Archiv für November 2012

Protest gegen das Lager vergangenen Sonntag in Horst

Am vergangenen Sonntag versammelten sich antirassistische und antifaschistische Aktivist_innen aus MV, Hamburg und Berlin gemeinsam mit Flüchtlingen vor dem Lager in Horst bei Boizenburg, um unter dem Motto „Lager Horst abschaffen – aus Rostock-Lichtenhagen lernen!“ gemeinsam gegen das Lager zu protestieren.


Bild: Die Polizei, weder Freund noch Helfer, war auch vor Ort.

Das Lager wurde unmittelbar nach dem Pogrom von Rostock-Lichtenhagen bewusst in die Abgeschiedenheit in ein Waldstück an die Grenze zu Niedersachsen und Schleswig-Holstein verlegt. Damit leiden Flüchtlinge bis heute unter den Konsequenzen des Pogroms in Lichtenhagen. Eine ausreichende Beratung, der Zugang zu Anwält_innen und Unterstützungsstrukturen sind in Horst nicht gegeben. In dem zum Teil mit Stacheldraht umzäunten Lager werden Flüchtlinge systematisch entmündigt und isoliert. Wesentliche menschliche Tätigkeiten wie das eigene Zubereiten von Mahlzeiten ist den ihnen in Horst untersagt. Die Proteste der vergangenen Jahre, darunter der Hungerstreik von afghanischen Flüchtlingen im Herbst 2010, führten bis jetzt zu geringfügigen Veränderungen. So wurde die medizinische Versorgung im Lager durch zusätzliche Sprechzeiten augfestockt, was an der Qualität der medizischen Versorgung dennoch nichts verbesserte. Desweiteren wurde eine Lagerschule eingerichtet, in der alle Altersstufen durch eine Lehrerin betreut werden. Solche Maßnahmen sind für Politiker_innen der SPD beispielsweise ausreichend um die Existenz des Lagers weiter zu rechtfertigen. Innenminister Caffier (MV) sieht derweil die Lebensbedingungen im Lager Horst als “angemessene Haltung”. Eben jener Politiker, der wie viele andere im Zusammenhang mit dem Gedenken an das rassistische und antiziganistische Pogrom in Lichtenhagen vor 20 Jahren wiederholt davon sprach, dass man aus Lichtenhagen lernen müsse. Die isolierte Lage, die Ausgestaltung und die Leitung des Lagers, sowie die permanente Polizeipräsenz lassen für die Flüchtlinge das Lager indes zu einem Gefängnis werden. Von diesem gefängnishaften Charakter konnten sich an diesem Tag auch die Angereisten einen Eindruck verschaffen. Das Polizeiaufgebot, welches sich demonstrativ am Eingang des Lagers inszenierte, war im Vergleich zu vorherigen Aktionen vor dem Lager sogar größer als sonst, schüchterte viele Flüchtlinge ein und hielt sie davon ab, zu der Kundgebung vor dem Lager zu gehen.


Bild: Kundgebung vor dem Flüchtlingsheim.


Bild: Auch leichter Regen konnte den Kleinen die Laune nicht verderben.

