Grenzenlose Solidarität: Was tun gegen rassistische Hetze?

Was tun, wenn sich Protest gegen eine Flüchtlingsunterkunft im eigenen Stadtteil regt? Wenn sich Bürger_inneninitiativen gründen, die Vorurteile und Scheinargumente in die öffentliche Debatte um eine Flüchtlingsunterkunft tragen? Was tun, wenn Neonazis ihre rassistische Propaganda konkret gegen Flüchtlinge lenken? Folgend bekommt ihr einige Handlungstipps für den Umgang mit Hetze gegen Geflüchtete.


Bild: „Grenzenlose Solidarität“ – über 6.000 Menschen nahmen 20 Jahre nach den Pogromen an einer Demonstration in Rostock in Erinnerung an die rassistischen Pogrome in Lichtenhagen teil.

Gemeinsam, nicht alleine, handeln!
Eine Zusammenarbeit verschiedener Initiativen, Parteien, Kultureinrichtungen, Vereinen und anderen zivilgesellschaftlichen Gruppen erleichtert in jedem Fall die Durchführungen von Aktionen und ermöglicht, dass Antirassismus flächendeckend verankert werden kann. Gemeinsame Kampagnen, Feste, Presseerklärungen usw. können eine Einheit schaffen, die sich klar gegen Rassismus positioniert. Darüber hinaus ist die Vernetzung mit bereits bestehenden Flüchtlingsräten und antirassistischen Initiativen empfehlenswert.

„Wissen ist Macht“: aufklären und informieren
Viele Vorurteile bauen auf Unwissen oder Fehlinformationen auf. Daher ist es wichtig, sich selbst zu informieren und andere über die Situation von Geflüchteten, über Strategien der Neofaschist_innen und rassistische Wirkungsweisen aufzuklären. Damit bestehende Unsicherheiten und Unwissen nicht durch Nazis beantwortet werden können, muss Rassismus auf anderen Ebenen thematisiert und abgebaut werden.

Baut Kontakt zu Geflüchteten auf
Der einfachste Weg, gegen die Ausgrenzung von Flüchtlingen aktiv zu werden und Flüchtlinge effektiv zu unterstützen, ist, in direkten Kontakt zu treten. Ein freundlicher Besuch in der Unterkunft schafft die Gelegenheit, sich kennenzulernen und die Bedürfnisse der Bewohner_innen zu erfahren.

Die Situation der Geflüchteten ist entscheidend
Auch wenn es wichtig ist, auf rassistische Stimmen und Proteste zu reagieren, sollte man nicht bei den „Sorgen und Ängsten“ der Bürger_innen hängen bleiben, sondern den Blick auf die Geflüchteten selbst lenken. Eine genaue Betrachtung der Situation von Flüchtlingen kann schon helfen, vorherige Vorurteile zu widerlegen.

Rassistische und neofaschistische Strategien erkennen
Nazis knüpfen an aktuelle, gesellschaftlich relevante Themen an, um rassistische, oder demokratiefeindliche Botschaften zu setzen. Durch genaues Hinschauen können solche Muster jedoch schon frühzeitig erkannt werden. Es lohnt ein Blick dahingehend, was im Vordergrund der Kampagne steht: Geht es um die Situation der davon Betroffenen – oder um den eigenen „Heimatbezug“ und vorgefertigte, populistisch aufgeladene Meinungen?

Nazis und andere Rassist_innen ausschließen
Überzeugte Neonazis haben ein geschlossenes ideologisches Weltbild, dem nicht einfach mit sachlichen Argumenten entgegengetreten werden kann. Zudem zeichnet sich die Strategie von Nazis nicht dadurch aus, mit Diskussionen ihre Meinung voran zu bringen, sondern durch Wortergreifungsstrategien und propagandistische Meinungsmache ihre rassistischen Ansichten zu verbreiten. Deshalb ist es wichtig, eindeutig nazistische und andere rassistische Akteur_innen von vorneherein auszuschließen und sich nicht auf eine Debatte mit Neonazis einzulassen.

Handlungsmöglichkeiten im World Wide Web

Gründet sich bei Facebook oder anderen sozialen Netzwerken eine Seite oder Gruppe mit rassistischen Inhalten, so gibt es immer die Möglichkeit, diese zu melden. Darüber hinaus ist es wichtig, eine Präsenz zu schaffen, die Gegenstimmen sichtbar macht und Rassismus ächtet. So haben beispielsweise als Reaktion auf die Seite der „Bürgerinitiative Marzahn-Hellersdorf“ Flüchtlingsunterstützer_innen die Seite „Hellersdorf hilft“ ins Leben gerufen.

Weitere Informationen gibt es in der Publikation
„Die Brandstifter – Rechte Hetze gegen Flüchtlinge“


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