Archiv für September 2012

umFAIRteilen! – Attac Greifswald veranschaulicht die ungleiche Verteilung des Wohlstands auf dem Greifswalder Markt



umFAIRteilen

*Performance diesen Samstag, 22. September 2012, ab 14 Uhr auf dem Marktplatz in Greifswald*

Der Schuldenberg von 140 Millionen Euro unseres Landkreises, Sparvorgaben des Kreistages, kommunale Haushaltssperren überall in Deutschland – unserem Gemeinwesen fehlt das Geld für wichtige Investitionen. Dem stehen gigantische Privatvermögen gegenüber. Das bestätigt auch der aktuelle Entwurf zum Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung: So besitzt allein das reichste Prozent der Deutschen zusammen mehr Geldwert, als Bund, Länder und Kommunen bräuchten, um alle ihre Schulden zu begleichen. Gerecht ist das nicht. Das bundesweite Bündnis umFAIRteilen setzt sich deshalb dafür ein, große Vermögen wieder stärker zu besteuern.

Attac Greifswald gehört zu den Organisationen, die sich hier vor Ort an „umFAIRteilen“ beteiligen. Diesen Samstag, den 22. September 2012, werden Mitglieder und Freunde von Attac das Verteilungsproblem mit künstlerischen Mitteln anschaulich machen – mit einer Performance auf dem Greifswalder Marktplatz. Ab 14 Uhr werden sie mit Hilfe von Requisiten ein raumgreifendes Schaubild der Eigentumsverhältnisse errichten und es anschließend schauspielerisch zum Leben erwecken. Ein Infostand begleitet die Performance.

Mit der Performance möchte Attac Greifswald auch für den Aktionstag umFAIRteilen mobilisieren, der eine Woche später, am 29. September 2012, bundesweit stattfindet. Große Kundgebungen sind unter anderem in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Köln und Bochum geplant. Auch in Greifswald bereitet das Bündnis weitere Aktionen im Umfeld des 29. September vor.

Weitere Informationen über das Bündnis: www.umfairteilen.de.

Aktuelle Mitteilungen von Attac Greifswald auf facebook und twitter.

„Wehret endlich den Anfängen“ – Innenminister Lorenz Caffier (CDU) weiterhin für Verbot neofaschistischer NPD

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte sich vor Kurzem im „Spiegel“ skeptisch zu einem neuen NPD-Verbotsverfahren geäußert. Eine Partei, „die bei der vorigen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 0,5 Prozent der Stimmen errungen hat“, sollte nicht durch ein Verbotsverfahren aufgewertet werden. Im Dezember will die Innenministerkonferenz (IMK) in Rostock darüber beraten, ob es zu einem neuen NPD-Verbotsverfahren kommen soll. Ein erster Anlauf war vor neun Jahren aufgrund der V-Leute Praxis der Verfassungsschutzämter in der NPD gescheitert.


Bild: Innenminister Lorenz Caffier (CDU) (Foto: www.ostseewelle.de)

Der Innenminister MVs, Lorenz Caffier (CDU), beurteilt die Situation optimistischer. „Aus meiner Sicht beweisen allein die öffentlichen Quellen nicht nur die Verfassungsfeindlichkeit der NPD, sondern auch ihre kämpferische Aggressivität gegenüber unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung.“ sagt Caffier am Montag. Weiter warnte Caffier: „Die NPD ist, auch wenn sie in westlichen Bundesländern zur Zeit bei Wahlen nur vergleichsweise auf wenig Zustimmung stößt, für die politische Entwicklung in ganz Deutschland von Bedeutung.“ Fakt sei: „In Ostdeutschland ist die NPD bereits in zwei Landesparlamenten und in vielen Kreistagen vertreten. Hinzu kommt, dass die NPD hier mit der gewalttätigen Kameradschaftsszene eng vernetzt ist. Ähnlich begann der geistige Flächenbrand im Deutschland Anfang der Dreißiger Jahre“, mahnte Caffier. „Hier zählt einzig und allein das Motto: Wehret endlich den Anfängen“, erklärte der Innenminister.

Lorenz Caffier ist einer von nur ganz wenigen CDU/CSU-Politiker_Innen, die sich auch nach dem Scheitern des ersten NPD-Verbotsverfahren im Jahr 2003 weiterhin konsequent für ein Verbot der neofaschistischen Partei einsetzen.