In den Redebeiträgen der Kampagne Stop it! Rassismus bekämpfen – alle Lager abschaffen!, des Hamburger Flüchtlingsrats und von Vertretern des Refugee Protest Camps aus Berlin wurde die Abschaffung des Lagers gefordert. Dies wäre eine notwendige Konsequenz aus dem Pogrom in Lichtenhagen und dem damaligen Versagen der Behörden und Politik. Für MV wurde eine menschenwürdige Erstaufnahmeeinrichtung in einer großen Stadt wie Rostock gefordert, in der der Aufenthalt nur kurz sein solle. Langfristig forderten die AktivistInnen Flüchtlinge vom ersten Tag an in Wohnungen unterzubringen.
Zwischen den Redebeitägen stimmte immer wieder Musik an, die die Flüchtlinge selbst auswählten und die viele Flüchtlinge zum Tanzen anregte. Einer von ihnen betonte, dass sie in diesem Lager alles vergessen haben, was sie mögen und was sie als Menschen ausmache, unter anderem auch das Tanzen. Besonders erfreut waren die Teilnehmenden über den Auftritt von Mc Nuri und Mc Hossein, zwei Rappern, die selbst in Flüchtlingslagern leben und sich in dem vom Heinz Ratz initiierten Musik-Projekt The Refugees engagieren. In ihren Liedern drücken sie die Schmerzen und Ängste aus, die sie im Alltag der Flüchtlingslager und aufgrund einer ungewissen Perspektive in Deutschland erleben. So lautet ein Titel „Wenn du gefangen bist“, der die Isolation, Perspektivlosigkeit und Ungewissheit vom Leben eines Flüchtlings thematisiert. Gegen diese Bedingungen zu kämpfen, rief ein Aktivist des Flüchtlingsprotests aus Berlin auf.
Er betonte, dass die Situation in Horst kein Einzelfall sei und ermutige die anderen Flüchtlinge sich dem Kampf für gleiche Rechte und für ein meschliches und antikapitalistisches System anzuschließen. Mehrfach wiederholte er lautstark die zentralen Forderungen des Flüchtlingsprotestes, die Residenzpflicht und Lagerunterbringung abzuschaffen und Abschiebungen zu stoppen, mit Nachdruck ausgesprochen. Am Abschluss der Redebeiträge wurden außerdem Filmbeiträge von den Flüchtlingsprotesten gezeigt.


Bild: Auch die Großen hatten ihre Freude.

Mit einem Kicker, bunter Kreide und anderen Spielmöglichkeiten wurde versucht, den Kindern und Jugendlichen, von denen im Vergleich zu anderen Besuchen sehr viele im Lager untergebracht waren, an diesem Tag etwas Abwechslung im tristen Lageralltag zu ermöglichen.
Über ein offenes Mikrofon forderten Roma mehrmals, umgehend einen Transfer in eine andere Flüchtlingsunterkunft zu bekommen. Wie schlecht sich die Situation der meisten Roma in Horst darstellt und dass die antiziganistische von Innenminister Caffier & Co., die einen kollektiven “Asylmissbrauch” von Flüchtlingen aus Serbien und Mazedonien konstruierte. nicht folgenlos bleibt, wurde in Einzelgesprächen deutlich. Roma-Flüchtlinge berichteten von einem massiven Druck der Behörden, einer sogenannten „freiwilligen Ausreise“ zu zustimmen und von der Androhung, Polizeikräfte hinzuziehen. Viele Roma sind dieser Aufforderung aufgrund des Drucks und aus Unwissenheit gefolgt. Laut Aussagen einiger Flüchtlinge soll am kommenden Montag, dem 19.11., ein Bus mit Flüchtlingen direkt von Horst nach Serbien fahren. Betroffen werden zu großen Teilen Roma sein. Eine weitere Abschiebungsaktion soll über Hamburg mit dem Flugzeug nach Mazedonien erfolgen. Auch in anderen Bundesländern stehen derzeit Abschiebungen vorwiegend von Roma nach Serbien und Mazedonien an, bzw. sind schon erfolgt. Wie effektiv die Isolation des Lagers Horst diesbezüglich für die Politik ist, wird an diesen anstehenden Abschiebungen deutlich. Da ein kontinuierlicher Kontakt aufgrund der abgelegenen Lage schwierig ist, erfahren UnterstützerInnen selten von solchen Aktionen.

Der Kampf für die Abschaffung des Isolationslagers in Horst wird weitergehen. Haltet euch wegen der anstehenden Abschiebungen auf dem Laufenden. Wir werden die Abschiebungen nicht einfach hinnehmen und uns nach unseren Möglichkeiten solidarisch mit den betroffenen Flüchtlingen zeigen!

Text und Fotos übernommen von Indymedia nach einer CC Lizenz.

Rostock: Das Wochenende im Polyvolt

Freitag 16.11. – Subversiv Saufen feat. Ausstellung – 20 Uhr

Am Freitag Abend ist es nun endlich wieder soweit. Der heiß – geliebte Poly Tresen wird wieder allerhand köstliche Getränke und kleinere sowie größere Spezialitäten für euch bereit halten. Neben den üblichen Möglichekeiten kreativ zu werden, unsere tolle Spielesammlung zu testen oder einfach nur an der Theke zu Philosophieren, öffnet zusätzlich die Pallette – Galerie ihre Pforten. Zu sehen sind momentan zwei besonders schöne Foto – und Skulpturenausstellungen unter den Titeln „Träume pflücken!“ und „Die Spiegelgesichter“. Der Fotokünstler Eckhard Ischebeck und die Skulpturbildnerin Freulein Regengesicht laden also ein zum Träumen und Reflektieren.

