Aufruf: „Weder frei, noch wild!“ – Gegen das „Frei.Wild“ Konzert in Rostock!

Die Südtiroler Band „Frei.Wild“ gibt sich betont unpolitisch, ihre Texte und ihre Aussagen außerhalb der Bühnen sprechen eine andere Sprache.
Mit der „Feinde-deiner-Feinde-Arena Tour“ will „Frei.Wild“ die größten Hallen in der Bundesrepublik füllen, schon jetzt steht ihr gleichnamiges Album auf Platz 2 der deutschen Albumcharts. Auch in Mecklenburg-Vorpommern macht die Gruppe halt. Am 24. November wird die Band voraussichtlich in der Hanse Messehalle Rostocks spielen, die in Städtischer Hand ist. Die Stadt Rostock überlässt also einer besonders in rechtsradikalen Kreisen beliebten Band ihre Halle.

Was macht Frei.Wild so umstritten?
Philipp Burger, Sänger der Band „Frei.Wild“, war bis vor Kurzem Mitglied der rechtspopulistischen Partei „Die Freiheitlichen“ in Südtirol und saß schließlich für sie sogar im Stadtparlament von Brixen. Erst auf Anraten des Bandmanagements trat er aus der Partei aus und verließ auch das Parlament. Burger verbreitete anschließend folgende Erklärung:
„Was die Mitgliedschaft bei den Freiheitlichen betrifft: Ich bin aus der Partei wieder ausgetreten und habe auch das Amt niedergelegt, aber nicht deswegen, weil ich Schuldgefühle habe oder mit dem Parteiprogramm nicht einverstanden wäre, soviel ist sicher, sondern weil ich vor allem in der Aussprache mit der Crew, eingesehen habe, dass es zwiespältig ist, Parteimitglied zu sein und gleichzeitig Distanz von der gesamten Politik zu nehmen, da gebe ich euch recht und habe meine Konsequenzen gezogen.“
Der Sänger einer selbst erklärten „unpolitischen“ Musikgruppe ist nicht aus inhaltlichen Gründen aus seiner rechtspopulistischen Partei ausgetreten, sondern aus der Vermarktungslogik seiner Musik heraus.

„Klare Worte“ von Burger?
In einem kürzlich veröffentlichten Video distanziert Philipp Burger sich offiziell von Nazis. Doch wie glaubwürdig sind die Worte Burgers schon, wenn er nicht aus „inhaltlichen Gründen“ bei den „Freiheitlichen“ ausgetreten ist? Darüber hinaus dürfte eine möglichst reibungslose Tour, ohne Proteste, nur positiv für ihn und seine Gruppe sein. Auf Youtube, wo das Video hochgeladen wurde, versucht die Band in der Kommentarspalte die Liedtexte der Nazi-Band „Kaiserjäger“, bei der Burger ebenfalls Sänger war, zu relativieren.
Wie viele einschlägig bekannte Nazi-Bands, zieren „Frei.Wilds“ Liedtexte jede Menge zweideutige Anspielungen und bedienen altbekannte Klischees. So heißt es in einem Liedtext: „All die Verbrechen, all der Schmerz auf dieser Welt wurde euch so oft zuteil, ihr seid arm und meidet Geld. Komisch, dass es euch so gut geht, dass ihr selbst in Reichtum schwebt.“
Wer ist gemeint? Zwar werden im selben Liedtext Priester und Journalisten erwähnt, auf diese passen der Textausschnitt allerdings kaum. Vielmehr scheint hinter dem auf den ersten Blick sehr allgemein gehaltenen Text eine Anspielung auf die Opfer der Shoah zu stecken, die von der Bundesrepublik Entschädigungen erhalten bzw. auf diese seit fast 70 Jahren warten. Genauso wird das antisemitischen Klischee der ewig-reichen und raffgierigen Juden gezeichnet. Nazis, die es gewohnt sind, ihre politische Überzeugung in der Öffentlichkeit teilweise zu verstecken, achten auf solche subtilen Liedtexte.

Extremisten-Jäger „Frei.Wild“?
Während der Europameisterschaft 2012 gab Philipp Burger ein Statement zu einem im Internet kursierenden Bild ab, auf dem ein Stumpf einer abgerissenen Auto-Deutschlandfahne zu sehen war, an dem ein Flyer gegen Nationalismus angebracht war. Dabei gab er unter anderem von sich:
„Meiner Meinung nach langt es auch irgendwann mit dieser ewigen ,Selbstscham‘ und diesem niemals enden wollenden ,Selbsthass‘ jedes deutsch sprechenden Bürgers. […] Auch macht man Vergangenes nicht ungeschehen, indem man schon seit Jahrzehnten davon finanziell Profitierende, lechzend nach einer Daseinsberechtigung für ihr klägliches Dasein, weiter unterstützt und ihre Meinung blind unterstreicht, nur um ja nicht dagegen zu pissen.“ Im Vorletzten Satz seiner Erklärung gibt sich Burger dann auch noch als Extremisten-Jäger zu erkennen: „Zum Foto an sich: Und wieder wurde auf eindrucksvollste Art und Weise eines bewiesen: Extremisten sind Scheisse, egal woher sie kommen!“.
Die Extremismustheorie wird hauptsächlich von Konservativen und Erzkonservativen verbreitet und dient nicht selten dem Zweck, antifaschistisches Engagement gegen zum Beispiel Naziaufmärsche, zu delegitimieren. Sie dient nicht dem Zweck wahre oder vermeintliche Gegner_Innen der Demokratie zu lokalisieren, sondern linke Ideen und linke Politik anzugreifen. Kaum verhohlen zur Schau gestellte antisemitische Liedtexte machen im Falle „Frei.Wilds“ deutlich, wo diese Band politisch steht. Die Verbreitung der Extremismustheorie unterstreicht dies noch einmal.

Weder frei, noch wild!
„Frei.wild“ steht für einen vermeintlich rebellischen, wilden männlichen Lebensstil, in dem der Stärkere das Recht hat. Patriotismus und Verachtung gegenüber Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen, prägen genau wie ein latenter Nationalismus die Liedtexte und den gesamten Habitus der Band. Die allzu oft rechtsoffene Zuhörerschaft wird es freuen.

Mehr Infos: wederfreinochwild.blogsport.de


2 Antworten auf „Aufruf: „Weder frei, noch wild!“ – Gegen das „Frei.Wild“ Konzert in Rostock!“


  1. 1 lea Conradt 15. März 2013 um 18:27 Uhr

    Ich bin 12 und finde das frei wild nicht rechts ist ja ok das von Phillip war nicht cool da in der Partei zu sein, aber
    wen man bei den rechten kuckt ist frei wild als Verrätter da gestellt und das bedeutet ja das die rechten nicht zu frei wild stehen sie möchten bestimmt nicht das sie bei Aufmärschen der rechten gespielt werden was sollen sie denn machen wen das so ist :-w:((:d:(:-?[-(

  2. 2 Randgruppe 26. März 2013 um 4:35 Uhr

    Philipp Burger hat selbst klar gestellt dass er NIE Mitglied der Partei war, und das falsch dargelegt wurde. utube/watch?v=y2Ho7u6IiDo

    Admin
    Für solche Aussagen gibt es einen Begriff: „Lüge“
    komisch, dass er an anderen Stellen zugegeben hat, bei den „Freiheitlichen“ (gewesen) zu sein. Also: keine Ausreden bitte, du beleidigst den Intellekt der restlichen Leser_Innen

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