Archiv für August 2015

Aufmarsch „besorgter Bürger“ kommenden Sonnabend in Wismar

++ Fremdenfeindlicher Aufmarsch diesen Sonnabend in Wismar +++ Gegenveranstaltungen in Planung +++ Keinen Fußbreit den Rassist*innen! +

Von Janin Krude und Marko Neumann

Die Facebook Seite „Wismar gegen Asylmissbrauch“ unterscheidet sich nicht wesentlich von anderen fremdenfeindlichen Blog des Web 2.0. Regelmäßig wird über sogenannte „Wirtschaftsflüchtlinge“, eine vermeintliche „Asylantenflut“, das „marode System“ und die „unfähige Politik“ berichtet. Wie auch bei anderen Seiten dieser Art stehen hinter der Seite wohl keine „normalen Bürger“, die ihren „Sorgen, Ängsten und Nöten“ Ausdruck verleihen wollen, sondern gut organisierte Rechte.

Bei Hetze gegen Geflüchtete im Internet bleibt es jedoch nicht. Kurz nach Erstellung der Seite kündigten die Betreiber an, bei einer Marke von 2.000 Likes eine Demo in Wismar durchzuführen. Dies spornte die klickwütige „besorgte Bürger“ Community erst recht an. Innerhalb kürzester Zeit, war die Zahl erreicht. Für den kommenden Sonnabend wird auf der Wismarer Facebook „gegen Asylmissbrauch“ zu einem Aufmarsch unter dem Motto „Gemeinsam für die Heimat“ aufgerufen. Der Aufmarsch knüpft offenbar an die „Spaziergänge“ der von der NPD dominierten MVGIDA, einem Ableger der sächsischen PEGIDA, an. Angemeldet ist der Aufmarsch von 17 bis 22 Uhr. Start des Aufzuges soll der Zentrale Omnibus Bahnhof sein.

Doch wie in anderen Städten, in denen Rassist*innen auf die Straße gehen wollen, wird es auch in Wismar Protest und Widerstand gegen die fremdenfeindliche Hetze geben. Verschiedene Kundgebungen und Veranstaltung in der Hansestadt sind bzw. werden angemeldet, um in Hör- und Sichtweite zum Aufmarsch der Rassist*innen zu gewährleisten.

Weitere Informationen zum geplanten Naziaufmarsch und den Gegenprotesten findet ihr bei Wismar Nazifrei oder direkt bei uns.

Achtet auf Ankündigungen und bleibt informiert! Nutzt dazu auch folgende Kanäle:
Facebook: WismarNazifrei, PortalNordost
Twitter: infonordost
Details: ino.blogsport.de

Wieder rassistische Übergriffe und Sachbeschädigungen in Mecklenburg-Vorpommern

++ erneute Beleidigungen und Angriffe auf Geflüchtete in Kletzin und Pasewalk +++ Bürgerhaus in Laage u.a. mit Hakenkreuzen beschmiert +++ das Problem heißt Rassismus! +

Von Marko Neumann

Erst vergangenes Wochenende kam es zu einer Reihe rassistischer Aktivitäten. Anfang der Woche betraten zwei Männer in Parchim mit einem Messer eine Geflüchtetenunterkunft. Doch die Serie fremdenfeindlicher Übergriffe in Mecklenburg-Vorpommern reist nicht ab, in den vergangenen Tagen kam es zu weiteren Attacken und Sachbeschädigungen.


Bild: Nicht alle Menschen hetzen gegen Geflüchtete – viele wollen heißen die neuen Mitmenschen willkommen.

Flüchtlinge in Kletzin bedroht
In der Ortschaft Kletzin wurden 16 Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien bereits während ihrer Ankunft bedroht. Als die Geflüchteten ihre Unterkunft beziehen wollten wurden sie aus einem vorbeifahrenden Auto heraus bedroht. Die Heimmitarbeiter*innen, die die Geflüchteten begleiteten, riefen sofort die Polizei. Diese konnten das Auto und den 20 jährigen Fahrer schnell ausfindig machen.
Die Beamt*innen nahmen die Personalien des Männer und der ihn begleitenden Frau auf und sprachen Platzverweise für die Umgebung des Flüchtlingsheimes aus. Bei der Durchsuchung des Autos wurde zusätzlich eine Reichskriegsflagge gefunden.
Kletzins Bürgermeister, Detlef Klietz, erklärte gegenüber dem Nordkurier genauso naiv wie hilflos, dies wäre eine schlimme und unwürdige Reaktion eines Einzelnen. Und weiter „Wir haben bei uns keine Stimmung von Ausländerhass! Das Gegenteil ist der Fall.“ – Sein Wort in Gottes sprichwörtlichen Ohren.

Sachbeschädigung im Bürgerhaus Laage
Freitag Abend zerschlugen Unbekannte die Türverglasung und die Scheibe eines Fenster des Bürgerhauses in Laage. Zusätzlich wurden mehrere Hakenkreuz-Graffitis und unter anderem der Spruch „Tot den Flüchtlingen“ an die Außenfassade des Gebäudes und an weitere Fenster gesprüht. Während die Polizei die Ermittlungen aufgenommen hat, wurden die Schmierereien an der Hausfassade wieder entfernt.

Angriff auf Geflüchtete und Helfer*innen in Pasewalk
In der Nach zu Sonnabend wurden in Pasewalk zwei Geflüchtete von einem Betrunkenen angegriffen. Der 23 jährige beschimpfte die beiden aus Syrien Geflohenen zunächst. „Was wollt ihr hier?“ brüllte er die Beiden an. Anschließend schlug er einen der beiden direkt ins Gesicht. Als ein Paar den beiden Syrer*innen helfen wollte, wurden sie von Bekannten des Angreifers wurde ebenfalls beleidigt und bedroht. Erst die herbeigerufene Polizei, die erstaunlich schnell vor Ort war, konnte die Situation beruhigen und nahm eine Anzeige gegen den Angreifer auf.

Verfassungsschutzbericht 2014: Bitte mehr Zivilcourage, aber weniger Protest!

Im aktuellen Verfassungsschutzbericht zieht das Landesministerium für Inneres und Sport Bilanz über staatsgefährdende Umtriebe in Mecklenburg-Vorpommern. Ein konkreter Bezug zur Hansestadt Greifswald lässt sich darin nicht nur über ein Neonazi-Konzert herstellen, sondern auch über eine Hausbesetzung und zwei mehr oder minder hiesige Bands.

