Stralsund: Filmvorführung „Welcome – Filmdrama über die ‚Irreguläre Migration‘ in Europa“ am 04.09.14 in der Kulturkirche St. Jakobi

Bilal, ein 17-jähriger Kurde aus dem Irak, ist seit Monaten auf der Flucht. Er folgt seiner großen Liebe Mina, die mit ihrer Familie nach London emigriert ist. Doch an der Nordküste Frankreichs wird der Junge an Bord eines Flüchtlingsschleppers erwischt. Mit unzähligen Leidensgenossen sitzt er in der französischen Hafenstadt Calais fest. 34 Kilometer liegen zwischen ihm und England.

Doch Bilal gibt nicht auf und entwickelt einen wagemutigen Plan: Er will den Ärmelkanal durchschwimmen. In einem örtlichen Hallenbad beginnt er dafür zu trainieren und lernt dort den Schwimmlehrer Simon kennen. Zunächst nur widerstrebend und um seiner Ex-Frau zu imponieren, unterrichtet Simon den jungen Migranten. Nach und nach aber freundet er sich mit Bilal an und gerät dabei selbst in Schwierigkeiten mit dem Gesetz.

Der Film wird in französischer Originalsprache mit deutschen Untertiteln gezeigt. Das anschließende Filmgespräch moderiert Dr. Sabine Koppe (Leiterin der Volkshochschulen des Landkreises Vorpommern-Rügen) in Vertretung für Kati Bischoff (Beauftragte für Prävention und Migration im Landkreis Vorpommern-Rügen).

Los geht’s am 04. September um 18 Uhr in der Kulturkirche St. Jakobi (Jacobiturmstraße 28, Stralsund). Der Eintritt ist frei! Um Spenden wird herzlich gebeten. Bei Fragen zur Barrierefreiheit wenden Sie sich bitte vorab an das Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung unter www.feb-mv.de.

Eine Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Kooperation mit Rock gegen Rechts Stralsund e.V. und Filmclub Blendwerk e.V..

Waren: Neonazi-Kundgebung floppt

Aufgeschreckt durch eine Demonstration am vergangenen Samstag, bei der 90 Teilnehmer_innen des Alternatives Jugendcamps (AJUCA) in der Müritz-Stadt gegen rechte Strukturen und für linke Freiräume auf die Straße gegangen sind, sahen sich Neonazis offenbar dazu gezwungen, ihre „Hood“ gegen linke Einflüsse zu verteidigen. Ihre heutige Kundgebung „Keine linken Dinger in unserer Stadt“ hätte unspektakulärer aber kaum sein können: Gerade einmal acht Neonazis, zwei Fahnen und ein Transpi fanden den Weg zum Kundgebungsort am Warener Hafen, wo sie von 100 Gegendemonstrant_innen bereits lautstark erwartet wurden.


Bild: Keine „linken Dinger“ in Waren? Peinliche ND-Kundgebung ohne Zuspruch.

Hintergrund: Antifa-Demo und Naziaktivitäten

Am vergangenen Samstag demonstrierten 90 Teilnehmer_innen des in Lärz stattfindenden AJUCAs in Waren gegen Naziaktivitäten und für linke Freiräume, verteilten Flyer und gedachten der Opfer des Nationalsozialismus. Hintergrund war eine Neonaziaktion wenige Tage zuvor, bei der im Rahmen des Todestages Rudolf Hess‘ nicht nur Kreuze aufgestellt wurden, die an den Hitler-Stellvertreter erinnern sollten, sondern auch ein Denkmal für die Opfer des Faschismus geschändet wurde.

Immer wieder fallen die Warener Neonazis durch ihren positiven Bezug zum Nationalsozialismus auf – erst im April zelebrierten sie beispielsweise den Geburtstag Adolf Hitlers – und auch generell sind Neonazis momentan an kaum einem anderen Ort Mecklenburg-Vorpommerns so aktiv wie in der Stadt an der Müritz. Während es im restlichen Bundesland gegenwärtig außergewöhnlich ruhig ist – vermutlich auch, weil lokale Kader Strukturen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg bei den Vorbereitungen zu deren Landtagswahlen unterstützen –, sind in Waren kontinuierlich kleinere und größere Neonaziaktivitäten zu beobachten: Demonstrationen, rechte Graffiti, Einschüchterungsversuche. Wie sich heute allerdings wieder zeigte, steht dieser hohen Aktionsdichte allerdings ein vergleichsweise kleiner Kreis an Aktiven gegenüber.


Bild: Doris Zutt während ihrer Rede.


Bild: Chris Knaak (Mikro) sucht noch eine Begabung, reden ist es nicht.

8 Neonazis, 2 Fahnen, 1 Transpi – und eine altersschwache Musikbox…

Bereits zwei Tage nach der Antifa-Demo am vergangenen Wochenende kündigte der Warener Neonazi Chris Henry Knaak, neben der NPD-Stadtvertreterin Doris Zutt Schlüsselfigur der lokalen Szene, eine Kundgebung unter dem Motto „Keine linken Dinger in unserer Stadt“ an. Ganz puristisch ging es ausnahmsweise nicht etwa um „linke Gewalt“, „Chaoten“ oder sonstige rechte Phantastereien, sondern ganz einfach um den Umstand, dass es – aus Sicht der Neonazis – überhaupt linke Menschen wagen, in Waren Position gegen rechts zu beziehen. So schrieb Knaak am 25. August auf einem seiner unzähligen Facebook-Profile: „Liebe Bürger der Stadt Waren, Unterstützer und Freunde, am letzten Sonnabend demonstrierten Linksextreme in Waren. Das wollen wir nicht einfach hinnehmen. […] Zeigt Flagge gegen, linke in unserer Stadt.“

Der Aufforderung, zahlreich zu erscheinen, um „ein Zeichen gegen links“ zu setzen, folgten dann heute jedoch nur 8 Aktivist_innen; einige wenige weitere Unterstützer_innen begrüßten die Neonazis zwar im Vorbeigehen per Handschlag, dem Trauerspiel beizuwohnen, dazu fehlte ihnen aber offenbar die Lust. So kam es dann, dass lediglich die etwa 100 Gegendemonstrant*innen und weitere Tourist_innen, die sich dem linken Protest anschlossen, die Reden der Neonazis hörten – sofern diese nicht ohnehin durch Sprechgesänge, Musikbeschallung und Pfeifkonzerte übertönt wurden.

