Was tun gegen Nazis? – Warum der Kampf gegen Rechts so wichtig ist und wie wir ihn führen können

Am 1. Mai wollen mehrere hundert Nazis durch Rostock marschieren, um den traditionellen Kampftag der Arbeiter_innen für ihre geschichtsrevisionistische und menschenverachtende Ideologie zu missbrauchen. Mehrere Bündnisse haben sich gegründet, um den braunen Spuck nicht unwidersprochen zu lassen. Doch für Viele stellt sich die Frage: Was tun gegen Nazis und warum? Ein Artikel aus der Outline No.1 aus dem Jahr 2013.

Von Franziska Wilke

Was sind überhaupt Nazis?
Nazis glauben fast an die Ungleichheit von Menschen. In ihrem Weltbild gibt es überlegene und unterlegende Rassen, Nationen und Kulturen. Es gibt den guten Deutschen bzw. Arier und die minderwertigen oder wertlosen Menschen, wie Schwule und Lesben, Menschen mit anderer Hautfarbe, Obdachlose oder Menschen mit Behinderungen. Diese wollen sie ausgrenzen, diskriminieren und unterdrücken – oder in letzter Konsequenz wie im Holocaust vernichten. Sie lehnen selbstbestimmte Organisationsformen ab und setzen stattdessen auf ein Führerprinzip mit einem starken Mann an der Spitze. Oft gehört auch das Bild der „guten deutschen Familie“ zu den Idealen radikaler Rechte, was häufig zu frauenfeindlichen Denkmustern und unterdrückerischen Männerbildern führt. Solche menschenverachtenden Weltbilder können sich ganz unterschiedlich ausdrücken – im Rahmen von Parlament und Wahlen wie bei der NPD, durch Demonstrationen und Flugblätter ebenso wie durch die brutale Gewalt gegen Anders-denkende und „minderwertige Menschen“.


Bild: Aktionen gegen Nazis können auf unterschiedlichste Weise erfolgen…

Warum Faschismus keine Meinung ist.
Faschistische Ideologien sind in keiner Form hinnehmbar. Niemand sollte die Politik der Nazis als Mehrheitsentscheidung akzeptieren, selbst wenn sie eines Tages in Deutschland wieder Wahlen gewinnen würden. Und weil auch die Geschichte gezeigt hat, dass Nazis nicht durch wegschauen besiegt werden, gilt es der Verbreitung ihres Gedankenguts schon heute entgegenzutreten. Dabei sind Nazis für Antifaschist_innen keine Diskussionspartner_innen. Dem menschenverachtenden Gedankengut der Nazis dürfen wir nirgends Raum geben.

Tuh was! – Antifaschistisch handeln!
Deswegen ist es zum Beispiel auch legitim, Naziaufmärsche durch Blockaden zu verhindern. Es reicht aber nicht aus, die konkreten Strukturen und Aktionen von Nazis zu stören und zu behindern – wir müssen auch ihrem Gedankengut inhaltlich entgegentreten. Dabei fällt oft auf, dass Nazis leider nur auf die Spitze treiben, was in abgeschwächter Form viele glauben. Sei es, dass Deutschland ein Problem mit „zu vielen Ausländern“ hat, dass deutsche Kultur überlegen sei oder dass es mal einen „starken Führer“ bräuchte. Auch rassistische Denkmuster sind nicht nur in weiten Teilen der Bevölkerung stark verankert, sondern auch Grundlage von Gesetzen wie der Residenzpflicht, die es Flüchtlingen verbietet, den ihnen zugewiesenen Landkreis zu verlassen. In Mecklenburg – Vorpommern wurde dieses Gesetz abgeschafft, aber in den meisten Bundesländern gibt es sie noch heute.
Nicht zuletzt die breite Unterstützung für die antimuslimische Hetze von Thilo Sarrazin, gepaart mit einer völlig rückschrittlichen Erklärung sozialer Ungleichheit mit Biologie hat gezeigt, wie groß der Nährboden für Ideen der Minderwertigkeit von Bevölkerungsgruppen ist. Auch, wenn diese nicht immer und automatisch im faschistischen Vernichtungswahn enden, sind sie dessen Voraussetzung – und auch als Grundlage von Ausgrenzung gehören sie bekämpft.
Für die Verbreitung ihres Gedankenguts und die Gewinnung vor allem junger Menschen setzen Nazis seit Jahren auch stark auf soziale und kulturelle Elemente – sie bieten Musik, Konzerte, einen Freundeskreis, eine Form der sozialen Einbindung. Besonders gefährlich ist das an Orten, an denen Jugendliche keine alternative Jugendkultur offensteht, an denen das Umfeld der Nazis zum einzigen sozialen Anknüpfungspunkt wird. Deshalb ist uns auch der Kampf um alternative und linke Jugendkultur wichtig.

Aktiv werden! Was du tun kannst …
• Wenn du dauerhaft und organisiert gegen Nazis aktiv sein willst, schließ dich am besten einer Gruppe an oder gründe selbst eine.
• An antifaschistischen Demos teilnehmen und Naziaufmärsche blockieren ist immer eine gute Aktion und am besten nimmst du noch Freund_innen mit.
• Nazi-Aufkleber überkleben. Das klingt vielleicht nach Kleinkram, aber rechte Propaganda hat auch auf Laternenpfählen nichts verloren!
• Lass rechten Müll nicht unwidersprochen. Ob in der Schule, im Betrieb oder am Bahnhof: Widersprich rassistischen Aussagen, Beschimpfungen oder Vorurteilen.
• “Wissen ist Macht“, hat Karl Marx einmal gesagt. Es gibt viele Materialien und Seminare, auf denen du mehr über Weltbild, Propaganda und Strategie der Nazis erfahren und mit anderen Gegenargumente und -Strategien entwickeln kannst.
• Aus der Vergangenheit lernen heißt, die Gegenwart Gestalten. Halte die Erinnerung wach. Noch gibt es Zeitzeug_innen des Faschismus, die von ihren Erlebnissen im Widerstand und in den Konzentrationslagern berichten können. Gehe zu Veranstaltungen, rede mit ihnen und vergiss nicht. Damit sich die Geschichte nicht wiederholt.

Kommt zu den Protesten gegen den NPD-Aufmarsch morgen in Rostock!

Achtet auf Ankündigungen und checkt regelmäßig die Mobiseiten gegen den NPD-Aufmarsch:
rostock-nazifrei.systemausfall.org
nazisstoppen.blogsport.eu
ino.blogsport.de


0 Antworten auf „Was tun gegen Nazis? – Warum der Kampf gegen Rechts so wichtig ist und wie wir ihn führen können“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

:) :( :d :"> :(( \:d/ :x 8-| /:) :o :-? :-" :-w ;) [-( :)>- more »

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


+ drei = elf



Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: