Archiv für April 2016

#1mSN: Letzte Infos zum NPD-Aufmarsch in Schwerin

+ Gegenkundgebungen und Demo gegen NPD-Aufmarsch +++ Gemeinsame Anreisen aus mehreren Städten +++ Hashtag, EA-Nummer & Aktionskarte online ++

Von Janin Krude und Marko Neumann

Am Internationalen Tag der Arbeit will die NPD unter dem Motto „Für Volk und Heimat“ durch die Landeshauptstadt Schwerin marschieren. Hier die letzten Infos zum geplanten NPD-Aufmarsch und die Gegenaktivitäten.

Gegenkundgebungen
Verschiedene Initiativen und Organisationen haben ab um 10 Uhr Kundgebungen in Schwerin gegen den NPD-Aufmarsch angemeldet. Hier die Liste:
• Stadthafen/Werdereck
• Marstallwiese
• Bertha-Klingberg-Platz
• Südufer Pfaffenteich
• Platz am Edeka i.d. Lessingstraße

Die zentrale Gegenkundgebung findet nach juristischen Auseinandersetzungen nach wie vor am Grunthalplatz statt. Redner*innen werden u.a. sein Thomas Fröde, Stephan Nolte und Daniel Trepsdorf. Nach der Kundgebung wird sich ein Demonstrationszug in Richtung Markt bewegen.

Um 10 Uhr startet die Antifa Demo des Bündnisses Time to say good bye – Die NPD verabschieden! am Marienplatz.

Der NPD-Aufmarsch
Die NPD beginnt ihren Aufmarsch um 11 Uhr mit einer Kundgebung am Platz der Freiheit. Die gesamte Route der Nazis verläuft nach unseren Informationen folgender Maßen:
Platz der Freiheit – Lübecker Straße – Obotritenring – Platz der Opfer des Faschismus – durch die Wallstraße entlang der Goethestraße – über den Marienplatz zur Franz-Mehring-Straße und wieder zum Platz der Freiheit

Gemeinsame Anreise Rostock, Neubrandenburg, Wismar & Hamburg
In Rostock ruft das Bündnis Rostock nazifrei und die Initiative Rostock hilft zu einer gemeinsamen Anreise ab Hauptbahnhof auf. Treffpunkt ist 8 Uhr 45 (!) am Bahnhof (pünktlich!).
Das Bündnis Neubrandenburg Nazifrei mobilisiert zur gemeinsamen Anreise nach Schwerin. Treffpunkt ist der Bahnhof Neubrandenburg um 7 Uhr 10 (Püünktlich!!).
Beide Fahrtgemeinschaften treffen sich in dann in Bützow und fahren gemeinsam nach Schwerin weiter.
Treffpunkt und -ort für eine gemeinsame Anreise aus Wismar ist 8 Uhr 45 am Bahnhof.
Aus Hamburg mobilisiert die Initiative Hamburg goes MV nach Schwerin. Für alle Menschen aus Hamburg gilt: der Treffpunkt für die gemeinsame Anreise ist der Bahnhof Hamburg um 7 Uhr 50.

BEDENKT: Diese Informationen sind öffentlich. Nazis und auch die Polizei lesen mit. Bleibt in Gruppen und passt aufeinander auf.

EA-Nummer, Hashtag & Aktionskarte
Die Nummer des Ermittlungsausschusses (EA) lautet: 0176 81838949. Der zentrale hashtag für diesen Tag lautet #1mSN. Eine Aktionskarte für den Tag gibt es hier.
Lest euch unbedingt vor der Demo die Broschüre Was tun wenn’s brennt der Roten Hilfe durch.

Bleibt informiert und achtet auf Ankündigungen! Nutzt dazu auch diese Kanäle:
Facebook: 1maisn & PortalNordost
Twitter: erstermai_SN & infonordost
Hashtag: #1mSN & #sn0105
Details: a19schwerin.wordpress.com & ino.blogsport.de

Erinnerungen an den Tag der Befreiung 1945 – Harri Czepuk: „Befreiung von der Vergangenheit“

Harri Czepuk ist Jahrgang 1927 und schrieb seine Erinnerungen an den 8. Mai 1945 auf. Der Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in der mittlerweile vergriffenen Broschüre „Bob du musst rennen, der Krieg ist vorbei.“

Das offizielle Kriegsende am 8. Mai 1945 erlebte ich teilweise unter eigenartigen Umständen hinter Stacheldraht eines Kriegsgefangenenlagers im damaligen niederschlesischen Sagan. Eigentlich war für mich der Krieg bereits am 29. April am Ortsrand des märkischen Dorfes Halbe beendet, nachdem ich die für mich längste und schrecklichste Nacht vom 28. Zum 29. April erlebt – oder besser gesagt – überlebt hatte. Ich lag am Morgengrauen in einer Kiefernschonung, dort etwa, wo sich heute der Wald mit dem größten deutschen Soldatenfriedhof erstreckt. Von der an dieser Schonung angrenzenden Ackerfläche herkommend, dröhnte ein Lautsprecher mit der akzentfrei deutsch gesprochenen Aufforderung, doch endlich die Waffen niederzulegen, das unsinnige Töten einzustellen und sich der Roten Armee zu ergeben. Rings um mich erhoben sich plötzlich, in der Dunkelheit von mir nicht bemerkt, zwischen zahllosen Toten, zahlreiche Köpfe deutscher Soldaten, in denen offensichtlich die Frage rumorte, wie bei mir: Soll man oder soll man nicht… Da war einerseits die jahrelange Nazipropaganda über die schrecklichen Bolschewisten, die nun in Deutschland eingedrungen seien, um uns alle auszurotten. Das hatte seine Wirkung oft nicht verfehlt. Da war andererseits bei mir persönlich die antifaschistische Erziehung im Elternhaus, mit Einschätzungen über die Russen, die nicht mit dieser Nazipropaganda übereinstimmten. Da war also ein gewisses Einerseits und Andererseits. Zwar ließ uns der Lautsprecher nicht viel Zeit, denn drohend war der Einladung die Mitteilung gefolgt, dass ab 11.00 Uhr die Artillerie der sowjetischen Streitkräfte das Dorf und die umliegenden Wälder unter konzentriertes Feuer nehmen würde, das niemand überleben werde. Dass dies kein leerer Spruch sein würde wussten alle, die seit dem 16. April, dem Beginn der Oderoffensive gegen Berlin, vor allem innerhalb des Kessels von Halbe, gekämpft hatten. Neu war, dass wir Soldaten plötzlich die Freiheit hatten, selbst zu entscheiden. Denn die Führung der 9. Armee mit General Busse und seinem Anhang war in der schon erwähnten Nacht über Leiche fahrend und auf eigene Soldaten schießend, aus dem Kessel ausgebrochen, den größten Teil der Untergebenen ihrem Schicksal überlassend. Doch bei denen gab es unterschiedliche Entscheidungen. Ein Teil wollte das Wagnis eingehen und der Generalität, also der bisherigen Führung nach Westen folgen. Ein anderer Teil erklärte: Ehe mich die Russen umbringen, erschieße ich mich selber. Die Überreste genau jener Entscheidungen liegen heute unter schlichten Grabsteinen auf dem Waldfriedhof von Halbe. Aber ein nicht unwesentlicher Teil der in der Schonung Lagernden nutzte die zwar auf tragische Art, aber immerhin erfolgte Befreiung von der Vergangenheit, um den Versuch zu unternehmen, das eigene Leben zu retten.
Mehr und mehr werdend nahmen sich deutsche Soldaten nach der schrecklichen Schlacht von Halbe ihre neue Freiheit, um sich paradoxerweise in Gefangenschaft zu begeben.
Im Gutshof, in der Nähe des Autobahnabzweiges Berlin-Dresden-Berlin-Forst, wurden wir gesammelt und registriert. Ein erstes Aufatmen. Es gab auch etwas zu essen. Erneutes Aufatmen. Mit den Leuten, die man umbringen will, macht man nicht solche Umstände. Nach zwei Tagen ging es in einer Tausende zählenden Marschkolonne auf der Autobahn Richtung Forst. Außer dieser Marschkolonne wurde die Autobahn, die ja bis zum damaligen Breslau reichte, nur noch von sowjetischen Panzer- und LKW-Kolonnen genutzt, um die zur Festung erklärte damalige schlesische Landeshauptstadt zu stürmen. Das Breslau Festung wurde, hatte nicht die Rettung der Stadt, sondern neben ihrer Zerstörung auch die Vertreibung der Bevölkerung durch die Nazis zur Folge. Dass diese Vertreibung heute geschichtsfälschend genutzt wird, gehört zum Missbrauch mancher Freiheiten, die wir erleben.
Am 5. oder 6. Mai traf unsere Kolonne über Forst kommend in Sagan ein. Unterwegs hatte die Gerüchteküche Hochkonjunktur. So wurde u.a. verbreitet, dass amerikanische Truppen gemeinsam mit den Resten der Naziwehrmacht auf dem Wege seien, die Sowjetarmee wieder von deutschem Boden zu vertreiben. Inzwischen weiß die Welt, dass einige Nazigeneräle, u.a. General Wenck mit seiner 12. Armee solche Pläne hegten, die auch in dessen Kapitulationsangebot vom 3. Mai 1945 an die US-Armee enthalten sind. Die US-Streitkräfte hielten sich jedoch an die Abmachungen der Antihitlerkoalition. Und so wurden die in der Nacht vom 8. Zum 9. Mai als Zeichen der Freude über den militärischen Sieg abgefeuerten Leuchtspursalven aus vielen Handfeuerwaffen der sowjetischen Soldaten zunächst von einigen fanatischen Nazis missverstanden. Doch der Wahn war kurz. Am Morgen des 9. Mai wurden die Phantasten auf den Boden der Wirklichkeit zurückgeholt.
Aber noch etwas fand in Sagan statt, wie übrigens in vielen anderen Lagern mit deutschen Kriegsgefangenen auch: eine demonstrativ sichtbar gemachte Auflösung des Deutschen Reiches. Über Nacht gab es kaum noch Deutsche. Überall fanden sich Gruppen zusammen, die sich landsmannschaftlich vom deutschen Reich lossagten. Sie nähten sich Landesfähnchen an ihre Mützen und Rockärmel. Dabei waren sie in ihrer Auswahlbreite nicht zimperlich. Nur Österreicher und Ungarn wussten um ihre neue Unabhängigkeit. Elsässer, Lothringer, Saarländer und Rheinländer votierten für Frankreich, auch wenn manche rechtsrheinisch beheimatet waren. Bayern schmückten sich mit blau-weißen Farben, Badener, Württemberger, Hannoveraner und Sachsen erinnerten sich plötzlich, einmal einen König gehabt zu haben. Selbst kleinste Fürstentümer wurden auf diese Weise vom Deutschen Reich gelöst. Der einfache Grund für dieses Abwracken der großdeutschen Nation war die Bekanntgabe der sowjetischen Lagerleitung, dass alle Nichtdeutschen demnächst aus der Gefangenschaft entlassen werden würden. Und da wundern wir uns heute, dass es mit der deutschen Einheit nicht klappen will? Aus geschichtlicher Erfahrung und beim Nachdenken über die Zukunft muss man feststellen, dass eben mehr und vor allem anderes zur Lösung der nationalen Frage gehört, als das, was 1870/71 oder zwischen 1933 und 1945 bzw. 1989/90 angerichtet wurde.

Nach Schwerin ist vor Demmin: Infos zum Naziaufmarsch am „Tag der Befreiung“ 2016

+ Infoveranstaltungen in M-V, Hamburg und Berlin +++ Swing Tanz Blockade für den 8. Mai angekündigt +++ Aufruf des Aktionsbündnisses 8. Mai Demmin: Für eine offene Gesellschaft! Kein Krieg – nirgends! ++

Von Janin Krude und Marko Neumann

Nach dem NPD-Aufmarsch am 1. Mai in Schwerin ist vor dem Naziaufmarsch am 8. Mai in Demmin! Seit Jahren zieht es die neofaschistische Szene am Tag der Befreiung in die Peenestadt, um die Befreiung Demmins durch die Rote Armee geschichtlich umzudeuten. Das Aktionsbündnis 8. Mai Demmin organisiert mit anderen Initiativen und Organisationen den Protest gegen den Naziaufmarsch.

In vielen Städten wird es wieder Infoveranstaltungen zum Naziaufmarsch geben. Hier die aktuelle Liste für M-V:

27.04.16 – 20 Uhr – AJZ Neubrandenburg
02.05.16 – 20 Uhr – Median Rostock
03.05.16 – 20 Uhr – Klex Greifswald
04.05.16 – Grünen-Büro Stralsund
05.05.16 – 20 Uhr – IKuWo Greifswald

In Hamburg und Berlin gibt es ebenfalls Termine.

