Kurzbericht vom Naziaufmarsch vergangenen Sonnabend in Rostock

++ Knapp 600 Rassist*innen vergangenen Sonnabend in Rostock +++ über 1.000 Menschen gegen Rassismus auf der Straße +++ Übergriffe von Nazis und Polizei auf Antifaschist*innen +

Von Marko Neumann

Weniger als 600 Nazis und andere Rassist*innen fanden vergangenen Sonnabend den Weg nach Rostock, um gegen Geflüchtete zu hetzen. Die angekündigte Aufmarschroute war denkbar kurz: vom Konrad-Adenauer-Platz in Richtung Steintor und zurück – und selbst diese Strecke wurde schließlich noch verkürzt.


Bild: Die Polizei sperrte die Route der Nazis weiträumig ab, wie hier am Steintor.

Proteste in der Innenstadt
Das Bündnis Rostock nazifrei hatte zu zwei Kundgebungen am Rosengarten in der Nähe des Steintores sowie am Leibnizplatz aufgerufen. Auch am Hauptbahnhof Süd sowie in der Nähe des Innerstädtischen Gymnasiums – wo die Rassist*innen erst im Oktober langmarschierten – gab es Anmeldungen. Eine Menschenkette und die Andacht in der Petrikirche im Vorfeld der Kundgebungen konnten zusätzlich Menschen bewegen, sich dem breiten Protest gegen den Naziaufmarsch anzuschließen. Alleine an den Kundgebungen am Steintor und am Leibnizplatz beteiligten sich über 1.000 Menschen.

Polizei erneut Garant für rechte Aufmärsche
Die Polizei, die mit mehreren hundert Beamt*innen und mehreren Wasserwerfern vor Ort war, riegelte die Aufmarschstrecke der Nazis hermetisch ab. Hamburger Gitter und Polizeiautos sperrten die Nebenstraßen, in voller Ausrüstung patroulierende Polizeieinheiten marschierten entlang der Naziroute.
Zum frühen Abend standen alle Straßenbahnen in der Innenstadt still – die Polizei ließ den Strom abstellen, damit ein möglicher Einsatz der Wasserwerfer problemlos erfolgen konnte. Zu einem solchen Einsatz kam es jedoch.
Das massive Aufgebot der Polizei sorgte einmal mehr für einen störungsfreien Ablauf des Naziaufmarsches. Zwar hätte der rassistische Aufmarsch auf Grund des vielbeschworenen Personalmangels durchaus untersagt werden können, doch mensch entschied sich wieder einmal dafür, den Demokratiehasser*innen die Straße frei zu machen.
Obwohl der Abend insgesamt relativ friedlich blieb, kam es auch am Sonnabend zu Übergriffen von Polizei und Nazis auf Gegendemonstrant*innen. So bedrohten Nazis aus ihrem Aufzug heraus mehrmals Protestierende und warfen Böller und Flaschen auf Antifaschist*innen. Als sich ein Demonstrant über das pauschale Abfilmen von Antifaschist*innen beschwerte, wurde dieser erst von einem Polizisten geschubst und anschließend von der Polizei in Gewahrsam genommen.

Die Strategie der Nazis
Auf den ersten Blick wirkt eine wenige hundert Meter lange Aufmarschroute in der Rostocker Innenstadt für die Nazis völlig unattraktiv. Doch die Strategie, die hinter solchen Aufzügen steht, scheint mehr und mehr aufzugehen. Die Rostocker Innenstadt gilt nach wie vor als heißes Pflaster für Rassist*innen aller Art. Somit sind auch kurze und kaum bewohnte Marschrouten durch das bunte und alternative Zentrum Rostocks für die Nazis ein Erfolg. Die kurzen Wege machen eine Blockierung der Aufmärsche unwahrscheinlich. Dieser Fakt und die Nähe zu den am Rostocker Hauptbahnhof ankommenden Refugees und deren Helfer*innen der Initiative Rostock hilft lassen die Naziszene solche Aufzüge als Erfolg erscheinen.

Nach wie vor marschieren Nazis und andere Rassist*innen alle paar Tage durch Städte und Ortschaften in Mecklenburg-Vorpommern. Antifaschistischer Protest ist deshalb auch in Zukunft bitter nötig. Eine komplette Liste der bevorstehenden Naziaufmärsche sowie Infos zu den Protesten finde ihr auf unserer Unterseite ino.blogsport.de/naziaufmaersche/.


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