Der Fall Mumia Abu-Jamal: Gegen Klassenjustiz und Todesstrafe weltweit!

Gleich mehrere Veranstaltungen widmen sich in Mecklenburg-Vorpommern mit den Alltag in Knästen. Im Mittelpunkt steht dabei auch der Fall Mumia Abu-Jamal. Seit über drei Jahrzehnten sitzt Mumia in US-amerikanischen Gefängnissen und obwohl die Todesstrafe in seinem Fall abgewendet werden konnte, sitzt er noch immer im Gefängnis. Aus aktuellem Anlass haben wir uns näher mit der Geschichte Mumias befasst.

Von Janin Krude und Marko Neumann

Seit 1982 sitzt Mumia Abu-Jamal, der mit bürgerlichem Namen Wesley Cook heißt, nun schon in seiner winzigen Todeszelle. Dem 1954 in Pennsylvania geborenen Afroamerikaner wird der Mord an einem weißen Polizisten vorgeworfen, doch die Umstände sind nach wie vor nicht vollständig geklärt. Es gab immer wieder Versuche, einen neuen Prozess in die Wege zu leiten oder doch zumindest das Todesurteil für Abu-Jamal aufzuheben, denn immer neue Ungereimtheiten ließen in der Vergangenheit Sympathisant_Innen Mumias hellhörig werden. In weltweites Netz der Solidarität hat sich die letzten Jahrzehnte etabliert, um Mumia zu unterstützen.
Vor seiner Haft war er politischer Aktivist und Schriftsteller, zuletzt war er Taxifahrer, um sich irgendwie über Wasser halten zu können. Schon vor seinem Verfahren war Abu-Jamal im Visier staatlicher Repression. Afroamerikanische Politaktivisten waren in dem rassistischem, von Weißen geprägten „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ nicht gern gesehen.


Bild: Mumia Abu-Jamal.

Was genau wird Mumia vorgeworfen?
Am 9. Dezember 1981 hielt der Polizist Daniel Faulkner William Cook, den Bruder Mumias, abends an. Die Gründe dafür sind bis heute nicht geklärt. Anschließend soll es zu einem Handgemenge zwischen den beiden gekommen sein, dessen Ursprung bis heute nicht geklärt ist. Laut der Anklage tauchte Mumia in diesem Moment am Ort des Geschehens auf. Laut Staatsanwaltschaft schoss Mumia, als der die beiden sah, sofort auf Faulkner und traf ihn in den Rücken, bevor dieser Mumia mit seiner Dienstwaffe anschoss. Abu-Jamal, der ebenfalls getroffen war, ging angeblich auf Faulkner zu und feuerte das gesamte Magazin seines Revolvers leer. Minuten später war weitere Polizei vor Ort und verhaftete Mumia in unmittelbarer Nähe des Tatortes.

Der erste Prozess gegen Mumia.
Nur wenige Monate nach dem Tod Faulkners begann der Prozess gegen Mumia. Die Waffe, mit der der Polizist getötet wurde, war zwar vom selben Kaliber, wie die des Revolvers, der auf Abu-Jamal zugelassen war, doch ist nicht sicher, ob es sich um die selbe Waffe handelte. Auch Nach Schmauchspuren an Mumias Händen wurden nie gesucht. Zwar wollten zwei Augenzeugen Mumia als den Schützen ausgemacht haben, doch relativierten beide später ihre Aussagen wieder. Eine der Zeugin gab später an, die Mumia belastende Aussage aus Angst vor Repressionen der Polizei gemacht zu haben. Aber nicht nur die Zeugenaussagen gegen Abu-Jamal waren zweifelhaft. Ein Gerichtsbeamter hörte wie der Richter Sabo im Gespräch mit dem Staatsanwalt sagte „Yeah, and I‘m going to help them fry the nigger.“, was so viel heißt wie „Ich werde ihnen dabei helfen, diesen Nigger zu grillen“. Allein diese Aussage bewies schon, dass der Prozess unfair und voreingenommen verlief. Trotz fehlender forensicher Beweise, falscher Zeugenaussagen und einem offenkundig rassistischen Richter wurde Mumia Abu-Jamal am 3. Juli 1982 von der Juri einstimmig für schuldig befunden und zum Tode verurteilt.

Was macht mensch jeden Tag in einem Raum, der so groß ist, wie ein Auto?
Fast 30 Jahre saß Mumia Abu-Jamal in der Todeszelle. Zwar wurde das Todesurteil mittlerweile aufgehoben, aber dem Wunsch Mumias, nach einem neuerlichen Verfahren wurde von mehreren US-amerikanischen Gerichten nicht statt gegeben.
Trotz der denkbar schlechten Lebensumständen schreibt Mumia regelmäßig Artikel für zum Beispiel die „junge Welt“ und sogar eigene Bücher. Die bekanntesten sind „Live from Death Row“ und „Ich schreibe, um zu leben“. Auch Beiträge für Radiosendungen liefert er. Das Schreiben bietet Mumia eine Möglichkeit, der Hoffnungslosigkeit, wieder in die Freiheit entlassen zu werden, zu entkommen. Was würdet ihr tun, wenn ihr jahrzehntelang in einem Raum leben müsstet, der kleiner ist, als ein Auto?

Solidarität ist eine Waffe!
Weltweit haben sich Free-Mumia-Soli Gruppen gegründet, die sich für die Freilassung Mumias aussprechen und gegen die Todesstrafe auf der ganzen Welt protestieren. Veranstaltungen, Infotouren und Soli-Kampagnen zum Fall Mumias und zur moralischen Bankrotterklärung der Todesstrafe generell finden sich mittler Weile in fast allen größeren Städten. Dass Mumia nicht hingerichtet wurde, ist nicht zuletzt der grenzenlosen Solidarität der Menschen aus nahezu allen Ländern der Erde zu verdanken. Hören wir deshalb nicht auf, für die Freilassung Mumia Abu-Jamals zu kämpfen! Es gibt unzählige Möglichkeiten der Hilfe: angefangen beim Schreiben von Soli-Postkarten an Mumia direkt in den Knast, über die Teilnahme an Demos, bis hin zur Organisation von Veranstaltungen, um über das Schicksal Mumias aufzuklären!
In einer vermeintlich aufgeklärten Gesellschaft sollte die Todesstrafe, in welcher Form auch immer, gar nicht erst zur Debatte stehen. Noch immer werden Menschhen in den USA und anderen Ländern Menschen hingerichtet. Die Todesstrafe ist das schrecklichste Mittel, das eine Obrigkeit über seine Untertanen aussprechen kann. Moralisch ist es eine Bankrotterklärung, ein Beweis für die menschliche Unfähigkeit, die eigenen Vorurteile zu überwinden und tolerant und im Einklang mit der Umwelt zu leben.


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