Thank you! Merci! Gracias! Спасибо! – Der Tag der Befreiung 2012 in Mecklenburg-Vorpommern

Wie jedes Jahr wurde auch 2012 an vielen Orten der Tag der Befreiung vom deutschen Faschismus begangen. Während in Demmin weniger als 200 Neofaschisten ihren „Trauerkranz“ wegen bunter Luftballons nicht in die Peene werfen wollten, gedachten hunderte Menschen in Rostock und Stralsund den bei der Befreiung der Hansestädte gefallenen Rotarmisten. Auch in anderen Städten kam es zu Aktionen.

Verteilaktion in Schwerin.
Im Rahmen der Kampagne „8.Mai 2012 – Nur Verlierer feiern nicht“ wurden die letzten Wochen tausende Flugblätter in verschiedenen Städten MVs verteilt. Am eigentlichen Tag der Befreiung gingen Aktivist_Innen auch in der Landeshauptstadt los, um Flugblätter in die Briefkästen der Menschen zu werfen. Erst vor Kurzem hatte die „Kameradschaft Schwerin“ im Internet damit angeben wollen, Gewerkschaftsplakate, die den achten Mai thematisierten, zerstört zu haben.
Ein Grund mehr, auf die historischen Hintergründe des achten Mai 1945 hinzuweisen. Erfolgreicher als lächerliche Pappschilder mit der Aufschrift „8.Mai – Wir feiern nicht“, die unter anderem am sowjetischen Friedhof von Neofaschisten gehangen wurden, war die Aktion auf jeden Fall.


Bild: Tausende Faltblätter wurden die letzten Wochen in MV verteilt.

Traditionelles Gedenken in Rostock.
Zwar wurde die Stadt am ersten Mai 1945 von der Roten Armee befreit, dennoch findet jedes Jahr am achten Mai am Puschkinplatz eine Kundgebung mit mehreren hundert Teilnehmer_Innen statt. Junge und alte Menschen gleichermaßen nahmen an der Zeremonie teil. Erst vor einer Woche wurden dort die Überreste mehrerer sowjetischer Panzersoldaten beerdigt. Sie saßen in dem ersten sowjetischen Panzer, der während der Befreiung Rostocks zerstört wurde. Bei sonnigem Wetter eröffnete Ida Schillen, Vorsitzende der Rostocker VVN-BdA, die Kundgebung. Neben Frau Schillen sprachen auch Cornelia Mannewitz von der Initiative Ilja Ehrenburg, die sich für den Erhalt der gleichnamigen Straße im Rostocker Stadtteil Toitenwinkel stark macht, Dr. Heinrich Fink, Bundessprecher der VVN-BdA und Juri Rosov, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Rostock. Ein junger Antifaschist, der ebenfalls eine kurze Rede hielt, rundete die Veranstaltung ab. Nach den Reden wurden auch hier Blumen und Gebinde an die Gräber der Rotarmisten gelegt.


Bild: Dr. Heinrich Fink während seiner Rede in Rostock.


Bild: Der Puschkinplatz nach dem Ende der Veranstaltung in Rostock.

Ehrung für die Sowjetsoldaten in Stralsund.
Auch in Stralsund fand wieder eine Kundgebung anlässlich der Befreiung statt. Mehrere dutzend Menschen kamen zum Sowjetdenkmal am Neuer Markt in der Hansestadt und legten nach kurzen den Redebeiträgen Blumen und Sträuße nieder. Die Rede eines jungen Antifaschisten wurde hier dokumentiert.


Bild: Auch in Stralsund nehmen junge Menschen an der Kundgebung teil.

