazis treffen sich um 10 Uhr30 auf dem Schlossparkplatz in Bützow und marschieren dann über die Landesstraße 11 in Richtung Karl-Marx-Straße, dann geht es in Richtung Rosengarten (wieder über die L 11) weiter. Anschließend soll der Aufmarsch über Forsthof, Leninring, Leninplatz, Rühner Landweg und Gartenstraße verlaufen. Abschließend soll es über das Rathaus wieder zum Schlossparkplatz gehen.
Insgesamt sind drei Kundgebungen der Nazis vorgesehen: am NEC-​Park­platz (Karl-​Marx­str), am Le­nin­platz (nahe Rüh­ner Land­weg) und am Rat­haus.

Eine ausführlichen Bericht über den geplanten Aufmarsch gibt es bei Endstation Rechts.

Das Bündnis „Eine Blume für Bützow“ plant Gegenproteste. Infostände sind bislang an folgenden Punkten geplant: Am Rüh­ner Land­weg, in der Karl-​Marx Stra­ße, beim Forst­hof und am Schloss­park­platz (in direkter Nähe zu den Flücht­lings­woh­nun­gen). Evtl. gibt es einen weiteren Stand am Rathaus.

Zentraler Anlaufpunkt für die Proteste ist zunächst der Schlossplatz ab 9 Uhr. Checkt regelmäßig die üblichen Informationskanäle und bleibt informiert!

Folgend dokumentieren wir den Bützower Aufruf gegen den Naziaufmarsch:

Büt­zow zeigt sich: Keine To­le­ranz für In­to­le­ranz!

Für mor­gen, den 19. Juli, rufen Ras­sis­t_in­nen und Neo­na­zis im Deck­man­tel einer ver­meint­li­chen „Bür­ger­initia­ti­ve“ unter dem Motto „Asyl­miss­brauch nicht mit uns! Būtzow wehrt sich“ ab 10.​30 Uhr zu einer De­mons­tra­ti­on durch Büt­zow auf. Sie wol­len damit ihr men­schen­ver­ach­ten­des Welt­bild durch Büt­zows Stra­ßen tra­gen und ge­zielt di­rekt an den Woh­nun­gen der kürz­lich an­ge­kom­me­nen Flücht­lin­ge ent­lang het­zen.

Das Büt­zo­wer Bünd­nis für eine of­fe­ne Ge­sell­schaft will das nicht un­gestõrt zu­las­sen und ruft dazu auf, gegen den Auf­marsch der Nazis und Ras­sis­tIn­nen kre­ak­tiv, laut und bunt zu pro­tes­tie­ren!

Als so­ge­nann­te „Bür­ger­initia­ti­ve gegen Asy­lan­ten­woh­nun­gen in Büt­zow“ het­zen die Or­ga­ni­sa­to­ren der De­mons­tra­ti­on auf Face­book seit Wo­chen und Mo­na­ten gegen die Un­ter­brin­gung von Flücht­lin­gen in Büt­zow. In den Kom­men­ta­ren fal­len neben per­ma­nen­ten ras­sis­ti­schen Kom­men­ta­ren bis hin zu Ge­walt­auf­for­de­run­gen, nicht sel­ten Auf­ru­fe für ein „zwei­tes Lich­ten­ha­gen“.

Wir wol­len die­sen Auf­marsch nicht un­ge­stört durch Büt­zow zie­hen las­sen! Wir wol­len laut, bunt und krea­tiv un­se­ren Pro­test gegen ihre men­schen­ver­ach­ten­de Ein­stel­lun­gen ent­ge­gen brin­gen. Meh­re­re Info­stän­de sind in der di­rek­ten Nähe der De­mo­rou­te ge­plant. Die an­woh­nen­den Flücht­lin­ge wer­den von uns nicht al­lei­ne ge­las­sen. Wir so­li­da­ri­sie­ren uns mit ihnen und rufen alle dazu auf, dies mit uns zu tun!

Das Büt­zo­wer Bünd­nis für eine of­fe­ne Ge­sell­schaft und To­le­ranz setzt sich ein für eine viel­fäl­ti­ge, so­li­da­ri­sche und of­fe­ne Ge­sell­schaft, in der Ras­sis­mus und Neo­na­zis­mus kei­nen Platz haben!

Das Bünd­nis, dass sich aus allen nam­haf­ten Ver­ei­nen der Stadt, vie­len Un­ter­neh­men, Kir­chen, der Stadt­ver­wal­tung, den Stadt­par­la­ments­frak­tio­nen und vie­len Bür­ge­rin­nen und Bür­ger zu­sam­men­setzt, hat be­reits in der Ver­gan­gen­heit ein po­si­ti­ves Zei­chen ge­setzt und sich zur ge­mein­sa­men ge­sell­schaft­li­chen Ver­ant­wor­tung, hil­fe­su­chen­den Men­schen Zu­flucht zu ge­wäh­ren, be­kannt.

Für ein Leben in Frei­heit und Si­cher­heit für alle Men­schen!

Grenzenlose Solidarität: Was tun gegen rassistische Hetze?