Es wird auch 2016 wieder eine Swing Tanz Blockade geben. Nähere Infos dazu gibt es demnächst bei Demmin nazifrei Gemeinsame Anreisen und Busse nach Demmin sind in Vorbereitung. Weitere Infos dazu gibt es demnächst.

Im Folgenden dokumentieren wir den Kurzaufruf des Aktionsbündnisses 8. Mai Demmin:

Für eine offene Gesellschaft! Kein Krieg – nirgends! Aufruf des Aktionsbündnisses 8. Mai Demmin zum 8. Mai 2016

Viele, die nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus wollen; viele, die Menschen, gleich welcher Herkunft, willkommen heißen; viele, die Unterstützerkreise für die Geflüchteten aufgebaut haben; viele, die für eine freie, friedliche und offene Gesellschaft eintreten – sie, wir wollen den öffentlichen Raum nicht denjenigen überlassen, die Hass, Angst und Sündenböcke schaffen.
Etwas mehr als acht Jahrzehnte erst ist es her, dass die Machtergreifung der Nazis Krieg, Zerstörung, Vernichtung über Europa brachte und Millionen Menschen in die Flucht trieb. Auch heute ist Krieg der wichtigste Grund, zu fliehen. Mit Waffenexporten und wirtschaftlichen Interessen ist Deutschland mit verantwortlich für die aktuellen Kriege, die wieder Millionen Menschen in die Flucht treiben. Falls es diesen gelingt, Stacheldraht an den Grenzen und das Mittelmeer lebend zu überwinden, suchen sie Schutz bei uns. Doch für viele Geflüchtete werden die europäischen Grenzen immer undurchlässiger, andere begegnen hier auf den Straßen Misstrauen und Gewalt.
Bedrohlich ist der Aufmarsch der Neo-Nazis jedes Jahr am 8. Mai in Demmin. Sie geben vor, den Opfern der sowjetischen Besetzung zu gedenken. Dabei negieren sie, dass die deutschen Faschisten Krieg und Vernichtung über Europa gebracht haben. Diese Verdrehung der Geschichte benutzen sie, um mit Hassparolen gegen alles Fremde anzugehen.

Wehren wir den Anfängen – stellen wir uns entgegen!

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Bauen im Nazi-Staat: die „Deutsche Arbeitsfront“ und die „Organisation Todt“

Es gab keinen Bereich, der nicht versucht wurde von den Nazis zu durchdringen. Für die größenwahnsinnigen Bauvorhaben, wie der „Welthauptstadt Germania“, und militärische Großprojekte, wie dem „Westwall“ waren uniforme Organisationen nötig, die solche Baumaßnahmen umsetzen konnten.

Von Franziska Wilke und Marko Neumann

In diesem Beitrag werden in der gebotenen Kürze die „Deutsche Arbeitsfront“ und die „Organisation Todt“ vorgestellt. Grundlage des Textes sind die Beiträge „Deutsche Arbeitsfront“ und „Organisation Todt“ von Wolfgang Benz aus dem Buch „Die 101 wichtigsten Fragen – Das Dritte Reich.

