Rostock: „Von der eigenen Medizin gekostet“ – Polizist*innenpaar vor Diskothek verprügelt

++ Polizeipärchen bekommt eigene Medizin zu schmecken +++ Übergriffe auf zwei Beamte vor Rostocker Diskothek +++ Polizei und Medien verschweigen Ursache des Angriffes +

Von Marko Neumann

Vergangenes Wochenende soll ein Polizist*innenpärchen vor einer Diskothek in der Rostocker Innenstadt angegriffen worden sein. Die lokalen Medien greifen den vermeintlich skandalösen Vorfall bereitwillig auf. Doch wie bei allem, muss auch hier nach den Ursachen gesucht werden: wieso geschehen solche Übergriffe überhaupt? Ein Kommentar zu Polizeigewalt und zur deutschen Täter-Opfer-Verkehrung.


Bild: Proteste gegen rassistische Aufmärsche werden von der Polizei stets schikaniert und kriminalisiert, wie hier am 1. Mai 2015 in Neubrandenburg.

Was war passiert?
In der Nacht von Sonnabend auf Sonntag wollte ein 35 jähriger Polizeibeamter mit seiner 28 Jahre alten Freundin, die ebenfalls bei der Polizei arbeitet, und einem weiteren Pärchen eine Diskothek in der Rostocker Innenstadt besuchen. Schon am Eingang war die Party für die Ordnungshüter*innen jedoch vorbei: nachdem der Polizist als solcher erkannt wurde, machte das Eingangspersonal von seinem Hausrecht Gebrauch und verweigerte den Beamten den Zutritt.
Was in der Presse dann als „grundloser“ Angriff auf die Polizeibeamt*innen beschrieben wird, scheint in Wirklichkeit die direkte Folge der Nichtbefolgung der Anweisungen der Türsteher zu sein. Denn der Polizist weigerten sich zunächst, den Einlassbereich der Disko zu verlassen.
Schließlich entfernten sich die Freunde und Helfer doch noch. Sofort verständigten sie ihre Kolleg*innen und einen Rettungswagen. In der Nähe der Disko griffen nach Angaben der Polizei zwischen fünf und neun Personen die Polizist*innen erneut an. Erstaunlich schnell vor Ort war ein Rettungswagen, dessen Näherkommen die Angreifer angeblich in die Flucht schlug. So weit, so gut.

Empörend: Polizisten werden Freiwild!
Nach der Attacke ging die Stilisierung der Polizist*innen als arme, unschuldige Opfer von gewaltbereiten Fußballfans – die von der Polizei für den Angriff verantwortlich gemacht werden – los. Der Landesvorsitzende der „Gewerkschaft“ der Polizei (GdP) Christian Schumacher, erklärte gegenüber der Presse „Während jeder Berufstätige in seiner Freizeit sein Privatleben genießen kann, scheinen Polizisten immer mehr zum Freiwild zu werden“. Abends mal weggehen, ein Konzert besuchen oder einfach in die Disko ist für jedermann ganz normal. Leider gelte das nicht für Polizistinnen und Polizisten. Diese werden auch außerhalb des Dienstes zunehmend Opfer von Gewalt, wenn sie als Polizeibeamte erkannt werden. Behauptet Schumacher weiter. Die Ursachen solcher Gewaltausbrüche gegen Polizist*innen ignoriert er.

Deutsche Tradition: Täter-Opfer-Verkehrung
Es stellt sich natürlich die Frage, weshalb es zu solchen Angriffen auf Polizeibeamt*innen kommt. Die Antwort ist so banal wie offensichtlich: jeder Mensch, der sich (gesellschafts-)politisch in diesem Land engagiert, hat mindestens einmal Erfahrungen mit der Polizei gesammelt – meistens schlechte. Wer hatte nicht schon einmal einen Knüppel zwischen den Beinen, weil mensch gegen einen Castortransport, einen Naziaufmarsch oder andere Missstände dieser Gesellschaft protestieren wollte? Wer kennt niemanden, der nicht schon einmal von durch Polizist*innen versprühtes Reizgas verletzt wurde? Wer wurde nicht schon beleidigt und schikaniert von Streifenpolizist*innen, nur weil die Haare bunt oder die Partymusik angeblich zu laut waren? Die berechtigte Abneigung und der steigende Zorn gegen Polizist*innen ist längst kein Ausdruck diffuser Wut mehr, sondern die direkte Folge des Verhaltens der Polizei vor Ort. Wer berufsmäßig seine Mitmenschen schikaniert und körperlich angreift, braucht sich nicht zu wundern, wenn einem blanker Hass entgegenschlägt.

„Niemand muss Bulle sein!“
Wer sich darüber beschwert, als Polizist in dieser Gesellschaft nicht respektiert zu werden, sollte sein Verhalten und das seiner Kolleg*innen überprüfen. Rassist*innen schützen, Fußballfans schikanieren und Antifaschist*innen kriminalisieren – auf diese Weise schafft man sich nur Feinde. In einer Diskothek faktisch Hausverbot zu bekommen, ist dann eine Form von Berufsrisiko, dessen mensch sich bewusst sein muss. Das Problem sind nicht frustrierte Fussballfans, sondern die gewaltbereiten Schläger der Polizei, die während ihrer Einsätze ihre Macht- und Gewaltfantasien ausleben. Daran werden auch „schärfere Strafen“, wie sie der CDU-Innenminister nach dem Übergriff beißreflexartig gefordert hat, nichts ändern.


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