Sonntag 18.11. – Vokü mit anschließender Filmvorführung – 19 Uhr

Ab 19 Uhr könnt ihr, wie schon so oft, die köstlichen bio – veganen Schmackhaftigkeiten von Mob.Kitchen genießen. Anschließend zeigen wir einen Dokumentarfilm über den langjährigen Polizei – Spitzel in der britischen und internationalen autonomen Szene Mark Kennedy.

Erzählt es weiter, kommt vorbei! ;-)

Mehr Infos unter: polyvolt.blogsport.de

Rostock: NPD-Jugend wirbt mit Hakenkreuzen an Schulen

Die vergangenen Wochen war die Jugendorganisation der neofaschistischen NPD, die Jungen Nationaldemokraten (JN), mit Infoständen vor Schulen unterwegs. Neben einem Mini-Infostand mit dabei war auch immer ein Sonnenschirm, mit vermeintlich modernem Aussehen und JN-Logo.

So war es wohl auch, als drei Aktivist_Innen der JN am 13.11. vor dem Innerstädtischen Gymnasium (ISG) in Rostock auftauchten. Wie gewohnt wollten die Drei ihren Stand samt Schirm aufbauen, um den vorbeiziehenden Schüler_Innen ihre Propagandaflyer in die Hand zu drücken.

Doch der Infostand entpuppte sich – wie schon so oft in der Vergangenheit -. als Flop. Die meisten rechtsradikalen Flugblätter sollen in die nächstgelegenen Mülltonnen gewandert sein und zu guter Letzt stand der Gruppe eine Anzeige ins Haus. Der Aufdruck des auffälligen Sonnenschirm enthielt nämlich ein kaum sichtbares Hakenkreuz. Polizeisprecherin Isabel Wenzel bestätigte auf Nachfrage der Ostsee Zeitung: „Deswegen ist bei uns eine Anzeige eingegangen.“ Ob und wann es wirklich zu einem Verfahren, geschweige denn einer Verurteilung kommt, ist bislang noch nicht bekannt. Stören dürfte eine Verurteilung den Nachwuchs der NPD allerdings herzlich wenig.

Feine Sahne Fischfilet & Audiolith: Präsentkorb für den Verfassungsschutz

Die landes- und bundesweit bekannte Punk Band Feine Sahne Fischfilet steht seit kurzem bei dem Label Audiolith unter Vertrag. Das aktuelle Album „Scheitern & Verstehen“ sorgte für ordentlich Wirbel. Der Verfassungsschutzbericht des Innenministeriums MV widmete der band sogar mehr Platz, als dem auch in MV mordenden und plündernden Nationalsozialistischen Untergrund (NSU). Für die glänzende Promotion bedankte sich die Band jetzt gemeinsam mit ihrem Label. Wir dokumentieren an dieser Stelle eine entsprechende Pressemitteilung von Audiolith Records vom 13. November. ;-)


Bild: Die Präsentkorbübergabe an das Innenministerium unter anderem mit Feine Sahne Sänger Monchi. (Foto: www.audiolith.net)

Sehr geehrte Medienfreunde,

sicher haben Sie in den vergangenen Wochen etwas über die Band „Feine Sahne Fischfilet“ gelesen. Die Jungs aus Greifswald haben bei uns letzte Woche ihr Album „Scheitern und Verstehen“ rausgebracht. Bis vor kurzem waren sie wirklich nur ausgewiesenen Szenekennern ein Begriff. Dies hat sich mit dem Release schlagartig geändert. Das lag nicht nur an der starken Single und dem tollen Clip, sondern auch an der ausgezeichneten Promotion. So muss das laufen!

Das Lob für diese Promotion gebührt in diesem Fall aber nicht uns, dem Label, und auch unsere ausgefuchsten Promoterinnen und Promoter können die Lorbeeren bei diesem Release nicht einheimsen. Nein! Die Props für die Promo gehen dieses Mal ganz alleine an das Landesamt für Verfassungsschutz in Mecklenburg-Vorpommern! Die 85 Herren und Damen vom VS haben uns einen großen Dienst erwiesen. Ganz umsonst war ihre Arbeit sicher nicht, aber diesmal zahlen nicht wir sondern der Steuerzahler. Cool!