Was tun, wenn sich Protest gegen eine Flüchtlingsunterkunft im eigenen Stadtteil regt? Wenn sich Bürger_inneninitiativen gründen, die Vorurteile und Scheinargumente in die öffentliche Debatte um eine Flüchtlingsunterkunft tragen? Was tun, wenn Neonazis ihre rassistische Propaganda konkret gegen Flüchtlinge lenken? Folgend bekommt ihr einige Handlungstipps für den Umgang mit Hetze gegen Geflüchtete.


Bild: „Grenzenlose Solidarität“ – über 6.000 Menschen nahmen 20 Jahre nach den Pogromen an einer Demonstration in Rostock in Erinnerung an die rassistischen Pogrome in Lichtenhagen teil.

Gemeinsam, nicht alleine, handeln!
Eine Zusammenarbeit verschiedener Initiativen, Parteien, Kultureinrichtungen, Vereinen und anderen zivilgesellschaftlichen Gruppen erleichtert in jedem Fall die Durchführungen von Aktionen und ermöglicht, dass Antirassismus flächendeckend verankert werden kann. Gemeinsame Kampagnen, Feste, Presseerklärungen usw. können eine Einheit schaffen, die sich klar gegen Rassismus positioniert. Darüber hinaus ist die Vernetzung mit bereits bestehenden Flüchtlingsräten und antirassistischen Initiativen empfehlenswert.

„Wissen ist Macht“: aufklären und informieren
Viele Vorurteile bauen auf Unwissen oder Fehlinformationen auf. Daher ist es wichtig, sich selbst zu informieren und andere über die Situation von Geflüchteten, über Strategien der Neofaschist_innen und rassistische Wirkungsweisen aufzuklären. Damit bestehende Unsicherheiten und Unwissen nicht durch Nazis beantwortet werden können, muss Rassismus auf anderen Ebenen thematisiert und abgebaut werden.

Baut Kontakt zu Geflüchteten auf
Der einfachste Weg, gegen die Ausgrenzung von Flüchtlingen aktiv zu werden und Flüchtlinge effektiv zu unterstützen, ist, in direkten Kontakt zu treten. Ein freundlicher Besuch in der Unterkunft schafft die Gelegenheit, sich kennenzulernen und die Bedürfnisse der Bewohner_innen zu erfahren.

Die Situation der Geflüchteten ist entscheidend
Auch wenn es wichtig ist, auf rassistische Stimmen und Proteste zu reagieren, sollte man nicht bei den „Sorgen und Ängsten“ der Bürger_innen hängen bleiben, sondern den Blick auf die Geflüchteten selbst lenken. Eine genaue Betrachtung der Situation von Flüchtlingen kann schon helfen, vorherige Vorurteile zu widerlegen.

Rassistische und neofaschistische Strategien erkennen
Nazis knüpfen an aktuelle, gesellschaftlich relevante Themen an, um rassistische, oder demokratiefeindliche Botschaften zu setzen. Durch genaues Hinschauen können solche Muster jedoch schon frühzeitig erkannt werden. Es lohnt ein Blick dahingehend, was im Vordergrund der Kampagne steht: Geht es um die Situation der davon Betroffenen – oder um den eigenen „Heimatbezug“ und vorgefertigte, populistisch aufgeladene Meinungen?

Nazis und andere Rassist_innen ausschließen
Überzeugte Neonazis haben ein geschlossenes ideologisches Weltbild, dem nicht einfach mit sachlichen Argumenten entgegengetreten werden kann. Zudem zeichnet sich die Strategie von Nazis nicht dadurch aus, mit Diskussionen ihre Meinung voran zu bringen, sondern durch Wortergreifungsstrategien und propagandistische Meinungsmache ihre rassistischen Ansichten zu verbreiten. Deshalb ist es wichtig, eindeutig nazistische und andere rassistische Akteur_innen von vorneherein auszuschließen und sich nicht auf eine Debatte mit Neonazis einzulassen.

Handlungsmöglichkeiten im World Wide Web

Gründet sich bei Facebook oder anderen sozialen Netzwerken eine Seite oder Gruppe mit rassistischen Inhalten, so gibt es immer die Möglichkeit, diese zu melden. Darüber hinaus ist es wichtig, eine Präsenz zu schaffen, die Gegenstimmen sichtbar macht und Rassismus ächtet. So haben beispielsweise als Reaktion auf die Seite der „Bürgerinitiative Marzahn-Hellersdorf“ Flüchtlingsunterstützer_innen die Seite „Hellersdorf hilft“ ins Leben gerufen.

Weitere Informationen gibt es in der Publikation
„Die Brandstifter – Rechte Hetze gegen Flüchtlinge“

Schluss mit der rassistischen Asylpolitik! Refugees welcome!