„Der Wolf im Schafspelz ist realer, als viele es wahrhaben wollen. Es ist für mich als Demokraten unerträglich, dass der real existierende Rechtsextremismus der NPD maßgeblich durch den Steuerzahler im Rahmen der Parteienfinanzierung bezahlt wird. Durch staatliche Parteienfinanzierung fließen Jahr für Jahr Millionen Euro in den braunen Sumpf. Das muss endlich ein Ende haben“, forderte der Konservative.

Grundsätzlich kann ein NPD-Verbot neofaschistische Einstellungen nicht weghexen, wohl kann es aber die rechte Szene enorm schwächen. Geld, Infrastrukturen und Legitimation in der Bevölkerung würden im Falle der Auflösung der größten neofaschistischen Organisation für Neonazis nahezu völlig wegfallen.

Schwerin: Oppositionsparteien fordern mehr direkte Demokratie in MV

Die Hürden für Plebiszite sind in Mecklenburg-Vorpommern kein kleiner Brocken. 120.000 gültige Unterschriften sind zum Beispiel nötig, um ein Volksbegehren überhaupt ins rollen zu bringen. Bei Volksentscheiden muss sogar ein Drittel der wahlberechtigten Menschen teilgenommen und davon über 50% für das Anliegen gestimmt haben. Ein Irrsinn, den die Oppositionsfraktionen von Bündnis90/Die Grünen und LINKE ändern wollen.

Gestern fand vor dem Rechtsausschuss des Landtages eine Anhörung mehrerer Experten statt, diese stehen einer Absenkung der notwendigen Quoren sehr positiv gegenüber. Verfassungsrechtliche Schwierigkeiten gebe es nicht. Die Linke-Abgeordnete Barbara Borchardt sagte gegenüber der Ostsee Zeitung gestern: „Ich hoffe, die heutige Anhörung zum Thema hat auch der Großen Koalition klar gemacht: Mehr direkte Demokratie ist machbar.“

Rostock: Korvette „Magdeburg“ läuft zu erstem Kriegseinsatz aus

Sie sind die neuesten und modernsten Kriegsschiffe der bundesdeutschen Marine. Die Fünf Korvetten der Braunschweig-Klasse sind in Rostock Höhe-Düne stationiert und haben es in den vergangenen Jahren immer wieder mit Pannen in die Schlagzeilen geschafft. Vor allem Getriebeprobleme hatten die insgesamt 1,2 Milliarden Euro teuren Kriegsschiffe „Braunschweig“, „Magdeburg“, „Erfurt“, „Oldenburg“ und „Ludwigshafen am Rhein“ „einsatzunfähig“ gemacht.


Bild: Korvette Braunschweig in Rostock Hohe-Düne (Foto: wikipedia.org)

Jetzt soll die Korvette „Magdeburg“ dennoch zu ihrem ersten Einsatz auslaufen. Diesen Montag verlässt das Schiff mit insgesamt 58 Soldat_Innen seinen Hafen und steuert auf den Libanon zu, um dort im Rahmen der sogenannten Unifil-Mission an der libanesischen Küste Patrouilliere zu fahren.

Erst im Juni hatte die „Magdeburg“ einen neuen Kapitän bekommen. Fregattenkapitän Torben Steinweller übernahm das Kommando am 28.06. von Korvettenkapitän Björn Baggesen. Schon damals wurde über einen möglichen ersten Einsatz der Korvetten spekuliert, die Marine hielt sich aber bedeckt.

Die Unifil-Mission ist eine der ältesten „Friedens“-Missionen der Vereinten Nationen.Seit 1978 stehen westliche Truppenkontingente im Süden des Libanon. Die Befugnisse wurden nach und nach ausgebaut und das Mandat regelmäßig verlängert. Aktuell befassen sich nach offiziellen Angaben etwa 12.000 Soldat_Innen mit der Mission, durch Kampfhandlungen und Unfällen sind bis heute etwa 250 Blauhelm-Soldat_Innen ums Leben gekommen. Wie viele Libanes_Innen den Tod fanden, lässt sich aus offiziellen Statistiken nicht herleiten.

