Lassan: Nach Schlag ins Gesicht – Nazi muss 1.000€ zahlen

++ Nazis zerstören Fensterscheibe, in der eine Postkarte mit der Aufschrift „Kein Ort für Neonazis“ hing +++ Anwohner wird Monate später auf Karnevalsparty geschlagen +++ Verhandlungen gegen Zahlung von 1.000€ eingestellt +

Von Franziska Wilke

Bereits im vergangenen Sommer wurde einem 34-jährigen Lassaner die Scheibe seiner Wohnung, in der er eine Postkarte mit der Aufschrift „Kein Ort für Neonazis“ angebracht hatte, mit einem Feldstein eingeworfen. Einige Monate später, am 18.11.12, wurde er auf einer Karnevalsveranstaltung im Ort von dem ihm bis dahin unbekannten Andreas W. unvermittelt ins Gesicht geschlagen. Sebastian K., ein bekannter Lassaner Neonazi, ließ dem Betroffenen daraufhin deutlich werden: „Das ist auch der Grund, warum wir euch die Scheibe eingeschlagen haben.“ Diese Vorfälle wurden gestern, am 24. Juni 2013, vor dem Anklamer Amtsgericht verhandelt.

Das Verfahren um die zerstörte Scheibe ging erwartungsgemäß mit einem Freispruch für den 33-jährigen Lassaner Sebastian K. aus, wenngleich kaum ein Zweifel daran besteht, dass die Gruppe um K. den sechs Kilogramm schweren Stein in das Fenster des Betroffenen geworfen hat. Der Angeklagte äußerte sich nicht zu dem Fall, so dass er keiner direkten Handlung überführt werden konnte.

Im Prozess um die Körperverletzung stellte sich der Sachverhalt dagegen klarer dar. Da der 26-jährige Andreas W. bisher jedoch noch nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten war und einer der Zeugen nicht vor Gericht erschien, einigten sich Richter, Staatsanwalt, Strafverteidiger und der Nebenklageanwalt des Betroffenen auf eine Verfahrenseinstellung gegen die Zahlung von 1000 Euro an die Betroffenen. Dieser kündigte noch im Gerichtssaal an, das Geld Initiativen und Projekten gegen Neonazis und für Toleranz zu spenden.

Strafverteidiger war in beiden Fällen der NPD-Landtagsabgeorndete Michael Andrejewski. Hintergrund beider Taten war vermutlich das zivilgesellschaftliche Engagement des Betroffenen für demokratische Strukturen und den Bau einer Skater- Bahn. Immer wieder sei es zu Einschüchterungsversuchen durch lokale Neonazis gekommen, die schließlich in der Sachbeschädigung und der Körperverletzung gipfelten. Doch auch danach sei die Gruppe um die beiden Angeklagten weiterhin gegen den Betroffenen und seine Freundin vorgegangen, sei es durch rechte Parolen die Nachts vor der Wohnung gegrölt worden seien oder durch Schneeballwürfe gegen die Fensterscheiben.

Die Resonanz auf den Prozess war groß, fast alle Plätze im Gerichtssaal waren besetzt. „Ich freue mich sehr über die Unterstützung“, so Alex H. „Ich möchte zeigen, dass es sinnvoll ist sich zu wehren. Die Nazis haben hier etwas angezettelt was ihnen nun vor die Füße fällt.“
Robert Schiedewitz, Mitarbeiter bei LOBBI e.V., der landesweiten Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt, bewertet den Fall folgendermaßen: „Einschüchterungsversuche durch Neonazis sind keine Seltenheit und dienen bewusst dem Ziel, Zivilcourage und Engagement gegen Rechts zu unterbinden. Es ist zu begrüßen, dass sowohl der politische Hintergrund der Tat, als auch die Betroffenenperspektive in den Prozessen Raum bekamen und der Nebenkläger an dem juristischen Deal beteiligt wurde“.


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