Egal ob organisierte Nazis oder Vorurteile, die sich hartnäckig bei vielen „normalen“ Menschen halten: Jeglichen menschenverachtenden Einstellungen gehört der Kampf angesagt! Dabei kann jede_r im eigenen Umfeld anfangen und Aussagen nach dem Motto „Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber…“ entkräften. Denn einer genaueren Überprüfung hält keine der pauschalen Aussagen stand. Beispielsweise liegt auf der Hand, dass „Ausländer“ uns nicht „auf der Tasche liegen“ und uns „unsere“ Arbeitsplätze „wegnehmen“ können – abgesehen davon, dass ein Großteil der von Vorurteilen Betroffenen selbst Steuern zahlt, oder aber auf Grund von rassistischen Gesetzen gar nicht erst arbeiten darf. Ebenso einfach sind auch viele weitere Parolen zu entkräften, wie zum Beispiel die angeblich höhere Kriminalität von „Ausländern“, die durch Wissenschaft und Kriminalitätsstatistiken widerlegt ist.


Bild: Demonstrant während der Proteste gegen einen NPD-Aufmarsch in Berlin am Brandenburger Tor im Winter 2012 (Foto eingebunden über asylstrikeberlin.wordpress.com).

„Besorgte Nachbar_innen“ und „Bürger_innen“initiativen

Rassistische Gewalt ist eine traurige Konstante auch in der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik. Rassistische Gewalttaten gibt es immer wieder an verschiedenen Orten in Deutschland – sie richten sich nicht nur gegen Flüchtlinge, sondern auch gegen vermeintliche „Ausländer“, Obdachlose, Sinti und Roma, Jüd_innen oder andere Menschen, die von den Auswirkungen rassistische Ideologie betroffen sind. Das Ausmaß und die Intensität, mit der Asylsuchende zur Zielscheibe von Rassismus werden, nehmen derzeit jedoch sprunghaft zu.

Der Rassismus, der bei den aktuellen Protesten gegen Flüchtlingsunterkünfte sichtbar wird, ist nicht neu geboren, sondern speist sich auch aus einer langen Kette vorheriger rassistischer Erfahrungen und Bilder, die zusammengesetzt eine feindliche Haltung gegenüber Flüchtlingen bilden. Dort, wo die rassistischen Proteste aufkommen, gab es auch schon zuvor menschenverachtende Stimmen und Vorurteile, die nicht nur in der extremen Rechten, sondern auch mitten in der Gesellschaft verankert sind.

Wo heute neue Flüchtlingswohnheime entstehen, geraten Asylsuchende nicht zuletzt auch ins Visier der geistigen Brandstifter: In vielen Orten der Republik versuchen Neonazis, rechtspopulistische Parteien oder von Hass getriebene Einzelpersonen das Klima aufzuheizen und Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen – sei es nun in Güstrow, Wolgast oder in anderen Orten, an denen Flüchtlingsunterkünfte existieren.

Die „Bürger_inneninitiativen“, die gegen Flüchtlingsheime agieren, distanzieren sich formal von der NPD, um Offenheit für interessierte Anwohner_innen zu demonstrieren – obwohl sie organisatorisch und personell eng verbandelt mit organisierten Rechtextremen sind. Daneben hetzen auch die rechtspopulistische Pro-Bewegung, ebenso wie die Neonazi-Partei „Die Rechte“, gegen Geflüchtete und deren Unterbringung, auch wenn diese Gruppierungen in Mecklenburg-Vorpommern praktisch keine Rolle spielen.

Nicht zuschauen, sondern handeln!

Wir brauchen eine Welt, in der alle Grenzen offen sind, in der alle Menschen – egal aus welchen Gründen und woher – sich dort niederlassen dürfen, wo sie möchten. Alle Abschiebegefängnisse gehören umgehend geschlossen, genauso wie andere Einschränkungen Asylsuchender, wie etwa Verpflegungsgutscheine, abgeschafft gehören. Sie schränken Menschen in ihrer Privatsphäre und Freiheit ein und sind damit menschenunwürdig. Die von Grund auf rassistische Asylpolitik der Bundesrepublik und anderer europäischer Staaten muss ein Ende haben. Die Ungleichbehandlung zwischen Europäer_innen, die sich beinahe überall frei bewegen und niederlassen können, und allen anderen, deren Wanderung streng reguliert werden. Jegliche Kriminalisierung und Illegalisierung der betroffenen Menschen sowie Repression gegen sie ist grundsätzich abzulehnen.

Letztlich muss aber auch die Frage aufgeworfen werden, wieso diese Einstellungen und Vorurteile sich so hartnäckig halten. Kulturelle Erklärungsansätze für gesellschaftliche Missstände verstellen den Blick auf ihre vielfältigen sozialen und strukturellen Ursachen. Die Gründe für gesellschaftliche Probleme liegen nicht bei Minderheiten, auf die sie projeziert werden. Sie sind unter anderem im kapitalistischen Wirtschaftssystem begründet, welches mit dem Dogma der Profitmaximierung die Konkurrenz als einzige Form des Wirtschaftens hervorbringt und somit die Wurzel für prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Massenentlassungen – sprich: die gesamte Ellenbogengesellschaft – darstellt. So wird existenzielle Unsicherheit in der Bevölkerung gestiftet, welche schnell zum Nährboden für menschenfeindliche Ressentiments und Ideologien wird.