Nicht gerade durch Eloquenz bestechend, forderte Chris Henry Knaak Stadt und Behörden auf, Doris Zutt als NPD-Stadtvertreterin zukünftig im Vorfeld über jede geplante und bekannte linke Aktivität zu unterrichten und linke Ordnungswidrigkeiten (Aufkleber) hart zu ahnden, während selbige kurz darauf über die altersschwache Musikbox, die kaum größer und lauter war als jedes handelsübliche Kofferradio, die übliche Leier anstimmte und etwas von „Systempresse“ schwadronierte.

Unterstützt wurden die beiden dabei unter anderem vom NPD-Kandidaten für Teterow (Landkreis Rostock) Adrian Wasner und Christoph Thews, der ebenso wie am vergangenen Wochenende vor „Zutt’s Patriotentreff“ auch heute wieder trotz sommerlicher Temperaturen und strahlenden Sonnenscheins mit Handschuhen unterwegs war.

So richtig wussten die Neonazis dann auch nichts mit der Situation anzufangen. Nach einigen weiteren Liedern, noch mehr Gähnen und endlosem Rumstehen packten sie bereits zwei Stunden vor dem offiziellen Ende wieder zusammen und traten den Rückzug an. Ganz vorbei war der Tag damit jedoch noch nicht.


Bild: Warener Volkssturm: Christoph Thews (Kantholz), Thomas Hanisch (Handtelefon) kommen aus dem ehemaligen „Patriotentreff“.

Das Nachspiel: Von „Mahnwachen“, Kanthölzern und eingeredeten Erfolgen

Vielleicht, um den eigenen Misserfolg doch noch ein wenig aufpolieren zu können, entschieden sich die Neonazis im Nachgang für eine weitere Aktion: Sie nennen es Mahnwache, andere würden dazu „2 Nazis – 1 Transpi – Kein Publikum“ an der Schnellstraße vor „Zutt’s Patriotentreff“ sagen. Allein waren die beiden indessen nicht – und wofür sich Warener Neonazikader, im Gegensatz zu einer Kundgebung am Hafen, wirklich begeistern lassen, wurde wenig später deutlich: Mit Kanthölzern bewaffnet, postierten sich mehr als die 8 zuvor an der Kundgebung teilnehmenden Neonazis versteckt rund um den „Patriotentreff“ und zeigten vorbeikommenden Antifaschist_innen den Hitlergruß.

Erwartungsgemäß versuchen die Neonazis im Nachgang trotzdem, den Tag als Erfolg für sich zu verkaufen, und liefern die treffendste Einschätzung dabei selbst; so schreibt Knaak „Wir sehen die Kundgebung als Erfolg viele Urlauber sind stehen geblieben und haben uns zugehört.“ – abgesehen davon, dass stehengebliebene Tourist_innen sich dem linken Protest angeschlossen haben, haben die Neonazis heute keine Menschen aus Waren erreicht.

Leicht überarbeiteter Text und Bilder übernommen von Indymedia linksunten nach CC2.0-Lizenz.

Stralsund: Ausstellungseröffnung „Deine Anne – Ein Mädchen schreibt Geschichte“ am 02.09.14 im Hansa-Gymnasium

Das Tagebuch des jüdischen Mädchens Anne Frank (1929-1945) ist Symbol für den Völkermord an den Juden durch die National-sozialisten und intimes Dokument der Lebens- und Gedankenwelt einer jungen Schriftstellerin. In der Ausstellung erzählen große Bildwände von ihrem Leben und ihrer Zeit: von den ersten Jahren in Frankfurt am Main und der Flucht vor den Nationalsozialisten, über die Zeit in Amsterdam – glückliche Kindheit und schwere Zeit im Versteck – bis zu den letzten schrecklichen sieben Monaten in den Lagern Westerbork, Auschwitz und Bergen-Belsen. Viele private Fotos erlauben einen ganz intimen Einblick in das Leben der Familie Frank und ihrer Freunde.

Die Ausstellung bietet Jugendlichen ein Forum, sich mit Fragen auseinander zu setzen, die sie an ihr eigenes Leben stellen. Es sind Fragen des Erwachsenwerdens, auf die schon Anne Frank Antworten suchte, nach dem eigenen Ort im sozialen und politischen Leben. Wer bin ich? Wer sind wir? Wen schließen wir aus? Kurze Filme mit Jugendlichen von heute regen zur Diskussion zu diesen Themen an. Ausgehend von der Frage „Was kann ich bewirken?“ ermutigt die Ausstellung zum Einsatz für eine menschliche Gesellschaft heute.

Die Eröffnungsveranstaltung am 2. September beginnt um 18 Uhr. Begrüßungsreden werden unter anderem gehalten von:
• Direktor des Hansa-Gymnasiums Hansestadt Stralsund
• Kerstin Kassner, MdB
• Sonja Steffen, MdB

Vom 2. bis 15. September sind Schulklassen und andere Gruppen herzlich willkommen, die Ausstellung zu besichtigen. Es wird um Voranmeldung beim Hansa-Gymnasium gebeten unter der Telefonnummer 03831 – 2 89 60.

