Demmin: Proteste gegen Naziaufmarsch am „Tag der Befreiung“ 2013

„Gezählte 260 Deutsche“ sollen es gewesen sein, die gestern durch die Peenestadt Demmin marschiert sind, um deutsche Täter_Innen als unschuldige Opfer darzustellen. Am Ende ihres Aufzuges waren es angeblich sogar 300. Wie diese Vermehrung zu Stande kam, darüber schwiegen sich die Organisator_Innen des geschichtsrevisionistischen Fackelmarsches allerdings aus. Tatsächlich waren es nicht einmal 200 Neonazis, die ihre faschistische Propaganda durch die Stadt tragen wollten.
Im Vorfeld des Aufmarsches hatte das Bündnis „Demmin Nazifrei“ zusammen mit weiteren Gruppen zu Protesten gegen den Naziaufmarsch aufgerufen. Insgesamt folgten rund 600 Menschen dem Aufruf, sich den Nazis entgegenzustellen – so viele wie noch nie in Demmin.


Bild: Der Naziaufmarsch 2012 in Demmin – bis 2017 sind ihre Aufmärsche angemeldet. (Foto eingebunden über de.indymedia.org)

Blockaden und historischer Stadtrundgang.
Ein historischer Stadtrundgang durch Demmin startete kurz vor halb sieben abends. Nach dem Ende des Rundganges konnten schließlich zwei Blockaden entlang der ursprünglichen Naziroute mit mehreren hundert Menschen errichtet werden. Zuvor waren mehrere Busse unter anderem aus Greifswald nach Durchsuchungen der Polizei in Demmin angekommen und brachten weitere Gegendemonstrant_Innen in die Stadt.
Einer der Blockadepunkte lag an der Peenestraße. Hier sammelten sich schon früh etwa 70 Menschen in direkter Nähe des Kundgebungsortes der Nazis. Entsprechend harsch war die Behandlung durch Polizist_Innen. Ein Versuch, die Blockade mit dem Einsatz von Schlagstöcken zu beenden, schlug zunächst fehl. Auch waren die Beamt_Innen Anfangs nicht in der Lage, Nazis und Gegendemonstrant_Innen zu trennen. Menschen, die den Blockadepunkt verlassen wollten, erhielten Platzverweise für die gesamte Stadt.
In der Nikolaistraße sammelten sich ebenfalls rasch Menschen um den Nazis den Weg zu versperren. Wie in der Peenestraße wurden die Blockierer_Innen von der Polizei eingekesselt und konnten nur gegen Abgabe ihrer Personalien den Kessel verlassen und erhielten Platzverweise für 50m Umkreis.
An beiden Blockaden waren bis zum Ende rund 450 Menschen beteiligt. Die Blockaden erwirkten unter anderem eine Umleitung der Nazis. Die Nazidemo war dem gegenüber kaum von Polizei umringt, nur einige dutzend Polizist_Innen marschierten in meterlangen Abständen neben den Nazis her und ein Polizeihubschrauber beobachtete lediglich die nähere Umgebung der Nazis.

Friedensfest mit rund 100 Besucher_Innen.
Ab 17Uhr fand das Friedensfest „Demmin bleibt bunt“ direkt am Stadthafen mit über 100 Menschen statt. Auch dieses vom „Aktionsbündnis 8. Mai Demmin“ organisierte Fest lag in direkter Umgebung zum Naziaufmarsch. Das Fest begann unter anderem mit dem Auftritt des SPD-Vogels Storch Heinar, einer Ablegerinitiative der ebenfalls von der SPD initiierten Kampagne „Endstation Rechts“. Das Programm des Festes bot für nahezu alle politisch engagierten Menschen etwas. Ein ökumenisches Friedensgebet fand genauso Platz, wie ein Harlem Shake, die Band Krach aus Greifswald und mehrere kurze Reden verschiedener demokratischer Parlamtentarer_Innen aus Land und Bund. Mehrere Stände und soziokulturelle Projekt wurden ausgestellt und bereicherten das zumeist von Demminer_Innen besuchte Fest.

Fazit
Die Nazis konnten auch dieses Jahr relativ ungestört marschieren. Zwar schallte den Geschichtsverdreher_Innen an vielen Stellen lautstarker Protest entgegen und die Umleitung der Nazis kann jedoch als ein Achtungserfolg gewertet werden, dennoch gelang eine effektive Blockierung des Aufmarsches auch dieses Jahr nicht. In Anbetracht der Tatsache, dass die NPD in diesem Jahr auf einen eigenen Aufmarsch am ersten Mai in MV verzichtete, muss das Mobilisierungspotenzial der hiesigen Naziszene nach wie vor als angeschlagen angesehen werden. Einen bedeutenden Zuwachs an Teilnehmer_Innen für ihren braunen Umzug konnte die Nazis in diesem Jahr nicht verbuchen. Dem entgegen steht eine wachsende Protestbewegung. Busse von außerhalb und eine breit angelegte Veranstaltungsreihe im Vorraus des Naziaufmarsches waren also nicht zwecklos. In den kommenden Jahren wird eine verstärkte Mobilisierung trotzdem notwendig sein.
Der Polizeieinsatz muss – wie so oft bei solchen Veranstaltungen – als völlig verfehlt eingeschätzt werden. Während die Nazis zeitweise fast gänzlich ohne Bewachnung durch die Stadt laufen konnten und vereinzelte Nazigruppen nur unzureichend von Gegendemonstrant_Innen ferngehalten wurden, mussten Antifaschist_Innen Schläge, Beleidigungen und weitere Repressalien der Beamt_Innen über sich ergehen lassen.

Bis 2017 sind die braunen Aufmärsche am 8. Mai in der Stadt angemeldet. Es wird also auch die kommenden Jahre nötig sein in Demmin gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Geschichtsrevisionismus auf die Straße zu gehen. Nach wie vor gilt: Nach dem Naziaufmarsch ist vor dem Naziaufmarsch.

Bilder zum Tag der Befreiung in Demmin findet ihr hier.


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