Die Lösung dafür kann nicht darin liegen, Vorurteile und Hass zu streuen und verschiedene gesellschaftliche Gruppen gegeneinander auszuspielen. Der Ausweg kann nur die gemeinsame und solidarische Überwindung dieses Systems sein!

Weitere Informationen gibt es in der Publikation
„Die Brandstifter – Rechte Hetze gegen Flüchtlinge“

Rassistische Hetze im Internet: Eine steigende Gefahr

In der Diskussion um neue Flüchtlingsheime bilden sich besorgniserregende Allianzen, die fast schon einem Muster zu folgen scheinen: Pläne für eine neue Einrichtung werden bekannt, eine vermeintliche Bürgerinitiative gründet sich und hetzt gegen die Heime, in denen verfolgte, oft traumatisierte Menschen einen Platz bekommen sollen. Besonders die sozialen Netzwerke sind dabei zum Ort rassistischer Stimmungsmache geworden.

Der Opferfonds CURA zählt 19 Flüchtlinge unter den Todesopfern rechter und rassistischer Gewalt seit 1990. Die rassistisch motivierte Gewalt gegen Flüchtlinge weist eine Kontinuität in Deutschland auf. Besonders das Jahr 2013 zeigt die Brisanz der Hetze gegen Menschen, die hierzulande Schutz vor Krieg und Diskriminierung suchen: Die Amadeu Antonio Stiftung zählte hundert Demonstrationen und Kundgebungen gegen geplante Unterkünfte, ein Großteil davon wurden von der NPD oder Aktivist_innen der Freien Kameradschaften organisiert.


(Mindmap eingebunden über no-nazi.net)

Rechte Hetze im Internet verstärkt sich

Die Gewalt und Gefahr zeigt sich nicht nur auf der Straße und in Zahlen, sondern ist auch im Internet zu beobachten: Die Präsenz der Proteste in den sozialen Netzwerken dient der Mobilisierung und Verbreitung. Egal ob in der Facebook-Gruppe „Schneeberg wehrt sich“, bei der „Bürgerinitiative Marzahn-Hellersdorf“ oder bei der „Greizer Bürgerinitiative gegen ein Asylheim ‚am Zaschberg“: Bürger_innen, die gegen geplante Flüchtlingsunterkünfte sind, finden im Internet einen Ort, um rassistische Vorurteile zu artikulieren.

Facebook wird zu einem Kern der Organisationsstruktur, wenn es um Hetze gegen Flüchtlinge geht. Hier finden sich Seiten mit unverhohlener Hetze gegen Geflüchtete, aber auch Seiten, die versuchen, ein bürgerliches Image zu verbreiten.

Die verwendeten Methoden der Verantwortlichen erinnerten an die Artikel und Texte auf den einschlägigen Seiten bekannter Neonazi-Gruppen. Flüchtlinge der Unterkunft in Marzahn-Hellersdorf wurden in den eigenen vier Wänden fotografiert und danach im Internet bloßgestellt und somit jegliche Privatsphäre der Bewohner_innen zerstört. Sehr selektive Zeitungsartikel von „kriminellen Ausländern“ sollten bestehende Vorurteile festigen. Die Verwendung einer antiziganistischen NS-Karikatur sowie eine Bildmontage der Unterkunft in Hellersdorf, die an die Ku-Klux-Klan-Bewegung erinnert, trugen Anfang Dezember 2013 zu der Löschung der Seite bei.

Das Asylthema ist vor allem für die NPD ein Glücksfall. Gerade in den letzten Jahren fehlten ihr die mobilisierenden Themen. Im Hinblick auf die kommenden Wahlen ist davon auszugehen, dass auch in Zukunft die NPD das Thema Asyl verstärkt für ihre Zwecke zur rassistischen Mobilisierung nutzen wird. Und die Chancen stehen nicht ganz schlecht, dass sie damit erfolgreich sein könnte. Im unmittelbar angrenzenden Wahllokal an die Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Hellersdorf hat die NPD bei den letzten Bundestagswahlen beispielsweise mehr als zehn Prozent der Stimmen erreichen können.


(Mindmap eingebunden über no-nazi.net)

Internet ermöglicht leichte und damit massenhafte Kontaktaufnahme

Neonazis nutzen soziale Netzwerke als Propagandamedium. Das Internet nimmt für viele Menschen eine immer wichtigere Rolle ein. Vor allem Jugendliche verbringen einen Großteil ihrer Online-Zeit in den sozialen Netzwerken. Die Zeit im Internet gehört zum festen Bestandteil des Alltags von Jugendlichen in Deutschland. Auch Neonazis wissen um die Bedeutung des Internets für die Verbreitung ihrer Ideologie und nutzen die sozialen Netzwerke als Propagandamedium. Mit eigenen Strategien versuchen Neofaschist_innen, im Internet unterschwellig ihre Weltanschauung an die User_innen zu bringen. Mit Kampagnen, die auf breite gesellschaftliche Resonanz stoßen, wollen Neonazis mit möglichst vielen Menschen in Kontakt treten.