Die Ausstellung kann auch ohne Voranmeldung besucht werden. Hier die Termine:
• 02. September: 15 bis 20 Uhr
• 04. September, 15 bis 18 Uhr
• 09. September, 15 bis 18 Uhr
• 11. September, 15 bis 18 Uhr

An den vier Besichtigungstagen für die Öffentlichkeit zeigt das Hansa-Gymnasium in der Zeit von 16 bis 18 Uhr den Film “Das Leben ist schön” (Italien, 1997, Regie: Roberto Benigni).

Eine Veranstaltung des in Kooperation mit der Hansa-Gymnasiums Hansestadt Stralsund, linksjugend [’solid] Mecklenburg-Vorpommern und Rock gegen Rechts Stralsund e.V..

Holt euch die neuen Sticker „Der Spasz ist vorbei“!

In jeder größeren Stadt MV’s gibt es organisierte Nazigruppen, auch und besonders in den ländlichen Regionen etablieren sich immer stärkere rechte Strukturen. Egal ob es „Kinderfeste“, Kundgebungen, Aufmärsche, „Sommersonnenwenden“ oder andere neofaschistische Veranstaltungen sind: die braunen Untriebe werden durch ein engmaschiges Netz bestehend aus NPD und Kameradschaften organisiert. Oft agieren diese Grüppchen in der vermeintlichen Anonymität. Die Offenlegung rechter Strukturen muss demnach ein Schwerpunkt antifaschistischer Arbeit sein.

Bestellt euch unsere neuen Sticker „Der Spasz ist vorbei! – Nazistrukturen aufdecken und zerschlagen!“. Meldet euch via Mail oder sprecht uns direkt an.


Bild: Lang erwartet und endlich da – unsere neuen Sticker.

Kurzmeldung: NPD-Kundgebung diesen Sonnabend in Waren & NPD-Kinderfest in Ferdinandshof

++ NPD-Aktivitäten diesen Sonnabend in MV+++ Nazi-Kundgebung unter dem Motto „Keine Linken in unserer Stadt“ in Wismar +++ NPD-Kinderfest in Ferdinandshof +

Von Marko Neumann

Nazi-Kundgebung in Waren
Nachdem am vergangenen Sonnabend ca. 100 AJUCA* Teilnehmende in Waren (Müritz) demonstrierten, wollen die Nazis nun am kommenden Sonnabend, 30.08. eine Kundgebung am Hafen unter dem Motto „Keine Linken in unserer Stadt“ machen. Angekündigte Redner_innen sind lokale Nazigrößen wie Doris Zutt und Chris-Henry Knaak.
Gegenproteste werden bereits organisiert. Kommt nach Waren und beteiligt euch an den Protesten!
Wann und wo? Sonnabend, der 30. August am Stadthafen Waren, von 11 bis 14 Uhr.

NPD-Kinderfest in Ferdinandshof
Die Kundgebung in Wismar ist nicht die einzige Nazi-Aktivität an diesem Wochenende in MV. In Ferdinandshof veranstaltet die NPD eines ihrer berüchtigten „Kinderfeste“. Das braune Treiben soll von 14 bis 18 Uhr vor dem Berandstall stattfinden.
Auch hier sollte die menschenverachende Propaganda nicht unwidersprochen bleiben.

* Am 23.08.2014 fand in Waren an der Müritz eine antifaschistische Demonstration mit 100 Teilnehmenden statt. Hintergrund war eine Aktion von Nazis, die nur vier Tage zuvor das hiesige Denkmal für die Opfer des Faschismus beschmiert hatten. Die Demonstrationsteilnehmenden kamen vom Alternativen Jugendcamp (AJUCA) in Lärz und verteilten hunderte Flyer an Bewohner_innen und Besucher_innen der Stadt.

Stralsund: Abschlusskonzert der „Rock gegen Rechts“ Aktionstage am 27. September

++ Rock gegen Rechts Aktionstage 2014 am 27. September in Stralsund +++ buntes Musikprogramm unter anderem mit Egotronic und Kobito +++ Kartenvorverkauf ab 30. August +

Von Franziska Wilke

Auch in diesem Jahr wird es ein kräftiges Abschlusskonzert der Rock gegen Rechts Aktionstage in Stralsund geben. In diesem Jahr wird es ab dem 30.08. einen Vorverkauf geben. Sichert euch ein Ticket in dem ihr online per e-mail an info[ätt]rockgegenrechts.com bestellt (6,00 Euro zzgl. Versand) oder besucht einer unserer Veranstaltungen und kauft vor Ort eure Tickets. Auf der Bühne sind für euch in diesem Jahr:

Flemming and the Gang – eine Band der rauen Küstenluft. Über ihren Musikstil sagt die Band selbst: „In die Segel bläst ordentlich Stoner, Doom und ganz viel heavy Rock, ohne Eingängigkeit vermissen zu lassen.“ Eine regionale Band, mit Erfahrung und viel Freude an ihrer Musik.
Lashdown – eine Combo aus Berlin, die für eine ordentliche Packung progressiven Hardcore und hochgradig energische Live Shows stehen. Hardcore ist für sie „more than music“, weshalb ihre Auftritte geprägt von klaren Statements und einer antifaschistischen Grundhaltung sind.

The Detectors – Streetpunk der feinsten Art und Weise. Mit eingängigen Texten und Melodien überzeugen The Detectors nicht nur auf CD, sondern auch Live. „Wütend und trotzdem voller Hoffnung“ setzen sie sich in ihren Texten mit Alltagsproblemen, Missständen, Tierrechten und mit menschenverachtenden Ideologien auseinander. Musikalisch auf sehr hohem Niveau, werden sie auch beim Rock gegen Rechts Abschlusskonzert begeistern.

Kobito – politischer Rap, der unter die Haut geht. Kobito ist nicht nur auf der Bühne mit Herz und mit Verstand bei der Sache. „Die Erfahrungen aus den letzten Jahren sind in sein aktuelles Album mit eingeflossen, die Musik ist noch emotionaler, gleichzeitig noch politischer, noch durchdachter geworden.“

Egotronic – „Raus aus dem Electro-Dancefloor-Strudel wollen auch Egotronic, die schon zuvor auf dem 10-Jahre Jubiläumsalbum beherzt die Gitarren schreddeln ließen. „Mehr Punkrock wagen” ist kein verzweifelter Fluchtplan, sondern einfache Rückbesinnung auf die eigenen subkulturellen Wurzeln.“ […] „der Ruf ist so ruiniert und hervorragend wie nie zuvor, der Vereinnahmungskonflikt zwischen autonomem AZ-Publikum und feierwütigen Hipstern nach wie vor erfreulich ungeklärt“. Electro auf eine vollkommen neue Art wird hier den Gästen geboten. „Beat für die Beine und ne Message für den Verstand“ trifft hier vollkommen zu.

Das Konzert findet in der Alten Eisengießerei in Stralsund statt. Ab 18 Uhr ist Einlass, das Konzert beginnt 20 Uhr. Wir sehen uns in Stralsund!

Rostock: „Sommerfest vs. Isolation“ in Flüchtlingsunterkunft am 28.08.2014

Erstmals seit Jahren steigen die Zahlen asylsuchender Geflüchteter in der Bundesrepublik und auch Mecklenburg-Vorpommern nimmt verstärkt vor Hunger, Krieg und/oder politischer oder religiöser Verfolgung Geflohene auf.

Diese Freitag, den 28. August, findet in der Flüchtlingsunterkunft in der Satower Straße 129 in Rostock das diesjährige Sommerfest statt. 15 Uhr beginnt das bunte Programm aus Musik, Workshops, Sport und einigen anderen Highlights. Die Antifa Rostock schreibt dazu:

„Eine gute Gelegenheit die Refugees kennen zu lernen, Kontakte zu knüpfen und zumindest temporär die Isolation, der die Flüchtlinge ausgesetzt sind, zu durchbrechen. […] Bis 22 Uhr kann gekickt, getanzt, gegessen und gequatscht werden.“

Rostock: QueerPolDo „Noize, booze and revolution: Geschlechterverhältnisse in der DIY-Punkszene am 28.08.14 im Peter-Weiss-Haus

Die Do-It-Yourself-Punkszene ist eine radikale zeitgenössische Synthese von Metal, Punk und Hardcore, die sich fernab ökonomischer Verwertung und massentauglicher Ästhetik versteht und untrennbar mit der linken Szene in Deutschland verbunden ist. Paradox anmutend fallen emanzipatorischer Impetus, der auch feministische Positionen beinhaltet, und eine von weißen Männlichkeiten dominierte Struktur zusammen. Auf Grundlage einer ethnografischen Feldforschung und sozialwissenschaftlicher Beiträge wird beleuchtet, wie Geschlecht performativ hergestellt und männliche Dominanz in einer Egalität und Freiräume behauptenden Szene stabilisiert wird. Dabei finden historische und strukturell geschlechtsspezifische Zusammenhänge Beachtung. Die musikalischen Kämpfe sind, wie viele Kämpfe der linken Szene, in erster Linie von Männern und Männlichkeit dominierter Aktivismus, dessen Forderungen eher symbolische als reale Wirkung besitzen: gesamtgesellschaftliche Ungleichheiten werden fortschreitend reproduziert, die Benachteiligung von Frauen und die Verdrängung von Weiblichkeit an die Peripherien scheinen der Szene eingeschrieben.

Wann und wo? Der Politische Donnerstag beginnt am 28. August wie immer 20 Uhr im Peter-Weiss-Haus in Rostock. Die VoKü fällt sommerpausenbedingt aus.

Dokumentation „Der Banker – Master Of The Universe“

Durch seine Hände gingen Millarden. Er selbst gerät ins Staunen, wenn er laut über staatliche Rettungsaktionen von Banken nachdenkt. Die Finanzwelt ist zwar eine gläserne Welt und dennoch kaum zu durchschauen. Wer kennt sich schon aus in Finanztheorien? Reichtum, Macht und Herrschaftswissen schließen den Großteil der Bevölkerung aus. Das Jonglieren von unermesslichen Geldbeträgen bleibt einer kleinen Minderheit vorbehalten. Marc Bauder beschäftigt sich in seinen Filmen immer wieder mit der Welt des Geldes.

Bauder studierte Wirtschaftswissenschaften, bevor er begann, Filme über die Banken zu drehen. Er stellt die richtigen Fragen, gibt sich nicht mit den erstbesten Antworten zufrieden. Sein Film ermöglicht glasklare Einsichten ins Finanzwesen. Der Erkenntnisgewinn ist hoch, obwohl die Fakten alle bekannt sind.

Rainer Voss berichtet von seinem eigenen Aufstieg in den 1980er Jahren, zeitgleich mit den Banken. Der ehemalige Investmentbanker weiß, wie es sich anfühlt, „Master Of The Universe“ zu sein, sehr viel Geld zu verschieben und daran selbst viel zu verdienen. Er kennt das geschlossene System von innen, war lange Zeit ein Teil davon. Finanzkrisen häufen sich in immer kürzeren Abständen. Eine Lösung erwartet Voss nicht aus der Branche. „Master Of The Universe“ kann keine endgültigen Antworten geben. Dafür gelingt ein Einblick, den man bisher nur selten bekam. Keine böse Abrechnung, sondern eine spannende Entmystifizierung der Finanzwelt.

Die Dokumentation „Master Of The Universe“ bietet einén Einblick, den man bisher nur selten bekam.

Rostock: Politischer Donnerstag „Ukraine – Russland – Krim“ am 21.08.14 im Peter-Weiss-Haus

Die künftige Bedeutung der jüngsten Ereignisse in und um die Ukraine ist im Augenblick schwer einzuschätzen. Sie stellen in jedem Fall eine drastische Veränderung der „hergebrachten Ordnung“ dar, wie sie nach dem Ende des Sowjetunion entstanden war. So weit wie es zum Zeitpunkt der Veranstaltung möglich ist, wird ein kleines Resümee des nun eintretenden dynamischen Wandels zu ziehen sein.