Es erschienen Artikel in der taz, bei Spiegel Online, in der Melodie&Rhythmus, in der Süddeutschen und eigentlich überall sonst auch. Die Single „Komplett im Arsch“ hat inzwischen über 100.000 Plays im Internet und wir müssen das Album „Scheitern und Verstehen“ noch mal nachpressen. Selbstredend waren auch die ersten Shows komplett ausverkauft. Soweit erstmal Cheers!

Weil wir ehrenwerte Kaufleute sind, wollten wir uns auch noch mal persönlich mit Handschlag bei dem Laden bedanken. Das haben wir heute Morgen getan. Mit der Regionalbahn sind wir in die kleinste Landeshauptstadt der Bundesrepublik, nach Schwerin, gefahren und haben das Innenministerium aufgesucht. Weil man auch dort von warmen Worten allein nicht satt wird, haben wir ein kleines Geschenk mitgebracht. Einen herrlichen Präsentkorb von real aus dem Schlossparkcenter – mit Leberwurst, Filterkaffee, grünen Bohnen und anderen Leckereien.

Um dem ganzen noch eine persönliche Note zu geben, haben wir noch die aktuelle Ausgabe des Antifaschistischen Infoblattes (Titel: V-Leute und Aktenvernichter), das Hit-Album „Scheitern und Verstehen“ und eine schöne Dankeskarte mit einer Giraffe drauf beigefügt.

Nach kurzen Irritationen – schließlich sind die Beamten ja im Öffentlichen Dienst und dürfen keine Bestechungen annehmen – durften wir den Korb dann wirklich persönlich übergeben. Der freundliche Pressereferent des Innenministeriums nahm das feine Präsent entgegen. Wir hoffen, dass es komplett und ungeschreddert beim Verfassungsschutz ankommt.

Das Lob und die guten Wünsche werden es sicher tun. Es ist doch schön, wenn man Anderen eine Freude machen kann.

In diesem Sinne!

Antifaschistische Grüße
Euer Audiolith

Rostock: Veranstaltung „Agro- Gentechnik in MV“ im Peter-Weiß Haus

Gentechnisch veränderte Pflanzen werden weltweit auf immer größeren Flächen angebaut. Mecklenburg-Vorpommern hatte bis 2009 bundesweit die drittgrößte Anbaufläche gentechnisch veränderter Pflanzen. Die Gentechnikindustrie versucht die Menschen von dieser Technologie zu überzeugen. Dennoch wächst die Kritik an Agro-Gentechnik, die meisten Menschen wollen keine gentechnisch veränderten Nahrungsmittel auf ihren Tellern. Die Veranstaltung zeigt die Bedeutung von Gentechnik und ihren Folgen für Mensch und Natur auf.

Ein „Politischer Donnerstag“ des Peter-Weiß Hauses im Rahmen der entwicklungspolitischen Tage des Eine-Welt-Landesnetzwerkes.

Wo? Peter-Weiß Haus Rostock
Wann? Am 15.11.2012 um 20 Uhr

Rostock: Film “Nach dem Brand” über das Pogrom in Mölln am 15.11.12 im Café Median

In Mölln legen am 20. November 1992 Neonazis einen Brand im Haus der türkischstämmigen Familie Arslan. Drei Familienangehörige kommen in den Flammen ums Leben, der Rest kann sich aus dem Haus retten – darunter auch der damals siebenjährige Ibrahim und seine Mutter Hava. Der Vater erreicht den Unglücksort als nur noch die verheerenden Folgen des Brandanschlags zu erkennen sind: Seine Mutter, seine Nichte und auch die kleine Tochter sind dem Brand zum Opfer gefallen.

Die Berliner Filmemacherin Malou Berlin hat die Familie Arslan über mehrere Jahre begleitet. Der Filme “Nach dem Brand” zeichnet ein persönliches Portrait der Überlebenden des Anschlags, ihrem Umgang mit dem Verlust ihrer Angehörigen, ihren Träumen und Wünschen.