Natürlich spiegeln die Inhalte in sozialen Netzwerken nur Vorurteile und Einstellungen wieder, die auch in der Offline-Welt existieren. Trotzdem können Facebook und Co. zur Aktivierung von rassistischen Bürger_innenprotesten beitragen. Durch Gruppen, Seiten oder Veranstaltungen können in kürzester Zeit und ohne viel Aufwand eine hohe Zahl an Menschen zu Protestaktionen angeregt werden. Die Kontaktaufnahme zu organisierten Neonazis auf Seiten wie „Schneeberg wehrt sich“ gestaltet sich niedrigschwelliger als ein Besuch beim wöchentlichen NPD-Stammtisch. Durch die bewusst bürgerliche Inszenierung von privaten Neonazi-Profilen kann eventuell bestehendes Misstrauen gegenüber Ideologie und Person abgebaut werden.

Auch im Internet: Keinen Fußbreit den Faschist_innen!

Wie in der „Offline-Welt“ ist es auch im Internet und in den sozialen Netzwerken enorm wichtig, Stellung gegen Neonazis und ihre rassistische Mobilmachung zu beziehen. Wer sich auf den entsprechenden Seiten der sozialen Netzwerke in die Diskussion begeben möchte, um Flüchtlinge auf diese Art und Weise zu unterstützen, sollte vor allem ruhig und sachlich bleiben. Es hilft nichts, auf die strategischen Eskalierungsversuche der Rechtsextremen einzugehen. Denn genau das ist das Ziel der Initiatoren. Besser ist es, die Diskussion auf eine neutrale Ebene zu bringen – oder zumindest auf ein Niveau, das ohne Hass auskommt. Wenn auch das nicht hilft, sollte man allerdings auch den Mut haben, Diskussionen abzubrechen – wenn möglich mit erklärenden Worten. Auch wenn es auf Dauer anstrengend sein mag, immer wieder die gleichen Diskussionen zu führen – tun Sie es. Denn Nicht-Handeln bestärkt die Aggressoren und verunsichert andere Nutzerinnen und Nutzer. Außerdem demonstrieren Sie so Solidarität mit den Betroffenen. Auf persönliche Beleidigungen oder Drohungen, Volksverhetzung oder offenen Rassismus müssen Sie darüber hinaus als Administrator eines Forums, einer Gruppe oder Seite (und das ist im engeren Sinne sogar ihre Profilseite in sozialen Netzwerken) ganz klar mit dem „Löschen“- oder „Melden“-Button reagieren.

Vorsicht ist allerdings bei Stigmatisierungen geboten: Nicht sofort „Nazi“ schreien. Nicht jede_r, der sich auf den Seiten der Bürgerinitiativen oder anderen entsprechenden Seiten rassistisch äußert, ist gleich rechts. Jemanden in der Öffentlichkeit zum „Nazi“ zu machen, kann leicht zu Solidarisierungseffekten führen. Versuchen Sie es zunächst lieber diplomatisch: „Diese Aussage/Argumentation wird auch gerne von Rechtsextremisten benutzt. Pass auf, dass du da nicht falsch zugeordnet wirst.“

Weitere Informationen gibt es in den Publikationen
„Refugees welcome – Gemeinsam Willkommenskultur gestalten“,
„Die Brandstifter – Rechte Hetze gegen Flüchtlinge“,
Dossier „Rassismus“ und
Dossier „Rassistische Hetze gegen Flüchtlinge“

„Deutschland ist Weltmeister!“ – Na und?

Die deutsche Nationalmannschaft hat zum insgesamt vierten Mal die Weltmeisterschaft im „Männerfußball“ gewonnen. Na und?

Von Franziska Wilke und Christoph Lütge

Als „Schlacht“ bezeichnete Die BILD das 1:0 Ergebnis. Wie ein epochales Ereignis der Historie wird in allen Medien, egal ob Funk, Fernsehen oder Zeitungen, der Sieg der deutschen Fußballmannschaft gefeiert. Und natürlich hat dieses Team in ihrer Sportart ein paar Eintragungen gemacht, aber historisch ist etwas anderes. Historisch wäre es, den weltweiten Hunger beendet oder zumindest eingedämmt zu haben. Historisch wäre dauerhafter Frieden. Der Weltmeistertitel im Fußball der „Männer“ ist es nicht.


Bild: Schlagzeile der BILD am Tag der dem WM-Finale 2014.

„Wir“ sind Fußballweltmeister?
Wer ist eigentlich dieses wir? Bist du das? Bist du Deutschland? Bist du unterbezahlt und überlastet? Bist du arbeitslos und deprimiert? Bist du depolitisiert und willst das letzte Bisschen was dir geblieben ist, nicht auch noch hergeben? Dann bist du Deutschland. Glückwunsch.
Aus diesem nationalen Ereignis wird sich nichts positives für die Menschen entwickeln. Der entstehende Nationalismus wird und hat sich in Fremdenhass und letztendlich in Gewalt niederschlagen. Von diesem „Sieg“ wird niemand profitieren. Aber die Geflüchteten und Migrant_innen hier werden sich auf schwere Zeiten einstellen müssen.