Der Einführungsvortrag des Referenten stellt sich aber zunächst Fragen nach den spezifischen Besonderheiten der Entwicklung in der Ukraine und in der Krim, berücksichtigt aber auch die Voraussetzungen und Hintergründen des politischen Handelns der Russischen Föderation. Unter anderem werden Ideologien, Mythen und mediale Projektionen veranschaulicht und kontextualisiert und die Entwicklung des politischen Systems in der postsowjetischen Ukraine gestreift.

Nach der Einführung können die aufgeworfenen Fragen zur Diskussion gestellt. Der Referent Boris Krumnow aus Leipzig ist politischer Bildner, Religions- und Osteuropawissenschaftler und stellvertretender Vorsitzender der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen. Er gehört dem Osteuropanetzwerk AGRU an.

Wann und wo? Los geht’s am 21. August ab 20 Uhr im Peter-Weiss-Haus in Rostock.

Demmin: „Traditionslinien“ 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkrieges

In diesem Jahr jährt sich zum hundertsten Mal der Beginn des Ersten Weltkrieges, der oftmals als die historische “Urkatastrophe” bezeichnet wird. Die Auswirkungen des Krieges waren tatsächlich katastrophal in seinen Ausmaßen und traumatisch für viele Generationen. Millionen von meist jungen Menschen wurden in einen vermeidbaren Krieg geschickt. Der Erste Weltkrieg markiert einen Einschnitt in die Geschichte unserer Zivilisation, ohne ihn sind der Zweite Weltkrieg und der Nationalsozialismus nicht zu erklären.


Bild: Das Ausrücken der Demminer Ulanen in den ersten Weltkrieg. (Foto eingebunden über Demmin nazifrei)

Wie brutal die Kriegsführung schon vor dem ersten Weltkrieg im Deutschen Kaiserreich war, der noch zusätzlich ein Rassewahn innewohnte, zeigte die Niederschlagung des Aufstands der Herero und Nama „Hottentotten“) in Deutsch-Südwest-Afrika (heute Namibia) von 1904 bis 1908. Der Kampf der deutschen Kolonialherren war gnadenlos und wurde zum ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts.
Die Kriegführung Trothas zielte auf die vollständige Vernichtung der Herero ab („Ich glaube, dass die Nation als solche vernichtet werden muß“ und wurde darin vom Chef des Generalstabs Alfred Graf von Schlieffen („Der entbrannte Rassenkampf ist nur durch die Vernichtung einer Partei abzuschließen.“) und Kaiser Wilhelm II. unterstützt. Im Anschluss an die Kampfhandlungen wurden die Herero und Nama in Konzentrationslagern interniert, in denen annähernd jeder zweite Insasse starb. Vom um 1904 auf rund 80.000 bis 100.000 Personen geschätzten Hererovolk lebten 1911 nur noch 15.130 Personen. Die Bundesregierung hält unverändert daran fest, dass es sich ihrer Ansicht nach nicht um einen Völkermord gehandelt habe. Dass die Bundeswehr mit die­ser Ver­gan­gen­heit nie kom­plett ge­bro­chen hat, belegt beispielsweise die Panzergrenadier-Kaserne in Lüneburg, die ab 1958 Schlieffen-Kaserne hieß und bis heute so genannt wird.

Aus Demmin waren in Deutsch-Südwest-Afrika ab 1904 dabei: 78 Ulanen und 3 Unteroffiziere, ab 1905 der Offizier Ernst von Maltzan, Freiherr von Wartenberg und Pentzlin. Alle hatten sich freiwillig gemeldet. Drei dieser Ulanen starben im Kampf, fünf an Krankheiten, vor allem Typhus.
Andere Wege schlug ein wenig später beispielsweise Ernst Barlach ein.


Bild: Holzschnitzfigur Ernst Bachlachs. (Foto eingebunden über Demmin nazifrei)

Ernst Bar­lach ver­än­der­te sich, vor allem durch seine di­rek­ten Er­fah­run­gen im ers­ten Welt­krieg, vom Kriegs­be­für­wor­ter zum Kri­ti­ker von Ge­walt und Kriegs­geg­ner. In der Nazi-Zeit galt seine Kunst als entartet.

Text übernommen mit freundlicher Genehmigung von Demmin nazifrei.

Schwerin: Birthday Special Party „11 Jahre Underground Basement“ am 16.08.14 im Komplex

Wir haben den Sommer 2014, als sich die beiden Brüder Ralf und Dirk als UN_NODE dazu entschlossen ihren Sound aus dem ländlichen Studio hinaus in die weite Welt zu tragen. Nach etlichen Auftritten in Clubs wie der Berghain Kantine, dem Prince Charles oder diversen Ostdeutschen Open Air Festivals war dies nur die logische Konsequenz. Ihr ganz spezieller Sound, obgleich analoge Töne oder gesampelte Alltagsgeräusche bilden ein stets mit viel Liebe zum Detail kreiertes Klangbild. Geprägt von den beeindruckenden Kraftwerk Klängen arbeiten die beiden überwiegend mit analogen Geräten und fügen die handgemachten Samples in einen unverwechselbaren Kontext zusammen, für die schon einige Labels starkes Interesse bekundet haben. Zuerst kommt aber ihr Release „Paul und Paula“ in die Plattenläden.
Ihr Debüt ist ein melancholischer Tech-House Mix mit einer Attitude von Ricardo Villalobos zwischen den Zeilen. Die Scheibe wird definitiv auf einigen Sommer Festivals zu begeistern wissen. Besonders auf der Bühne spürt man die volle Hingabe und Leidenschaft der verträumten Nordlichter. Detail-verliebt, kreativ und stets bestens gelaunt, präsentieren sie ihre ganz eigene Interpretation von elektronischer Tanzmusik und bringen damit selbst den letzten Eckensteher zum steppen.

