Archiv für Juni 2014

Rostock: Workshop-Reihe „Sei ma kritisch“ zum Bildungsstreik am 07.06.14

Am 07.06.2014 findet im Rostocker Heizhaus in der Südstadt die erste Workshop-Reihe zum Bildungsstreik 2014 statt. Unter dem Hauptthema „Sei ma‘ kritisch“ könnt Ihr außerdem noch an den Workshops „Deine Rechte als Schüler“ und „Raubt uns die Schule unsere Freizeit?“ teilnehmen.
Ihr seid alle herzlich eingeladen zum Diskutieren, Debattieren und natürlich Spaß haben – je mehr wir sind, desto besser. Im Anschluss kann, wer Lust hat, mit uns gemeinsam Transparente für den Bildungsstreik 10 Tage später gestalten und fertigstellen.

Wann und wo? 07.Juni 2014 von 10 bis 18 Uhr im SBZ Heizhaus Rostock Südstadt, am neuen Edeka
Noch was? Bringt euch vielleicht ein paar Sprühfarben und Bettlaken o.Ä. mit für’s Transpi-Malen

Checkt regelmäßig die Mobi-Seite bildung-ist-keine-ware.jimdo.com.

Bildungsstreik: Für eine Schule des Miteinanders statt der Konkurrenz

++ Gegen Leistungsterror und soziale Ausgrenzung +++ inklusive Schulen umsetzen +++ für ein Bildungssystem des Miteinanders und des Zusammenhalts +

Von Christoph Lütge

Am 17. Juni findet in Rostock der diesjährige Schüler_innenstreik statt. Welche Probleme gibt es im hiesigen Bildungssystem – und vor allem: wie kann eine bessere Schule aussehen?
In unserer Gesellschaft dient das Bildungssystem in erster Linie der Stabilisierung und Reproduktion gesellschaftlicher Verhältnisse – und dazu gehören auch die sozialen Ungleichheiten. Zwar wird uns vorgegaukelt, dass jeder Mensch die gleichen Chancen auf eine hohe soziale Position habe, die Realität sieht jedoch anders aus: Kinder aus Familien mit hohem Einkommen werden stärker gefördert, bekommen für die gleichen Leistungen leichter gute Noten, machen öfter das Abitur und studieren häufiger als ihre Mitschüler_innen aus weniger reichen Familien. Für Kinder aus ärmeren, weniger gebildeten Elternhäusern oder aus Familien mit Migrationshintergrund ist es oft schwierig mitzuhalten. Sie werden ausgesiebt. Folglich findet ein Wechsel zwischen den Schulformen bei ihnen fast ausschließlich nach unten statt. Dank der sozialen Selektion sichert sich die Elite ihre Machtposition, während die Mittelschicht gegen die Unterschicht ausgespielt wird. Mit der Illusion, aufsteigen zu können, und der Angst vor dem sozialen Abstieg wird Kindern in der Schule bereits gezeigt, was später auf dem Arbeitsmarkt auf sie wartet.