Deutscher Alltag in Greifswald: Verwaltung untersagt ehrenamtliche Flüchtlingshilfe

Der Arbeitskreis Kritischer Jurist_Innen (AKJ) hilft seit Monaten ehrenamtlich Flüchtlingen im Umgang mit den hiesigen Behörden. Jetzt hat die Verwaltung die Unterstützung untersagt.

Von Mirian Bauer und Michael Bodicke

Der Landkreis untersagte dem AKJ, weiterhin die öffentliche Sprechstunde im Flüchtlingsheim Greifswald durchzuführen. Die etwa 10 Student_Innen unterschiedlicher Fachrichtungen boten 120 Flüchtlingen kostenlose Hilfe an.

“Viele können kein Wort Deutsch lesen oder nur ihren Namen. Wir übersetzen die Behördenschreiben, erklären den Flüchtlingen, was sie bedeuteten und verfassen Antworten”, erklärt Hartwig Remmers vom AKJ gegenüber der Ostsee Zeitung. Und Jessica Barth, ebenfalls AKJ, fährt fort: „Es geht aber auch darum, einfach ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte zu haben. Die Leute wollen einfach mal mit jemandem sprechen, weil sie isoliert sind”.

Seit langem unterstützt der AKJ Flüchtlinge bei der Durchsetzung ihrer Rechte. Anfang August halfen die Student_Innen den Flüchtlingen, Widersprüche gegen zu geringe Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz einzulegen, nachdem ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes dies zuließ. Als die ersten Widersprüche beim Sozialamt eingingen, untersagte die Behörde die Sprechstunden. Sehr schnell entstand der Eindruck, die Mitarbeiter_Innen wollten die Flüchtlinge hindern, ihnen zustehende Leistungen zu erhalten. Auf Nachfrage der Ostsee Zeitung dementierte der Christoph Krohn, Pressesprecher des Kreises. Der Kreis wusste angeblich bis dahin nichts von den Sprechstunden. Es sei aber nicht erlaubt einfach solche Sprechstunden anzubieten. Solche Dienste müsste das Personal des Betreibers des Heimes mit bestimmten Qualitätsstandards übernehmen, also in diesem Fall das „Deutsche Rote Kreuz“. Dennoch sei ein Untervertrag für den AKJ möglich.

Gregor Kochhan (Grüne), Vorsitzender des Sozialausschusses vor Ort, ist fassungslos über die Einstellung der Verwaltung. Gegenüber der Ostsee Zeitung sagte er: “Meines Wissens umfasst der Vertrag mit dem DRK keine sozialrechtliche Betreuung. Das ist ein zusätzliches Angebot, das die Studenten ehrenamtlich übernehmen”. Kochhan ist unter anderem als Jurist im Sozialrecht tätig. Im Psychosozialen Zentrum Greifswald gäbe es einen Vertrag, wie der Landkreis in sich vorstellt, dort würden aber andere Leistungen als die des AKJ angeboten, fuhr Kochhan weiter fort. Er will sich nun für eine schnelle und unbürokratische Lösung einsetzen. “Die jungen Leute sollten ihre Sprechstunde unbedingt weiterhin anbieten dürfen”, sagte Kochhan.
Der Landkreis prüft zur Zeit, ob der AKJ den notwendigen „gesetzlichen Anforderungen“ genügt, um einen Untervertrag zu schließen. Hierzu sind eine Ausbildung als Sozialarbeiter_In oder zweijährige Berufserfahrung nötig. Beides haben die Student_Innen nicht.
Seit Jahren bemängeln Berufspolitiker_Innen und andere Gruppen das Fehlen von Einsatzbereitschaft in der Gesellschaft. Der „mündige Bürger sei rah geworden“ lauten oft Sätze aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung. Doch wenn sich wirklich eine Gruppe junger Menschen findet, die sich ehrenamtlich engagieren wollen um Flüchtlingen zu helfen, dann ist das plötzlich nicht mehr möglich. Die zwangsweise Einstellung der Sprechstunden durch die Verwaltung zeugt zumindest von einer Politik, die jedes Fingerspitzengefühl vermissen lässt. Im Zweifelsfall müssen sich die Mitarbeiter_Innen des Sozialamtes rassistische Ressentiments vorhalten lassen.

Wolgast: Stimmungsmache gegen neues Flüchtlingsheim

Zur Zeit leben 24 Flüchtlinge in dem im August eröffnetem Lager in Wolgast. Seit der Eröffnung hetzen Nazis regelmäßig in der direkten Umgebung des Heimes mit Plakaten und Graffitis gegen die Flüchtlinge.