Alles wieder auf Anfang.
Letztlich wirst du morgen wieder aufstehen. Du wirst in deinen unterbezahlten Job zurückkehren, in eine unterfinanzierte Bildungseinrichtung oder beim Arbeitsamt vor der Tür stehen. Die Fahnen werden noch einige Zeit wehen. Für dich aber wird sich nichts verändert haben. Wenn du etwas verändern willst, dann musst du es schon selbst tun. Wenn dich Ungerechtigkeiten ankotzen, dann musst du sie schon selbst beseitigen. Verbinde dich mit anderen Menschen, die so denken wie du. Finde heraus warum Sachen ungerecht sind. Geh an die Wurzel und reiß sie mit anderen zusammen raus. Du wirst überrascht sein, das viele Menschen genauso denken wie du. Zusammen könnt ihr dann vieles verbessern. Zusammen könnt ihr zu richtigen Helden werden.

Wir haben eine Welt zugewinnen!
Wenn sich die Bundesregierung für Frieden statt für Krieg einsetzt, wenn keine Rüstungsgüter aus Deutschland exportiert werden, wenn Menschen hier nicht mehr diskriminiert werden, wenn die sozialen Klassen aufgelöst sind, wenn die Befriedigung deiner Bedürfnisse nicht mehr vom Einkommen abhängt, dann können wir sagen: WIR HABEN GEWONNEN!

Exkurs: Kaum beachtet – Queere Geflüchtete

Geflüchtete finden in öffentlichen Debatten selten Erwähnung bei Themen wie Sexualität und Geschlecht. In Deutschland existiert bereits seit 1988 juristisch die Möglichkeit, bei Verfolgung aufgrund sexueller Orientierung, Asyl zu erhalten. Diese Rechte wurden nicht zuletzt durch den Europäischen Gerichtshof im November 2013 gestärkt, nachdem deutsche Gerichte entsprechende Anträge regelmäßig abwiesen.

De facto entstehen allerdings in der Praxis vielfältige Hürden. Da Homosexualität bereits in vielen Herkunftsländern tabuisiert wird, ein Outing lebensgefährlich ist und nicht selten mit Haft-, Folter- und Todesstrafen geahndet wird, stellt auch ein Outing vor Fremden und Behörden-Mitarbeiter_innen eine starke Barriere dar. Um Asyl beantragen zu können, bedarf es jedoch eines offenen Umgangs mit der Thematik. Bei einer Anhörung werden zudem meist männliche Dolmetscher hinzugezogen, die aus entsprechenden Herkunftsländern stammen. Diese Situation hemmt viele Geflüchtete daran, über ihre sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentitäten zu sprechen. Hindernisse entstehen jedoch auch auf der Seite der Aufnahmebehörden. Die Angestellten folgen dem Auftrag, die Asylgründe möglichst genau zu prüfen: Wenn diese Kultur des Verdachts mit homophoben Einstellungen einhergeht, kommt es nicht selten zur Beugung des Rechts. In der deutschen Aufnahmekultur werden LGBTI*-Personen schlicht nicht beachtet und damit unsichtbar gemacht. Diese Leerstelle versuchen einige Organisationen zu füllen. Les Migras (http://lesmigras.de/) in Berlin sowie der Migrationsrat Berlin/Brandenburg (http://www.mrbb.de/) sind beispielsweise Ansprechstellen, die sowohl ein breites Beratungsangebot haben als auch informierende und empowernde Veranstaltungen anbieten wie etwa den Workshop „Asyl und Comingout“. Dabei geht es neben aufenthaltsrechtlichen Fragen immer auch um die Bewältigung des alltäglichen Lebens als Mehrfachdiskriminierte_r. Weiterhin besteht hier jedoch ein großer Sensibilisierungsbedarf in der Wahrnehmung komplexer Lebensrealitäten geflüchteter Menschen.

* Das Kürzel stammt aus dem Englischen und lautet „Lesbian, Gay, Bisexual and Trans“, das heißt „Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans (für Transgender und Transsexualität)“

Weitere Informationen gibt es in den Publikationen
„Refugees welcome – Gemeinsam Willkommenskultur gestalten“ und
„Verbindungen sprechen. Empowerment in Bezug auf Rassismus und Transphobie in LSBTI-Kontexten“,

Greifswald: Demo zur Erhaltung studentischer Kultur diesen Sonnabend

Freie und geschützte Räume, die der Lust auf Ausprobieren und Spaß eine Spielwiese bieten, sind in Greifswald rar gesät. Ein trauriger Zustand für eine Stadt, die sich mit ihrer vergleichsweise jungen Bevölkerung rühmt und gern als „Leuchtturm“ der Region betitelt. Immer wieder müssen sich junge und alternative Vorstellungen von Kunst, Kultur und Beisammensein rechtfertigen. Ob C9, StraZe, Klex, IKuWo – um jeden Freiraum muss gekämpft und gestritten werden. Symptomatisch steht dies für einen gesellschaftlichen Missstand, in dem nahezu alles, was nicht auf direktem Wege zu Wertschöpfung und Wachstum beträgt, umfassend legitimiert werden muss. Das kotzt uns an!

