„Und (fast) täglich grüßt das Murmeltier“: Nach dem Naziaufmarsch ist vor dem Naziaufmarsch

++ Debakel für rechte Wutbürger in Greifswald +++ NPD-Vorwahlkampf mit MVGIDA-Label in Wittenburg +++ Aufmärsche und Kundgebungen in Burg Stargard, Bützow und Schwerin angekündigt +

Von Janin Krude und Marko Neumann

Derzeit erlebt Mecklenburg-Vorpommern eine regelrechte Flut von rassistischen Kundgebungen und Aufmärschen. Mal tauchen die Rassist*innen unter dem Label „MVGIDA“ auf, mal als „Bürgerwehren“ und dann wieder als Facebook-Initiative „besorgter Bürger“ alá „Stadt XY wehrt sich“. Nur ganz selten zeigen die Hintermänner offen ihre politische Heimat. Dass ihr Versteckspiel nur wenig bis gar nicht funktioniert, konnte jüngst in Wittenburg beobachtet werden. Trotz der hohen Anzahl von Naziaufmärschen in den vergangen Wochen wird die braune Wutbürger*innenszene in MV (noch) nicht laufmüde und so gibt es auch in den kommenden Tagen neue Termine gegen „Scheinasylanten“ und den „Untergang des Abendlandes“.

Rechtschreibschwäche & Transpi geklaut: Debakel für „Greifswald wehrt sich“
Jeden Montag wolle man nun in Greifswald auftreten, tönt es auf Facebook in einer Diskussion, die mittlerweile wieder gelöscht wurde. Doch nach dem der erste, unangemeldete Aufmarsch nur knapp nicht eskalierte mussten die Greifswalder Wutbürger*innen gestern eine totale Schlappe hinnehmen. „Gegen Atomwaffen auf DEUTSCHEN BODEN“ (sic!) lautet das offizielle Motto der Facebook Initiative „Greifswald wehrt sich“. Dass es sich bei der vermeintlichen Antiatom-Demonstration um einen der üblichen Naziaufmärsche gegen Geflüchtete handelt, wurde bereits im Vorfeld bekannt.
Ganze 35 Menschen kamen dann zu der Kundgebung von „Greifswald wehrt sich“. Gelangweilt standen die Pappkameraden auf dem Marktplatz und wurden von rund 250 Gegendemonstrant*innen empfangen. Die Polizei, die während des letzten rechten Aufzuges in Greifswald völlig unterbesetzt vor Ort war, sicherte diesmal die Umgebung ab. Als wäre der Auftritt der Nazi-Wutbürgerszene in der Hansestadt nicht schon peinlich genug gewesen, wurde ihnen schließlich sogar noch das Transpi geklaut. Einen ausführlichen Bericht gibt es beim Fleischervorstadt Blog.

Wittenberg: NPD-Vorwahlkampf mit MVGIDA-Label
Nach einer ausgedehnten Sommerpause tritt die NPD in MV seit Kurzem wieder öffentlich in Erscheinung. Erneut versucht die von einem Verbot bedrohte neofaschistische Partei über Tarnorganisationen bei frustrierten Menschen im Land zu punkten. Unter dem Label MVGIDA marschierten knapp 80 schwarz gekleidete Kameraden durch Wittenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim). Angemeldet war der Aufzug von dem Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion Michael Grewe, als „Gastredner“ trat Udo Pastörs, ehemaliger Bundesvorsitzender und aktueller Fraktionsvorsitzender der einzigen Landtagsfraktion der NPD. Die Veranstalter*innen haben bereits angekündigt, auch die kommenden Wochen in verschiedenen Städten aufzumarschieren. Einen detaillierten Artikel gibt es auf Endstation Rechts.

Aufmärsche und Kundgebungen in Burg Stargard, Bützow und Schwerin angekündigt
Nach dem Naziaufmarsch ist vor dem Naziaufmarsch: Bereits für diesen Freitag hat die NPD in Burg Stargard erneut zu einer Kundgebung aufgerufen. Wie die vergangenen Freitage soll einmal mehr Abends über den angeblichen Volkstod und Asylmissbrauch gewettert werden. Mehr als die plumpe Hetze gegen Geflüchtete und teilweise Gesichter landesweit bekannter Nazi-Kader hatte der martialische Auftritt der NPD bislang dort jedoch nicht zu bieten.
Am 3. Oktober, dem „Tag der deutschen Einheit“, wollen Rassist*innen ab 12 Uhr unter dem Motto „Gegen die Asylpolitik in Bützow und Deutschland“ durch Bützow marschieren. Bei dem von den Organisator*innen angemeldeten Aufzug werden bis zu 200 Neonazis erwartet, der Treffpunkt ist der Schlosspark.
Ebenfalls am „Tag der deutschen Einheit“ wollen die Rassist*innen von „Schwerin wehrt sich“ erneut durch die Landeshauptstadt marschieren. Ab 17 Uhr wollen sich am Bahnhof treffen und dann durch die Stadt marschieren. Das Bündnis Schwerin für Alle organisiert die Proteste. Wann und ob die Rassist*innen an diesem oder einem anderen Tag überhaupt marschieren können, ist jedoch noch nicht klar. Die Hintergründe findet ihr hier. #update: die Nazis marschieren tatsächlich am Sonnabend. Details folgen.

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