Erst im Juni organisierte die neofaschistische NPD zu dem Wohnblock, in dem heute das Asylheim untergebracht ist, eine Kundgebung unter dem Motto „Deutsche raus – Asylanten rein – wir sagen NEIN!“. Um in dem Wohnblock das Heim unter zubringen, mussten vorherige Mieter_Innen das Haus räumen. Die rechte Propaganda verfängt sich allzu leicht in den Köpfen der umliegenden Bevölkerung während der Landkreis Vorpommern-Greifswald offenbar nach wie vor keinen Handlungsbedarf sieht.

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hat in einem Filmbeitrag die Situation in Wolgast wiedergegeben.


Bild: Ausländerfeindliches Graffiti in Wolgast (Foto: stopitkampagne.blogsport.de)

Rostock: Politischer Donnerstag „20 Jahre Lichtenhagen – Eine kritische Nachbetrachtung“

Die rassistischen Ereignisse von Rostock-Lichtenhagen im August 1992 waren nun für eine Zeit im starken Fokus von Medien und engagierter Zivilgesellschaft.
Zahlreiche Aktionen, Veröffentlichungen und Veranstaltungen später möchten wir an diesem Abend die gesamten Aktivitäten einmal Revue passieren lassen.

Wir möchten in einem Podiums- und Publikumsgespräch die unterschiedlichen Meinungen äußern und diskutieren. So auch zu den Fragen, ob das Gedenken angemessen umgesetzt wurde, wie wir mit den Ereignissen umgegangen sind und wie wir Rassismus in der Gegenwart und Zukunft begegnen können.

Es werden Vertreter_Innen verschiedener Initiativen zugegen sein, die sich im weitesten Sinne mit dem 20. Jahrestag der Pogrome beschäftigt haben, vertreten sein, um ein möglichst breites Diskussionsspektrum zu schaffen.

Wir hoffen an diesem Abend auf spannende Diskussionen und eine rege Beteiligung.

Wann? 20. September 2012 um 20:00 Uhr
Wo? Peter-Weiss-Haus

Ludwigslust: Lutherhaus am Montag offiziell übergeben

Mit der Einweihung des Lutherhauses im Stift Bethlehem diesen Montag ist ein jahrelanges Projekt in Ludwigslust Realität geworden, über ein Jahr hatte die Sanierung in Anspruch genommen. Die Sanierung wurde nicht zuletzt durch Fördermittel des Landes MV bewältigt.

„Wir haben die Sanierung des Lutherhauses auch als Chance gesehen, alle Verwaltungs- und Managementbereiche des neuen Klinikums Westmecklenburg „Helene von Bülow“ unter einem Dach zu vereinigen“, erklärte Dr.Volker Schulz, Mitglied der Geschäftsführung des Klinikums gegenüber den Nordeutschen Neuesten Nachrichten (NNN). Die Buchhaltung, das Personalbüro, die Geschäftsführung und andere Abteilungen sind nun allesamt hier konzentriert.

Das Lutherhaus ist ein Haus mit langer Geschichte und Tradition. In den 1920er wurde dort ein Stift für ledige Frauen aus dem Südwesten Mecklenburgs eingerichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus von den Nazis als Krankenhaus umfunktioniert, was es bis heute ist. 1998 erfolgte der Neubau.

Zwischen NSU-Terror und Staatsterrorismus

Die einmaligen Vorgänge rund um den Nationalsozialistischen Untergrund/NSU feiern Silberne Hochzeit. Eine Zwischenbilanz und Aufforderung zugleich.

Von Wolf Wetzel

Dreizehn Jahre wußte niemand in den zahlreichen Strafverfolgungsorganen, dass es eine neonazistische Terrorgruppe namens „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) gibt.
Nachdem die Existenz des NSU Ende 2011 nicht mehr zu verheimlichen war, wußten alle, die Polizei, die Geheimdienste, die Innenministerien, die Generalbundesanwaltschaft und alle Leitmedien, dass der NSU aus exakt drei Mitgliedern besteht. Weder fünf, nicht zwanzig, noch eine bislang unbekannte Zahl. Exakt drei! Fangen wir damit an.


