Rostock: Gewaltätiger AfD-Aufmarsch mit starker NPD-Beteiligung vergangenen Sonnabend

++ AfD-Aufmarsch vergangenen Sonnabend in Rostock mit starker NPD-Beteiligung +++ 700 Rassist*innen vor Ort +++ deutliche Kritik an Medien und Polizei +

Von Franziska Wilke, Janin Krude und Marko Neumann

Vergangenen Sonnabend marschierten rund 700 Alltagsrassist*innen, Nazis und Rechtspopulist*innen durch das Vorbahnhofsviertel in Rostock. An verschiedenen Stellen versuchten Teilnehmer*innen des AfD-Aufmarsches Gegendemonstrant*innen und Geflüchtete anzugreifen. Die Polizei konnte oder wollte der braunen Gewalt nur mit Mühe Einhalt gebieten.

Zunächst wollte die AfD quer durch die Rostocker Innenstadt marschieren, auf Grund angekündigter Proteste verlegte die rechtspopulistische Partei ihren Aufmarsch jedoch in die direkte Umgebung des Hauptbahnhofes und verkürzte ihre Marschroute auf wenige hundert Meter vom Hauptbahnhof zum Goetheplatz und wieder zurück. Neben AfD-Mitgliedern und Sympathisant*innen marschierten eine ganze Reihe organisierter Nazis in dem Aufzug mit. Nicht nur aus Rostock, sondern aus dem ganzen Bundesland kamen Nazi-Kader und -Sympathisant*innen angereist.

Rostock hetzt nicht – Rostock hilft!
Noch bevor die AfD sich am Bahnhof mit ihren Gesinnungsgenoss*innen traf, veranstalteten das Bündnis Rostock nazifrei! und der Initiative Rostock hilft eine Gegenkundgebung auf dem Neuen Markt. Auf der Kundgebung am Neuen Markt gab es Redebeiträge vom Theaterintendanten Sewan Latchinian, Wolfgang Richter und einer Gruppe syrischer Geflüchteter, die derzeit in einer Notunterkunft in Waldeck untergebracht sind. Wolfgang Richter erinnerte in seinem Redebeitrag an das rassistische Pogrom in Rostock-Lichtenhagen im Jahr 1992. Er betonte, dass es nicht ausreiche, den Brandstiftern entgegen zu treten. Man müsse auch jenen, die die Brandreden halten, ins Wort fallen. Schließlich wurde Spontandemonstration vom Neuen Markt in Richtung Hauptbahnhof angemeldet, der viele hundert Menschen folgten.


Bild: Wolfgang Richter während seines Redebeitrages.


Bild: Am Rande des Neuen Marktes provozierte die AfD mit einem Transpi. Doch auch hier galt: rechte Hetze bleibt nicht unwidersprochen – die Ver.di Jugend stellte sich demonstrativ neben die AfD. Später kam auch DIE PARTEI dazu.

Rechte Angriffe während und nach Aufmarsch
Von dem AfD-Aufzug gingen wiederholt Angriffe aus. Flaschen und Böller wurden geworfen und mehrfach versuchten Teilnehmer*innen aus dem Aufmarsch auszubrechen. Sie konnten nur mit Mühe von der Polizei gestoppt werden. „Diese Aggressivität und die Beteiligung aktiver Neonazis zeigen deutlich, welche Kreise die „AfD“ aktuell anspricht. Wir fordern alle zivilgesellschaftlichen Kräfte dazu auf, die Gefahren, die von solchen Aufmärschen ausgehen, ernst zu nehmen und sie auch künftig nicht unwidersprochen zuzulassen“, so Wanitschke abschließend. Auch verschiedene Landespolitiker*innen äußerten sich zu dem Aufmarsch der AfD in Rostock. So erklärte unter anderem Linksfraktionschef Helmut Holter „Die AfD ist klar rechtsextremistisch geworden, sie nutzt den Zustrom von Flüchtlingen, um ihre ausländerfeindlichen und deutschnationalen Parolen in die Öffentlichkeit zu bringen.“
Nach Angaben von Helfer*innen der Initiative Rostock hilft hatte die Polizei den gestrigen Einsatz am Bahnhof nicht unter Kontrolle. Die Helfer*innen wurden des Bahnhofs verwiesen, um AfD-Demonstrant*innen den Weg zu ebnen. Ein Angriff seitens Abreisender AfD-Demo-Teilnehmer*innen auf die Unterstützer*innen wurde von der Polizei nicht verhindert. Die Polizei war zum selben Zeitpunkt mit einem unverhältnismäßigen und gewaltvollen Einsatz gegen einige Punks zu Gange „Was ich heute am Bahnhof erlebt habe, wird mich noch lange beschäftigen“, so eine Helferin aus dem Welcome-Team. Die Polizei hatte die ehrenamtlichen Helfer*innen des Bahnhofs verwiesen, weil sie ihre Sicherheit nicht mehr gewährleisten konnten. Zuvor griffen die Beamt*innen nicht ein, während Nazis die Helfer*innen bepöbelten, beleidigten und körperlich bedrohten.


Bild: Plakat während der Spontandemo zum Hauptbahnhof.

Was bleibt von diesem Tag?
Die wieder stärker werdende Mobilisierung zu rassistischen Aufmärschen, wie den am vergangenen Sonnabend zeigen, dass menschenverachtende Einstellungen nach wie vor weit verbreitet sind in der Bevölkerung. Wenn auch eine „Volksfront von Rechts“ – zumindest offiziell abgestritten wird, klingen die Distanzierungsversuche der AfD gegenüber mit marschierenden NPD-Kadern, wie David Petereit, bestenfalls halbherzig. Ein Aufmarsch der NPD-Tarnorganisation MVGIDA mit knapp 550 Teilnehmer*innen in Parchim diesen Montag hat einmal mehr gezeigt, dass Massenaufmärsche wie der in Rostock keine Einzelfälle sind.
Politik und Gesellschaft müssen entschlossen rassistischer Hetze entgegentreten. Hass auf Geflüchtete und vermeintlich „andersartige“ Menschen, wie religiöse und sexuelle Minderheiten dürfen nicht als „Sorgen“ oder „Ängste“ verharmlost werden. Das teilweise skandalöse Verhalten der eingesetzten Polizeieinheiten stärkt Rassist*innen in ihrem Agieren und kriminalisiert Proteste gegen braunblaue Aufzüge, wie den vergangenen Sonnabend. Solange lokale Medien, wie OZ, NNN und co, die tatsächliche Zahl der angereisten Rassist*innen verdoppeln und verdreifachen und sie damit – gewollt oder ungewollt – unterstützen, ist ein rückläufiger Zuspruch kaum zu erwarten. Auch parteipolitische Online Portale wie die SPD-Seite Endstation Rechts sind von dieser Kritik nicht ausgenommen.


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