Line up:
UN_NODE – LIVE
Alex Schenk – LIVE
Long T. UB
Josh

Wann und wo? 16. August 2014 im Komplex Schwerin ab 22 Uhr
Wie viel?: 5€

ATTENTION, BHиMAHиE, ATENCIÓN, UWAGA, ACHTUNG, UPPMÄRKSAMHET…

!!! KEINE NAZIS – KEINE ATZEN !!!

Eintritt ab 16 Jahren und nur mit Personalausweis/ Pasz bis 0.00 Uhr, danach ab 18 Jahren oder in aufsichtsberechtigter Begleitung! Gäste die zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr alt sind und ohne aufsichtsberechtigter Begleitung rein möchten, benötigen für diese Veranstaltung den sogenannten Muttizettel. Der Einlasz ist bis zum 18. Lebensjahr nur mit VOLLSTÄNDIG ausgefülltem Zettel möglich. AUSNAHMEN, AUSREDEN, ETC. GIBT ES NICHT!

Den Muttizettel gibt’s HIER.

Bützow: Naziaufmarsch gegen „Asylmissbrauch“ morgen stoppen!

Hetze gegen Geflüchtete ist eines der zentralen Themen der neofaschistischen Szene. Hier können die Nazis nicht selten an bereits in der bevölkerung bestehende Ressentiments anknüpfen und ihren Einfluss in der „Mitte der Gesellschaft“ weiter ausdehnen.

Morgen wollen rund 150 Nazis unter dem Motto „Asylmißbrauch – Nicht mit uns! – Bützow wehrt sich“ durch die Kleinstadt marschieren. Hintergrund sind 55 syrische Flüchtlinge, die in der Ortschaft untergebracht werden sollen. Zwar wird ein offizielles Hervortreten der NPD als stärkste neonazistische Organisation in MV bislang vermieden, ein Mitwirken – dürfte dennoch mehr als wahrscheinlich sein.

Wo wollen die Nazis marschieren?
Die Nazis treffen sich um 10 Uhr30 auf dem Schlossparkplatz in Bützow und marschieren dann über die Landesstraße 11 in Richtung Karl-Marx-Straße, dann geht es in Richtung Rosengarten (wieder über die L 11) weiter. Anschließend soll der Aufmarsch über Forsthof, Leninring, Leninplatz, Rühner Landweg und Gartenstraße verlaufen. Abschließend soll es über das Rathaus wieder zum Schlossparkplatz gehen.
Insgesamt sind drei Kundgebungen der Nazis vorgesehen: am NEC-​Park­platz (Karl-​Marx­str), am Le­nin­platz (nahe Rüh­ner Land­weg) und am Rat­haus.

Eine ausführlichen Bericht über den geplanten Aufmarsch gibt es bei Endstation Rechts.

Das Bündnis „Eine Blume für Bützow“ plant Gegenproteste. Infostände sind bislang an folgenden Punkten geplant: Am Rüh­ner Land­weg, in der Karl-​Marx Stra­ße, beim Forst­hof und am Schloss­park­platz (in direkter Nähe zu den Flücht­lings­woh­nun­gen). Evtl. gibt es einen weiteren Stand am Rathaus.

Zentraler Anlaufpunkt für die Proteste ist zunächst der Schlossplatz ab 9 Uhr. Checkt regelmäßig die üblichen Informationskanäle und bleibt informiert!

Folgend dokumentieren wir den Bützower Aufruf gegen den Naziaufmarsch:

Büt­zow zeigt sich: Keine To­le­ranz für In­to­le­ranz!

Für mor­gen, den 19. Juli, rufen Ras­sis­t_in­nen und Neo­na­zis im Deck­man­tel einer ver­meint­li­chen „Bür­ger­initia­ti­ve“ unter dem Motto „Asyl­miss­brauch nicht mit uns! Būtzow wehrt sich“ ab 10.​30 Uhr zu einer De­mons­tra­ti­on durch Büt­zow auf. Sie wol­len damit ihr men­schen­ver­ach­ten­des Welt­bild durch Büt­zows Stra­ßen tra­gen und ge­zielt di­rekt an den Woh­nun­gen der kürz­lich an­ge­kom­me­nen Flücht­lin­ge ent­lang het­zen.

Das Büt­zo­wer Bünd­nis für eine of­fe­ne Ge­sell­schaft will das nicht un­gestõrt zu­las­sen und ruft dazu auf, gegen den Auf­marsch der Nazis und Ras­sis­tIn­nen kre­ak­tiv, laut und bunt zu pro­tes­tie­ren!

Als so­ge­nann­te „Bür­ger­initia­ti­ve gegen Asy­lan­ten­woh­nun­gen in Büt­zow“ het­zen die Or­ga­ni­sa­to­ren der De­mons­tra­ti­on auf Face­book seit Wo­chen und Mo­na­ten gegen die Un­ter­brin­gung von Flücht­lin­gen in Büt­zow. In den Kom­men­ta­ren fal­len neben per­ma­nen­ten ras­sis­ti­schen Kom­men­ta­ren bis hin zu Ge­walt­auf­for­de­run­gen, nicht sel­ten Auf­ru­fe für ein „zwei­tes Lich­ten­ha­gen“.

Wir wol­len die­sen Auf­marsch nicht un­ge­stört durch Büt­zow zie­hen las­sen! Wir wol­len laut, bunt und krea­tiv un­se­ren Pro­test gegen ihre men­schen­ver­ach­ten­de Ein­stel­lun­gen ent­ge­gen brin­gen. Meh­re­re Info­stän­de sind in der di­rek­ten Nähe der De­mo­rou­te ge­plant. Die an­woh­nen­den Flücht­lin­ge wer­den von uns nicht al­lei­ne ge­las­sen. Wir so­li­da­ri­sie­ren uns mit ihnen und rufen alle dazu auf, dies mit uns zu tun!