Bild: Kein Vergeben – Kein Vergessen! Plakat in Erinnerung der bekannten NSU-Opfer.

Nun sind fast zehn Monate vergangen, seit öffentlich geworden ist, das das, was dreizehn Jahre lang irgend welchen kriminellen, ausländischen Milieus zugeschrieben wurde, eine beispiellose neonazistische Mordserie war.
Eine neonazistische Mordserie, bei der die einflussreichsten Helfer des Nationalsozialistischen Untergrundes/NSU nicht aus den Reihen der Kameradschaften oder aus Blood & Honour- Gruppierungen kamen, sondern aus dem staatlichen „Sicherheits“apparat selbst. Seitdem wieder alle im Chor lückenlose Aufklärung versprechen, reiht sich ein „einmaliger Vorgang“ an den anderen: Vertuschungen, Täuschungen, Vernichtung und Unterschlagung von Beweismitteln, Aktenmanipulationen, Falschaussagen usw.. Dieser „einmalige Vorgang“, der wieder alle empört, feiert Silberne Hochzeit. Noch nie in der Geschichte der BRD standen staatliche Sicherheits-/Verfolgungsbehörden so in der Kritik. Noch nie gab es ein solch konzertiertes Chef-Sterben. Wie Domino-Steine fallen die Köpfe von Behörden-Chefs: Der vorläufig letzte ist der Chef des Verfassungsschutzes in Sachsen-Anhalt. Ein Chefsterben der Luxus-Klasse: Entlassung bei vollen Bezügen, vorzeitiger Ruhestand, komfortable Versetzungen. Noch gab es in Deutschland ein organisiertes Verbrechen, das – angesichts erdrückenden Beweise – so straffrei blieb. Noch nie waren die Zweifel an der Notwendigkeit von Geheimdiensten, sei’s der Verfassungsschutz oder der MAD so laut, so prominent, so….

Noch nie gab es eine solch hochkarätige Chance, das, was man für falsch hält, was man als Verdacht geäußert hat, was man im schlimmsten Fall befürchet hat, im Detail zu belegen.
Eigentlich die Chance für die Linke, die Verfolgung aufzunehmen, den Spieß endlich umzudrehen. Schließlich hat sie in vielerlei Hinsicht Erfahrungen damit, was Geheimdienste können, was Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden selbst dann machen, wenn sie nichts in der Hand haben…
Und gerade deshalb ist aus Ausbleiben einer politischen, eigenständigen Aktion so schwer zu verstehen. Zehntausend verhinderten mit Blockaden Neonazi-Aufmärsche in Dresden. Warum blockieren nicht Zehntausend ein Landesamt für Verfassungsschutz? Warum blockieren nicht 20.000 das Bundesamt für Verfasssungsschutz?

Keine Frage: Viele werden sagen, dass sich jetzt doch nur darin bestätigt werden, was sie seit Jahren, seit Jahrzehnten rufen und sagen: „Deutsche Polizisten schützen die Faschisten“. Und natürlich brauchen viele Linke keine zusätzlichen Beweise dafür, dass der Verfassungsschutz abgeschafft gehört.
Auf den ersten Blick einleuchtend, auf den zweiten ziemlich falsch: Noch nie bot sich der Linken ein solch präziser Einblick in Verfolgungsorgane. Noch nie bot sich so viel Material, die Legende vom Rechtsstaat zu zerstören. Noch nie zeigten sich staatliche Strukturen auf eine Weise, die die Frage beantworten hilft: Um was für einen Staat handelt es sich heute? Um einen Überwachungsstaat? Um einen tiefen Staat, in dem sich Staatsterrorismus und demokratische Wahlen nicht ausschließen? Um einen Staat, der operative Kerne herausgebildet hat, die weder institutionell legitimiert sind, noch parlamentarisch kontrolliert werden? Operative Kerne, für die Terrorismus und Unterstützung von terroristischen Aktionen kein Problem sind, sondern konstituierendes Moment?
Wem die Verfasstheit dieses Staates nicht egal ist, wer in seiner Kritik nicht nur radikal sein will, sondern sie im Detail belegen und begründen will, der sollte sich angesichts der vielen Skandalen rund um die neonazistische Mordserie nicht müde abdrehen, sondern hellwach hinschauen.

