Güstrow: Erneut Mahnwachen „gegen Asylmissbrauch“ diesen Sonnabend

++ Nazis rufen erneut zu Mahnwachen gegen Geflüchtete in Güstrow auf +++ Rechte Hetze nicht unwidersprochen lassen! +++ Rassismus und Fremdenfeindlichkeit an der Wurzel packen! +

Von Franziska Wilke und Marko Neumann

Hetze gegen vermeintlich Fremde ist eines der Kernthemen der neofaschistischen Szene. Die Ängste, Sorgen und nicht zuletzt Ressentiments und Vorurteile in breiten Teilen der Bevölkerung nutzen die Nazis von NPD und co. geschickt, um Stimmung gegen sogenannte „Scheinasylanten“ zu machen.


Bild: Alltagsrassismus ist in Deutschland keine Seltenheit, Protest und Widerstand gegen solche Ressentiments und Vorurteile jedoch auch nicht.

Besonders dort, wo Flüchtlingsheime entstehen oder bereits genutzt werden, entfalten vermeintliche „Bürger_inneninitiativen“ immer offeneren Hass gegen Geflüchtete. Auch in MV gibt es mehrere solcher Initiativen, die den Anschein von Bürgerlichkeit erwecken sollen aber in der Realität nur Strohfiguren der neofaschistischen NPD sind. So viel die Initiative „Güstrow wehrt sich gegen Asylmissbrauch!“ in der Vergangenheit mit mehreren Kundgebungen und zuletzt auch mit einem „unpolitischen“ Fackelaufmarsch auf. Vor wenigen Wochen marschierten rund 100 Neofaschist_innen durch die Stadt.

Um den Druck weiter aufrecht zu erhalten haben die Nazis für dieses Wochenende erneut zwei Mahnwachen gegen die Unterbringung von Geflüchteten angemeldet. Auf der Facebook Seite der Gruppe heißt es:

„Für sonnabend, den 15. 11., sind zwei mahnwachen in güstrow angemeldet. Thema: heimat schützen – überfremdungswahn stoppen! 10 – 11 uhr friedrich-engels-str/gegenüber zur famila-auffahrt, 11:30 – 12:30 uhr lindenallee/ecke platanenstr/gegenüber zur sky-auffahrt. Freuen uns über zusagen und ebenso reichliches erscheinen!“ [alle Fehler im Original, Anm. d. Red.]

MV ist eines der Bundesländer mit dem geringsten Prozentsatz an Flüchtlingen. Auf den ersten Blick scheint verwunderlich, dass Menschen gerade in solchen Gegenden mehr Angst vor einer vermeintlichen „Überfremdung“ haben, wo statistisch gesehen die wenigsten „Ausländer“ leben. Auf den zweiten Blick ist dies jedoch plausibel: Wo Alteingesessene meist unter ihresgleichen bleiben, fallen Menschen anderer Herkunft auf – egal wie unauffällig sie sich benehmen. Wo Menschen nicht mit Migrant_innen in Kontakt kommen, halten sich auch rassistische Vorurteile am längsten. An Orten dagegen, in denen schon lange viele Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenleben, stellt sich schneller Gelassenheit und Normalität ein.

Denn ob in der Großstadt oder auf dem flachen Land: Migrant_innen waren schon immer da. Das „reine deutsche Volk“ oder die „deutsche Kultur“ ist schon immer eine Erfindung gewesen. Beginnend mit der Menschheitsgeschichte müsste man sagen: eigentlich sind wir alle Afrikaner_innen, denn menschliche Knochenfunde aus Äthiopien und Kenia weisen darauf hin, dass die Menschen einst von dort ausgehend die anderen Erdteile besiedelten. Seither ist alle Geschichte immer auch eine Geschichte der Migration, besonders in Europa: Die so genannte „Völkerwanderung“ hunderttausender Menschen in der Spätantike war tatsächlich ein gigantischer Prozess der Vermischung von Menschen unterschiedlicher Herkunft, und das ist in der Geschichte der Normalfall.


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