ROSTOCK nazifrei: „Wir müssen die Sorgen der Leute ernst nehmen!“ – Warum?

Was ist nur los am lauten Rand der Republik? Ein Kommentar von Torsten Sohn, Sprecher des Bündnis ROSTOCK nazifrei.

Zuwanderung ja, doch Kultur und Religion dürfen gerne vor Europas Toren abgelegt werden. So jedenfalls lautet der einstimmige Tenor der so genannten „Pegiden“.
Und nicht erst seit den Montagsdemos dieser „besorgten Bürger“, die deutschlandweit mit rassistischen Parolen ihre Furcht vor Zuwanderung kundtun, suchen verschiedene Politiker und Parteien den verbalen Schulterschluss mit dem demonstrierenden „Volk“. „Die Sorgen der Menschen ernst nehmen“ und „nicht pauschal als Nazis verurteilen“ – das sind die gängigsten Slogans von AfD-, CSU- und CDU-Politikern auf allen Ebenen.


Bild: Schlagzeilen des Spiegel und der Freien Presse. (Bild eingebunden über ROSTOCK nazifrei)

Wer sind diese Menschen, die sich gemeinsam und lauthals auf „Wir sind das Volk“ und „Lügenpresse“-Rufe reduzieren lassen? Wir reden über ca. 20.000 Menschen, die bundesweit auf einem halben Dutzend Demonstrationen mit Fackeln, Fahnen und Fäusten sehr unterschiedliche Forderungen stellen – meist an die da oben, die ihnen nicht mehr zuhören wollen. Doch wann ist dieser Dialog eingefordert worden?

Es dürfte „denen da oben“ nicht sehr leicht fallen, all diesen vom „Volkstod“ Bedrohten zuzuhören; erst recht weil kaum jemand zu Gesprächen bereit ist. Der Dialog mit diesen „Pegiden“ setzt aber voraus, dass jeder Dialog- und Gesprächspartner dem anderen zuhören kann. Das ist derzeit der scheinbar einzige gemeinsame Nenner der „Pegiden“: Der Unwillen zu Dialogen mit durch demokratischen Wahlen legitimierten Volksvertretern. Noch einmal: Es geht um 20.000 Menschen, die mit Fahnen und Fäusten ihre Forderungen auf die Straße bringen.

Was ist mit den Mitgliedern der migrantischen Community, die in Deutschland über 15 Millionen Menschen stark ist, mit den Refugees, die einen gesetzlichen Anspruch auf sechs Quadratmeter Wohnfläche haben und auf der Straße – dem einzigen Ort, wo die ersehnte Freiheit nach Flucht, Verfolgung und Vertreibung noch spürbar wäre – angegriffen, beleidigt und bedroht werden? Wo sind hier die Menschen, die sich mit ihnen solidarisch erklären? Wo sind hier die Minister und Verantwortlichen , die sagen: „Wir müssen ihre Sorgen ernst nehmen?“
Es sind wieder nur die Lauten, die um Aufmerksamkeit ringen. Die, die da schreien, haben aber in den seltensten Fällen recht. Lautstärke ist kein probates Mittel um Dialoge zu führen.

Die Diskussionen, die derzeit die Öffentlichkeit bewegen, sind Sozialneid-Debatten nach dem Muster der Verwertung von Humankapital: Menschen, die nicht das Recht oder das Privileg hatten, in Deutschland geboren zu sein, müssen ihren Integrationswillen durch die Aufnahme von Arbeit unter Beweis stellen, können es aber im Fokus der öffentlichen Proteste kaum jemanden recht machen. Denn für die einen sind sie Konkurrenten am Arbeitsmarkt, sofern sie welche haben. Für die anderen sind sie Betrüger, die sich Leistungen erschleichen, sofern sie keine Arbeit haben. Pauschale Unterstellung nach Arbeitsunwilligkeit inklusive.

Migrantische Fachkräfte sind angeblich willkommen, aber die Bereitschaft, ihnen Chancen zu geben und Möglichkeiten einzuräumen, selbst ein Teil der Gesellschaft zu werden, ist verschwindend gering.

Tun wir doch nicht so scheinheilig: Wer Menschen, insbesondere Migrant_innen nach ihrem Wert für die Gesellschaft bewertet, vertritt denselben latenten Rassismus, wie jene, die sich aus unterschiedlichen Gründen sozial benachteiligt fühlen.

Dieses Verhalten stellt Menschen unter einen Generalverdacht, stigmatisiert sie, und bestärkt lediglich eines: Ihren Willen, endlich einen Ort zum Leben zu finden, wo sie akzeptiert und anerkannt werden und sich entfalten können. Und das ohne Faust und Fahne.

Weitere Informationen zu den Protesten gegen den Aufmarsch der rechtspopulistischen ROGIDA folgen die nächsten Tage. Haltet die Augen offen und informiert euch. Benutzt dafür folgende Kanäle:

Facebook: NoPegidaMV & PortalNordost
Hashtags: #norogida & #nopegidamv
Homepage: ino.blogsport.de/norogida


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