AG Fuchsschwanz: Hitlereiche vor dem Rostocker Sonnenblumenhaus entfernt

Seitdem bekannt wurde, dass Teile der „Bürger_Inneninitiative“ „Bunt statt braun“ eine „deutsche Eiche“ am Jahrestag der Pogrome vor 20 Jahren im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen pflanzen wollen, regte sich breiter Protest. Selbst in der Initiative, die hauptsächlich von Grünen und SPD getragen wird, regte sich Widerstand. „Wir wollen eine ordentliche Plakette.“ soll ein Vertreter noch auf einer Vorbereitungssitzung zur Demonstration am 25. August gesagt haben. Nach nur wenigen Tagen ist die Eiche wieder gefällt worden.


Bild: Deutscher Baumstumpf in Rostock Lichtenhagen. (Foto: www.endstation-rechts.de)

Oft sprachen Vertreter_Innen der Imagekampagne „Lichtenhagen bewegt sich“ in der Vergangenheit von „Bürgerwillen“, wenn es darum ging, die antirassistische Demonstration „Grenzenlose Solidarität“ zu verhindern oder doch wenigstens zu diskreditieren. Scheinbar nahm es der Ortsbeiratsvorsitzende Ralf Mucha (MdL für die SPD) mit dem Bürger_Innenwillen nicht so genau, als er die Pflanzung einer deutschen Eiche veranlasste. Die erst vergangenen Sonntag unter anderem von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) offiziell gepflanzte Eiche, wurde von offenbar weniger begeisterten Bürger_Innen kurzer Hand wieder entfernt. Zuvor hatte sich eine „Arbeitsgruppe antifaschistischer Fuchsschwanz“ gebildet. Die Eiche wurde in der Nacht vom 28. zum 29. auf etwa der Hälfte der Baumgröße abgesägt. In einer entsprechenden Erklärung der AG heißt es unter anderem:

„Dieses Symbol für Deutschtümelei und Militarismus ist für die Menschen, die 1992 dem Mob in Rostock-Lichtenhagen ausgesetzt waren, ein Schlag ins Gesicht. Auch dass dieser Baum in der Zeit des Nationalsozialismus als sogenannte Hitlereiche gepflanzt wurde, macht ihn unvertretbar. Dass ausgerechnet Joachim Gauck, der Sarrazin einen mutigen Man nennt und der Meinung ist, dass das Wort Überfremdung legitim sei, auf einer der Veranstaltungen reden durfte, zeigt für uns wie fehlerhaft und falsch der momentane Ansatz einer offiziellen Aufarbeitung in Rostock ist. Dass zwei Mitgliedern des deutsch-afrikanischen Freundeskreises Daraja e. V. trotz offizieller Einladung und ohne Begründung der Einlass zu dieser Gedenkveranstaltung verwehrt wurde, setzt dem Ganzen nur noch die Krone auf.“

Torsten Sohn, Geschäftsführer von „Bunt statt braun“ sieht die Aktion natürlich etwas anders. Ohne die Erklärung der AG Fuchsschwanz zu reflektieren nannte er das Symbol seiner eigenen Geschichtsvergessenheit eine „Friedenseiche“ und forderte zu umgehender Solidarität mit dem übrig gebliebenem deutschen Baumstumpf auf. Als einen „Ort der Erinnerung“ bezeichnet er den Standort der Eiche weiter. Eine Mahnwache am Sonnenblumenhaus wurde in aller Kürze organisiert – nicht etwa für die Opfer der Pogrome von vor 20 Jahren, sondern natürlich für die arme Eiche, die „auf schändliche Art und Weise entweiht wurde“.

Die bekannte Band Feine Sahne Fischfilet , die unter anderem auf dem antirassistischen Konzert „Beweg dich für Bewegungsfreiheit“ vergangenen Sonnabend in Lichtenhagen spielte, kommentierte das Fällen der Eiche folgender Maßen: „Eichen fallen und ihr schreit, Menschen sterben und ihr schweigt!“. Dem ist nichts hinzu zu fügen.


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