Die Deutsche Arbeitsfront (DAF) als Gewerkschaftsersatz im Dritten Reich
Am 10. Mai 1933 wurde die DAF gegründet und war schließlich die war die größte Massenorganisation des Dritten Reiches. Rechtlich ein angeschlossener Verband der NSDAP, übertraf die DAF an Mitgliedern die Partei um das Fünffache. 1939 waren etwa 23 Millionen, 1942 etwa 25 Millionen in der Gemeinschaft „aller schaffenden Deutschen“ zusammengeschlossen.
Zweck der DAF war die Beseitigung des demokratischen Systems des Interessenausgleiches zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Die DAF war nach der Zerschlagung der Gewerkschaften die nationalsozialistische Einheitsorganisation für Arbeiter, Angestellte, Handwerker und Gewerbetreibende sowie für Arbeitgeber. Sie besaß weder das Recht zum Abschluss von Tarifverträgen noch die Möglichkeit, die auf die Regelung von Arbeits- oder Urlaubszeiten einzuwirken. Aufgabe der Deutschen Arbeitsfront war die „Bildung einer Volks- und Leistungsgemeinschaft aller Deutschen“, so stand es in der entsprechenden Verordnung des Führers. Das hieß: Politische Schulung der Mitglieder im Rahmen einer korporatistischen Gesellschaftsordnng. Diese Aufgabe war aber auch der NSDAP selbst zugewiesen, die in Konkurrenz wischen Partei und DAF war damit programmiert, ebenso eine Serie von Konflikten, die sich daraus ergaben, dass der Chef der Deutschen Arbeitsfront, Robert Ley, gleichzeitig Reichsorganiationsleiter der NSDAP war und die Bürokratie der DAF einer Krake gleich ihre Arme überallhin ausstreckte – 1939 hatte die DAF 44.000 hauptamtliche und 1,3 Millionen ehrenamtliche Mitarbeiter.
Gegliedert in zehn Ämter war die DAF auf allen Gebieten der Sozial- und Wirtschaftspolitik aktiv, veranstaltete den „Leistungskampf der deutschen Betriebe“ und den „Reichsberufswettbewerb“ und besaß zahlreiche Wirtschaftsunternehmen, darunter Wohnungsbaugesellschaften, Bauunternehmen, Versicherungen, Banken Verlage und Druckereien. Durch die Übername des Gewerkschaftsvermögens 1933 und durch die Mitgliedsbeiträge war die DAF finanziell äußerst potent. Die Unterorgansiation „NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude“ machte mit ihren Freizeitangeboten die DAF populär, dazu gehörten Kreuzfahrten, Urlaubsaufenthalte und das Volkswagenprojekt.

Militärisch organisiertes Bauwesen: Die Organsiation Todt
1939 wurde die Organisation Todt, zur Durchführung des Baus der militärischen Großanlagen wie dem „Westwall“, der auf 630km Länge von der Schweiz bis Aachen die deutsche Westgrenze mit einer Betonhöckerlinie und 14.000 Bunkern schützen sollte, gegründet. Den Namen hatte sie von ihrem Chef, dem Straßenbauingenieur Fritz Todt, der seit 1922 NSDAP-Mitglied war, der SA angehörte und am 30. Januar 1933 zum „Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen“ ernant worden war. Todt war nicht nur für den Bau der Reichsautobahnen zuständig, er war auch ab Dezember 1938 als Generalbevollmächtigter für die Regelung der Bauwirtschaft verantwortlich. 1940 war er zum Reichsminister für Bewaffnung und Munition berufen worden.
Mit der Organsiation Todt (OT) trat eine Arbeitsarmee mit etwa 350.000 Männern ins Leben, die während des Krieges in den besetzten Gebieten eine Stärke von etwa 800.000 deutschen und ausländischen Arbeitern – einschließlich Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen – erreichte. Zu den Aufgaben der OT gehörten schließlich alle militärischen Baumaßnahmen, auch die Bauformationen der Wehrmacht wurden der OT unterstellt. „Frontbauleitungen“ sorgten für die Wiederherrstellung zerstörter Infrastruktur. Auch der Bau des „Atlantikwalls“ oblag der Organisation Todt.
Die OT war eine paramilitärische Formation, ihre Angehörigen trugen Uniform Als Sonderorganisation mit speziellem Auftrag, dank ihrer in der NS.Hierarchie hochrangigen personellen Spitze und wegen ihrer relativen Unabhängigkeit von bürokratischen Zwängen galt die OT als effizient. Nachdem Fritz Todt bei einem Flugzeugabsturz im Februar 1942 ums Leben gekommen war, wurde Albert Speer Nachfolger in allen Ämtern, auch als Chef der Organisation Todt.

Neubrandenburg: Lesung & Gespräch „Kampf um Kobanê“ am 27.04.16 im AJZ

Der Kampf um Kobanê und Rojava ist eine zentrale Auseinandersetzung im Nahen und Mittleren Osten, in der alle relevanten Akteure auf die eine oder andere Weise involviert sind. Kobanê wird weiterhin die politischen Ereignisse in der Region prägen – sowohl den „Friedensprozess“ zwischen der Türkei und der PKK als auch den Bürgerkrieg in Syrien. Der Konflikt bietet Anlass, zentrale politische Auseinandersetzungen neu aufzugreifen, wie etwa die Frage nach Gewalt als Mittel der Politik und nach dem Entwurf einer neuen Gesellschaftsordnung. Anders gesagt: Lässt sich eine basisdemokratische Gesellschaft durch Krieg verteidigen oder ist eine militärische Auseinandersetzung der Tod für jegliches emanzipatorische Projekt?