Die Publikation, die über die wesentlichen Entwicklungen im Bereich des Rechts-, Links- und Ausländerextremismus sowie den islamistischen Extremismus in Mecklenburg-Vorpommern informieren will, fasst die “vielfältigen Gefährdungen” der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zusammen, die “oft nur durch den Verfassungsschutz und unter Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel erkannt werden”. Wie Minister Caffier in einer dazugehörigen Pressemitteilung erklärte, würde die Behörde dadurch zu einem “unverzichtbaren Instrument des demokratischen Rechtsstaates für den Schutz der Bevölkerung“. Doch an Güte und Verlässlichkeit des Berichts bestehen auch in diesem Jahr Zweifel.


Bild: Titelbild der Publikation „Die wehrhafte Demokratie“, Manfred Diekmann, 2009.

“Der Staat allein kann die vielschichtigen Probleme bei der Rechtsextremismusbekämpfung nicht lösen.” (Lorenz Caffier)

Viel Neues gibt die Lektüre des Verfassungsschutzberichts nicht her: Die Zahl rechtsextremistisch motivierter Straftaten ist im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht gesunken, jedoch ist der Anteil von Gewalttaten angestiegen. Auch die Anzahl fremdenfeindlicher Übergriffe ist höher als 2013. Im Gegensatz zur bundesweit rückläufigen Entwicklung ist die rechtsextremistische Szene in Mecklenburg-Vorpommern stabil geblieben, allerdings hat es erneut szeneinterne Verschiebungen zuungunsten der NPD gegeben. Der rechten Szene werden im Land insgesamt etwa 1400 Personen zugerechnet, von denen die Verfassungsschützer etwa die Hälfte als gewaltorientiert einschätzen.

Die Zahl rechtsextremer Musikveranstaltungen war im vergangenen Jahr zwar rückläufig, doch bei der Verhinderung und Auflösung von Neonazi-Konzerten kam es wiederholt zu Angriffen auf Polizeibeamte. In diesem Zusammenhang wird auch das von einem Großaufgebot der Polizei verhinderte Konzert in Greifswald erwähnt, zu dem sich im November 2014 mehr als 500 Neonazis im Gewerbegebiet Am Gorzberg eingefunden haben. Die Veranstaltung wurde von einem brandenburgischen Kommunalpolitiker der NPD organisiert, der in der rechtsextremen Musikszene des Raums Berlin/Brandenburg eine zentrale Rolle spielen soll und offenbar auch mit dem wegen Körperverletzung verurteilten Neonazi Marcus G. bekannt ist, der an der Greifswalder Universität Politikwissenschaften studiert.


Bild: In dieser Halle (rechts im Bild) am Gorzberg trafen sich im vergangenen Jahr mehr als 500 Neonazis zu einem Rechtsrock-Konzert. (Foto: Fleischervorstadt-Blog, 2014)

Innenminister Caffier betrachtet die fortgesetzten Attacken auf Flüchtlinge in Mecklenburg-Vorpommern als deutliche Warnzeichen und dürfte so manche Beobachter, die sich noch an die Polizeieinsätze gegen antifaschistische Demonstrationen und Blockaden — beispielsweise in Demmin, Stralsund oder Neubrandenburg — erinnern können, mit der Aussage überraschen, dass es wichtig sei, dass sich alle gesellschaftlichen Kräfte gegen rassistisch motivierte Gewalt stellen: “Der Staat allein kann die vielschichtigen Probleme bei der Rechtsextremismusbekämpfung nicht lösen. Vielmehr kommt es entscheidend auf eine mündige Bürgergesellschaft an, die rassistischen Umtrieben vor Ort Grenzen aufzeigt und die Demokratie kreativ mit Leben erfüllt.” Es wäre wünschenswert, wenn aus dieser Forderung an die Zivilgesellschaft deeskalierende Anweisungen an die Polizeibeamten vor Ort erwüchsen und man zukünftig darauf verzichtete, friedliche Demonstranten bei winterlichen Temperaturen stundenlang einzukesseln oder die angeblich im Spam-Ordner des Ordnungsamts gelandeten Anmeldungen von Mahnwachen zu ignorieren, wie es zuletzt bei den Protesten gegen Mvgida in Stralsund geschehen ist.


Bild: Polizeieinsatz in Demmin. (Meme: MdL Johannes Saalfeld via Facebook)

“Die anarchistische Autonomenszene ist vor allem in den Universitätsstädten Rostock und Greifswald konzentriert.” (Verfassungsschutzbericht 2014)

Der sogenannten linksextremistischen Szene in Mecklenburg-Vorpommern werden im aktuellen Verfassungsschutzbericht etwa 410 Personen zugerechnet. Trotz eines leichten Schwunds von etwa 10 Prozent sollen nach wie vor gewaltbereite “Linksextremisten” den größten Anteil daran ausmachen und für den Anstieg der politisch motivierten Gewaltstraftaten verantwortlich sein, deren quantitatives Niveau 2014 nur knapp von den Rechtsextremen überboten wurde.

Im Unterkapitel zum Aktionsfeld autonomer Freiräume geht es dann ein weiteres Mal dezidiert um Greifswald, konkret um die mehrwöchige Besetzung und spätere Räumung des inzwischen abgerissenen Gebäudeensembles in der Brinkstraße16/17 im November 2014. In seiner Pressemitteilung erkennt Lorenz Caffier im Verhalten der Besetzenden eine Geisteshaltung, “die grundlegende Prinzipien des Zusammenlebens in unserer Gesellschaft missachtet und als eine Form der Menschenfeindlichkeit zu bezeichnen ist.” Angeblich sei das Gebäude von den Besetzerinnen mit ausgelegten Fallen so präpariert worden, dass das Leben und die Gesundheit der eingesetzten Beamten gefährdet gewesen sei.


Bild: Bürgerinnen solidarisieren sich mit den menschenfeindlichen Hausbesetzerinnen der Brinkstraße 16/17. (Foto: Fleischervorstadt-Blog, 2014)

Im eigentlichen Verfassungsschutzbericht wird die Räumung, bei der es “im Wesentlichen zu passiven Widerstandshandlungen” kam, weniger dramatisch geschildert. Die Besetzenden kritisierten anschließend das unvorsichtige Vorgehen von Polizei und Bauarbeitern. So wurde unter anderem darauf verzichtet, während des umgehend vollzogenen Teilabrisses die Gasversorgung des Gebäudes abzustellen.

“In Bezug auf die Punkband “Feine Sahne Fischfilet” hat sich gegenüber den Vorjahren keine Änderung der Rechtslage ergeben.” (Verfassungsschutzbericht 2014)

Der Verfassungsschutz bleibt auch in Sachen antifaschistischer Subkulturförderung alten Prinzipien treu. So kommt auch der aktuelle Bericht nicht ohne die Nennung der inzwischen bundesweit erfolgreichen Band Feine Sahne Fischfilet aus, die zuletzt auf zahlreichen großen Festivals — unter anderem beim Rock am Ring — sowie als Vorband der Toten Hosen auftrat. Im Gegensatz zu den Publikationen der vergangenen drei Jahre verzichtete die Behörde im aktuellen Bericht jedoch auf weitere Details — damit wird der Band erstmals weniger Platz in einem Verfassungsschutzbericht eingeräumt als dem rechtsterroristischen NSU, der 2004 Mehmet Turgut in Rostock ermordete!