Konkurrenzkampf und Leistungsdruck statt Förderung
Statt allen Schüler_innen die größtmögliche schulische Förderung zukommen zu lassen, basiert unser Schulsystem auf einem Konkurrenzsystem. Dieses ist von Anfang an darauf ausgerichtet, vermeintlich schwache Schüler_innen „auszusieben“, so dass nur die „Besten“ die Möglichkeit bekommen, das Gymnasium zu besuchen. Ganz einfach: Der_die Schwächste fliegt, muss die Schulform wechseln oder bleibt sitzen. Das Messen in „Gut“ und „Schlecht“ produziert automatisch Verlierer_innen. Der Mensch wird durch Noten bewertet, die das Spiegelbild des eigenen Wertes in der Gesellschaft wiedergeben sollen. Wer schlechte Noten hat, ist weniger „wertvoll“ und verliert zuletzt oft den Glauben an die eigenen Stärken und Fähigkeiten. Dabei sind schlechte Noten keineswegs ein Zeichen von Schwäche oder Leistungsunfähigkeit, genauso wie gute Noten in erster Linie ein Zeichen von Anpassungsfähigkeit sind.
In 9 bis 12 Jahren so viel Lernstoff in sich hineinzustopfen wie möglich, entspricht kapitalistischer Verwertungslogik – die (wirtschaftliche) Leistungsfähigkeit ist das Ziel des Bildungssystems. Auf diese Weise soll der Arbeitsmarkt mit „Leistungsträger_innen“ bedient werden, die es bereits gewohnt sind, 40 bis 60 Stunden pro Woche zu arbeiten und unter Druck Höchstleistungen zu erbringen. Wer bereits in der Schule diesem Druck nicht standhält, gehört zu den „Bildungsverlier_innen“, für die der Arbeitsmarkt keine „Verwertung“ findet. Der stetige Leistungsdruck und das Bewertungssystem, denen der/die Schüler_in ausgesetzt ist, führen außerdem zu einem Konkurrenzdenken. Es gehen wichtige Werte wie Solidarität, Zusammenhalt und Unterstützung untereinander verloren, da die Leistungsbewertung seiner_ihrer Selbst im Vordergrund steht.

Für eine Schule des Miteinanders
Die Schule sollte stattdessen ein Ort sein, der uns Bildung vermittelt, die uns dazu anregt, Sachverhalte kritisch zu reflektieren und im Unterricht zu diskutieren. Wir möchten selbst bestimmt, unabhängig und unseren individuellen Bedürfnissen entsprechend lernen. Wir wollen mitreden und mitgestalten, wenn es um unsere Zukunft geht. Wir möchten die Möglichkeit haben, über den Tellerrand hinaus zu blicken, um Bestehendes nicht als unveränderbar hinzunehmen, sondern es zu hinterfragen und alternative Vorstellungen und Ideen zu erörtern. Für uns ist Schule mehr als Fakten anhäufen, um dieses Wissen in Prüfungen bulimieartig wieder loszuwerden. Wir wollen unseren eigenen Interessen folgen können, um uns weiterzuentwickeln und Hierarchien zu überwinden. Schule soll Bildung vermitteln, die sich nicht einteilt in unnützes, nicht verwertbares und nützliches, verwertbares Wissen. Aus diesem Grund muss Schulbildung mehr vermitteln als das, was am Arbeitsmarkt notwendig erscheint.
Die Schule muss Gemeinschaft und Zusammenhalt, das „soziale Miteinander“ sowie Respekt vor Andersdenkenden vermitteln und einen Beitrag zur Schaffung eines ökologischen, sozialen und gesellschaftlichen Bewusstseins leisten. Das gelingt nur, wenn alle junge Menschen gemeinsam mit- und voneinander lernen. Es bedeutet auch, dass Bildung unter Ausschluss jeglicher wirtschaftlicher, militärischer oder religiöser Interessen stattfindet.

Greifswald: Gender Bender Action Days 2014 vom 6.-8. Juni

In diesem Jahr finden zum vierten Mal die Genderbender Actiondays in Greifswald statt. Unzählige interessante Workshops und Vorträge rund um das Thema Gender und Queer warten auf euch. Die unfassbar lange Liste der Veranstaltungen findet ihr hier.

Im Selbstverständnis der Organisator_innen heißt es unter anderem:

Wir lehnen die (Fremd-)Kategorisierung nach Geschlecht ab. Dabei spielt es keine Rolle ob nun gender (soziales Geschlecht) oder sex (vermeintlich biologisches Geschlecht). Wichtig ist, wie du dich fühlst und wie du sein willst. Ob du dafür Kategorien wie männlich, weiblich, trans- oder intersexuell, Hermaphrodit, androgyn, lesbisch, schwul, bi benutzt werden sei dir selbst überlassen.
Queer bedeutet für uns aber auch Feminismus und Empowerment für Frauen. Das ist kein Widerspruch. Wenn Menschen in der heutigen Gesellschaft kategorisiert werden und aufgrund dieser Zuschreibungen diskriminiert werden, ist den Betroffenen nicht geholfen, wenn wir diese Kategorien schlicht leugnen. Solange die Kategorien Geschlecht bzw. männlich oder weiblich benutzt werden, um Menschen zu unterdrücken und zu bevormunden, solange werden wir für die Rechte und die Gleichbehandlung von Frauen kämpfen. Dabei geben wir uns nicht mit Konzepten wie Gleichberechtigungsfloskeln – im kapitalistischem Sinne – zufrieden. Es ist kein Fortschritt, wenn es Frauen-Quoten o.ä. gibt, solange sich nur durchsetzen kann, wer erneut „männliche“ Attitüde wie Dominanz, Härte und Kalkül in dieser Leistungsgesellschaft beweist.
Wir distanzieren uns aber von Feminist_innen, die sich auf naturgegebene Unterschiede zwischen Geschlechtern berufen, Frauen sind nicht die besseren Männer, sie sind nicht von Natur aus Pazifistinnen, vom Mond geleitet oder aber Mutter-Natur verbundener. Wir lassen uns weder von vermeintlich natürlichen Gegebenheiten, noch irgendeinem Gott oder einem Staat vorschreiben, wie wir zu denken, fühlen oder handeln haben. Auch wissenschaftliche Erkenntnisse dürfen nicht dazu führen, Menschen in ihrer Freiheit einzuengen.

Alle Infos rund um die Aktionstage findet ihr auf der Mobi-Seite auf genderbender.noblogs.org.

Rostock: „Bildung ist (k)eine Ware“ – Schüler_innenstreik am 17. Juni

Am 17. Juni findet in Rostock ein Bildungsstreik unter dem Motto „Education is not for sale! Denn Bildungs ist keine Ware“ statt. Doch bevor es soweit ist, gibt es noch Einiges zu tun. In den kommenden zwei Wochen bekommt ihr hier aktuelle Termine und Hintergrundinformationen rund um das Thema Bildung und den anstehenden Bildungsstreik.

Mehr als 1,3 Millionen Menschen in diesem Land verdienen mit 40 Stunden Arbeit die Woche so wenig, dass es nicht zum Leben reicht. Viele arbeiten teilweise für weniger als 6 Euro pro Stunde und müssen ihren (Niedrig-)Lohn dann “aufstocken”, beziehen also zusätzlich Arbeitslosengeld II. Frauen sind davon besonders betroffen. Im Schnitt erhalten sie für die gleiche Arbeit ein Viertel weniger als Männer.

Die Ungerechtigkeit beginnt aber weit früher, als viele denken. Das deutsche Schulsystem sortiert nämlich gnadenlos aus: In manchen Bundesländern wird bereits nach der vierten Klasse entschieden, wer Abitur machen darf und wer nicht. Gerade Menschen mit Behinderungen und Kinder, die selbst oder deren Eltern nicht aus Deutschland stammen, werden dabei ausgesiebt. Ihnen wird schon früh die Chance auf eine Ausbildung oder ein Studium verbaut.

Immer mehr Menschen arbeiten nicht mehr in regulärer Festanstellung, sondern bei Leiharbeitsfirmen. Sie leisten die gleiche Arbeit wie ihre Kolleg_innen mit festem Arbeitsvertrag, sie erhalten aber weniger Lohn, können leichter gefeuert werden und ziemlich schnell vor dem Nichts stehen. Egal, wie sehr sie sich anstrengen, sie werden schlecht bezahlt. Den Nutzen haben die Unternehmen: Je niedriger die Löhne, umso höher die Gewinne.

Es lohnt sich, etwas gegen diese Zustände zu tun! Wir wollen nicht in einer Gesellschaft leben, in der die Mehrheit der Menschen ausgebeutet wird, damit eine Minderheit Reichtum anhäuft. Das zu ändern liegt auch an dir, werde aktiv.




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