Die Greifswalder Sektion der Hedonistischen Internationale unterstützt den Aufruf für die Demo zur Erhaltung studentischer Kultur am kommenden Samstag (12. Juli). Die Initiative zur Demonstration geht von der ROSA-WG aus, die kurz vor der Zwangsschließung steht – doch es betrifft uns alle. Lasst uns gemeinsam klarstellen, dass junge Menschen in Greifswald ein Recht auf Teilhabe und Mitgestaltung haben.

Lasst uns gemeinsam zeigen, wie wichtig Freiräume sind und dass auch Clubkultur dazu beträgt, unsere Stadt lebenswert zu machen. Lasst uns gemeinsam darauf aufmerksam machen, dass Freiheit und Vielfalt nicht nur blumige Worthülsen, sondern reale Bedürfnisse sind. Los geht’s am Samstag um 16 Uhr am Karl-Marx-Platz, Greifswald. Die Abschlusskundgebung wird am Hafen stattfinden.

Flüchtlingsdebatte in Deutschland: Fakten gegen Vorurteile

In die deutsche Asyldebatte mischen sich oft Vorurteile statt Fakten. Subtile Gefühlslagen überlagern rationale Tatsachen. Diese Gemengelage machen sich Neonazis zunutze, die mit ihrer rassistischen Hetze bestehende Ängste von Anwohner_innen aufgreifen und für ihre Zwecke instrumentalisieren. Das zeigt sich nicht zuletzt am Beispiel der selbst ernannten „Bürger_inneninitiativen“, die sich schnell zusammenfinden, wenn es um die Einrichtung neuer Flüchtlingsunterkünfte geht.


Bild: Demonstrant während der Proteste gegen einen NPD-Aufmarsch in Berlin am Brandenburger Tor im Winter 2012 (Foto eingebunden über asylstrikeberlin.wordpress.com).

Doch längst nicht jede_r dieser „besorgten Bürger_innen“, wie es rechte Initiativen gerne heißen, ist rechtsextrem. Durch die offene Propaganda politisch klar einzuordnender Diskutierender verschärft sich jedoch schnell das Diskussionsklima – Solidarisierungseffekte treten ein. So lassen sich auch nicht-rechte Menschen leicht mit in den Strudel aus Aggression, Vorurteilen und Hass hineinziehen.

Die Zahl von Straftaten mit einer Asylunterkunft als Tatort oder Angriffsziel stieg von 24 im Jahr 2012 auf 43 bis Ende November 2013. Damit hat sich die Zahl rechtsextremer Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte 2013 gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt.

Für Neonazis geht es bei der offenen Hetze gegen Flüchtlinge um den Aufbau und das Aufrechterhalten typischer Feindbild-Strukturen. Verallgemeinerung und Vereinfachung komplexer sozialer Gefüge erzeugt ein künstliches „Gruppen-Wir“. Doch wo es ein „Wir“ gibt, gibt es auch immer ein „die Anderen“. Die eigene Überhöhung und Abgrenzung gegenüber Mitmenschen wird durch die ständige Wiederholung radikaler Stereotype und fanatischer Zukunftsvisionen verfestigt. Es geht den Rechtsextremen darüber hinaus darum, Ängste in der nicht-rechten Bevölkerung zu schüren.

Mit dieser relativ leicht zu durchschauenden Strategie der Eskalierung versuchen Neonazis, Diskussionen zu verschärfen und zu radikalisieren. Ziel dieser Strategie ist, rationale Argumentationsgrundlagen zu entkräften, um Unruhen sowie Aggressionen zu entfesseln. Anwohner_innen sollen „endlich handeln“, so oder so ähnlich lautet zumindest die oft verwendete Forderung rechter Propagandist_innen.


Bild: Alltagsrassismus ist in Deutschland keine Seltenheit, Protest und Widerstand gegen solche Ressentiments und Vorurteile jedoch auch nicht.

Wie rechter Hetze entgegentreten?

Den leider nicht nur sprachlichen Eskalierungsversuchen durch Rechtsextreme begegnet man am besten mit Versachlichung: Viele der vermeintlichen Argumente, die von Neonazis gegen Asylsuchenden gerne angebracht werden, lassen sich leicht entkräften – drei Beispiele:

„Deutschland wird überrannt“ – Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung stellte fest, dass viele Deutsche große Angst vor einer vermeintlichen „Überfremdung“ haben. Grundlage dafür ist das Gefühl, Deutschland nehme viel mehr Flüchtlinge als andere Länder auf. Tatsächlich werden in Deutschland mehr Anträge auf Asyl als in anderen europäischen Ländern gestellt. Dabei gilt es allerdings zu beachten, dass Deutschland auch eines der größten und bevölkerungsreichsten Länder Deutschlands ist.
Dieses Bild dreht sich, setzt man die Zahl der Anträge ins Verhältnis zur Bevölkerungszahl. Im Verhältnis fällt Deutschland im Jahr 2011 auf Platz sieben der Aufnahmeländer. In Dänemark, der Schweiz und Belgien werden demzufolge deutlich mehr Asylanträge pro Kopf gestellt.