Neben Feine Sahne Fischfilet wird auch die Greifswalder Band Tesla Cessna erwähnt, deren LP 10inch revenge! im August 2014 durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert wurde. Die inzwischen nicht mehr aktive Band positionierte sich in ihren Texten nicht nur gegen Neonazis, sondern rief mit relativ robusten Zeilen zum gewaltsamen Widerstand gegen Polizeibeamte auf, weswegen die Erwähnung von Tesla Cessna weder überraschend noch wirklich ungerechtfertigt ist.

Innenminister Caffier will V-Leuten Straftaten zubilligen — Mord bleibt vorerst unerwünscht

Lorenz Caffier hat offenbar weder aus der NSU-Mordserie noch der zweifelhaften Rolle des Verfassungsschutzes gelernt und will weiter am V-Mann-Prinzip festhalten. Wie der NDR heute berichtete, fordert der Innenminister sogar eine Ausweitung der Befugnisse von V-Leuten im Bundesland. Verdeckte Ermittler sollen einem neuen Gesetzentwurf zufolge künftig auch erhebliche Straftaten unbehelligt begehen können. Prinzipiell sollen zwar keine Schwerkriminellen verpflichtet werden können, aber abgesehen von Mördern und Totschlägern seien Ausnahmen möglich. Auf die Verfassungsschutzberichte der kommenden Jahre darf man also gespannt sein.

Der Text wurde übernommen mit freundlicher Genehmigung des Fleischervorstadt-Blogs.

Rostock: Vortrag und Diskussion „Soziale Ungerechtigkeit in Mecklenburg-Vorpommern“ am 03.09.15 im Peter-Weiss-Haus

03.09.15 | 19 Uhr | Peter-Weiss-Haus in Rostock

In den Diskussionen um Armut und Reichtum ist immer wieder die Rede von so genannten *Armutsquoten*. Diese benennen einen Bevölkerungsanteil, der mit einem Einkommen weit unterhalb des durchschnittlich verfügbaren Einkommens auskommen muss. In diesem Sinn wird Armut nicht über absolute Grenzen (wie z.B. das Existenzminimum) definiert, sondern in Relation zu den gesellschaftlichen (Einkommens-)Verähltnissen. Steigen die oberen Einkommen, steigt automatisch auch die Armutsquote. Wer über Armut spricht, spricht daher immer auch über Reichtum und über Fragen der Verteilung, soziologisch ausgedrückt: über soziale Ungleichheit.

Der erste Teil des Vortrags geht der Frage nach, wie ausgeprägt diese Ungleichheiten in Mecklenburg-Vorpommern sind. Welche Unterschiede gibt es zu anderen Bundesländern? Welche Ungleichheiten finden sich innerhalb des Landes, z.B. zwischen urbanen und ländlichen Regionen? Im Zweiten Teil wird die Situation aus Sicht der Betroffenen geschildert, um die hinter den Zahlen stehenden Lebenslagen nachzuvollziehen: Wie äußert sich Armut im Alltag? Wie interpretieren Betroffene ihre Situation? Welche Perspektiven, Hoffnungen und Wünsche äußern sie? Schließlich sollen mögliche Strategien im gesellschaftlichen Umgang mit Armut diskutiert werden.

Rostock: Infoveranstaltung gegen den „Tag der deutschen Patrioten“ am 31.08.15 im Café Median

Für den‭ ‬12.‭ ‬September‭ ‬2015‭ ‬planen Nazis,‭ ‬Rechtspopulisten und rechte Hooligans einen‭ „‬Tag der deutschen Patrioten‭“‬,‭ ‬zu dem sie bundesweit nach Hamburg mobilisieren.‭ ‬Damit knüpfen sie an die rassistischen Aufmärsche der vergangenen Monate von HoGeSa und Pegida an und wollen auch hier ihre rassistische und nationalistische Hetze auf die Straße tragen.‭ ‬Doch wir sagen gemeinsam mit vielen antifaschistischen Kräften:‭ ‬No Pasaran‭ – ‬sie kommen nicht durch‭!

Am 31.08.2015 findet im Café Median in Rostock ab 20 Uhr eine Mobiveranstaltung zu den geplanten Gegenprotesten statt.

Details zur bundesweiten Mobilisierung gegen den Naziaufmarsch gibt es unter nichteinentag.bplaced.com.

Parchim: Bewaffnete Männer dringen in Flüchtlingsheim ein

++ betrunkene Männer betraten Flüchtlingsheim in Parchim +++ Mit Messer bewaffnete Parchimer von Polizei gestellt +++ Staatsanwaltschaft beantragt beschleunigtes Verfahren +

Von Marko Neumann

Keine Woche vergeht, ohne dass es in Mecklenburg-Vorpommern zu rassistischen Angriffen auf Flüchtlingsunterkünften oder Geflüchteten kommt. Erst am vergangenen Wochenende kam es zu Attacken vor verschiedenen Einrichtungen, die Refugees beherbergen.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch kam es erneut zu einer versuchten Attacke. Diesmal verschafften sich zwei Männer Zugang zur Flüchtlingsunterkunft in Parchim. Die Beiden waren mit einem 20cm langem Messer bewaffnet. Als die beiden stark betrunkenen Männer auf dem Außenbereich des Flüchtlingsheims auftauchten, bemerkte mehrere Geflüchtete, die sich ebenfalls im Freien aufhielten, das Messer und verständigten sofort den Wachdienst und brachten sich in Sicherheit.

Die Beiden flohen, konnten jedoch von der herbeigerufenen Polizei gestellt werden. Nach Aussage der Beamt*innen fielen die Männer noch während der des eines Bluttests, der etwa zwei Promille Alkohol im Blut bei den beiden feststellte, mit rassistischen Kommentaren auf.

Die 29 und 31 Jahre alten Männer wurden schließlich in Gewahrsam genommen. Gegen sie wird nun wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz und Hausfriedensbruch ermittelt. Versuchte Tötung bzw Körperverletzung o.Ä. wird ihnen offenbar nicht vorgeworfen. Das zuständige Amtsgericht Ludwigslust hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft bereits ein beschleunigtes Verfahren wegen Verdachts der Bedrohung und des Hausfriedensbruchs eröffnet.