Dies ist auch ein wesentlicher Grund dieser neunmonatigen Recherche: Genau und präzise zu belegen, was viele Wenige in den 70er und 80er Jahre für möglich hielten und aufgrund vergleichsweise weniger „Beweise“ als wilde Spekulation abgetan werden konnte. Heute fehlen nicht die Belege für einen Staatsterrorismus, ohne den die Mordserie des NSU nicht möglich gewesen wäre – es fehlt der Mut, aus der Geste „Das haben wir doch schon immer gewußt“ herauszutreten, aufzuhören, recht zu haben, anzufangen, an den Verhältnissen etwas zu verändern.
Noch nie in der Geschichte der BRD war die Chance so greifbar, das, was man schon immer wußte, aus einer radikalen Geste in politisches Handeln zu verwandeln.

Übernommen von Indymedia nach einer CC Lizenz.

Schwerin: Ehemaliges Rabbinerhaus soll restauriert werden

Der Förderverein „Jüdisches Gemeindezentrum Schwerin“ will das ehemalige Rabbinerhaus am Großen Moor sanieren. Von 1840 bis 1847 lebte der jüdische Gelehrte und Landesrabbiner Samuel Holdheim in dem Haus.

Etwa 100.000€ kostet die Komplettrenovierung des Fachwerkhauses nach ersten Schätzungen. Wie lange es dauert, bis das der Gemeinde gehörende Haus vollständig in Stand gesetzt wurde, ist noch nicht überschaubar, dennoch wurden bereits die ersten 5.000€ bewilligt.

Der Verein, deren Mitglieder nicht zuletzt verschiedene Landes- und Komunalpolitiker_Innen, sowie verschiedene Künstler_Innen sind, hat es zur Aufgabe gemacht, jüdische Kultur in der Stadt zu bewahren.

Wer für das Vorhaben des Fördervereins spenden möchte, kann sich an die Jüdische Gemeinde in der Landesrabbiner-Holdheimstraße 3-5 melden. Diese liegt übrigens in der direkten Nähe des ehemaligen Rabbinerhauses am Großen Moor.

Barth Rockt Open Air 2012 am 15.9.2012

Rostock: Konzert „Strom & Wasser feat. The Refugees“

DUB, SKA, HIPHOP & REGGAE im Peter-Weiß Haus

Heinz Ratz und seine Band Strom&Wasser haben im Frühjahr 2011 knapp 80 Flüchtlingslager überall in Deutschland besucht und dort Musiker getroffen, oft von Weltklasse-Niveau und in ihrer Heimat sehr bekannt, die hier mit Reise- und Arbeitsverboten behängt, sich oft nicht einmal ihr Instrument leisten können und seit Jahren dahinvegetieren.


Bild: Das Peter-Weiß Haus in Rostock. (Foto: facebook.com/peterweisshaus)

Ratz hat die Musiker nach Hamburg eingeladen und mit ihnen ihre Musik aufgenommen – und es ist ein Album entstanden, überraschend modern, frisch, frech – das locker mit den Vorzeigeprodukten der Weltmusik mithalten kann und an dem fast 30 Musiker mitwirkten: aus Gambia, Iran, Afghanistan, Kenia, Russland, der Elfenbeinküste, Deutschland, dem Kosovo, Somalia, Äthiopien, Mazedonien, Griechenland – und vielen anderen Ländern.

Musik, die in den Flüchtlingslagern gefangen war, Gefahr lief, vergessen zu werden und nun durch dieses Projekt hoffentlich in die Herzen vieler Menschen gelangt: Strom & Wasser feat. The Refugees

Die Veranstaltung ist eine Kooperation des Flüchtlingsrates MV, der Heinrich Böll Stiftung, Radio Lohro, Soziale Bildung e.V. , dem Peter Weiss Haus e.V. und der Rosa Luxemburg Stiftung

