Bildungsstreik: Für eine Schule des Miteinanders statt der Konkurrenz

++ Gegen Leistungsterror und soziale Ausgrenzung +++ inklusive Schulen umsetzen +++ für ein Bildungssystem des Miteinanders und des Zusammenhalts +

Von Christoph Lütge

Am 17. Juni findet in Rostock der diesjährige Schüler_innenstreik statt. Welche Probleme gibt es im hiesigen Bildungssystem – und vor allem: wie kann eine bessere Schule aussehen?
In unserer Gesellschaft dient das Bildungssystem in erster Linie der Stabilisierung und Reproduktion gesellschaftlicher Verhältnisse – und dazu gehören auch die sozialen Ungleichheiten. Zwar wird uns vorgegaukelt, dass jeder Mensch die gleichen Chancen auf eine hohe soziale Position habe, die Realität sieht jedoch anders aus: Kinder aus Familien mit hohem Einkommen werden stärker gefördert, bekommen für die gleichen Leistungen leichter gute Noten, machen öfter das Abitur und studieren häufiger als ihre Mitschüler_innen aus weniger reichen Familien. Für Kinder aus ärmeren, weniger gebildeten Elternhäusern oder aus Familien mit Migrationshintergrund ist es oft schwierig mitzuhalten. Sie werden ausgesiebt. Folglich findet ein Wechsel zwischen den Schulformen bei ihnen fast ausschließlich nach unten statt. Dank der sozialen Selektion sichert sich die Elite ihre Machtposition, während die Mittelschicht gegen die Unterschicht ausgespielt wird. Mit der Illusion, aufsteigen zu können, und der Angst vor dem sozialen Abstieg wird Kindern in der Schule bereits gezeigt, was später auf dem Arbeitsmarkt auf sie wartet.

Konkurrenzkampf und Leistungsdruck statt Förderung
Statt allen Schüler_innen die größtmögliche schulische Förderung zukommen zu lassen, basiert unser Schulsystem auf einem Konkurrenzsystem. Dieses ist von Anfang an darauf ausgerichtet, vermeintlich schwache Schüler_innen „auszusieben“, so dass nur die „Besten“ die Möglichkeit bekommen, das Gymnasium zu besuchen. Ganz einfach: Der_die Schwächste fliegt, muss die Schulform wechseln oder bleibt sitzen. Das Messen in „Gut“ und „Schlecht“ produziert automatisch Verlierer_innen. Der Mensch wird durch Noten bewertet, die das Spiegelbild des eigenen Wertes in der Gesellschaft wiedergeben sollen. Wer schlechte Noten hat, ist weniger „wertvoll“ und verliert zuletzt oft den Glauben an die eigenen Stärken und Fähigkeiten. Dabei sind schlechte Noten keineswegs ein Zeichen von Schwäche oder Leistungsunfähigkeit, genauso wie gute Noten in erster Linie ein Zeichen von Anpassungsfähigkeit sind.
In 9 bis 12 Jahren so viel Lernstoff in sich hineinzustopfen wie möglich, entspricht kapitalistischer Verwertungslogik – die (wirtschaftliche) Leistungsfähigkeit ist das Ziel des Bildungssystems. Auf diese Weise soll der Arbeitsmarkt mit „Leistungsträger_innen“ bedient werden, die es bereits gewohnt sind, 40 bis 60 Stunden pro Woche zu arbeiten und unter Druck Höchstleistungen zu erbringen. Wer bereits in der Schule diesem Druck nicht standhält, gehört zu den „Bildungsverlier_innen“, für die der Arbeitsmarkt keine „Verwertung“ findet. Der stetige Leistungsdruck und das Bewertungssystem, denen der/die Schüler_in ausgesetzt ist, führen außerdem zu einem Konkurrenzdenken. Es gehen wichtige Werte wie Solidarität, Zusammenhalt und Unterstützung untereinander verloren, da die Leistungsbewertung seiner_ihrer Selbst im Vordergrund steht.

Für eine Schule des Miteinanders
Die Schule sollte stattdessen ein Ort sein, der uns Bildung vermittelt, die uns dazu anregt, Sachverhalte kritisch zu reflektieren und im Unterricht zu diskutieren. Wir möchten selbst bestimmt, unabhängig und unseren individuellen Bedürfnissen entsprechend lernen. Wir wollen mitreden und mitgestalten, wenn es um unsere Zukunft geht. Wir möchten die Möglichkeit haben, über den Tellerrand hinaus zu blicken, um Bestehendes nicht als unveränderbar hinzunehmen, sondern es zu hinterfragen und alternative Vorstellungen und Ideen zu erörtern. Für uns ist Schule mehr als Fakten anhäufen, um dieses Wissen in Prüfungen bulimieartig wieder loszuwerden. Wir wollen unseren eigenen Interessen folgen können, um uns weiterzuentwickeln und Hierarchien zu überwinden. Schule soll Bildung vermitteln, die sich nicht einteilt in unnützes, nicht verwertbares und nützliches, verwertbares Wissen. Aus diesem Grund muss Schulbildung mehr vermitteln als das, was am Arbeitsmarkt notwendig erscheint.
Die Schule muss Gemeinschaft und Zusammenhalt, das „soziale Miteinander“ sowie Respekt vor Andersdenkenden vermitteln und einen Beitrag zur Schaffung eines ökologischen, sozialen und gesellschaftlichen Bewusstseins leisten. Das gelingt nur, wenn alle junge Menschen gemeinsam mit- und voneinander lernen. Es bedeutet auch, dass Bildung unter Ausschluss jeglicher wirtschaftlicher, militärischer oder religiöser Interessen stattfindet.


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