Erstaufführung: Filmfest Hamburg, Oktober 2012 / Nominierung: Prix Europa 2012 in der Kategorie IRIS Nordische Filmtage Lübeck, Oktober/November 2012

Nach dem Film wird es Infos zur Gedenk-Demo am kommenden Samstag, dem 17.11., in Mölln geben, die unter dem Motto: „Mölln ’92 – Gedenken und anklagen! / Anma ve kınama!“ steht.

Mehr Infos: stopitkampagne.blogsport.de und www.rassismus-toetet.de

„Das Problem heißt Rassismus!“ Kundgebung in Rostock

Am 05.11. fand anlässlich des Jahrestages der Aufdeckung der NSU Morde eine Kundgebung in Rostock statt. Unter dem Motto „Das Problem heißt Rassismus! Schluss mit der Vertuschung der NSU-Morde“ kamen vergangenen Montag Abend mehr als 200 Menschen zusammen um unter anderem für eine öffentliche Aufklärung der Verbindungen des „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) nach Mecklenburg-Vorpommern zu protestieren.

„Das Lager muss weg!“ – 150 demonstrieren für Schließung des Erstaufnahmelagers in Nostorf/Horst

Pressemitteilung der Kampagne „Stop it! – Alle Lager schließen“ vom 11. November 2012

Am heutigen Sonntag demonstrierten antirassistische und antifaschistische Aktivist_innen aus Hamburg, Rostock und Berlin gemeinsam mit Flüchtlingen unter dem Motto „Lager Horst abschaffen – aus Rostock-Lichtenhagen lernen“ vor dem Erstaufnahmelager in Nostorf/Horst bei Boizenburg. In mehreren Redebeiträgen forderten die Teilnehmenden die Schließung des Lagers, welches unmittelbar nach dem Pogrom von Rostock-Lichtenhagen bewusst in die Abgeschiedenheit in ein Waldstück bei Boizenburg verlegt worden ist. „Eine ausreichende Beratung, der Zugang zu Anwält_innen und Unterstützungsstrukturen sind in Horst nicht gegeben. Dies ist jedoch gerade in den ersten Wochen des Asylverfahrens dringend notwendig“, kritisiert Kim Ayalan, Pressesprecherin der Kampagne.

„In dem zum Teil mit Stacheldraht umzäunten Lager werden Flüchtlinge seit fast zwanzig Jahren systematisch entmündigt und isoliert“, so Ayalan weiter. Dass die Situation in Horst kein Einzelfall ist, wurde im Beitrag von Aktivisten des Refugee Protest Camps aus Berlin deutlich. Auch in Horst wurde sich für die zentralen Forderungen des Flüchtlingsprotestes, die Residenzpflicht und Lagerunterbringung abzuschaffen und Abschiebungen zu stoppen, mit Nachdruck ausgesprochen. Mit diversen Spielmöglichkeiten, einem Kuchenbazar und Live-Musik zweier HipHop-Künstler wurde versucht, die Isolation des tristen Lageralltags zu aufzubrechen und mit den Flüchtlingen in Kontakt zu kommen.

Die Aktivst_innen kündigten an, sich auch weiterhin für die Abschaffung des Lagers einzusetzen.

Wolgast: Erfolgreiche Blockaden trotz massiver Schikanen der Polizei

Pressemitteilung des Bündnisses „Rassisten stoppen – Solidarität mit Flüchtlingen“ vom 9. November 2012

Friedliche Menschenblockaden mit hunderten Teilnehmenden behinderten erfolgreich den NPD-Aufmarsch am gestrigen 9. November in Wolgast. Sie verhinderten damit die Inszenierung einer menschenverachtenden neonazistischen Ideologie durch NPD und Freie Kameradschaftsszene, die sich am gestrigen Tag vor allem gegen Flüchtlinge in Wolgast richtete.

Während das Verwaltungsgericht in Greifswald der bewussten Provokation durch Neonazis, am 74. Jahrestag der Reichspogromnacht in Wolgast einen Fackelmarsch gegen einen vermeintlichen „Asylmissbrauch“ durchführen zu wollen, noch kurz zuvor durch die Aufhebung des Verbotes stattgaben, konnte zivilgesellschaftliches Engagement die Aufmarschroute weitreichend verkürzen und zwangen die Neonazis zwischenzeitlich zu einem Stillstand ihres Marsches von über einer dreiviertel Stunde.

