Ein Zeichen gegen Rassismus und Nazi-Terror: Erstmaliges Gedenken für NSU-Opfer in Rostock-Toitenwinkel

Presemitteilung der Kampagne „Stop it! – Alle Lager schließen!“

Über 120 Antifaschist_innen, Bürger_innen und lokale Politiker_innen versammelten sich heute zur Gedenkkundgebung in Rostock-Toitenwinkel, um an Mehmet Turgut zu erinnern. Turgut wurde am Vormittag des 25.02.2004 im Imbiss seines Freundes von Nazis des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) durch drei Kopfschüsse ermordet.
Den Imbiss gibt es mittlerweile nicht mehr. Der ehemalige Tatort zeichnet sich heute durch unzählige Aufkleber mit neonazistischem Hintergrund und Schmierereien an Wänden, Laternen und Werbetafeln aus. In den letzten Tagen hinterließen Nazis offensichtlich zur Provokation der Kundgebung auf der Straße des Tatorts unübersehbar bewusste Verhöhnungen der NSU-Opfer.

In den Redebeiträgen der Antifa, von Barbara Borchardt (Die Linke) und Imam-Jonas Dögüs (Migrantenrat Rostock) wurde der Mord Turguts in den bundesweiten Kontext gesetzt, aber auch regionale Bezüge hergestellt. Mehmet Turgut ist einer der zehn Ermordeten, die der neonazistischen Terrorzelle zum Opfer fielen. Dieser Hintergrund kam jedoch erst Ende 2011 an die Öffentlichkeit. Jahrelang wurde seitens der Polizei von einem Mord mit mafiösem Beweggrund ausgegangen. Die naheliegendste Motivation der Morde – Rassismus – wurde nicht weiter in Betracht gezogen. Presse, PolitikerInnen und selbst die örtliche antifaschistische Szene versäumten, die Richtung der polizeilichen Ermittlungen in Rostock und anderen Städten kritisch zu hinterfragen. In den Redebeiträgen wurde dabei auf den stillschweigenden rassistischen Konsens der Gesellschaft hingewiesen, der letztlich zu dieser unhinterfragten rassistischen Deutung der NSU-Morde führte. Barbara Borchardt machte deutlich, dass die deutsche Asylpolitik und Integrationsdebatten a la´ Sarrazin gesellschaftlich vorhandene rassistische Einstellungen befördern. Zudem sprach sich Frau Borchardt für einen fest installierten Gedenkstein aus.
Borchardt wie Dögüs forderten, den Namen der Straße (Neu-Dierkower Weg), in der die Tat verübt wurde, nach Mehmet Turgut zu benennen, um angemessen an den rassistischen Mord zu erinnern. Dies biete auch die Chance, das Bewusstsein für die Gefahren, die tagtäglich von neonazistischem Gedankengut ausgehen, nachhaltig in der Gesellschaft zu schärfen.
Während einer Schweigeminute, die durch einen Trompeter begleitet wurde, konnten Teilnehmende der Kundgebung Blumen und Kerzen an eine symbolische Gedenkplatte niederlegen.

Auch im letzten Redebeitrag wurde kritisch auf die Reflexion des Mordes innerhalb der Antifa-Szene hingewiesen und die Frage nach Opfern zweiter Klasse aufgeworfen. Die Hinterbliebenen der NSU-Opfer standen viel zu oft alleine mit ihrer Trauer, Not und Angst da.
Anschließend wurde mehr Solidarität mit Betroffenen rechter Gewalt über den jeweiligen gesellschaftlichen und rechtlichen Status und die verschiedenen Privilegien hinaus gefordert.
Wie wichtig ein Gedenken an Opfer rechter Gewalt und die Auseinandersetzung mit den Täter_innen und ihrer menschenverachtenden Ideologie ist, wird nicht zu Letzt dadurch deutlich, dass örtliche Neonazis nicht davor zurückschreckten, die heutige Gedenkkundgebung zu stören.
Weitaus weniger Präsenz zeigten Vertreter_innen der Stadt. Kim Ayalan kritisierte, dass sich nur die Integrationsbeauftrage Stephanie Nelles auf den Weg nach Toitenwinkel machte. Eine Auseinandersetzung mit dem jahrelang nicht als rassistisch eingestuften Mord und die Forderung, weitere Hintergründe der NSU-Taten in MV zu klären, wäre schließlich auch seitens der Hansestadt dringend zu wünschen, so die Pressesprecherin weiter.

Mehr Infos gibt´s unter stopitkampagne.blogsport.de


1 Antwort auf „Ein Zeichen gegen Rassismus und Nazi-Terror: Erstmaliges Gedenken für NSU-Opfer in Rostock-Toitenwinkel“


  1. 1 Administrator_In 26. Februar 2012 um 0:38 Uhr

    Einen lesenswerten Beitrag sowie Bilder von einigen Neofaschist_Innen findet ihr auf KomFort unter:

    http://kombinat-fortschritt.com/2012/02/25/bericht-von-der-gedenkkundgebung-in-rostock-toitenwinkel/

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