Neubrandenburg: NPD sagt Aufmarsch ab?

Zumindest tat sie das 2009. Damals hatte die Versammlungsbehörde entschieden, dass die selbst ernannte nationale Opposition, nicht wie geplant, durchs das ‘Vogelviertel’ ziehen kann. Statt durch das Neubauviertel zu marschieren, hatten die Stadt dem braunen Wanderzirkus nur eine Route durch die Ihlenfelder Vorstadt genehmigt. Die Nazis waren stinkig. Denn das Viertel ist für eine Demonstration denkbar ungeeignet. Im Wesentlichen besteht die Gegend aus Einfamilienhäuser. „Unsere Außenwirkung wäre dadurch dermaßen beschnitten, daß Aufwand und Nutzen in keinem hinnehmbaren Verhältnis stünden”, hieß es damals. Stattdessen schlug man dann in Greifswald auf, bis die Polizei dem braunen Spuk ein Ende bereitete. Im Jahr 2012 tritt man hingegen zumindest momentan noch wesentlich kleinlauter auf. Klammheimlich wurde der Auftaktort aktualisiert. Wohl ein Eingeständnis, dass es mit der nationalen Selbstherrlichkeit in MV nicht mehr so weit her ist. Schon allein aus diesem Grund muss am nächsten Dienstag nachgelegt werden…


Bild: Flyer des Bündnisses Neubrandenburg nazifrei.

Dass es bei der Anmeldungslage für politische Kundgebungen überhaupt zu einem fortgesetzten Aufmarschversuch in Neubrandenburg kommt, könnte auch daran liegen, dass im zuständigen Ordnungsamt alles daran gesetzt wird, einen Kompromiss gegen die demokratischen Parteien auszuhandeln, die im Großteil der Stadt an diesem Tag Demonstrationen angemeldet haben. Rainer Plötz machte allerdings in den vergangenen Tagen den bevorstehenden Naziaufmarsch möglich, indem er die Anmelder der NPD-Demo, den verurteilten Gewalttäter Michael Grewe und den langjährigen Neubrandenburger Naziaktivisten Jens Blasewitz für ein „Konsensgespräch” an seinen Tisch holte.

Es gibt dennoch allen Grund dazu vorsichtig optimistisch auf den ersten Mai zu blicken. In allen Ecken des Bundeslandes wird sich auf den Tag vorbereitet. Das Konzept der Massenblockaden wird auch in Neubrandenburg wieder zum Einsatz kommen, was nur als folgerichtig betrachtet werden muss. 2010 konnte man damit bereits einen ersten Achtungserfolg erzielen. In Rostock gelang es die Nazis auf eine Ausweichroute zu zwingen. In Greifswald hieß im vergangenen Jahr sogar „Kehrt Marsch!” Doch der Erfolg ermisst sich nicht nur im Prozentsatz der Verkürzung der Naziroute. Durch die spektrenübergreifende Zusammenarbeit entstehen neue Kontakte, neue Strukturen. So gesehen leistet jeder Naziaufmarsch nolens volens einen wichtigen Beitrag für die Stärkung antifaschistischer und zivilgesellschaftlicher Strukturen.
Dies gilt auch für Neubrandenburg in diesem Jahr. Nach den positiven Erfahrungen des letzten Jahres wird es nun nicht nur aus Rostock, sondern auch aus Greifswald Busse geben. Und hier zeigt sich, dass es einen Zusammenhang zwischen guten Erfahrungen und der Motivation für weitere Aktionen gibt. Denn während aus Rostock bislang zwei Busse bestätigt sind, verkaufen die Genossinnen und Genossen am Bodden heute Abend bereits die Karten für den dritten Bus.

Vor Ort in Neubrandenburg konnte das Bündnis „NB-Nazifrei” in einem Gymnasium Infoveranstaltungen abhalten. Zahlreiche Unterstützer und Unterstützerinnen quer aus allen Gesellschaftsschichten haben den Aufruf zu den Blockaden unterzeichnet. Natürlich ist der Naziaufmarsch damit in Neubrandenburg noch lange nicht blockiert. Aber die Richtung stimmt. Dennoch wird aus Kreisen der Vorbereitung nachdrücklich vor Euphorie gewarnt. Abgerechnet wird zum Schluss. Doch ein Ziel ist bereits erreicht. Immer mehr haben die Nase von rechten Aufmärschen voll und sie schließen sich zusammen, wehren sich. Darüber hinaus werden in jedem Jahr weitere wichtige Erfahrungen gesammelt, Strukturen und Prozesse können somit weiter optimiert werden. 1. Mai Neubrandenburg? Wir sind bereit!

aktuelle Infoveranstaltungen und Ticketkaufmöglichkeiten in MV:

Greifswald:
- 27. April im Ikuwo, Goethe Str. 1 ab 20 Uhr

Rostock:
- 27. April tagsüber im Büro von Sobi e.V. im Peter Weiß Haus, Doberaner Straße 21
- 28. April ab 20 Uhr bei der Veranstaltung der IWW Ortsgruppe im Café Median, Niklotstraße 5/6

Übernommen von www.kombinat-fortschritt.com nach einer CC Lizenz.


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