„Wir werten den Tag als deutlichen Erfolg! Mindestens 500 lokal und überregional angereiste Aktivist*innen beteiligten sich an den von uns organisierten Sitzblockaden. Die Nazis konnten aufgrund der Blockaden erst nach einer zweistündigen Verzögerung beginnen und kein Stück ihrer geplanten Marschroute gehen; und das in einer Region, in der sie sich ihrer politischen Vormachtstellung bislang sicher waren.“, so Julia Gärtner, Pressesprecherin des Bündnisses. Mehrere Blockaden in der Chausseestraße sorgten dafür, dass nach gerade einmal einem Kilometer kein Weiterkommen für die Nazis mehr war.

Das Bündnis „Rassisten stoppen – Solidarität mit Flüchtlingen“ übt jedoch harsche Kritik am Einsatz der Polizei und Sicherheitsbehörden. Bei den großen Blockaden in der Saar- und Chausseestraße hat die Anzahl der Blockierenden sowie die starke Medienpräsenz zu einem mäßigen Verhalten der Ordnungsbehörden geführt. An Orten, an denen die mediale und zivilgesellschaftliche Kontrolle nicht gegeben war, kam es zu unverhältnismäßigen Übergriffen seitens der Polizei. So wurde von Schlagstock- und Pfeffersprayeinsatz gegen eine kleinere Sitzblockaden und von Hetzjagden auf Aktivist*innen, die nach Beendigung der Nazi-Kundgebung lediglich ihre Heimfahrt antreten wollten, berichtet. „Besonders scharf kritisieren wir die langwierigen, offensichtlich rechtswidrigen Kontrollen der Reisebusse aus Berlin, Rostock und Hamburg. Diese reihen sich in das Bemühen des Staatsschutzes im Vorfeld des 9.November ein, die Anreise von Protestierenden durch Einschüchterung der Busunternehmen zu verhindern. “Die Strategie der Sicherheitsbehörden richtete sich von vornherein darauf, die Anreise der Gegendemonstrant*innen zu angemeldeten und gestatteten Kundgebungen zu unterbinden oder so lange zu verzögern, bis ein effektiver Protest gegen die Nazis kaum noch möglich gewesen wäre. Es ist empörend, dass Polizei und Behörden weiterhin Anti-Nazi-Proteste pauschal kriminalisieren!“, so Julia Gärtner weiter. Langwierige und schikanöse Identitätsfeststellungen verzögerten darüber hinaus die Abfahrt der Busse nach Hamburg und Rostock.

Erfreut zeigt sich das Bündnis dagegen über die gute Zusammenarbeit mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteur*innen. So ergänzten Mahnwachen und der vom Bündnis “Vorpommern: weltoffen, demokratisch, bunt!” organisierte Lampionumzug mit etwa 700 Teilnehmenden die Blockaden und setzen ebenfalls ein deutliches Zeichen der Ablehnung von rassistischem Gedankengut. Durch die verschiedenen Aktionsformen waren insgesamt über 1000 bis 1200 Menschen an den Gegenveranstaltungen beteiligt.

“Wenngleich die Provokation der Neonazis nicht gänzlich verhindert werden konnte, deutet die stark verkürzte Route gerade in einer Region wie Wolgast auf eine positive Entwicklung zivilgesellschaftlichen Engagements hin. Wir hoffen, dass dieser Erfolg eine gute Basis für eine gemeinsame Zusammenarbeit in der Zukunft darstellt. Denn für die Flüchtlinge im Wolgaster Heim kehrt nun wieder der Alltag ein. Nun gilt es wieder die konkrete Unterstützungsarbeit für die Flüchtlinge in Wolgast voranzutreiben!“, so Gärtner abschließend.

Einen weiteren Artikel über die Aktionen am 9.11. in Wolgast findet ihr bei Kombinat Fortschritt, Fotos gibt es unter anderem hier.

Rostock: „Splitter der Kristallnacht“ im Theater Mechaje am 11.November

Am 9. November jährte die die Reichspogromnacht zum 74. mal. Das einzige jüdische Theater in Mecklenburg-Vorpommern, das Mechaje in Rostock, führt am 11. November das Stück „Splitter der Kristallnacht“ auf.

