Rostock: Jugendliche entfernen Nazi-Propaganda aus Stadtbild

++ Nazis bescheren Rostocker Nordwesten regelrechte Aufkleberflut +++ Stadt bleibt trotz Kenntnis der Situation untätig und lässt Nazis agieren +++ engagierte Jugendliche entfernen massenhaft Aufkleber in Eigenregie +

Von Janin Krude und Marko Neumann

Nachdem die Stadt Rostock monatelang tatenlos zudsah, wie Neofaschist_Innen ganze Stadtteile mit Nazi Propaganda regelrecht zupflasterten, organisierte eine Gruppe junger Aktivist_Innen vergangenes Wochenende die Säuberung von des Stadtteils Lütten Klein in Eigenregie – und stellte der Stadt Rostock dafür eine Rechnung von rund 250€ aus.

Besonders betroffen von den rechten Parolen sind aktuell die Stadtteile, Lütten Klein, Lichtenhagen und Schmarl. Aufkleber der sogenannten „identitären Bewegung“ – einer rassistischen Internetkampagne kleben einmütig neben Stickern der „Jungen Nationaldemokraten“ – der Jugendorganisation der NPD und anderen neofaschistischen Gruppen.

Obwohl die vermeintliche Ordnungsmacht bereits vor Wochen zwei hinlägnlich bekannte Neonazis beim Verkleben von Aufkleber in Lütten Klein entdeckt hatte und Nazis sogar auf dem rechten Internetportal „Mupinfo“ damit prahlten, die „ganze Umgebung neu gestalten“ zu wollen. Die neofaschistische Internetseite, für die NPD-Landtagsabgeordnete David Petereit verantwortlich im Sinne des presserechts zeichnet, wird vom Verfassungsschutz überwacht un taucht regelmäßig im Verfassungsschutzberichten auf.

Stadt und Land dürften also bestens informiert sein über die Lage im Rostocker Nordwesten. Trotzdem blieben die Behörden untätig und ließen die brauenen Schmierfinken ungestört agieren. Vergangenes Wochenende traten dann ehrenamtliche Putzkolonnen in Aktion und entfernten Unmengen der braunen Propaganda von Laternenpfählen und Straßenschildern.


Bild: Verkehrsschilder sollen den Verkehr regeln und sind keine Fläche für menschenverachtende Propaganda.

„Überall da, wo energisch gegen Rechtsextremismus vorgegangen wird, kann rechte Dominanz gebrochen werden. Dazu gehört auch der Wille der Bürgerschaft und der Behörden. Dort hingegen, wo rechte Propaganda geduldet wird, verstärkt sich meistens die Offenheit, mit der die Täter_Innen vorgehen. Oft folgen lautstarke Diskriminierungen und schließlich sogar körperliche Angriffe.“ erklärte ein Sprecher der Gruppe.

Bereits kurz nachdem die Putzaktion begonnen hatte, lief den ehrenamtlichen Putzer_Innen ein offensichtlich alkoholisierter Mann hinterher. Dieser hob mehrfach den rechten Arm zum Hitlergruß, schrie „Heil Hitler“ und belästigte Passanten, welche daraufhin offenbar die Polizei riefen. Der Mann wurde verhaftet und vorerst ins Rostocker Klinikum eingewiesen. Der Rest der Aktion verlief störungsfrei. Einige auffällig gekleidete Personen, die offenbar der rechten Szene angehörten, beobachteten die Situation. Sie gingen dann allerdings weiter, ohne dass die Aktion unterbrochen werden musste. Ansonsten erhielt die Gruppe fast durchweg positives Feedback von den vorbeigehenden Bürgern und Bürgerinnen.


Bild: Viele Passant_Innen begrüßten die Entfernung von Nazi-Aufklebern…

Die Gruppe hatte im Anschluss die angefallenen Kosten der Stadt Rostock in Rechnung gestellt. Über Monate hinweg hatten es die behördenversäumt, die rechtsradikalen Parolen zu beseitigen. Offenbar fühlten sich die Täter_Innen dadurch bestärkt, noch mehr Flächen zu bekleben.

Rassismus und Fremdenfeindlichkeit lassen sich auf die verschiedensten Arten bekämpfen. Egal, ob es Blockaden von naziaufmärschen sind, Diskussionen im eigenen Umfeld oder eben Putzeinsätze, um braunen Unrat aus der Öffentlichkeit zu verbannen. Einen großen Dank gilt denen, die ihre Freizeiz verwendet haben, um die Aufgaben der städtischen Behörden zu erledigen.


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