„Es werden immer mehr“ – Tatsächlich ist die Zahl der Asylsuchenden von 65.000 im Jahr 2012 auf knapp 110.000 im Jahr 2013 gestiegen. Das hört sich im ersten Moment nach viel an. Vergleicht man die Zahlen allerdings mit den Zahlen vergangener Jahre relativiert sich der Eindruck: Ab Anfang der 1990 Jahre ist die Zahl der Asylanträge viele Jahre lang stetig gesunken. So gab es im Jahr 2007 einen Tiefstwert von knapp über 19.000 Asylanträgen. Wird diese Zahl als Vergleichswert herangezogen, wirken prozentuale Steigerungen natürlich verhältnismäßig hoch.

„Die Asylsuchenden nehmen uns die Arbeitsplätze weg“ – In den ersten neun Monaten nach ihrer Ankunft dürfen Asylsuchende überhaupt nicht arbeiten. Auch nach Ablauf dieser Frist prüfen die zuständigen Arbeitsämter zunächst, ob sie eine freie Stelle nicht mit Deutschen, EU-Bürger_innen oder Migrant_innen mit einer Aufenthaltserlaubnis besetzen können. Konkret bedeutet dies, dass Flüchtlinge nur „nachrangig“ berücksichtigt werden. In Bundesländern mit einer hohen Arbeitslosenquote heißt das, dass Geflüchtete kaum eine Chance auf einen Arbeitsplatz haben.

Zerstört Zuwanderung die „deutsche Kultur“?

Auf den ersten Blick scheint verwunderlich, dass Menschen gerade in solchen Gegenden mehr Angst vor einer vermeintlichen „Überfremdung“ haben, wo statistisch gesehen die wenigsten „Ausländer“ leben. Auf den zweiten Blick ist dies jedoch plausibel: Wo Alteingesessene meist unter ihresgleichen bleiben, fallen Menschen anderer Herkunft auf – egal wie unauffällig sie sich benehmen. Wo Menschen nicht mit Migrant_innen in Kontakt kommen, halten sich auch rassistische Vorurteile am längsten. An Orten dagegen, in denen schon lange viele Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenleben, stellt sich schneller Gelassenheit und Normalität ein.

Denn ob in der Großstadt oder auf dem flachen Land: Migrant_innen waren schon immer da. Das „reine deutsche Volk“ oder die „deutsche Kultur“ ist schon immer eine Erfindung gewesen. Beginnend mit der Menschheitsgeschichte müsste man sagen: eigentlich sind wir alle Afrikaner_innen, denn menschliche Knochenfunde aus Äthiopien und Kenia weisen darauf hin, dass die Menschen einst von dort ausgehend die anderen Erdteile besiedelten. Seither ist alle Geschichte immer auch eine Geschichte der Migration, besonders in Europa: Die so genannte „Völkerwanderung“ hunderttausender Menschen in der Spätantike war tatsächlich ein gigantischer Prozess der Vermischung von Menschen unterschiedlicher Herkunft, und das ist in der Geschichte der Normalfall.

Im 18. und 19. Jahrhundert flohen auch Millionen Deutsche vor religiöser Repression und bitterer Armut nach Russland und vor allem nach Amerika. Die daraus resultierende „Leutenot“ machte Deutschland von hunderttausenden polnischen Wanderarbeitern abhängig. Mit den „Gastarbeiter_innen“ des 20. Jahrhunderts wurde Deutschland wieder zum Einwanderungsland. Politiker_innen, Schauspieler_innen oder Nachrichtensprecher_innen mit familiärem „Migrationshintergrund“ gehören inzwischen zur Normalität, Döner und Pizza sind schon lange Bestandteile der deutschen Kultur. Auch wenn rechte Populisten und gewaltbereite Gruppen versuchen, gegen die Einwanderungsgesellschaft Stimmung zu machen: Die deutsche Bevölkerung war immer schon eine ungeplante Mischung. Irgendwann werden aus zugewanderten Einheimische. Wenn die ehemals „Fremden“ eine Weile da sind, sind sie nicht mehr fremd – nur fällt das dann niemandem mehr auf.

Migration ist ein Prozess, der die Gesellschaft seit Jahrtausenden nicht nur dauernd verändert, sondern „uns“ auch zu dem gemacht hat, was „wir“ heute sind. Richtig ist also, dass Zuwanderung nicht zur Zerstörung einer „abendländischen Kultur“ beiträgt, sondern ein Teil dieser ist.

Weitere Informationen gibt es in den Publikationen
„pro menschenrechte. contra vorurteile. Fakten und Argumente zur Debatte über Flüchtlinge in Deutschland und Europa.“ und
„Die Brandstifter – Rechte Hetze gegen Flüchtlinge“



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