Das Stück ist in Eigenregie entstanden und nimmt verschiedene Werke deutscher und jüdischer Schriftsteller_Innen als Basis. Dieses Stück erinnert an dutzende zerstörte Schicksale und den Beginn der systematischen Verfolgung der jüdischen Minorität in Nazi-Deutschland.

Das Stück wird ab 18Uhr im Theater im Stadthafen aufgeführt.

Erstes Fazit nach dem Naziaufmarsch in Wolgast

Vor nicht einmal einer Stunde haben die Nazis ihren Aufmarsch in Wolgast notgedrungen beendet. Etwa 200 Neofaschist_Innen kamen in die Stadt, konnten aber ihr Ziel – mit Fackeln zum neuen Flüchtlingsheim zu marschieren – nicht erreichen. Das Oberverwaltungsgericht Greifswald verbot einen Aufmarsch in Wolgast-Nord damit musste sich die NPD auf den Süden der Stadt beschränken. Zuvor wurde bereits das Mitführen von Fackeln verboten. Etwa 1.200 Menschen blockierten die Nazis an verschiedenen Stellen und sorgten damit dafür, dass die Nazis, die ohnehin mit anderthalb Stunden Verspätung loszogen, gerade einmal knappe 1,5 Kilometer laufen konnten.

Die NPD hatte ihren Aufmarsch bis 22Uhr angemeldet. Verzögerungen beim Start ihres Marsches, sowie mehrere Blockaden in der näheren Umgebung sorgten für gelangweiltes Rumstehen bei den Nazis. Schließlich marschierte die NPD über die Bahnhofsstraße und knickte dann in die Chausseestraße ein, dann war auch schon Schluss. Selbst den Ernst-Thälmann-Platz, wo sie ihre Kundgebung durchführen wollten, erreichten sie nicht.

Die Polizei war relativ friedlich, Bilder von brutalen Polizist_Innen, wie am 20. Oktober 2012, wollte die Einsatzleitung am Jahrestag der Reichspogromnacht wohl nicht produzieren. Die angedrohte Räumung der ersten Blockade auf der Saarstraße wurde nicht durchgeführt, wohl auch weil eine Ausweichroute für die Nazis gefunden wurde.

Nachdem der Aufmarsch der Nazis für beendet erklärt wurde, eskortiert die Polizei diese zurück zum Bahnhof. Vereinzelt laufen noch kleinere Gruppen von Rechten durch die Stadt, Vorsicht ist also nach wie vor notwendig!

Die Blockaden in Wolgast waren ein Teilerfolg, konnten die Nazis zum einen nicht unwesentlich wenige Menschen für ihren Aufmarsch mobilisieren, zum anderen konnten sie ein kleines Stück weit marschieren und damit ihre menschenverachtende Ideologie auf die Straße tragen. Wären die Menschen des Lampionumzuges im Norden der Stadt ebenfalls an den Blockaden beteiligt gewesen, hätte die Route der Nazis noch wesentlich kürzer ausfallen können. Dennoch konnte heute ein wichtiges Zeichen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gesetzt werden. Vorpommern ist eine Hochburg der Neofaschist_Innen. Zu zeigen, dass selbst hier effektiver antifaschistischer Protest innerhalb kürzester Zeit möglich ist, bringt den rechten Hegemonialanspruch auf viele Ortschaften im östlichen Teil des Bundeslandes einmal mehr ins Wanken.

Detaillierte Berichte sowie Fotos folgen die kommenden Tage. Bis dahin einen guten Heimweg und später eine gute Nacht!

Wolgast: Zwischenbilanz und Ausblick

Vor anderthalb Stunden wollte die NPD in Wolgast vom Bahnhof aus losmarschieren. Dort stehen sie auch jetzt noch. Etwa 100 Neofaschist_Innen sollen dem Aufruf der neofaschistischen Partei gefolgt sein.

Obwohl die Polizei im Vorfeld zumindest indirekt versuchte, Busunternehmen davon abzuhalten, Menschen die den braunen Mob blockieren wollen, nach Wolgast zu fahren, sind mehrere hunderte Gegendemonstrant_Innen in der Stadt.

Die nach Wolgast fahrenden Busse wurden vor der Stadt angehalten und von der Polizei kontrolliert – oder auch nicht. Teilweise wurden die Busse über eine Stunde lang festgehalten, ohne das es auch nur eine Personalkontrolle gab. Schließlich fuhren die Busse einfach weiter.

