Zur europäischen Wirtschafts- & Finanzkrise und die Bankenrettung

Seit Ende 2007 füllt ein kleines Wort wie kein anderes die Schlagzeilen unserer Zeitungen: Krise. Und damit zusammen Wörter wie Bankenrettung, Hedgefonds und natürlich Schulden. Schätzungen zu Folge wurden seit Beginn der Krise über eine Billionen Euro Verlust gemacht. Die sogenannte Rettungspakete der EU-Staaten plus das der USA umfassen insgesamt 2,6 Billionen Euro – also eine schwindelerregende Zahl mit zwölf Nullen. Die Summe entspricht in etwa dem, was laut UNO nötig wäre, um den Hunger in Afrika 52 Jahre lang zu bekämpfen.

Von Franziska Wilke

Wirtschafts- und Finanzkrisen gibt es immer wieder im Kapitalismus, und sie laufen immer ähnlich ab: Ein begehrtes Objekt, zum Beispiel Aktien, steigt im Preis. Daraufhin wird noch viel mehr gekauft, da alle spekulieren, dass die Preise weiterhin steigen und sie dann einen fetten Gewinn machen, wenn sie später verkaufen. Irgendwann ist der Höhepunkt erreicht: die Ersten wollen nun wieder verkaufen und ihren Gewinn einstreichen – die Preise fallen wieder rapide ab. Es bricht Panik aus, alle wollen ihre „Wertpapiere“ mit den „faulen Kredite“ nun loswerden – der Markt bricht zusammen. Die Finanzblase platzt. Ein Markt also, wo Dinge gehandelt wurden, die in ihrem Wert total überschätzt waren. Wer nicht früh genug verkaufen konnte, macht nun riesige Verluste, weil die Preise ins Bodenlose fallen. Die Anleger kriegen Angst, das Vertrauen in andere Märkte sinkt ebenfalls. Immer mehr Spekulant_innen ziehen ihr Geld ab und verlagern es auf sichere Konten. Wenn zu viele Anleger_innen ihr Geld gleichzeitig wieder haben wollen, werden Banken zahlungsunfähig. Eine Bank nach der anderen geht Pleite, die Verbliebenen misstrauen sich untereinander, denn niemand weiß, wer noch alles „faule Kredite“ im Safe hat. Eine Kettenreaktion beginnt – weltweit brechen die Finanzmärkte ein. Besonders davon betroffen sind in Europa Länder wie Griechenland, Spanien oder Portugal. Und dann kommt der die EU ins Spiel. Um die betroffenen Länder und das globale Finanzsystem wirtschaftlich zu stabilisieren, kommt die EU mit riesigen milliardenschweren Rettungspaketen zu Hilfe. So wird es zumindest behauptet. Was gerne verschwiegen wird: Die bisherigen Griechenland-Hilfen beispielsweise flossen nahezu vollständig an den Finanzsektor, nämlich zu 94 Prozent an Banken und privaten Gläubigern, aus Deutschland, Frankreich oder der Schweiz – also den Verursachern der Krise. Für diese ’’Rettung“ müssen die Menschen in Griechenland auch noch einen hohen Preis zahlen…

Das Geld kommt nicht nur den Falschen zu Gute, die Bankenrettung hat auch verheerende Folgen: Jeder dritte Mensch in Griechenland ist arbeitslos, unter jungen Leuten ist es sogar mehr als die Hälfte! Löhne sinken in freien Fall, öffentliche Unternehmen werden privatisiert, im öffentlichen Dienst und in sozialen Bereichen wird gekürzt, was das Zeug hält; denn an solche Maßnahmen sind die Rettungspakete geknüpft.

Unzählige Existenzen stehen vor dem Aus, sind obdachlos und können sich kaum noch das Nötigste zum Leben leisten. In Spanien sieht es kaum besser aus. Über 40 Prozent der jungen Arbeiter_innen haben keine Arbeit, in Portugal sind es rund 37 Prozent. Diese extremen der Folgen der Krise bedrohen den sozialen Frieden und verschärfen die Situation ernorm.

Hierzulande wird suggeriert, dass „wir Deutschen“ ja sehr gut durch die Krise gekommen seien. Tatsächlich erscheint eine Jugendarbeitslosigkeit von über 7,4 Prozent verglichen mit Portugal, Spanien und Griechenland sehr niedrig. Doch zu glauben, den Jugendlichen in Deutschland gehe es gut, ist ein Trugschluss. Im Jahr 2013 gab es 824.626 Bewerber_innen auf Ausbildungsplätze in Deutschland, davon offiziell 15.650 Unversorgte. Die Wahrheit sieht also anders aus. Von den 824.626 Bewerber_innen haben 273.355 keinen Ausbildungsplatz zugewiesen bekommen.

Der Kampf für eine gerechte und solidarische Gesellschaft und gegen den neoliberalen Sozial- und Demokratieabbau kann nur durch eine breite Bewegung der Jugend gewonnen werden. Soziale Gerechtigkeit und eine Stärkung der Demokratie gehen nur durch eine umfassende Umverteilung des Reichtums von oben nach unten.

„Wir wollen eine Welt, in der Menschen friedlich, frei, gesund und gleichberechtigt leben können. Weil uns der Kapitalismus Menschenwürde, Gerechtigkeit, unzerstörte Natur, Freiheit, Demokratie und Gleichberechtigung nicht geben kann, haben wir uns in einem sozialistischen Jugendverband zusammengeschlossen. Unser Ziel ist und bleibt, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“ Karl Marx


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