Wann? Mittwoch, den 19.9.2012 um 20:00 Uhr

Wo? Peter-Weiss-Haus Rostock, Doberaner Str. 21

Rostock: Lesung „Ohne Fußball wär‘n wir gar nicht hier“

Sie sind Fußballfans in der Midlife-Crisis. Sätze wie »Fußball ist unser Leben« kommen ihnen nicht mehr über die Lippen, weil im Alter die Selbstachtung mit den grauen Haaren um die Wette wächst. Der heilige Ernst, mit dem sie noch vor 15 Jahren abendelang über die letzten Abwegigkeiten des Fußballlebens diskutierten, ist ihnen abhanden gekommen.Und trotzdem zieht es sie immer noch in die Stadien, leben sie auch heute noch jeden Tag mit der überbewertetsten Nebensache der Welt. Und erzählen nun in ihrem Buch über dieses Spannungsfeld zwischen Fas-zination, Abhängigkeit und Ermüdung. Dabei entstanden Sach- und Lachgeschichten aus der Fußballwelt subjektiv, launig, pol-emisch und ungerecht, aber niemals langweilig. Die passende Lesung für alle, die ähnlich fühlen wie die Autoren. Und das sind ziemlich viele. Eine Lesung mit Christoph Ruf und Andreas Beune präsentiert vom „Lernzentrum Rostock“ und der Buchhandlung „Sequential Art“ …

Wann? Mittwoch, der 26. September ab 20Uhr

Wo? Ostseestadion (Kopernikusstraße 17, 18057 Rostock)


Bild: Cover des Buches „Ohne Fussball wär´n wir garnicht hier.“

Erfolgreiche Kampagne gegen die Sarrazin-Lesung in Wismar

Bericht der Kampagne „Kein Landgang für Rassisten! – Thilo Sarrazin über die Planke schicken!“ zu den Protestaktionen am 11. September

Die Kampagne ,Kein Landgang für Rassisten! – Thilo Sarrazin über die Planke schicken“ hat ihr Ziel nicht verfehlt. Es wurde richtig gestellt, dass die ausverkaufte Sarrazin-Lesung kein Anlass zur Freude ist.“, so Lisa Sprengel, Pressesprecherin der Kampagne.

Die ursprünglich direkt vor dem Zeughaus angemeldete Kundgebung „Fischköppe gegen Dummköppe!“ sowie die zweite auf dem Zeughaushof von der Kampagne „Kein Landgang für Rassisten!“ wurden kurzfristig am 10.09.2012 durch die Ordnungsbehörden in Richtung Stadthafen abgedrängt und mit weiteren Auflagen belegt- wie ein Verbot für den Lautsprecherwagen. Durch Diskussionen und entgegenkommen der Anmelder konnte ein Kompromiss gefunden werden.

Unmittelbar vor Kundgebungsbeginn einigten sich die Anmelder auf eine Zusammenlegung beider Protestkundgebungen auf der Ulmenstraße. Lisa Sprengel dazu: „Solch eine spontane Zusammenarbeit ist ein gutes Beispiel für die Offenheit und Anschlußfähigkeit an unsere Kampagne. Daran hätten sich auch die lokalen Politiknetzwerke besser beteiligen können.“

Zu den von Stadt, Polizei und Presse befürchteten Krawallen und Ausschreitungen in der kleinen Hansestadt Wismar ist es nicht gekommen. Trotz der medialen Hetze gegen die antirassistische Kampagne „Kein Landgang für Rassisten! – Thilo Sarrazin über die Planke schicken!“, den in der Ostseezeitung herbeifantasierten Gewaltexzessen und dem schlechten Wetter fanden sich gegen 18.30 Uhr die ersten Teilnehmer_innen am Kundgebungsort ein.
Auch eine Gruppe NPD- nahe Neonazis vermochten nicht die Kundgebung zu stören und zog unvollrichteter Dinge in Richtung Hafen ab.
Im Verlauf der Kundgeung wurden mehrere Transparente sowie antirassistische Spruchbänder entrollt, Informationsmaterialien verteilt und Redebeiträge sowie Gedichte vorgetragen. Mit etwas Reggae-Musik tanzten sich die ca. 50 Teilnehmer_innen warm und zeigten den Schaulustigen und Zuschauer_innen der Sarrazin-Lesung lautstark, dass sie keine Lust auf Veranstaltungen mit Rassisten haben – weder in Wismar noch anderswo.