Ismail Küpeli, Herausgeber des Sammelbands „Kampf um Kobane, Kampf um die Zukunft des Nahen Ostens“, wird die Beiträge über die Situation in Rojava, die politische Lage in der Türkei, den blutigen Bürgerkrieg in Syrien und den „Islamischen Staat“ darstellen und die Überlegungen der
Autor*innen zur Diskussion stellen.

Die Lesung mit anschließendem Gespräch findet am 27. April statt. Beginn ist 19 Uhr im Alternatives Jugendzentrum in Neubrandenburg.

Die Lesung ist eine gemeinsame Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern und des AJZ Neubrandenburg.

Eine Veranstaltung des AJZ Neubrandenburg und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern.

Neubrandenburg: „Back to Rojava“ – Vortrag & Soliparty für „MV für Kobane“ am 23.04.16 im AJZ

„Rojava“ („Westen“) nennen die KurdInnen ihr Siedlungsgebiet im nordwestlichen Syrien, in unmittelbarer Nähe zur türkischen Grenze. Die Fotografien zeigen die Situation in den Kantonen Cizîrê und Kobanê: Die jezidischen Flüchtlinge, die vor dem „Islamischen Staat“ aus dem Shingal-Gebirge fliehen mussten, die medizinische Versorgung in der gerade befreiten Stadt Kobanê, die Zerstörung, aber auch den Mut der kurdischen Bevölkerung für einen Aufbruch aus Ruinen.

Die Ausstellung von medico international und attenzione photographers verbindet Aufklärung und Solidarität.

Um 21 Uhr gibt es im AJZ einen Vortrag über die bisherige Arbeit der Initiative MV für Kobane und zum neuen Solidaritätsprojekt. Ab 23 Uhr findet eine fette Soliparty für die Initiative „MV für Kobane“ statt.

Informationen zu den Fotografien: Der Fotograf Mark Mühlhaus besuchte seit dem Herbst 2014 mehrmals die kurdische Region in Syrien und in der Türkei. In der kurdischen Kleinstadt Suruç (kurdisch: Pirsûs) dokumentierte er das Flüchtlingsleben derer, die dort Schutz und Obdach fanden, nachdem der «IS» ihre Stadt Kobanê angegriffen hatte. In Rojava selbst besuchte Mühlhaus die christlich-kurdische Stadt Dêrik (arabisch: Al-Malikiya) nahe der Grenze zum Irak und das dortige jesidische Flüchtlingslager. Er nahm an Beerdigungen von kurdischen KämpferInnen teil und konnte mit christlichen Milizen die vom «IS» zerstörten Dörfer der assyrischen Bevölkerung besuchen. Bei seinem Aufenthalt in Kobanê ging es Mühlhaus nicht nur um die fotografische Dokumentation des Wiederaufbaus der kurdischen Symbolstadt, sondern gleichsam darum, Momente des Menschlichen, ja sogar der Schönheit, festzuhalten. Etwa das Bemühen der örtlichen ÄrztInnen trotz fehlendem Strom Notfalloperationen durchzuführen; oder aber jenen Moment, wenn Mühlhaus, als einer der wenigen europäischen Fotografen, die Ufer des Flusses Euphrat erreicht.

Eine Veranstaltung der Initiative MV für Kobane und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern.

Erinnerungen an den Tag der Befreiung 1945 – Henny Dreifuss: „Glücklich und traurig zugleich“

Henny Dreifuss ist Jahrgang 1924 und schrieb seine Erinnerungen an den 8. Mai 1945 auf. Der Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in der mittlerweile vergriffenen Broschüre „Bob du musst rennen, der Krieg ist vorbei“.