Der ganz normale Wahnsinn: (K)ein Naziwochenende in Mecklenburg-Vorpommern

++ Naziaufmarsch vergangenen Freitag in Waren +++ NPD-Kundgebung und Übergriffe auf Antifaschist*innen in Burg Stargard +++ Angriffe auf Geflüchtetenunterkünfte in Torgelow und Tutow +++ ein ganz normales Wochenende in Meck-Vorpomm +

Von Janin Krude und Marko Neumann

Die Hetze gegen Geflüchtete bricht sich bundesweit immer stärkere Bahnen. Nicht nur in sächsischen Orten wie Heidenau oder Freital entwickeln sich verbale Attacken auf Refugees und Antifaschist*innen zu brutalen körperlichen Übergriffen auf Menschen und Gebäude, auch in Mecklenburg-Vorpommern kam es in der nahen Vergangenheit zu verschiedenen Angriffen.
Trotz einer allgemein abnehmenden Stärke der neofaschistischen Szene sind menschenverachtende Einstellungen und rassistisches Gedankengut nach wie vor stark verwurzelt in großen Teilen der Bevölkerung. In Mecklenburg-Vorpommern sitzt die NPD immer noch im Landtag und ist in den Kreistagen vertreten. Gezielt nutzen organisierte Rassist*innen die allgemeine Ablehnung gegen Geflüchtete, um die Stimmung weiter anzuheizen.

Naziaufmarsch in Waren
Für den vergangenen Freitag hatte der lokale NPD-Aktivist Christian Knaak einen Aufmarsch durch die Stadt Waren angemeldet. Trotz einer sehr bescheidenen Mobilisierung kamen die etwa 60 Neofaschist*innen – die teilweise alkoholisiert an dem Aufmarsch teilnahmen – nicht nur aus Mecklenburg-Vorpommern, sondern auch aus Brandenburg, Berlin, Sachsen sowie Sachsen-Anhalt. Der Aufzug, der deutlich im Styl der „Autonomen Nationalisten“ gehalten war, wurde von zwei Zwischenkundgebungen begleitet. Als Redner*innen traten unter anderem die beiden NPD-Aktivist*innen Doris Zutt und Norman Runge sowie Michael Zeise aus Sachsen-Anhalt auf.
Begleitet wurde der braune Aufzug von Antifaschist*innen, welche sich immer wieder in Hör- und Sichtweite der Nazis positionieren konnten.
Zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstrant*innen und/oder der Polizei kam es während des Aufmarsches nicht. Eine Fotostrecke vom Aufmarsch gibt es hier.

Burg Stargard: NPD-Kundgebung und Angriffe auf Teilnehmer*innen des AJUCA
Seit einigen Tagen sind 30 Geflüchtete aus Syrien in Burg Stargard untergebracht. Für die umtriebige NPD war das Grund genug, eine Kundgebung vor Ort anzumelden.
Der NPD-Stadtvertreter Norman Runge hatte die Veranstaltung unter dem Motto „Wir sind nicht das Sozialamt der Welt“ angemeldet. Aus der geplanten Prpagandashow der NPD wurde jedoch nichts. Viele Menschen beteiligten sich an dem Protest gegen die rassistische Hetze mit Trillerpfeifen und bunten Transparenten. Noch während der NPD-Kundgebung versuchten die Nazis eine Antifaschistin anzugreifen. Die Attacke wurde jedoch unter Mithilfe anderer Antifaschist*innen und der schließlich eingreifenden Polizei schnell beendet.
Um den Refugees nicht den körperlichen und seelischen Gefahren eines Nazimobs auszusetzen, wurden die Geflüchteten kurzer Hand zum Alternativen Jugendcamp (AJUCA) eingeladen. „Wir wollten mit der Aktion unsere Solidarität mit den aus Syrien geflohenen Menschen ausdrücken und so zeigen, dass es eine Willkommenskultur in Mecklenburg-Vorpommern gibt“, sagte eine der Sprecherinnen des Jugendcamps. „Jeder Mensch kann und sollte diese Willkommenskultur aktiv mitgestalten.“
Am Sonnabend kamen Teilnehmer*innen des AJUKA ebenfalls nach Burg Stargard, um dort eine Solidaritätskundgebung abzuhalten. Örtliche Neonazis griffen die Antifaschist*innen unter anderem mit Flaschen an und attackierten schließlich sogar die Busse, mit denen die jungen Antifas angereist waren. In einem Bericht von Kombinat Fortschritt heißt es dazu: „Der enge zeitliche Zusammenhang von der Nazikundgebung am Freitag und dem Angriff am Samstag sollte angesichts von Meldungen wie aus den sächsischen Orten Freital oder Heidenau als ernste Warnung verstanden werden. Organisierter Antifaschismus und Solidarität mit Geflüchteten müssen praktisch ineinander greifen.“ . Fotos von den Ereignissen gibt es hier.

Erneuter Angriff auf Geflüchtetenunterkunft in Torgelow
Ebenfalls vergangenes Wochenende kam es zu einer erneuten Attacke auf ein Flüchtlingsheim in Torgelow mit Sprengkörpern. Erst am 18. August hatten bislang Unbekannte aus einem Auto heraus Pyrotechnik auf das Flüchtlingsheim in Drögeheide abgefeuert. Am Sonntag Abend wurde im Stadtteil Spechtberg mindestens zwei Böller in direkter Nähe einer dezentralen Flüchtlingsunterkunft gezündet. Die Polizei konnte einen Tatverdächtigen ermitteln.

Attacke auf Flüchtlingsheim in Tutow
Nicht nur in Torgelow, auch in Tutow kam es zu einem Angriff auf ein Flüchtlingsheim. Drei betrunkene Männer randalierten vor der Geflüchtetenunterkunft und versuchten zunächst, die Tür der Unterkunft gewaltsam zu öffnen. Zusätzlich warfen sie Bierflaschen auf einen Balkon des Gebäudes. Die eintreffende Polizei konnte schließlich einen 35-jährigen Tutower und zwei 27 und 35 Jahre alte Demminer festsetzen.