Erst nach Beendigung der Kundgebung verließen die- größtneteils durch den Hintereingang hineingekommenen- Zuschauer_innen das Zeughaus durch den Haupteingang.
Viele Zuhörer_innen waren erzürnt, dass immer noch Flugblätter gegen Sarrazin verteilt wurden und reagierten teils aggressiv. „Verpisst euch!“ gehörte hier noch zur „gehobeneren“ Tonart. Die engagierten Verteiler_innen ließen sich von den Provokationen nicht beirren und setzten die Aktion gewohnt locker fort. „Die Reaktion der Gleichstellungsbeauftragten, Petra Steffan, auf die Flyeraktion – ein kurzes Zusammenknüllen und Wegwerfen eines Informationsblattes – bleibt bei den Unterstützer_innen der Kampagne als Zeichen der Neugierde, Toleranz und Weltoffenheit Wismars in Erinnerung.“, so Sprengel.

In den nächsten Monaten werden wir weiterhin mit Informationsveranstaltungen, die sich vorrangig um Rechtspopulismus, aber auch um die Themen Ausgrenzung und Rassismus drehen, Aufklärungsarbeit leisten. Eine Zwischenbilanz zieht Lisa Sprengel: „ Die Kampagne ,Kein Landgang für Rassisten!‘ hat den homogen positiven Blickwinkel auf die Sarrazin-Lesung und seine Ausgrenzungstheorien entschärft. Es ist lobenswert, dass so viel Menschen aus unterschiedlichen Spektren an den Protesten mitwirkten. Der Hansestadt und allen anderen Organisator_innen von rechtspopulistischen und rassistischen Veranstaltungen werden wir auch in Zukunft unser antirassistisches Engagement entgegenstellen.

Mehr Infos unter: keinlandgang.blogsport.de

JN will im Oktober durch Wismar marschieren

Gerade erst ist der Besuch des Rechtspopulisten Thilo Sarrazin in Wismar vorbei, da kündigen sich bereits die nächsten Rassist_Innen an. Für den 20. Oktober hat die Jugendorganisation der NPD – die „Jungen Nationaldemokraten“ – einen Aufmarsch angekündigt. Der in gut einem Monat stattfindende Aufzug trägt den Titel „Wir wollen leben“. Der Landesverband „Mecklenburg und Pommern“ – wie sich die NPD-Zöglinge realitätsfremd nennen – greift damit wieder die Fabel vom „Volkstod“ auf, nach der das vermeintlich deutsche Volk durch angebliche Multi-Kulti-Politik und sogenannte „Blockparteien“ vom Aussterben bedroht sei. In einem entsprechenden Aufruf werden die üblichen Floskeln wie „Die Eliten begrüßen den Untergang unseres Volkes sogar ausdrücklich“ verwendet und nicht zuletzt Klagelieder auf das eigene „Volk“ gesungen. Der Aufmarsch insgesamt wird diesmal nicht auf einer klassischen Website beworben, sondern über eine Facebook Seite.

Die „Jungen Nationaldemokrat_Innen“ breiten sich in Mecklenburg-Vorpommern schon seit einigen Jahren aus. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gibt es hier zwischen Parteigänger_Innen und „Autonomen“ Nationalist_Innen sowie Nazi-Kameradschaften nicht nur eine enge Zusammenarbeit, sondern oft auch personelle Überschneidungen.

Vor wenigen Wochen hielten Mitglieder der JN in Südwestmecklenburg nach eigenen Angaben ein erstes sogenanntes „Kaderwochenende“ ab, an dem unter anderem auch der Landesvorsitzende der JN, Alf Börm, teilnahm. Auch sonst gibt sich der Landesverband relativ aktiv. Verteilaktionen vor Schulen, das massenweise verkleben von Aufklebern und nicht zuletzt der Besuch rechter Aufmärsche sowie die Teilnahme an Sportturnieren prägen unter anderem das Verbandsleben NPD-Jugend.

Dass es die JN schaffen wird, ohne Hilfe anderer rechter Gruppierungen einen größeren Aufmarsch überhaupt Zustande zu bekommen, ist ungewiss. Selbst die NPD muss regelmäßig auf Kameradschafter_Innen zurückgreifen, um die eigenen Reihen zu füllen. So oder so, der erste „eigene“ Aufmarsch der JN in Mecklenburg-VORpommern dient nicht zuletzt einer Machtdemonstration. Ob dieses Vorhaben in der kleinen Hansestadt Wismar wirklich aufgehen wird, scheint zumindest fraglich. In der Vergangenheit konnten Antifaschist_Innen mehrmals innerhalb weniger Wochen Gegenaktivitäten aus dem Boden stampfen und den Nazis ordentlich zusetzen.




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