Die Befreiung erlebte ich am 3. September 1944 in Lyon. Dort war ich seit Januar 1943, um am Widerstand teilzunehmen. Ich hatte mit meinen von Hans Kralik hergestellten falschen Papieren so manche Kontrolle in dieser Zeit überstanden.
Bei ihrem hektischen Abzug aus Lyon – die Befreiungsarmee kam das Rhônetal entlang – hatte die Wehrmacht noch die Brücken über die Rhône und die Saône in die Luft gesprengt und die französische Miliz schoss von den Dächern. Ich erinnere mich gut daran, wie ich in einem Hausflur in der Rue de Brest Zuflucht gefunden hatte und dachte, jetzt möchtest du nicht sterben.
Da ich im Auftrag der Bewegung „Freies Deutschland“ auf dem Flughafen Lyon-Bron gearbeitet hatte, um für die Herstellung unserer illegalen Schriften die Atmosphäre einzufangen, war es richtig und auch notwendig, mich in dem Trubel der Befreiung für einige Wochen in einer FTP-MOI-Einheit (Abkürzung von Francs-tireurs et partisans main d’oervre immigré – d. Red.) von Teilnehmern am Widerstand aus verschiedenen Ländern Europas einzugliedern.
Ich war damals gerade 20 Jahre alt und sehr beeindruckt und froh, nun meine Gefährten aus dem illegalen Kampf kennen zu lernen. Ich wusste, dass es sie gab, aber die konspirative Arbeit brachte es mit sich, dass ich nur wenige kannte, mit denen ich unmittelbar zu tun hatte. Es war eine Zeit, in der ich glücklich und traurig zugleich war. Glücklich, dass ich überlebt hatte, dass dieser grausame Krieg zu Ende und der Faschismus geschlagen war. Traurig bei dem Gedanken an all diejenigen, die das nicht mehr erleben konnten. Die Ungewissheit plagte mich auch, was aus meinen Eltern und meinem Bruder geworden war. Die ersten Deportierten, die überlebt hatten, kamen zurück und berichteten von den unvorstellbaren Grausamkeiten der Nazis. Am 8. Mai 1945 war ich schon in Paris. Es war endlich das Kriegsende in einer aufgewühlten Stadt, deren Bevölkerung – so schien es mir – gar nicht mehr nach Hause ging. Tag und Nacht war Betrieb auf den Boulevards. Es waren unvergessliche Tage.
Noch im Sommer 1945 kehrte ich in meine Heimatstadt Mannheim zurück. Vieles Ka anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Die Vorzeichen des „Kalten Krieges“ ließen nicht lange auf sich warten. Die sogenannte Entnazifizierung traf die Kleinen. Kriegsverbrecher wurden kaum bestraft. Die Großindustrie machte schnell wieder Geschäfte du Profite. In den Behörden tummelten sich bald wieder die alten Nazis. Breite Teile der Bevölkerung beteuerten, „von nichts gewusst zu haben“.
Zum Glück stellen nachwachsende Generationen viele Fragen, um deren Antwort ich mich bis heute als Zeitzeugin immer wieder bemühe.

MV & HH goes Schwerin: Mobilisierungen gegen den NPD-Aufmarsch am 1. Mai in Schwerin #update

Die NPD plant für den Ersten Mai einen Aufmarsch in der Landeshauptstadt Schwerin. Verschiedene Bündnisse und Initiativen mobilisieren zu den Gegenveranstaltungen und rufen zu Protesten auf. Hier aktualisierte Übersicht der momentanen Mobilisierungen.

Von Marko Neumann

Gemeinsame Anreise Rostock, Neubrandenburg, Wismar & Hamburg
In Rostock ruft das Bündnis Rostock nazifrei und die Initiative Rostock hilft zu einer gemeinsamen Anreise ab Hauptbahnhof auf. Treffpunkt ist 8 Uhr 45 (!) am Bahnhof (pünktlich!).
Das Bündnis Neubrandenburg Nazifrei mobilisiert zur gemeinsamen Anreise nach Schwerin. Treffpunkt ist der Bahnhof Neubrandenburg um 7 Uhr 10 (Püünktlich!!).
Beide Fahrtgemeinschaften treffen sich in dann in Bützow und fahren gemeinsam nach Schwerin weiter.
Treffpunkt und -ort für eine gemeinsame Anreise aus Wismar ist 8 Uhr 45 am Bahnhof.
Aus Hamburg mobilisiert die Initiative Hamburg goes MV nach Schwerin. Für alle Menschen aus Hamburg gilt: der Treffpunkt für die gemeinsame Anreise ist der Bahnhof Hamburg um 7 Uhr 50.

