Demmin: 70 Jahre nach der Befreiung der Stadt

++ Gedenkkultur zum 70. Jahrestag der Befreiung in Demmin +++ Naziaufmarsch am 8. Mai durch die Stadt +++ Aktionsbündnis ruft zu Protesten gegen Fackelmarsch auf +

Pressemitteilung des Aktionsbündnisses 8. Mai Demmin vom 04.05.2015


Bild: Transparent zum 70. Jahrestag der Befreiung während der Proteste gegen den NPD-Aufmarsch am 1. Mai in Neubrandenburg.

Die Stadt Demmin hat unter anderem mit der Vorstellung des Buches von Florian Huber über die zahlreichen Menschen, die am Kriegsende ihre Kinder und sich selbst umgebracht haben, eine breite Diskussion über diese Ereignisse angestoßen und mit der anschließenden Konferenz versucht, mit Fachleuten die Hintergründe zu beleuchten. Wir unterstützen diesen Versuch und die damit verbundene öffentliche Debatte. Wir verstehen aber nicht, dass die Stadt gleichzeitig zulässt, dass das Demminer Regionalmuseum geschlossen wird. Dort wurde gerade in den zurückliegenden Jahren ernsthaft und professionell die Geschichte aufarbeitet und für die Öffentlichkeit dokumentiert und zugänglich gemacht.

Wir bedauern, dass der jährliche Fackelmarsch der NPD in Demmin am Tag der Befreiung auf der Konferenz „Schwierige Erinnerung“ in keiner Weise diskutiert wurde. Die NPD missbraucht die Geschichte Demmins für ihren Opferkult und vereinnahmt die Toten für ihre nationalistische Propaganda. Wie wir in Demmin damit umgehen, hat mit der Veröffentlichung des Buches auch internationale Aufmerksamkeit erhalten. Die FAZ schrieb dazu, es nähmen nur wenige Demminer*innen an Gegendemonstrationen gegen den NPD-Aufmarsch teil und die Stadt sei hilflos.

Das Aktionsbündnis widerspricht dieser fatalistischen Darstellung. Es haben im vergangenen Jahr rund 800 Menschen an den Gegendemonstrationen teilgenommen. Es wird leicht vergessen, dass aus der Umgebung Demmins und natürlich auch aus der Stadt selbst hunderte Jugendliche in den letzten Jahrzehnten abgewandert sind, um zu studieren und eine Arbeit zu suchen. Wir haben festgestellt, dass viele von ihnen sich von dem Missbrauch ihrer eigenen Geschichte durch die NPD betroffen fühlen und deshalb am 8. Mai nach Demmin kommen. Auch das gehört zum heutigen Umgang mit der Geschichte. Wir freuen uns, dass viele der jüngeren Generation sich ihrer Geschichte stellen und erwarten, dass sie ernst genommen werden. Das Aktionsbündnis hofft, dass die Verantwortlichen in Politik und Behörden in der Stadt, im Landkreis und im Land Mecklenburg-Vorpommern dies als Bereicherung der demokratischen Kultur und als Anregung betrachten.

Wir laden alle Demminer*innen zu den diesjährigen Veranstaltungen des Aktionsbündnisses vom 7. bis zum 9. Mai herzlich ein und freuen uns, dass in diesem Jahr nicht nur ein Franzose daran teilnimmt, sondern mehrere Gäste aus dem Ausland sich angekündigt haben.


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