Zur Biographie Ilja Ehrenburgs

In Rostock steht die bundesweit einzige Ilja-Ehrenburg-Straße. Doch seit Kurzem schreien Neonazis und der Rostocker Oberbürgermeister Roland Methling gleichermaßen wieder nach einer Umbenennung der nach einem sowjetischen Kriegsberichterstatter benannten Straße. Doch wer war Ilja Ehrenburg wirklich? Wir geben euch einen kurzen Einblick über das Leben und Werk Ilja Ehrenburgs.

Ilja Ehrenburg wurde am 7. Januar 1891 als Sohn eines jüdischen Ingenieurs in Kiew geboren. 1895 zog seine Familie nach Moskau. Während der russischen Revolution von 1905 begann Ehrenburgs politisches Engagement. Nur wenige Jahre später wurde er von der zaristischen Geheimpolizei „Ochrana“ verhaftet und immigrierte 1908 nach Paris, noch bevor er seine Schulausbildung abschließen konnte. Er beendete diese Zeit seines Lebens nicht.
In seiner Exilzeit begann Ehrenburg Gedichte zu schreiben und brachte bereits 1910 sein erstes Gedichtband heraus. 1909 lernte er die Medizinstudentin Jekaterina Schmidt kennen. Die beiden lebten in Paris zusammen und bekamen im März 1911 eine Tochter, Ehrenburgs einziges Kind, Irina. Bereits 1913 trennte sich das Paar wieder und Irina blieb bei Jekatarina.
Während des Ersten Weltkrieges meldete sich Ehrenburg freiwillig in Frankreich, wurde aber wegen seiner russischen Herkunft als untauglich eingestuft. 1915 begann er als Kriegskorrespondent zu arbeiten und berichtete unter anderem aus dem umkämpften Verdun. Seine Berichte erlangten schnell Berühmtheit, nicht zuletzt weil er über die Unmenschlichkeit dieses bis dahin größten Krieges der Menschheitsgeschichte berichtete.
Während der Februarrevolution kehrte Ilja Ehrenburg, wie viele Exilrussen, nach Russland zurück und berichtete unablässig in Zeitungen und Flugschriften über die verzwickte Situation in Russland. Besonders die anhaltende Gewalt während des Bürgerkrieges schockierte ihn. Die Zeit des „Kriegs-Kommunismus“ erlebte Ehrenburg in großer Armut. Die nächsten Jahre zog Ehrenburg in verschiedenen europäischen Städten.
Der aufsteigende Nationalsozialismus in Deutschland besorgte Ehrenburg zutiefst und er begann mehr und mehr für seine sowjetische Heimat Partei zu ergreifen. Kritik an der allgemeinen sowjetischen Richtung unterließ er ab jetzt.
Während des Ausbruchs des Spanischen Bürgerkriegs ging Ehrenburg wieder einmal als Kriegsberichterstatter nach Spanien. Die Bekanntmachung des Hitler-Stalin Paktes war für Ehrenburg ein schwerer Schlag, wochenlang nahm er kaum Nahrung zu sich und Freunde und Bekannte befürchteten, dass er sich umbringen würde. Nach dem Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion wurde Ilja Ehrenburg in die Redaktion der sowjetischen Armeezeitung „Roter Stern“ berufen. Schnell erlangten seine Artikel in der Roten Armee und bei den Armeen der Alliierten einmal mehr große Beliebtheit, jedoch bekam Ehrenburg zunehmend Probleme mit der sowjetischen Kriegszensur. Berichte über die systematische Ermordung sowjetischer Juden wurden oft nicht veröffentlicht. Das „Schwarzbuch“, eine Chronik über den Genozid an den sowjetischen Juden, wurde in der Sowjetunion nie veröffentlicht. Es ist dennoch eines der ersten Zeugnisse über das Ausmaß der Shoa. Nach seinem letzten Kriegsartikel „Es reicht!“ wurde kein Bericht Ehrenburgs über den Zweiten Weltkrieg weiter veröffentlicht.
1954 veröffentlichte Ehrenburg seinen letzten Roman „Tauwetter“ und setzte sich in ihm wieder verstärkt mit der sowjetischen Gesellschaft auseinander, dem Thema, dass er Anfang der dreißiger Jahre zu Gunsten des Kampfes gegen den Hitler-Faschimus, aufgegeben hatte. Noch während Ehrenburg an einem weiteren Roman schrieb, starb er 31. August 1966 in Moskau.


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