Naziaufmärsche und -Kundgebungen, Angriffe auf Antifaschist*innen und Flüchtlingsunterkünfte – obwohl das vergangene Wochenende in Mecklenburg-Vorpommern besonders ereignisreich schien, sind Ausschreitungen und zunehmender Hass gegen vermeintlich „Fremde“ nichts besonderes, sondern traurige Normalität in Mecklenburg-Vorpommern. Die pogromartigen Angriffe in Freital und jüngst in Heidenau zeigen jedoch, dass sich Rassismus keinesfalls auf MV beschränkt, sondern – im Gegenteil – ein Gesamtdeutsches Problem ist, welches sich vor dem Hintergrund eines ständigen sozialen Abstieges vor allem im Osten der Bundesrepublik immer krasser zum Ausdruck kommt. Dabei beschränken sich die Täter*innen dieser Angriffe nicht mehr auf die organisierte Naziszene. Sogenannte „Besorgte Bürger“ kommen längst aus der sprichwörtlichen „Mitte der Gesellschaft“. Die Ursachen solcher Übergriffe dürfen und können deshalb nicht als Problem, welches aus einer vermeintlichen Unterschicht entstammt, verharmlost werden. Rassistische Ressentiments, die nicht zuletzt durch Mainstreammedien salonfähig und angeheizt werden, sind integraler Bestandteil dieser Gesellschaft, in der Gewinn- und Machtstreben allem anderen untergeordnet werden. Rassistische Einstellungen werden – genauso wie die notwendige Flucht vor Hunger und Tod hunderttausender Menschen – nur nachhaltig bekämpft werden können, wenn Mensch und Natur einen höheren Stellenwert besitzen, als materielle Reichtümer.

Kurzmeldung: NPD-Aufmarsch diesen Freitag vor Geflüchtetenunterkunft in Burg Stargard

++ NPD-Hetze gegen Geflüchtete in Burg Stargard +++ NPD-Veranstaltung diesen Freitag +++ weitere Informationen folgen +

Von Marko Neumann

An vielen Orten, in denen Geflüchtete untergebracht werden, hetzen Rassist*innen gegen angebliche „Scheinasylanten“. Auch in Mecklenburg-Vorpommern agitieren „besorgte Bürger*innen“ von NPD und Freien Kameradschaften. Diesen Freitag will die NPD ihre menschenverachtende Ideologie in Burg Stargard an die Öffentlichkeit tragen.

Seit wenigen Tagen sind in der Stadt am Tollensesee südlich von Neubrandenburg 30 Geflüchtete aus Syrien untergebracht. Diesen Freitag (21.08.15) will die NPD mit einer Kundgebung / Demonstration Stimmung machen gegen die Unterbringung der Geflüchteten.

Weitere Informationen folgen. Achtet auf Ankündigungen und bleit informiert!

Wismar: Erneuter Angriff auf das Tikozigalpa

++ erneuter Farbangriff auf Alternatives Zentrum in Wismar +++ Tikozigalpa als Ort alternativer Lebensweisen öfter Ziel rechter Attacken +++ Solidarität ist eine Waffe +

Von Marko Neumann

Immer wieder greifen Nazis Treffpunkte, wie Bürger*innenbüros nicht-rechter Parteien und Alternative Zentren, an. In der Nacht zu Freitag griffen bislang Unbekannte das alternative Zentrum Tikozigalpa in Wismar an. Bereits im März 2013 wurde das Tiko Ziel eines rechten Farbangriffes. Erst im Frühjahr griffen ebenfalls Unbekannte das Haus erneut an.

Nachdem mit Farbe gefüllte Flaschen an die Hausfassade des Tikozigalpa geworfen und die Losung „Fuck AFA“ an gesprüht wurde flüchteten der bzw. die Täter*innen. Die Bewohner*innen des Hauses konnten Person weglaufen sehen.

Das Tikozigalpa organisiert seit Jahren alterantive Konzerte abseits von sexistischer Mackerscheiße und rassistischem Lebensalltag und Infoveranstaltungen zur neofaschistischen Szene in MV. Es bildet nach wie vor den Dreh- und Angelpunkt der alternativen Szene in Wismar und Umgebung.

Jamel: Wenn der rechte Mob tobt

++ erneuter Angriff auf Antifaschist*innen +++ Scheune der Familie Lohmeyer im Nazidorf Jamel abgebrannt +++ Presseschau zu Vorkommnissen +

Von Janin Krude und Marko Neumann

Jamel erlangte in der Vergangenheit traurige Berühmtheit als Ort, in dem Neofaschist*innen faktisch die uneingeschränkte Kontrolle haben. Der Nazikader Sven Krüger siedelt seit Jahren gezielt rechte Familien in dem Ort an, um die sogenannte Volksgemeinschaft, die schon im Dritten Reich propagiert wurde, in der ländlichen Region Westmecklenburgs auszuleben.

Einzig die Familie Lohmeyer, die ebenfalls in Jamel lebt, stellt sich dem braunen Mainstream im Ort entgegen. Unter anderem organisiert das Paar einmal im Jahr das Konzert „Jamel rockt den Förster“ auf ihrem Gut. Für ihr Engagement bekamen sie in der Vergangenheit mehrere Auszeichnungen.


Bild: Die Scheune der Lohmeyers brannte in der Nacht zu Donnerstag vollständig ab. (Foto eingebunden über jungewelt.de)

Regelmäßig ist das Paar den Angriffen der ansässigen Nazis ausgesetzt. Das Aufhängen von verunglimpfenden Plakaten im Ort oder das Zerstechen von Autoreifen sind da noch Kleinigkeiten.

In der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag steckten Unbekannte die 240 Quadratmeter große Scheune auf dem Hof der Lohmeyers an. Wie die Polizei zwischenzeitlich mitteilte, wurden Brandbeschleuniger für das Anzünden des Gebäudes verwendet. Die Scheune fackelte bis auf die Grundmauern nieder.

Das Internationale Auschwitz Komitee forderte mittlerweile, den Generalbundesanwalt auf, die Ermittlungen zu übernehmen. „Was in Jamel geschieht, hat für Deutschland und für die Strategie der Rechtsextremen exemplarische Bedeutung“, sagte der Exekutiv-Vizepräsident des Komitees, Christoph Heubner. „In Jamel wurde von Nazis durch Hass und Terror ein rechtsfreier Raum geschaffen, der in der rechtsextremen Szene in Deutschland und Europa als ein leuchtendes Beispiel bejubelt wird.“ fährt er fort. Weitere Informationen finde ihr in der folgenden Presseschau.

