Rostock: Lesung „Zehn Rostocker Ströper – Jahrgang 1926“ am 08.04. im Berghotel

De NPD tau verbeiden kann doch nich so swor sin? Lesung aus Kurt Kaisers Erinnerungsbuch

Kurt Kaiser,  Jg. 1926 und ein Rostocker Urgestein, veröffentlichte 2011 im Eigenverlag sein Buch: „Zehn Rostocker Ströper – Jahrgang 1926“ mit Erinnerungen und Fotos. Vier der zehn Ströpers blieben im Krieg, zwei kamen in Auschwitz um. Und so fragt sich Kaiser heute besorgt:

„Wat motiviert wen hüt, sik mit Teiken von ´t faschistisch Düütschland, dat soväl Leed oewer de Minschheit bröcht het, tau identifizieren? Wat hemm Öllern versühmt, üm ehre Kinner mit eigene Erfohrungen de Vergangenheits-Lihren oewertügend tau vermitteln? De Gegenwart zeigt uns, dat wi wat versühmt hemm.
Man fragt sik: Wi wier dat moeglich, dat Düütschland in de Johren 1933 bit 1945 de Völker un sik sülwst soväl Leed taufügt het un dorför as faschistisch verflucht wür? Woans künn politische Kräft an de Macht kamen, de denn grötsten Deil von uns Volk in ehren Bann treckten un dormit tau bedingungslose Gefolgschaft un faschistischen Terrorismus führten?

Ick gehür tau ´n Johrgang 1926, de af 1933 de nationalsozialistische Ertreckung doerch de Schaul von Anfang an mitbekeem. Noch hüt frag ick mi: Wat löt damals de Jugend an de Allmacht einet Adolf Hitler gloeben un denn Wunsch hegen, foer denn „Führer“ alls tau dauhn, wat hei verlangte?
Doroewer heff ick woll sülwst tauwenig nahdacht, bit mi eines Daach – 60 Johr nah ´n Krieg – dörch Rostock marschierende Neonazis verfierten. De Landsknechts-Trummeln, mit de mi as „Pimpf“ einst all dat Marschieren bibröcht wür, wummerten nu glatzköppigen Kierls rassistisch-nationalistischen Schietkram in ehre Brägen: „Bum, bum, bum: Du büst een Düütscher, de Annern sünd nix! – Düütschland, Düütschland oewer allet – Sieg Heil!“ – Bum, bum, bum!

„Waak endlich up – dau wat!“ röp dor een Stimm in mi, un ick heff oewer dat Schicksal von miene einstigen Schaulkumpels un Frün, de genauso olt wiern as ick, ´n Bauk schräben.
Ick mücht nu, dat möglich väle junge Lüd dorin läsen un sik dat wat de Ströpers passiert is, tau Lihr nähmen un keinen Gedanken un kein Tied mihr an Naziideen verschwennen, de man blot ehr Unglück sin künn´.
Nühlich reep mi ein von de letzten noch läbenden „Rostocker Ströper“, mien Fründ Peters an. Hei is ut uns gemeinsame Kriegsgefangenschaft in England nicht mihr na Düütschland trög kiehrt un hett sik in Wales verheiratet. Peters un ick sünd 1944 as Kriegsfriewillige tau de Luftwaffe intreckt worden. Wi wiern all beid twei stramme Hitlerjungs un bereit, för denn Führer un uns grotdüütschet Vadderland tau starben. Oewer as uns denn de Kugeln üm de Uren flitzten und Granaten inslögen, wier doch de Läbenswill in uns gröter as dat Verlangen nahn Heldendod. So hemm wi oewerläwt. Nu hollen wi per E-Mail un telefonisch Kontakt miteinanner. Ditmal wier hei tämlich gnatzig, so keem mi dat vör:

„Wi lang wullt ji noch dit Theater mit de Neos mitmaken? De NPD tau verbeiden kann doch nich so swor sin? Orer up wecker Siet steit juch Justiz? Germany het Millionen Juden un Slawen up ´n Gewissen, un nu dit mit de türkischen Landslüd, eine Schand is dat. – Ick segg di wat: Wi Briten hemm hier ok mit de „Mosleys“ manken Nazidreck an´n Stecken, oewer bi juch is dat wi ein Mur!

Wenn ji nich dat Warer afgrawt un den Sump drög leggt, ward ümmer nieges un mihr faschistischet Unkrut wuchern. Tohus un inne Schaul möt dat passieren! Oewer wat makt ji? Ji finanziert ok noch de NPD ehren Wahlkampf un spendiert fette Diäten, schützt Nazi-Demonstrationen. Wenn de Polizei schon mal tauschlöcht, denn knüppelt sei leiwer de Gegendemonstranten, de „linken Autonomen“, wi ´t denn meist heit, uteinanner…“

Wann? 08.04.2013 ab 18Uhr
Wo? AWO, Berghotel, Rostock

„Das Buch ist ein Fundus von Geschichtsdaten und Lebenserfahrung, es gibt uns Fragen auf und viele Antworten. Was Opa noch nicht geschafft hat, seinen Kindern und Enkeln zu erklären, kann er mit diesem Buchgeschenk nachholen.“
Uwe Süssmilch, Präsident des Plattdütsch-Verein „Klönsnack-Rostocker 7

Eine Veranstaltung der Rosa-Luxemburg Stiftung Mecklenburg-Vorpommern. Neofaschist_Innen ist der Zutritt untersagt.


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