Güstrow: NS-Vergleich als Aufruf zum Widerstand gegen Naziaufmarsch?

* Am 23. März wollen Nazis durch Güstrow marschieren *** NPD will an jüdischem Friedhof vorbeilaufen *** Pastor vergleicht Flüchtlinge mit Vertriebenen in den vierziger Jahren **

Von Janin Krude

Diesen Sonabend will die NPD durch Gütrow marschieren. Dort soll im Stadtteil Dettmannsdorf im April ein Flüchtlingsheim für 124 Menschen entstehen. Während antirassistische Initiativen bereits seit Bekanntwerdung des Aufmarsches Proteste gegen die rassistische Hetze organisieren, äußerte sich die Güstrower Zivilgesellschaft alles andere als früh. Teilweise war das sogar gut so, denn die Bekundungen waren und sind alles andere als hilfreich, sollte es darum gehen, den Nazis gemeinsam und entschlossen entgegenzutreten.

„Ich kann nicht schweigen“
Jetzt hat sich auch der örtliche Pastor zu Wort gemeldet. „Ich kann nicht schweigen, wenn Menschen diskriminiert werden und man sich gegenüber Menschen, die in Not geraten sind, verschließt“ erklärt Matthias Ortmann, der für das seelische Heil der Menschen auch in Dettmannsdorf zuständig ist. Er fährt fort: „Gerade unsere Elterngeneration musste am eigenem Leib Flucht und Vertreibung erfahren.“ und spielt damit auf die Vertriebenen unter anderem aus den Gebieten des heutigen Westpolens in den vierziger und fünfziger Jahre an.


Bild: Während in Güstrow gegen Flüchtlinge gerne gehetzt wird, werden die „Vertriebenen“ des Zweiten Weltkrieges wie Helden verehrt. Hier ein „Gedenkgesteck“ an das verlorene Ostpreußen in Rostock.

Bitterer NS-Vergleich
So gut das Statment Ortmanns gemeint sein mag, der Vergleich der Flüchtlinge, die im Laufe des Jahres nach Güstrow kommen, mit den hunderttausenden NS-Mitläufer_Innen und überzeugten Nazis stößt bitter auf. Die „Vertriebenen“ hatten ihre Flucht zu großen Stücken selbst zu verantworten. 12 Jahre lang rannten die meisten von ihnen blind den NS-Demagogen hinterher oder waren selbst überzeugte Herrenmenschen. Andere beteiligten sich an dem Genozid der europäischen Jüd_Innen und anderen Menschengruppen, die nicht in die Volksgemeinschaft passten, wie sie die heutigen Nazis auch noch predigen.

Die Flüchtlinge, die in den kommenden Monaten nach Mecklenburg-Vorpommern ziehen, kommen unter anderem aus Afghanistan, dem ehemaligen Jugoslawien, afrikanischen Spannungsgebieten und anderen Regionen der Welt. Die Kriege und Krisen in ihren Ländern wurden dort nicht zuletzt durch Interventionen westlicher Staaten, auch der Bundesrepublik, verursacht und sind nur selten das Produkt der eigenen Bevölkerung. Der Vergleich der Vertriebenen aus Schlesien und co. mit den heutigen Flüchtlingen zeugt daher von einer historischen Unkenntnis, wie man sie selbst in der Kirche nicht überall findet. Die „Opfer“ der Vertreibungen waren eben keine unschuldigen Lämmer, sie bekamen bei Ende des Krieges lediglich einen Bruchteil des Leides zu spüren, dass sie und ihre Angehörigen die Jahre zuvor millionen anderer Menschen angetan hatten.

NPD will an jüdischem Friedhof vorbeimarschieren
Während mittlerweile Gerüchte über Nazi-Route durchgesickert sind und die NPD wahrscheinlich an einem jüdischen Friedhof vorbeimarschieren will, haben die Vertreter_Innen der bürgerlichen Parteien die bittere Realität, dass Rassismus und Fremdenfeindichkeit ein zunehmendes Problem der gesamten Gesellschaft ist, immernoch nicht erkannt. Hartmut Reimann von der SPD äußerte in Bezug auf die gegen das Flüchtlingsheim verteilten Flugblätter in Güstrow: „Es ist bedenklich, dass es in Güstrow so abwertende Meinungen über Flüchtlinge gibt.“ Die Zeit bedenklich zu sein, ist schon lange vorbei. Jetzt ist es Zeit aktiv zu werden.

Das Bündnis „Rassisten stoppen!“ ruft zu Protesten gegen den NPD-Aufmarsch auf. Aus Greifswald werden bereits Busse organisiert, die nach Güstrow fahren. Genaue Infos über Aktionen und Widerstand bekommt ihr unter rassistenstoppen.blogsport.eu.

Kommt mit nach Güstrow!

Refugees welcome!

Naziaufmärsche blockieren ist unser Recht!


0 Antworten auf „Güstrow: NS-Vergleich als Aufruf zum Widerstand gegen Naziaufmarsch?“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

:) :( :d :"> :(( \:d/ :x 8-| /:) :o :-? :-" :-w ;) [-( :)>- more »

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


acht × vier =



Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: