Wismar: Stolpersteine mit Stahlplatten überklebt

In der Nacht von Freitag zu Sonnabend haben Unbekannte in der Hansestadt Wismar gleich mehrere Stolpersteine geschändet. Diese wurde mit Stahlplatten überklebt, in denen Namen und weitere Daten von Nazi-Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg eingelassen waren.

Es dürfte durchaus aufwendig gewesen sein: gleich neun der insgesamt dreizehn Stolpersteine, die in Wismar an Opfer der faschistischen Terrorherrschaft von 1933 bis 1945 erinnern, wurden mit massiven Stahlplatten überklebt. Die Inschrift sowie die Form der Platten selbst wurden sauber gearbeitet. Neben Namen und Rang der Nazi-Soldat_Innen wurden auch Truppenzugehörigkeiten, Lebensdaten und evtl. vorhandene „Auszeichnungen“ des Nazi-Reiches in die Platten eingraviert.

Die Stolpersteine wurden in der Nacht vor der „Stadtführung der anderen Art“ überklebt. Diese Stadtführungen erläutern die Geschichte Wismars im Dritten Reich und erwähnen dabei Opfer und Täter_Innen gleichermaßen. Da nur die Stolpersteine in der Wismarer Innenstadt beschädigt wurden und der Rundgang an diesen Steinen vorbeiführte, ist ein Zusammenhang mehr als wahrscheinlich. Erst während des Stadtrundganges wurden die Schändungen der Stolpersteine entdeckt.

Als die Polizei vor Ort eintraf um die offiziellen Ermittlungen aufzunehmen, war der Klebstoff der Stahlplatten noch nicht ganz getrocknet. Zwar ermittelt die Staatsmacht wegen „des Verdachts der Volksverhetzung und der Verunglimpfung von Opfern des Holocausts“, ob die Täter_Innen von der Polizei tatsächlich gefunden werden, ist fraglich. Oft werden Ermittlungen gegen mögliche rechte Täter_Innen sang- und klanglos eingestellt.

Wismar ist nicht nur was die Wahlerfolge der neofaschistischen NPD angeht eine Hochburg. Die Stadt gilt als einer der wichtigsten Dreh- und Angelpunkte europaweiter Rechtsrock-Versände. Musik-CDs mit faschistischen Inhalten werden von hier aus genauso verschickt, wie rechte Markenklamotten, Nazi-Fanzines und andere Devotionalien für den aufrechten Deutschen. Erst vor wenigen Monaten liefen etwa vierzig Nazis mit Fackeln und weißen Masken durch die Stadt. Am 20. Oktober will die Jugendorganisation der NPD, die Jungen Nationaldemokraten (JN), mit 300 Nazis durch Wismar marschieren, um gegen den vermeintlichen „Volkstod“ der „Deutschen“ zu demonstrieren.


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