„Volkstreuer Ehrendienst“ für Massenmörder in Demmin
Es ist für die Nazis fast schon eine Tradition geworden, am 8. Mai durch die Peenestadt marschieren zu wollen. Die Erinnerung an den achten Mai als Tag der Befreiung ist den Ewiggestrigen seit Jahr und Tag ein Dorn im Auge. Besonders Demmin hat es ihnen angetan, tausende angebliche Selbstmorde beim Eintreffen der Roten Armee im April 1945 sind unter anderem der obligatorische Anlass, in der Stadt zu „trauern“. Einen Hintergrundbericht über die Befreiung Demmins findet ihr hier.
Mehrere hundert Menschen kamen nach Demmin, um den Geschichtsklitterern nicht die Stadt zu überlassen. Aus Greifswald wurden Busse organisiert und auch aus anderen Städten kamen engagierte Bürger_Innen angereist. Die Linksfraktion MV hielt eine öffentliche Tagung ab. Ein historischer Stadtrundgang, bei dem die Geschichte Demmins erzählt wurde, fand ebenfalls statt. Blockaden an verschiedenen Stellen zwangen die volkstreuen Trottel zu einer Änderung ihrer Route. Auch ihr vermeintliches Schlussspektakel konnten sie nicht wie geplant abhalten. Wütend mussten sie zur Kenntnis nehmen, dass die Peene voller bunter Luftballons war. Erst nachdem die ersten „Kameraden“ gehen wollten, entschloss mensch sich, den Kranz für die „armen deutschen Opfer“, die zuvor das Elend des Krieges erst ausgelöst hatten, in der Peene zu versenken. Offenbar war einer der nationalen Ehrendienstkameraden so gerührt von dem Strauß, dass er ihn gleich nochmal in die Peene werfen wollte. Kurz nachdem der volkstreue Kranz in den Peenestrom geworfen wurde, sprang ein Kamerad Kaputt hinterher, wohl nicht zuletzt, um ihn vor den bösen Bürger_Innen am anderen Ufer der Peene zu retten.

Trotz der Umdeutungsversuche von Rechts ist in vielen Städten Mecklenburg-Vorpommerns wieder klar geworden, was der achte Mai für die Mehrzahl der Menschen bedeutet. Immer mehr junge Leute werden sich dem historischen Erbe bewusst streiten für eine tolerante Welt in der es keinen neuen Tag der Befreiung geben muss, weil es keinen Tag des Überfalls gibt. Einschüchterungsversuchen und Provokationen durch die Nazis werden auch in Zukunft entschlossen begegnet werden. Es bleibt dabei: 8. Mai – Nur Verlierer feiern nicht!


4 Antworten auf „Thank you! Merci! Gracias! Спасибо! – Der Tag der Befreiung 2012 in Mecklenburg-Vorpommern“


  1. 1 Wilfried Fischer 10. Mai 2012 um 9:59 Uhr

    Ob das Sowjetdenkmal und die Ehrung der Sowjetsoldaten in Stralsund durch Frau Rothmüller und Herrn Buxbaum (beide DIE LINKE) der richtig Rahmen für den „Tag der Befreiung“ ist, ist für mich höchst zweifelhaft. Schliesslich sind alle Bürger der ehemaligen DDR nicht wirklich befreit worden, sondern vom Regen in die Traufe gekommen. Erst am 3. Oktober 1990 konnten unsere Mitbürger_innen der ehemaligen DDR den wirklichen Tag der Befreiung erleben.

  2. 2 Gutrun 10. Mai 2012 um 11:06 Uhr

    wenn sich niemand anderes um den Tag der Befreiung kümmert als die LINKE, dann ist das eine Schande für den Rest Stralsunds.
    Den Menschen, die den 8. Mai begehen vorzuwerfen, dass sie nicht politisch korrekt wären, ist falsch.

    Wo warst du am 8. 5. ? Wo waren die vertreter der Stadt ?

  3. 3 jens k. 10. Mai 2012 um 14:06 Uhr

    Gurtrun ich gebe dir völlig recht. An Wilfried Fischer: es war nicht nur eine gedenken an die gefallenen sowjetsoldaten. es war mehr, es war ein gedenken an alle opfer des 2. weltkrieg, des faschismus. und es war ein gedenken an die menschen, die danach durch nazis und rassisten umgebracht wurden. die rede macht das auch sehr deutlich.

  4. 4 Lars 10. Mai 2012 um 20:05 Uhr

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