Nordkurier: Haben Rechtsextreme einen Brandanschlag auf Nazi-Gegner verübt? [13.08.15]

Ostsee Zeitung: Scheune des Ehepaares Lohmeyer brennt nieder [13.08.15]

NDR: Nach Brand: Ehepaar bekommt Polizeischutz [13.08.15]

Neues Deutschland: Brandanschlag auf Antifaschisten in Jamel [13.08.15]

Tagesspiegel: Brandanschlag auf Hof von Nazi-Gegnern [13.08.15]

Spiegel: Verdacht auf Brandstiftung: Neonazi-Gegner in Jamel stehen unter Polizeischutz [13.08.15]

Focus: Möglicher Brandanschlag gegen Nazi-Gegner im rechtsextremen Jamel [13.08.15]

Blick nach Rechts: Fanal in Jamel [13.08.15]

Ostsee Zeitung: Feuer bei Nazi-Gegnern: Ermittler finden Brandbeschleuniger [14.08.15]

Nordkurier: Ermittler finden Brandbeschleuniger in Jamel [14.08.15]

NDR: Feuer in Jamel: Polizei findet Brandbeschleuniger [14.08.15]

junge Welt: Feuer im »Nazidorf« [14.08.15]

Neues Deutschland: Jamel: Ermittler finden Brandbeschleuniger [14.08.15]

Deutliche Zunahme rassistischer Gewalt im ersten Halbjahr 2015 in Mecklenburg-Vorpommern

Zunahme rechter Gewalt im ersten Halbjahr 2015 in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Großteil der Übergriffe war dabei rassistisch motiviert. Regionale Schwerpunkte sind der Landkreis Rostock, Vorpommern-Greifswald und Nordwestmecklenburg. Eine deutliche Zunahme ist auch bei rechten Einschüchterungsversuchen unterhalb der Gewaltschwelle zu verzeichnen.

Pressemitteilung der Opferberatung für Betroffene rechter Gewalt LOBBI vom 14.08.2015

Für das erste Halbjahr 2015 musste die LOBBI, Beratungsstelle für Betroffene rechter Gewalt in Mecklenburg-Vorpommern, eine leichte Zunahme rechter Angriffe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum feststellen (2015: 47; 2014: 45). „Insbesondere das Mehr an rassistischen Gewaltaten, vor allem gegen Flüchtlinge, ist jedoch besorgniserregend“, sagt Robert Schiedewitz, Mitarbeiter der LOBBI. Mittlerweile seien knapp zwei Drittel der registrierten Gewalttaten rassistisch motiviert – 2014 richtete sich bereits jeder dritte rechte Angriff gegen Menschen anderer Hautfarbe oder (vermuteter) Herkunft.

Regionale Schwerpunkte sind der Landkreis Rostock, mit bislang elf Angriffen (I/2014:7), sowie Vorpommern-Greifswald (9; I/2014:11) und Nordwestmecklenburg mit sieben rechten Gewalttaten (I/2014: 3). Insbesondere im Landeswesten wurden bislang deutlich mehr Angriffe registriert als in der ersten Jahreshälfte des Vorjahres (2015: 30; 2014: 20).

Bei einem Großteil der Angriffe handelt es sich um Körperverletzungen, sowie versuchte Körperverletzungen, Nötigungen und Bedrohungen. Aber auch sechs zielgerichtete Sachbeschädigungen hat die LOBBI von Januar bis Juni registriert*. Nicht dazu gehören jedoch eine Vielzahl weiterer Sachbeschädigungen, die in Schadenshöhe oder Vehemenz nicht als Gewalttat einzustufen sind, oder bei denen es keine direkt Betroffenen gibt. Insbesondere Attacken auf schon bestehende oder zukünftige Flüchtlingsunterkünfte sind in der Statistik deshalb mitunter nicht erfasst.

Von den 47 registrierten Angriffen sind 35 polizeibekannt, in zwölf Fällen haben die Betroffenen bisher von einer Anzeige abgesehen, beziehungsweise ist den Berater_innen der LOBBI nicht sicher bekannt, ob eine Anzeige gestellt wurde.

Der leichte Anstieg der Angriffe sorgt für eine größere Zahl von Betroffenen. Insgesamt 74 Menschen (I/2014: 48) wurden zwischen Januar und Juli diesen Jahres angegriffen. Somit haben auch die Beratungstätigkeiten der LOBBI stark zugenommen, die in insgesamt 100 Fällen beraten hat. Dazu gehören neben aktuellen Fällen und Beratungen zu Angriffen aus den Vorjahren auch Vorfälle, die unterhalb der Gewaltschwelle liegen und somit nicht in der Angriffsstatistik auftauchen. Gemeint ist damit eine Art Vorfeld rechter Gewalt, wie Anfeindungen, Pöbeleien und Einschüchterungsversuche.

Seit vielen Jahren stellt die LOBBI hier vermehrten Beratungsbedarf fest. In 2015 gab es bei über der Hälfte derartiger Fälle einen rassistischen Hintergrund. Beispiele sind Diskriminierungsfälle in Diskotheken, bei denen dunkelhäutigen Menschen der Einlass verwehrt wird oder die auf der Straße angepöbelt werden. Weiterhin werden Menschen eingeschüchtert, die Flüchtlinge unterstützen oder sich anderweitig politisch egnagieren und somit in den Fokus von Neonazis geraten und von diesen drangsaliert werden.

* Die polizeibekannten Angriffe sind aktuell in der Chronik rechter Gewalt zu sehen.

Rostock: Würdevolles Gedenken an 70. Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki

++ Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Zerstörung Hiroshimas und Nagasakis am 5. August in Rostock +++ Rund 100 Teilnehmer*innen kamen zum Schwaanenteich und ließen Teelichter schwimmen +++ entschlossene Friedenspolitik in Abgrenzung Neurechter Querfrontstrategien nach wie vor notwendig +

Von Marko Neumann

Vergangene Woche fanden in vielen Städten und Orten Gedenkveranstaltungen anlässlich des 70. Jahrestags der Atombombenabwürfe auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki statt. Auch in Mecklenburg-Vorpommern gab es würdige und gleichzeitig mahnende Veranstaltungen, so unter anderem in Rostock. Aufgerufen zu der Gedenkveranstaltung in der Hansestadt hatten das Rostocker Friedensbündnis gemeinsam mit der Regionalgruppe DFG-VK Mittleres Mecklenburg (Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen) und der Vereinigung IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges – Ärzte in sozialer Verantwortung).


Bild: An der Straßen entlang des Schwaanenteiches machte ein erstes Transparent auf das Gedenken aufmerksam.

Am Abend des fünften Augusts versammelten sich etwa 100 Menschen am Schwaanenteich in der Nähe der Rostocker Kunsthalle. Gekommen waren Menschen aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Spektren: Junge und Ältere, Vertreter*innen verschiedener Verbände, Parteien, Initiativen und selbst einfache Bürger*innen, die sonst kaum zu solchen Veranstaltungen erscheinen, waren vor Ort.


Bild: Transparente und Plakate informierten Teilnehmer*innen und Passant*innen gleichermaßen über die Gefahren der Atomenergie und die Auswirkungen von Atombomben.


Bild: Der japanische Steingarten am Schwaanenteich in der Nähe der Kunsthalle in Rostock.

Unter anderem ein japanischer Steingarten am Schwaanenteich erinnert seit rund 25 Jahren an die Opfer der Atomangriffe im August 1945 und zeugt gleichzeitig von einer jahrelangen freundschaftlichen Beziehung zwischen der japanischen Stadt Kyoto und der Hansestadt Rostock.

