Rostock: Wo ist die NPD-Fraktion?

NPD-Fraktion meldete Infostände in der Hansestadt Rostock an. Hadda und Antifaschist_Innen organisierten Widerstand. Operation Barbarossa reloaded?
Von Janin Krude & Michael Bodicke

Eigentlich wollte die NPD-Fraktion heute an gleich drei Orten in der Rostock auftauchen. Mit jeweils etwa sechs Personen wollte die neofaschistische NPD in den Stadtteilen Evershagen und Lichtenhagen mit Infoständen und einem T4 Bus vor Ort sein. Doch daraus wurde nichts.

Erst vor wenigen Wochen hielt die NPD gleich fünf Infostände in der Landeshauptstadt ab. Schon in Schwerin war der Erfolg nur schwerlich messbar. Kaum ein/e Bürger_In wollte mit den Neofaschist_Innen sprechen oder auch nur ihr Desinformationsmaterial mitnehmen.

Als wäre die Schmach von Schwerin nicht schon schwer genug gewesen, wollte diesmal die NPD Fraktion in Rostock noch eins drauf setzen. An belebten Orten im Nordwesten Rostocks wollten die braunen Rattenfänger Stimmung machen. Doch schon das Wetter machte ihnen einen Strich durch die Rechnung: Seit dem Wochenende regnete es in Strömen. Der semitische Wettergott Hadda hatte es offenbar auf die rechte Truppe abgesehen. In der Nacht von Sonntag zu Montag tauchten an den von der NPD angemeldeten Plätzen Plakate auf. Auf ihnen waren nicht etwa die neueste Propagandalüge der Rechtsradikalen zu lesen, sondern ein klares Bekenntnis gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit: „Nazis raus aus den Köpfen!“.


Bild: In Rostock/Evershagen stand nur die Polizei, um die NPD zu beschützen – doch die kam nicht.


Bild: „Nazis raus aus den Köpfen!“ – diese Plakate hätten die NPD-Fraktion begrüßt.

Die Vorzeichen für die (neo)braune Fraktion hätten also kaum schlechter sein können. Doch dann kam die Überraschung: Niemand erschien. Zu groß war wohl die Angst vor einer Erkältung. Vielleicht haben Pastörs und co. aber auch einfach nur den Tag verschlafen. Viele Bürger_Innen ließen es sich dennoch nicht nehmen, gegen braune Untriebe in ihrer Stadt zu demonstrieren. Eine bunte Truppe aus Vereinen, Jugendgruppen, Parteien und Einzelpersonen ließ sich die gute Stimmung durch den Regen, der zum Mittag hin stetig weniger wurde, nicht vermiesen. Mit Transparenten wie „Still not loving Nazis“ oder „Arbeit, Bildung, Kultur – Kein Menschen braucht Nazis!“ zog der fröhliche Mob die Aufmerksamkeit der Passant_Innen auf sich. Lustige Masken und die ausgelassene Stimmung rundeten die regelrechte Party ab.


Bild: Bunter Protest gegen rechte Propaganda, hier in Rostock/Lichtenhagen.

Wie schon während der Operation Barbarossa scheiterte die vermeintlich deutsche Offensive am Wetter und am entschlossenem Widerstand. Zwar regnet es nicht das ganze Jahre, dennoch setzt sich die Serie von Schlappen bei der NPD fort: Neubrandenburg, Schwerin und jetzt Rostock. Antifaschistisches Engagement wird dagegen immer stärker in Mecklenburg-Vorpommern. Ende August findet in Rostock eine bundesweite Demonstration in Erinnerung an die rassistischen Pogrome in Rostock/Lichtenhagen 1992 statt. Das Bündnis „Rock gegen Rechts“ in Stralsund organisiert wieder zwei Konzerte und unzählige Infoveranstaltungen.


0 Antworten auf „Rostock: Wo ist die NPD-Fraktion?“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

:) :( :d :"> :(( \:d/ :x 8-| /:) :o :-? :-" :-w ;) [-( :)>- more »

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


− eins = eins



Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: