Kampagne Stop it! fordert Auseinandersetzung mit menschenverachtenden Einstellungen

Nach einem rassistischen Angriff am 10.3.2012 in Rostock fordert die Stop it! Kampagne eine Auseinandersetzung mit menschenverachtenden Einstellungen innerhalb der Gesellschaft und Solidarität mit den Betroffenen. Folgend dokumentieren wir die Pressemitteilung:

Am Samstagabend kam es in Rostock-Dierkow zu einem rassistischen Übergriff. Eine Frau aus Togo und ihre 6 Jahre alte Tochter wurden von zwei Männern zunächst wegen ihrer nicht-weißen Hautfarbe beschimpft. Anschließend wurden sie mit den Worten „auch hier gibt es den Ku-Klux-Klan und wenn es Hitler noch gäbe, dann wärt ihr nicht mehr hier“ bedroht. Ein zu Hilfe eilender Mann aus Mazedonien wurde von den Tätern angegriffen und an Hand und Kopf verletzt.
Dieser Fall stellt keine Ausnahme dar. In Schwerin wurde im Januar 2012 ein Mensch an einer Straßenbahnhaltestelle rassistisch beschimpft und mit einem Messer bedroht. In Rostock wurde im Februar ein Mann mit nicht-weißer Hautfarbe von zwei Neonazis in einer Straßenbahn zusammengeschlagen. Am vergangenen Freitagabend wurde das Wachpersonal des Flüchtlingslagers in Neubrandenburg angegriffen.
Das sei nur die Spitze alltäglicher rassistischer Gewalt und Diskriminierung, denn die meisten Fälle werden aus Angst nicht angezeigt oder öffentlich gemacht, so die Pressesprecherin der Kampagne Kim Ayalan. Diese Einschätzung wird von den Beratungsstellen für Betroffene rechter Gewalt bestätigt.
„Rassistische Tendenzen sind in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Immer wieder kommt es zu rassistisch motivierten Angriffen mit Verletzten, teilweise sogar Toten.“, so Kim Ayalan.
Das Wegsehen und Nicht-Handeln von PassantInnen bei rassistischen Übergriffen gehört noch viel zu oft zur gesellschaftlichen Realität. Zudem wird häufig ein rassistischer Hintergrund solcher Taten seitens der Polizei nicht wahrgenommen. Die Ausmaße dieses auf dem rechten Auge Blindseins wurden zuletzt durch die aufgedeckten Morde der ‚Zwickauer Terrorzelle‘ deutlich. Viele Jahre wurden in den Ermittlungen, aber auch in den Medien rassistische Motive nicht in Betracht gezogen. Vielmehr wurde den Opfern selbst sowie deren Angehörigen und FreundInnen ein Verwicklung in kriminelle Machenschaften unterstellt.
Angriffe, wie der brutale Übergriff am Samstag, spiegeln ein rassistisches Klima in unserer Gesellschaft wider. Dieses wird auch dadurch bestärkt, dass zivilcouragiertes Engagement gegen Rassismus und Neonazismus immer wieder diffamiert wird und eine öffentliche Diskussion über Rassismus nur in unzureichendem Maße geführt wird.
„Es ist unabdingbar, dass eine weiter gehende Auseinandersetzung mit menschenverachtenden Einstellungen, wie Rassismus, in der Gesellschaft stattfinden muss. Dies ist die notwendige Konsequenz, die aus den bereits begangenen Taten und zur Prävention zukünftiger erfolgen sollte.“, so weiter Kim Ayalan.
Von lokalen Initiativen wurde vor kurzem die Forderung erhoben, den Neu-Dierkower Weg in Mehmet-Turgut-Weg umzubenennen. Mehmet Turgut war der fünfte Mensch, der an diesem Ort durch die extrem rechte Terrorgruppe aus Zwickau ermordet wurde. Wir unterstützen diesen Aufruf und fordern politische VertreterInnen und BürgerInnen der Stadt auf, sich ebenfalls für die Umbenennung einzusetzen.
Wir möchten uns mit dieser Pressemitteilung mit allen Betroffenen rassistischer Gewalt und Ausgrenzung solidarisieren und fordern hiermit sowohl BürgerInnen als auch politisch Verantwortliche auf, sich offensiv gegen Rassismus sowie für gleiche Rechte und die gegenseitige Akzeptanz von Menschen einzusetzen.
Wer sich mehr mit den unterschiedlichen Formen und Ursachen von menschenverachtenden Einstellungen und Handlungen auseinandersetzen möchte, ist zu den Antirassistischen Aktionswochen in Rostock, die bereits zum neunten mal von der Antirassistischen Initiative organisiert werden, eingeladen. Während der Aktionstage vom 17. bis 30. März 2012 werden verschiedene Veranstaltungen u.a. zur Integration in Rostock, dem Rechtsterror der „NSU“ sowie Antiziganismus stattfinden. AktivistInnen, WissenschaftlerInnen und engagierte Menschen werden mit spannenden Themen und provokanten Debatten zum Nachdenken, Diskutieren und Handeln anregen.


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