Das Büt­zo­wer Bünd­nis für eine of­fe­ne Ge­sell­schaft und To­le­ranz setzt sich ein für eine viel­fäl­ti­ge, so­li­da­ri­sche und of­fe­ne Ge­sell­schaft, in der Ras­sis­mus und Neo­na­zis­mus kei­nen Platz haben!

Das Bünd­nis, dass sich aus allen nam­haf­ten Ver­ei­nen der Stadt, vie­len Un­ter­neh­men, Kir­chen, der Stadt­ver­wal­tung, den Stadt­par­la­ments­frak­tio­nen und vie­len Bür­ge­rin­nen und Bür­ger zu­sam­men­setzt, hat be­reits in der Ver­gan­gen­heit ein po­si­ti­ves Zei­chen ge­setzt und sich zur ge­mein­sa­men ge­sell­schaft­li­chen Ver­ant­wor­tung, hil­fe­su­chen­den Men­schen Zu­flucht zu ge­wäh­ren, be­kannt.

Für ein Leben in Frei­heit und Si­cher­heit für alle Men­schen!

Grenzenlose Solidarität: Was tun gegen rassistische Hetze?

Was tun, wenn sich Protest gegen eine Flüchtlingsunterkunft im eigenen Stadtteil regt? Wenn sich Bürger_inneninitiativen gründen, die Vorurteile und Scheinargumente in die öffentliche Debatte um eine Flüchtlingsunterkunft tragen? Was tun, wenn Neonazis ihre rassistische Propaganda konkret gegen Flüchtlinge lenken? Folgend bekommt ihr einige Handlungstipps für den Umgang mit Hetze gegen Geflüchtete.


Bild: „Grenzenlose Solidarität“ – über 6.000 Menschen nahmen 20 Jahre nach den Pogromen an einer Demonstration in Rostock in Erinnerung an die rassistischen Pogrome in Lichtenhagen teil.

Gemeinsam, nicht alleine, handeln!
Eine Zusammenarbeit verschiedener Initiativen, Parteien, Kultureinrichtungen, Vereinen und anderen zivilgesellschaftlichen Gruppen erleichtert in jedem Fall die Durchführungen von Aktionen und ermöglicht, dass Antirassismus flächendeckend verankert werden kann. Gemeinsame Kampagnen, Feste, Presseerklärungen usw. können eine Einheit schaffen, die sich klar gegen Rassismus positioniert. Darüber hinaus ist die Vernetzung mit bereits bestehenden Flüchtlingsräten und antirassistischen Initiativen empfehlenswert.

„Wissen ist Macht“: aufklären und informieren
Viele Vorurteile bauen auf Unwissen oder Fehlinformationen auf. Daher ist es wichtig, sich selbst zu informieren und andere über die Situation von Geflüchteten, über Strategien der Neofaschist_innen und rassistische Wirkungsweisen aufzuklären. Damit bestehende Unsicherheiten und Unwissen nicht durch Nazis beantwortet werden können, muss Rassismus auf anderen Ebenen thematisiert und abgebaut werden.

Baut Kontakt zu Geflüchteten auf
Der einfachste Weg, gegen die Ausgrenzung von Flüchtlingen aktiv zu werden und Flüchtlinge effektiv zu unterstützen, ist, in direkten Kontakt zu treten. Ein freundlicher Besuch in der Unterkunft schafft die Gelegenheit, sich kennenzulernen und die Bedürfnisse der Bewohner_innen zu erfahren.

Die Situation der Geflüchteten ist entscheidend
Auch wenn es wichtig ist, auf rassistische Stimmen und Proteste zu reagieren, sollte man nicht bei den „Sorgen und Ängsten“ der Bürger_innen hängen bleiben, sondern den Blick auf die Geflüchteten selbst lenken. Eine genaue Betrachtung der Situation von Flüchtlingen kann schon helfen, vorherige Vorurteile zu widerlegen.

Rassistische und neofaschistische Strategien erkennen
Nazis knüpfen an aktuelle, gesellschaftlich relevante Themen an, um rassistische, oder demokratiefeindliche Botschaften zu setzen. Durch genaues Hinschauen können solche Muster jedoch schon frühzeitig erkannt werden. Es lohnt ein Blick dahingehend, was im Vordergrund der Kampagne steht: Geht es um die Situation der davon Betroffenen – oder um den eigenen „Heimatbezug“ und vorgefertigte, populistisch aufgeladene Meinungen?

Nazis und andere Rassist_innen ausschließen
Überzeugte Neonazis haben ein geschlossenes ideologisches Weltbild, dem nicht einfach mit sachlichen Argumenten entgegengetreten werden kann. Zudem zeichnet sich die Strategie von Nazis nicht dadurch aus, mit Diskussionen ihre Meinung voran zu bringen, sondern durch Wortergreifungsstrategien und propagandistische Meinungsmache ihre rassistischen Ansichten zu verbreiten. Deshalb ist es wichtig, eindeutig nazistische und andere rassistische Akteur_innen von vorneherein auszuschließen und sich nicht auf eine Debatte mit Neonazis einzulassen.

Handlungsmöglichkeiten im World Wide Web

Gründet sich bei Facebook oder anderen sozialen Netzwerken eine Seite oder Gruppe mit rassistischen Inhalten, so gibt es immer die Möglichkeit, diese zu melden. Darüber hinaus ist es wichtig, eine Präsenz zu schaffen, die Gegenstimmen sichtbar macht und Rassismus ächtet. So haben beispielsweise als Reaktion auf die Seite der „Bürgerinitiative Marzahn-Hellersdorf“ Flüchtlingsunterstützer_innen die Seite „Hellersdorf hilft“ ins Leben gerufen.

