Exkurs: Kaum beachtet – Queere Geflüchtete

Geflüchtete finden in öffentlichen Debatten selten Erwähnung bei Themen wie Sexualität und Geschlecht. In Deutschland existiert bereits seit 1988 juristisch die Möglichkeit, bei Verfolgung aufgrund sexueller Orientierung, Asyl zu erhalten. Diese Rechte wurden nicht zuletzt durch den Europäischen Gerichtshof im November 2013 gestärkt, nachdem deutsche Gerichte entsprechende Anträge regelmäßig abwiesen.

De facto entstehen allerdings in der Praxis vielfältige Hürden. Da Homosexualität bereits in vielen Herkunftsländern tabuisiert wird, ein Outing lebensgefährlich ist und nicht selten mit Haft-, Folter- und Todesstrafen geahndet wird, stellt auch ein Outing vor Fremden und Behörden-Mitarbeiter_innen eine starke Barriere dar. Um Asyl beantragen zu können, bedarf es jedoch eines offenen Umgangs mit der Thematik. Bei einer Anhörung werden zudem meist männliche Dolmetscher hinzugezogen, die aus entsprechenden Herkunftsländern stammen. Diese Situation hemmt viele Geflüchtete daran, über ihre sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentitäten zu sprechen. Hindernisse entstehen jedoch auch auf der Seite der Aufnahmebehörden. Die Angestellten folgen dem Auftrag, die Asylgründe möglichst genau zu prüfen: Wenn diese Kultur des Verdachts mit homophoben Einstellungen einhergeht, kommt es nicht selten zur Beugung des Rechts. In der deutschen Aufnahmekultur werden LGBTI*-Personen schlicht nicht beachtet und damit unsichtbar gemacht. Diese Leerstelle versuchen einige Organisationen zu füllen. Les Migras (http://lesmigras.de/) in Berlin sowie der Migrationsrat Berlin/Brandenburg (http://www.mrbb.de/) sind beispielsweise Ansprechstellen, die sowohl ein breites Beratungsangebot haben als auch informierende und empowernde Veranstaltungen anbieten wie etwa den Workshop „Asyl und Comingout“. Dabei geht es neben aufenthaltsrechtlichen Fragen immer auch um die Bewältigung des alltäglichen Lebens als Mehrfachdiskriminierte_r. Weiterhin besteht hier jedoch ein großer Sensibilisierungsbedarf in der Wahrnehmung komplexer Lebensrealitäten geflüchteter Menschen.

* Das Kürzel stammt aus dem Englischen und lautet „Lesbian, Gay, Bisexual and Trans“, das heißt „Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans (für Transgender und Transsexualität)“

Weitere Informationen gibt es in den Publikationen
„Refugees welcome – Gemeinsam Willkommenskultur gestalten“ und
„Verbindungen sprechen. Empowerment in Bezug auf Rassismus und Transphobie in LSBTI-Kontexten“,


1 Antwort auf „Exkurs: Kaum beachtet – Queere Geflüchtete“


  1. 1 Kim Schicklang 14. Juli 2014 um 7:16 Uhr

    „* Das Kür­zel stammt aus dem Eng­li­schen und lau­tet „Les­bi­an, Gay, Bi­se­xu­al and Trans“, das heißt „Les­ben, Schwu­le, Bi­se­xu­el­le und Trans (für Trans­gen­der und Trans­se­xua­li­tät)““

    Nein, das heisst das Kürzel nicht. Denn mit Trans* wird landläufig immer so etwas wie „Trans*Identität“ verstanden. Mit Identität haben Körpermerkmale, die von der Norm abweichen aber recht wenig zu tun. Meist verbirgt sich hinter „Trans*“ die Unsichtbarmachung von transsexuellen Menschen durch Subusmierung unter der Schublade „Trans*“. mit der aber dann „Transgender“ gemeint ist.

    Diese Unsichtbarmachung und Vereinnahmung ist etwa so ähnlich wie die Unsichtbarmachung von Lesben unter dem Begriff „Schwule“. Man sollte schon in der Lage sein zu checken, dass „sex“ und „gender“ zweierlei sind und alle Menschen des LSBTTIQ-Regenbogens anerkennen.

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