Stralsund: NPD-Fackelmarsch erfolgreich gestört

++weniger als 100 Nazis nahmen an NPD-Aufmarsch in der Hansestadt teil +++ laut Stralsund Nazifrei rund 1.000 Gegendemonstrant_innen +++ Gewaltexzesse der Polizei erneut in der Kritik +

Von Janin Krude und Marko Neumann

Gerade einmal 100 Nazis waren dem Aufruf der NPD gefolgt, am vergangenen Sonnabend mit Fackeln durch Stralsund zu marschieren. Mehrere hundert Gegendemonstrant_innen ließen den Naziaufmarsch endgültig zu einer Blamage für die NPD werden.

Widerstand gegen NPD-Fackelmarsch
Kurz nach dem Bekanntwerden des Termins gründete sich das Bündnis Stralsund Nazifrei. Initiiert durch Rock gegen Rechts e.V. Stralsund und getragen von verschiedenen Parteien, Verbänden, Gewerkschaften, Antifa-Gruppen und Einzelpersonen, konnten innerhalb weniger Wochen zahlreiche Gegenaktivitäten organisiert werden. Mehr als 20 Mahnwachen wurden entlang der NPD-Route angemeldet. Nirgendwo sollten die Nazis ungestört marschieren dürfen.
Als zentraler Anlaufpunkt für Gegendemonstrant_innen fungierte ein Fest unter dem Motto „Nazifrei und Spaß dabei“ an der Jakobikirche. Zeitweise fanden sich dort rund 200 Menschen ein. Warme VoKü, aktuelle Informationen und die Gelegenheit zum kurzen Ausruhen nutzten im Laufe des Tages viele Menschen. Stralsunds Bürgermeister Alexander Badrow (CDU) lehnte die Teilnahme an den Proteste gegen den NPD-Aufmarsch faktisch ab, in dem er sich auf ein ökumenisches Friedensgebet in der Marienkirche beschränkte.

„Einmal mutig sein.“ – Blockaden und staatliche Repression
Schon im Vorfeld des 11. Oktober hatte der Einsatzleiter der Polizei, Thomas Dabel, erklärt, Sitzblockaden nicht zu dulden. „Bei Blockaden befinden wir uns im Bereich von Straftaten. Auch wer dazu aufruft, begeht eine Straftat.“ hatte er noch während eines Vorbereitungstreffens des Bündnisses Stralsund Nazifrei erklärt. Dabel hatte auch den Polizeieinsatz am 8. Mai diesen Jahres in Demmin geleitet. Die Polizei prügelte dort unter anderem einen Antifaschisten ins Koma und fiel auch sonst immer wieder mit brutalen Attacken auf Gegendemonstrant_innen auf.
Mit insgesamt 500 Beamt_innen war die Polizei im Einsatz. Trotz dieses massiven Aufgebots wurden die Lage für die Polizei im Laufe des Abends zunehmend unübersichtlicher. Die Hilflosigkeit mancher Beamt_innen sollte offenbar mit überzogener Gewalt ausgeglichen werden.
„Es kann nicht sein, dass man Gegendemonstrationen behindert, um den Nazis einen Marsch durch die gesamte Altstadt zu ermöglichen.“ erklärte Sonja Steffen (MdB). „Der Landkreis und allen voran der Landrat hätte diese Eskalation verhindern können. Einmal mutig sein und die Demonstration der NPD verbieten aus Gründen der Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung. Oder zumindest auf ein Mindestmaß einschränken.“
Trauriger Höhepunkt des Polizeiauftritts an diesem Abend war einmal mehr der Einsatz der BFE. BFE-Einheiten schlugen eine angemeldete Mahnwache der Ver.di Jugend zusammen, um der NPD den Weg freizumachen. Die Ereignisse erinnerten an die Prügelorgien der selben Einheit während des Einsatzes am 8. Mai diesen Jahres in Demmin. Anfang Mai schlugen ebenfalls BFE-Einheiten einen Antifaschisten ins Koma.
„Es stellt sich zunehmend die Frage, ob die für derartige Einsätze Verantwortlichen und ihre Untergebenen nicht eigentlich gerne selbst an den Naziaufmärschen teilnehmen wollen würden.“ schreibt die Antifa Rostock auf ihrem Blog und fährt fort: „Der Hass auf Nazigegner_innen, der sich in Äußerungen und Gewalttaten der unteren Chargen und im Erfindungsreichtum in der Durchsetzung der Märsche durch die Oberen widerspiegelt, lässt dies jedenfalls vermuten. Es muss sich überlegt werden, wie mit derart heftigen Gewaltausbrüchen zukünftig umgegangen werden soll.“
Trotz teilweise brachialer Gewalt durch die Polizei gelang es immer wieder, den Naziaufmarsch mit Blockaden zu behindern. Nachdem die Nazis am Strelasund entlang geführt wurden, hielten sie letztlich am Alten Markt ihre Abschlusskundgebung ab. Auch hier versperrten mehrere hundert Menschen den Nazis den Weg. Anschließend wurden die Nazis von der Polizei zurück zum Bahnhof geleitet. Die Umleitung des Naziaufmarsches führte schließlich dazu, dass die NPD nicht einmal ihren Trauerkranz am Neuen Markt abgelegen konnte.

Fazit
Das Bündnis Stralsund Nazifrei sieht den Tag als einen Erfolg. „Der vielfältige Protest hat bewirkt, dass die Nazis erhebliche Zeitverzögerungen hatten, ca. die Hälfte der Route der Nazis gekürzt wurde und Stralsund ein Tag erlebt hat, den es sonst noch nie gegeben hat.“ heißt es in einer Erklärung. Trotz der kurzen Mobilisierungszeit und den schwierigen örtlichen Gegebenheiten und massiver staatlicher Repression konnte der Naziaufmarsch erfolgreich gestört werden.

Weitere Artikel findet ihr unter anderem auf Endstation Rechts und bei Kombinat Fortschritt.


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