Weitere Informationen gibt es in der Publikation
„Die Brandstifter – Rechte Hetze gegen Flüchtlinge“

Schluss mit der rassistischen Asylpolitik! Refugees welcome!

Egal ob organisierte Nazis oder Vorurteile, die sich hartnäckig bei vielen „normalen“ Menschen halten: Jeglichen menschenverachtenden Einstellungen gehört der Kampf angesagt! Dabei kann jede_r im eigenen Umfeld anfangen und Aussagen nach dem Motto „Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber…“ entkräften. Denn einer genaueren Überprüfung hält keine der pauschalen Aussagen stand. Beispielsweise liegt auf der Hand, dass „Ausländer“ uns nicht „auf der Tasche liegen“ und uns „unsere“ Arbeitsplätze „wegnehmen“ können – abgesehen davon, dass ein Großteil der von Vorurteilen Betroffenen selbst Steuern zahlt, oder aber auf Grund von rassistischen Gesetzen gar nicht erst arbeiten darf. Ebenso einfach sind auch viele weitere Parolen zu entkräften, wie zum Beispiel die angeblich höhere Kriminalität von „Ausländern“, die durch Wissenschaft und Kriminalitätsstatistiken widerlegt ist.


Bild: Demonstrant während der Proteste gegen einen NPD-Aufmarsch in Berlin am Brandenburger Tor im Winter 2012 (Foto eingebunden über asylstrikeberlin.wordpress.com).

„Besorgte Nachbar_innen“ und „Bürger_innen“initiativen

Rassistische Gewalt ist eine traurige Konstante auch in der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik. Rassistische Gewalttaten gibt es immer wieder an verschiedenen Orten in Deutschland – sie richten sich nicht nur gegen Flüchtlinge, sondern auch gegen vermeintliche „Ausländer“, Obdachlose, Sinti und Roma, Jüd_innen oder andere Menschen, die von den Auswirkungen rassistische Ideologie betroffen sind. Das Ausmaß und die Intensität, mit der Asylsuchende zur Zielscheibe von Rassismus werden, nehmen derzeit jedoch sprunghaft zu.

Der Rassismus, der bei den aktuellen Protesten gegen Flüchtlingsunterkünfte sichtbar wird, ist nicht neu geboren, sondern speist sich auch aus einer langen Kette vorheriger rassistischer Erfahrungen und Bilder, die zusammengesetzt eine feindliche Haltung gegenüber Flüchtlingen bilden. Dort, wo die rassistischen Proteste aufkommen, gab es auch schon zuvor menschenverachtende Stimmen und Vorurteile, die nicht nur in der extremen Rechten, sondern auch mitten in der Gesellschaft verankert sind.

Wo heute neue Flüchtlingswohnheime entstehen, geraten Asylsuchende nicht zuletzt auch ins Visier der geistigen Brandstifter: In vielen Orten der Republik versuchen Neonazis, rechtspopulistische Parteien oder von Hass getriebene Einzelpersonen das Klima aufzuheizen und Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen – sei es nun in Güstrow, Wolgast oder in anderen Orten, an denen Flüchtlingsunterkünfte existieren.

Die „Bürger_inneninitiativen“, die gegen Flüchtlingsheime agieren, distanzieren sich formal von der NPD, um Offenheit für interessierte Anwohner_innen zu demonstrieren – obwohl sie organisatorisch und personell eng verbandelt mit organisierten Rechtextremen sind. Daneben hetzen auch die rechtspopulistische Pro-Bewegung, ebenso wie die Neonazi-Partei „Die Rechte“, gegen Geflüchtete und deren Unterbringung, auch wenn diese Gruppierungen in Mecklenburg-Vorpommern praktisch keine Rolle spielen.

Nicht zuschauen, sondern handeln!

Wir brauchen eine Welt, in der alle Grenzen offen sind, in der alle Menschen – egal aus welchen Gründen und woher – sich dort niederlassen dürfen, wo sie möchten. Alle Abschiebegefängnisse gehören umgehend geschlossen, genauso wie andere Einschränkungen Asylsuchender, wie etwa Verpflegungsgutscheine, abgeschafft gehören. Sie schränken Menschen in ihrer Privatsphäre und Freiheit ein und sind damit menschenunwürdig. Die von Grund auf rassistische Asylpolitik der Bundesrepublik und anderer europäischer Staaten muss ein Ende haben. Die Ungleichbehandlung zwischen Europäer_innen, die sich beinahe überall frei bewegen und niederlassen können, und allen anderen, deren Wanderung streng reguliert werden. Jegliche Kriminalisierung und Illegalisierung der betroffenen Menschen sowie Repression gegen sie ist grundsätzich abzulehnen.

Letztlich muss aber auch die Frage aufgeworfen werden, wieso diese Einstellungen und Vorurteile sich so hartnäckig halten. Kulturelle Erklärungsansätze für gesellschaftliche Missstände verstellen den Blick auf ihre vielfältigen sozialen und strukturellen Ursachen. Die Gründe für gesellschaftliche Probleme liegen nicht bei Minderheiten, auf die sie projeziert werden. Sie sind unter anderem im kapitalistischen Wirtschaftssystem begründet, welches mit dem Dogma der Profitmaximierung die Konkurrenz als einzige Form des Wirtschaftens hervorbringt und somit die Wurzel für prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Massenentlassungen – sprich: die gesamte Ellenbogengesellschaft – darstellt. So wird existenzielle Unsicherheit in der Bevölkerung gestiftet, welche schnell zum Nährboden für menschenfeindliche Ressentiments und Ideologien wird.

Die Lösung dafür kann nicht darin liegen, Vorurteile und Hass zu streuen und verschiedene gesellschaftliche Gruppen gegeneinander auszuspielen. Der Ausweg kann nur die gemeinsame und solidarische Überwindung dieses Systems sein!

Weitere Informationen gibt es in der Publikation
„Die Brandstifter – Rechte Hetze gegen Flüchtlinge“



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