Schon gegen 17Uhr hatten 200 bis 300 Antifaschist_Innen auf der Saarstraße Platz genommen, um den Nazis den Weg zu versperren. Obwohl die Polizei ankündigte, 18Uhr diese Blockade zu räumen, passierte nichts. Für einige dutzend Neonazis wollte es die Einsatzleitung bislang offenbar nicht riskieren, erneut negativ in die Schlagzeilen zu geraten. Erst am 20. Oktober musste die Polizeiführung in der Hansestadt Wismar Rügen für den brutalen und martialischen Polizeieinsatz hinnehmen.

Eine weitere Blockade wurde mittlerweile auf der Phillipp-Müller-Straße errichtet. Dort werden aktuell noch Leute zur Verstärkung gesucht.

Weitere Aktuelle Infos bekommt ihr bei Twitter, einen Überblick über die Stadt bekommt ihr auf einer Google Map.

Kurzinfo: Google Map für Wolgast online

Für den heutigen Abend steht eine Google Map zu Verfügung. Diese wird regelmäßig aktualisiert. Reinklicken lohnt sich also! Zur Karte Google Map geht´s hier.

Greifswald: Sämtliche Stolpersteine aus dem Boden gerissen

Während erst heute das Oberverwaltungsgericht in Greifswald einen Aufmarsch der neofaschistischen NPD am Jahrestag der Reichspogromnacht für legitimierte, wurden in der vergangenen Nacht in der Hansestadt sämtliche Stolpersteine aus dem Boden gerissen. Insgesamt elf solcher Stolpersteine gibt es in der Stadt. Sie erinnern an Jüdinnen und Juden, die während der Nazi-Zeit in der Stadt verschleppt und/oder ermordet wurden.

Die Steine wurden in der Nacht vom 8. auf den 9. November aus dem Belag gerissen. Die Schändungen sind heute früh nach Angaben der Ostsee-Zeitung durch aufmerksame Bürger_Innen bemerkt worden. Die Polizei hat mittlerweile die Ermittlungen aufgenommen und geht sinniger Weise von einem „politisch motivierten Hintergrund“ aus, wie die OZ weiter verlauten ließ.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November brannten in ganz Deutschland Synagogen, wurden Jüdinnen und Juden durch die Straßen gehetzt, verprügelt und nicht selten ermordet. Mindestens 30.000 Menschen wurden damals in die Konzentrationslager der Nazis verschleppt. Die NS-Propaganda verklärte die Pogrome zur „Reichskristallnacht“, in Anlehnung an die vielen zerborstenen Scheiben jüdischer Geschäfte.

Greifswald: Oberverwaltungsgericht lässt NPD unter weiteren Auflagen marschieren

Heute wollen Neofaschist_Innen in der Stadt Wolgast aufmarschieren, um gegen den von ihnen propagierten „Asylmissbrauch“ zu demonstrieren. Hintergrund ist die Entstehung eines neuen Flüchtlingsheims in der Stadt.


Bild: Graffiti „Naziaufmarsch verhindern!“ in Rostock.

Der Landkreis Vorpommern-Greifswald hatte den geplanten Fackelmarsch zunächst verboten, dagegen ist die NPD aber vorgegangen und erhielt – wie so oft vor bundesdeutschen Gerichten – recht. Nach dieser Entscheidung wiederum legte der Landkreis Beschwerde ein, die nun abgewiesen wurde. Die Nazis dürfen marschieren – allerdings mit erheblichen Einschränkungen.

Zwar waren der NPD und ihren Anhänger_Innen bereits untersagt worden, mit Fackeln in Wolgast aufzumarschieren und sich weiter als 300 Meter vor dem Flüchtlingsheim zu bewegen, doch das Oberverwaltungsgerichts Greifswald legte jetzt weiter nach. Die Route der Nazis wurde nun so gelegt, dass die Neofaschist_Innen gar nicht erst in das Viertel, in dem das Flüchtlingsheim steht, hinein kommen.
Theoretisch bliebe dem Landkreis jetzt noch die Berufung vor dem Bundesverfassungsgericht. Ob der Landkreis diese Möglichkeit nutzen wird, ist noch nicht bekannt.




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