Demmin: Solidarität mit Menschen ohne Hüsung*

Am vergangenen Sonnabend hatte das Aktionsbündnis 8. Mai Demmin zu einer Veranstaltung in den „Blumenladen“ des Demminer Hanse-Viertels eingeladen. Thema war die Situation von Flüchtlingen in Mecklenburg-Vorpommern. Gezeigt werden sollte der Film „Die Wahrheit lügt in Rostock“, der die Ereignisse des Pogroms von 1992 in dieser Stadt zeigt.


Bild: Kundgebung während der antirassistischen Demonstration 20 Jahre nach dem Pogrom in Rotock Lichtenhagen. Im Hintergrund das Sonnenblumenhaus.

Die meisten der 15 Besucher_innen der Veranstaltung kannten den Film, so dass die Zeit genutzt wurde, sich über die Lebensbedingungen der Flüchtlinge zu informieren. Zwei Frauen aus dem Flüchtlingsheim in Jürgenstorf sprachen darüber, was es konkret in der BRD bedeutet, Flüchtling zu sein: Nach oft Monate langer Flucht vor Krieg, Verfolgung, Folter, Hunger gerät man in eine Unterkunft, in der einem Menschen sechs Quadratmeter zustehen, in der Wand an Wand Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprachen, Gebräuche leben. Man teilt sich mit vielen Familien Küche, Bad und Toiletten. Will man die Sprache des Landes lernen, muss man sich den Deutschkurs organisieren und bezahlen. Ohne Deutschkenntnisse ist es kaum möglich, all die Hürden eines Asylverfahrens zu verstehen und Beratung in der fremden Sprache führt – falls es sie gibt – auch oft zu Missverständnissen. Wenn das Heim dazu noch in einem Dorf liegt, sind die Hürden zum Aufnehmen von Kontakten, dem täglich nötigen Einkauf, dem Arztbesuch u.a. sehr hoch. Der Zugang zum öffentlichen Leben ist fast unmöglich. So sind die Menschen auf die Gemeinschaftsunterkunft fixiert, sehen kaum eine Perspektive. Die Folge sind vor allem psychische Krankheiten wie Depressionen, Antriebslosigkeit bis hin zu physischen Krankheiten. Frau Ingrid Laatz, Leiterin des Jugendmigrationsdienstes des CJD Waren verwies auf die zu geringe Koordination aller Behörden des nun grösseren Landkreises, um den Flüchtlingen effektiv zu helfen.

Zu den oben beschriebenen Schwierigkeiten kommen noch die fremdenfeindlichen Haltungen, zum Teil erwachsen aus der Angst, selbst noch weiter ins gesellschaftliche Abseits zu driften und zum anderen aus rassistischer Einstellung allem Fremden gegenüber. Das Aktionsbündnis 8. Mai Demmin hatte sich gegründet, um die verbrecherische Interpretation des zweiten Weltkrieges durch die Neonazis aufzudecken und sich ihren Umzügen entgegen zu stellen. Mit dieser Veranstaltung wollte es einen Beitrag zur Sensibilisierung für die Gefahren, die aus Fremdenfeindlichkeit erwachsen, hinweisen Ebenfalls an diesem 13. Oktober fand in Berlin der Protestmarsch von Flüchtlingen und Unterstützer_innen von Würzburg nach Berlin seinen Abschluss. Mit diesem Marsch protestierten die Menschen für die Abschaffung der rassistischen Gesetze, die Schliessung der Lager und den Stopp der Abschiebungen von Menschen in ihren oft sicheren Tod.

* nach „Kein Hüsung“ von Fritz Reuter

Übernommen mit freundlicher Genehmigung des Bündnisses Demmin nazifrei.


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