An verschiedenen Stellen um den Schwannenteich wurde Plakate und Transparente aufgehangen, die sich auch dem Interesse von Passant*innen erfreuten.

Um 20 Uhr begann die Kundgebung mit einigen einleitenden Worten von Cornelia Mannewitz als Vertreterin des Rostocker Friedensbündnis‘. Es folgten unter anderem verlesene Zeitzeugenberichte und eine kurze Erzählung über die Geschichte der blockübergreifenden Antiatombewegung in den 1980er Jahren. Unterbrochen wurden die inhaltlich sehr starken Beiträge durch japanische Musik.


Bild: Während der Kundgebung am japanischen Garten.

Anschließend gingen die Teilnehmer*innen der Kundgebung an den Schwaanenteich, um dort mehrere hundert Teelichter in Erinnerung an die Toten und Verletzten der Bombenangriffe schwimmen zu lassen. Obwohl es vorbereitete Schiffchen gab, brachten auch viele Menschen eigene Kerzen mit. Der langsame Untergang der Sonne sorgte zusätzlich für eine würdige Atmosphäre, während die Lichter ins Wasser gelassen wurden.


Bild: Über 300 Kerzen wurden auf dem Schwaanenteich schwimmen gelassen, um an den Opfern der Atombombenangriffe zu gedenken.

Nachdem die Teelichter über den See schwammen richtete Frau Mannewitz erneut das Wort an die Anwesenden. Wieder rundete japanische Musik die weiteren Wortmeldungen ab. Schließlich wurde die Veranstaltung beendet und die Teilnehmer*innen gingen langsam auseinander. Wie so oft bei Veranstaltungen dieser Art nahmen auch hier viele Menschen die Gelegenheit nach dem Gedenken wahr, sich über ihre Gedanken sowohl zu den historischen Ereignisse vor 70 Jahren als auch über aktuelle politische Themen auszutauschen.

Ein herzlicher Dank geht an die Organisator*innen und an alle Teilnehmer*innen der Veranstaltung. Trotz des Endes des Kalten Krieges und der damit einhergehenden direkten Bedrohung zweier atomarer Superblöcke ist die Gefahr, die von Atomenergie und Kriegen ausgeht, nicht gebannt. Eine entschlossene Friedenspolitik bei deutlicher Abgrenzung von Neurechten Querfrontstrategien ist heute genauso nötig, wie während des historischen Kalten Krieges.

Eine längere Fotostrecke gibt es auf Facebook.

„Gefährlich verankert“: Andrea Röpke über rechtsextreme Strukturen und neue Netzwerke in Mecklenburg-Vorpommern

Rocker, Bürgerwehren, Siedlergemeinschaften, Autonome Nationalisten und neonazistische Firmennetzwerke — Rechtsextremismusexpertin Andrea Röpke analysiert in ihrem neusten Buch die vielseitig ausdifferenzierte rechtsextreme Szene in Mecklenburg-Vorpommern.

Die erste Auflage ist bereits restlos vergriffen, so dass sich die SPD-Fraktion des Landtags gezwungen sah, nochmal eine zweite Auflage nachzulegen. ‚Gefährlich verankert – Rechtsextreme Graswurzelarbeit, Strategien und neue Netzwerke in Mecklenburg-Vorpommern‘ heißt das Buch, das die freie Journalistin und Rechtsextremismusexpertin Andrea Röpke zusammen mit der sozialdemokratischen Fraktion des Landtags in der ersten Jahreshälfte 2015 publizierte.


Bild: Andrea Röpkes Buch „Gefährlich verankert“, mittlerweile in der zweiten Auflage erhältlich.

Belege liefern, Verbindungen aufzeigen und vor rassistischen Biedermännern und -frauen warnen

Die SPD ist mit dem neonazistischen Problem — zumindest im Landesparlament — bestens vertraut, schließlich sitzen die Rechtsextremen dort seit 2006 ohne Unterbrechung und haben trotz leichter Verluste bei den letzten Landtagswahlen noch immer ihren einträglichen Fraktionsstatus halten können. Die SPD und zuvorderst Fraktionsvorsitzender Norbert Nieszery fühlen sich verpflichtet, “auf diese gefährlichen Entwicklungen hinzuweisen, Belege zu liefern, Verbindungen aufzuzeigen und vor rassistischen Biedermännern und -frauen zu warnen, die zu Brandstiftern werden”.

In ihrer gut recherchierten Analyse untersucht Andrea Röpke viele Facetten rechtsextremer Bewegungen in Mecklenburg-Vorpommern und geht in den neun Kapiteln auf unterschiedliche Strömungen der Szene ein: Angefangen bei Mischszenen von Neonazis und Rockern mit Kontakten ins Rotlichtmilieu über die rechte Siedlerbewegung, die verbotene Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) und die (Neo-)Artamanen bis zum parlamentarischen Rechtsextremismus im Landtag und der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN). Auch der NSU, die Rechtsrock-Szene, die Autonomen Nationalisten, die Identitäre Bewegung, die AfD Mecklenburg Vorpommern und schließlich die Unterwanderung und Instrumentalisierung der wutbürgerlichen Mvgida-Aufmärsche durch Neonazis werden von Röpke kritisch analysiert und eingeordnet.

Geschichten aus Greifswald

Da ‚Gefährlich verankert‘ auf rechte Szene und Strukturen in Mecklenburg-Vorpommern fokussiert, überrascht es nicht, dass auch einige Vorfälle aus der Hansestadt Greifswald in diesem Buch auftauchen. Dazu gehören die bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Bandidos und Hells Angels, die am helllichten Herrentag 2013 in der Bahnhofstraße aufeinander losgegangen sind, und der Angriff auf ein Hausprojekt, an dem sich auch Mandatsträger der NPD beteiligten. Die verhinderte Schöffenbewerbung des rechtsextremen Politikstudenten Marcus Gutsche, der nur ein halbes Jahr nach seiner Nichtzulassung einen Hochschul- und Kommunalpolitiker am Rande einer Kundgebung der NPD auf dem Greifswalder Marktplatz verletzte, wird ebenso erwähnt, wie die Rolle des langjährigen Greifswalder Kaders Frank Klawitter beim NPD-Ordnerdienst und das konspirative Rechtsrock-Konzert mit mutmaßlichem Bezug zum Neonazi-Netzwerk “Blood and Honour” am Gorzberg, zu dem im November 2014 mehr als 500 Neonazis nach Greifswald angereist sind.

Zwei Jahre sollen die Recherchen für Gefährlich verankert gedauert haben. Die Autorin mahnte bei der feierlichen Buchvorstellung in Schwerin, dass es schwieriger werde, Neonazis zu erkennen. Organisierte Menschen mit rassistischem Weltbild tarnten sich durch Normalität innerhalb einer Gesellschaft voller Alltagsressentiments. Das Buch vermittelt einen analytischen Überblick über die vielgestaltige rechte Szene in Mecklenburg-Vorpommern und ist nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Farbfotos eine absolute Leseempfehlung für alle, die sich mit rechtsextremen Tendenzen und Strukturen im Land auseinandersetzen wollen. Das Buch kann kostenfrei bei der SPD-Landtagsfraktion MV (Bestellformular) bestellt werden.

Andrea Röpke ist Politologin und freie Journalistin, die seit vielen Jahren zum Thema Rechtsextremismus arbeitet und publiziert. Sie veröffentlichte unter anderem die Bücher Neonazis in Nadelstreifen — Die NPD auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft* (2008), Ferien im Führerbunker: Die neonazistische Kindererziehung der “Heimattreuen Deutschen Jugend”* (2007), Mädelssache. Frauen in der Neonazi-Szene* (2011) und Blut und Ehre: Geschichte und Gegenwart rechter Gewalt in Deutschland* (2013).

Der Text wurde übernommen mit freundlicher Genehmigung des Fleischervorstadt-Blogs.

Rostock: „Willkommen auf der Bastion!“ – Für eine friedliche Hanse Sail!

Am 8. August ab 9 Uhr stehen Aktivist*innen des Rostocker Friedensbündnis auf dem Kanonsberg in Rostock. Mit Fahnen und Transparenten der Friedensbewegung wird ein deutliches friedenspolitisches Zeichen gegen die fortschreitende Militarisierung der Sail gesetzt werden. Unterstützt die Mahnwache und kommt zur Kundgebung!

Die Stadt Rostock möbelt ihre alten Befestigungsanlagen auf. Immer wieder wird ein neues Stück saniert. Militärische Traditionen sollen besser zur Geltung kommen. Auf dem Kanonsberg, auch Fischerbastion genannt, wuchsen früher Bäume und Sträucher. Alles weg! Dafür lässt man lieber das Denkmal für den Kommunisten und Gewerkschafter Hermann Duncker an der Langen Straße zuwuchern und auch das Denkmal für die revolutionären Matrosen am Kabutzenhof verrottet weiter.

Wie sehr erinnert das doch an die Festung Europa! An ihren Grenzen scheitern jährlich Tausende Flüchtlinge, die Touristenattraktion Mittelmeer wird zum Massengrab. Damit das so bleibt, hat die Europäische Union sich eine militärische Lösung überlegt. Zunächst gilt es, die Schlepper zu überwachen, denn auf irgendjemanden muss man die Schuld ja schieben – die Kriege und Krisen, die von Politik und Militär der EU-Staaten in die Länder der Flüchtlinge hineingetragen werden, dürfen jedenfalls nicht schuld sein! Später geht es dann an die Zerstörung der Boote und dann in die Häfen und an Land, vorzugsweise in Libyen, wo man es sich leisten kann, denn das Land liegt dank EU und NATO in Trümmern.

Was das alles mit Rostock zu tun hat? In Rostock befindet sich das Marinekommando. Das ist die oberste Führungsinstanz der Deutschen Marine. Das heißt: Rostock spielt eine führende Rolle bei der militärischen Flüchtlingsabwehr. Schon heute befinden sich bundesdeutsche Kriegsschiffe im Mittelmeer. Sie legen die Grundlagen für das weitere Vorgehen der EU. Zu Hause kümmert sich die Deutsche Marine vor allem um die militärische Zusammenarbeit der Ostseeanrainerstaaten. „Die Ostsee muss ein Meer des Friedens sein“, hieß es früher. Jetzt nicht mehr. Im Ostseeraum bringen sich die NATO-Armeen gegen Russland in Stellung. Estland, das in diesem Jahr Partnerland der Sail ist, hat von der Bundesverteidigungsministerin bereits mehr Unterstützung zugesagt bekommen. Die bundesdeutsche Luftwaffe macht dort schon Luftraumüberwachung.

Hier auf der Hanse Sail gibt sich die Marine ganz kumpelhaft. Man kann Karrieremöglichkeiten bei der Bundeswehr kennenlernen, den Stützpunkt besuchen und es gibt sogar einen Gottesdienst auf einer Korvette (allerdings nur für geladene Gäste!). Die Marine ist also kein Schmuddelkind. Im Gegenteil, „Rostock und Marine gehören untrennbar zusammen – auch bei der Sail“, wird der Marine-Inspekteur zitiert, der oberste Vorgesetzte dieser Teilstreitkraft. Ein Viertel aller Veranstaltungen der Hanse Sail 2015 sind militärischer Art. Einen Tag vor der Hanse Sail findet das so genannte Maritime Sicherheitskolloquium statt – die Münchner Sicherheitskonferenz von Rostock. Mit dem Einlaufen des Segelschulschiffs „Gorch Fock“ und der Korvette „Braunschweig“ am Vorabend dieses Kolloquiums begann das Programm der Hanse Sail. In Kiel gab es dieses Jahr ebenfalls eine Maritime Sicherheitskonferenz. Diese Entwicklung muss gestoppt werden.

Stralsund: Alternatives Kinderfest im Bürgergarten am 09.08.15

Die NPD veranstaltet am 9.8., in der Brunnenaue ihr 14. Kinderfest. Ihre Hetze gegenüber Minderheiten wird unter dem Motto „Unsere Kinder sind unsere Zukunft und deshalb kümmern wir uns darum“ an die Jüngsten heran getragen. Wie jedes Jahr stößt dies bitter auf. Doch ärgern lohnt sich nicht! Besucht stattdessen das alternative Kinderfest im Bürgergarten, denn hier gibt es Spiel und Spaß für ALLE!!

Ein vielfältiges und buntes Angebot verspricht jede Menge Spaß und Abwechslung. So kann, wer Lust hat, beispielsweise nach Herzenslust basteln. An der Schminkstation können sich die kleinen Besucher in Fabelwesen, wilde Piraten oder exotische Tiere verwandeln lassen. Für alle bewegungsfreudigen und aktionsgierigen gibt es Spiel- und Bewegungsparcours.

Da all die Aufregung immer so hungrig macht, wird für Erfrischungsgetränke, Kuchen und Bratwurst gesorgt! Für Kinder natürlich alles kostenfrei. Dank der tollen Lokalität sind eine Hüpfburg, ein Karussell und auch Boote bereits vorhanden.

Los geht’s am 09. August ab 12 Uhr im Stralsunder Bürgergarten. Zur Facebook Veranstaltung geht es hier lang.




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