Infoveranstaltungen in Neubrandenburg, Hamburg, Wismar & Parchim
Nachdem bereits in einigen Städten Mobi-Veranstaltungen stattgefunden haben, stehen noch Neubrandenburg, Wismar, Parchim und Hamburg an.
In Neubrandenburg findet am 20. April im AJZ, ebenfalls um 19 Uhr, eine Infoveranstaltung statt.
Am 21. April gibt es in der Ex-Vokü (Flora) in Hamburg ebenfalls eine Veranstaltung. Los geht’s pünktlich um 20 Uhr in der bei der Sportraumkneipe. Details dazu auf hhgoesmv.blogsport.de.
Am 26. April findet in Wismar in TIKOzigalpa ebenfalls eine Infoveranstaltung statt. Details dazu findet ihr hier und ggf. hier.
Am 29. April findet in der Scheune in Parchim ebenfalls eine Infoveranstaltung statt. Mehr bekommt ihr hier.

Auch aus Wismar wird nach Schwerin mobilisiert. Weitere Informationen dazu gibt es zeitnah Facebook Veranstaltung

BEDENKT: Diese Informationen sind öffentlich. Nazis und auch die Polizei lesen mit. Bleibt in Gruppen und passt aufeinander auf.

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Das engmaschige System von Konzentrations- und Vernichtungslager im Dritten Reich

Keine andere Einrichtung des Dritten Reiches steht so symbolisch für den Terror und die Unmenschlichkeit der Nazis und ihrer Ideologie wie das flächendeckende Netz von Konzentrations- und Vernichtungslager. Welche Funktionen hatten die Lager, wo standen die sie und was mussten die Häftlinge in den KZ’s erleiden? Dieser Abriss gibt einen Überblick über diese und andere Fragen.

Grundlage des Textes ist der Beitrag „Welche Rolle spielten die Kirchen im Dritten Reich“ von Wolfgang Benz aus dem Buch „Die 101 wichtigsten Fragen – Das Dritte Reich“.

Von Franziska Wilke und Marko Neumann

Was sind Konzentrationslager und wie viele gab es?
Beginnend mit dem Konzentrationslager Dachau, das im März 1933 errichtet wurde und bis Ende April 1945 bestand, wurden in den ersten Monaten der „nationalsozialistischen“ Herrschaft etwa 100 weitere „frühere Konzentrationslager“ errichtet, die meist nur kurze Zeit existierten. Nach dem Muster Dachaus entwickelte sich ein System von Lagern, das unter der Regie der „Schutzstaffel“ (SS) zentral gesteuert als Organisation des Terrors außerhalb der Justiz und rechtlicher Normen den Herrschafts- und Verfolgungsanspruch der NS Diktatur gegen politische Gegner, Regimekritiker, Unangepasste – sogenannte „Asoziale“, Homosexuelle und Angehörige bestimmter Glaubensgemeinschafte -) sowie Unerwünschte – beispielsweise Juden, Sinti und Roma – durchsetzte. In Sachsenhausen vor den Toren Berlins (1936) und Buchenwald bei Weimar (1937) wurden neben Dachau zentrale Konzentrationslager eingerichtet, denen Flossenbürg in der Oberpfalz (1938) und das Frauen-KZ Ravensbrück nördlich von Berlin (1939) folgten. Neuengamme bei Hamburg und Mauthausen in Oberösterreich waren ebenfalls noch vor dem Zweiten Weltkrieg errichtet worden. Mit Auschwitz und Stutthof bei Danzig expandierte das KZ-System dann auf polnischen Boden. Die Ausbeutung der Arbeitskraft der Häftlinge bekam immer größere Bedeutung, neue Konzentrationslager entstanden in den besetzten Gebieten, aber auch im Deutschen Reich.

Vernichtungslager: organisierte Stätten des Todes
Im Unterschied zu den Konzentrationslagern, in denen die Inhaftierten gequält und gedemütigt und zu Sklavenarbeit gezwungen wurden, in denen auch ihr Leben nicht viel galt, hatten die Vernichtungslager nur einen Zweck: Menschen unmittelbar nach ihrer Ankunft zu töten. Dies geschah in den Todeslagern, die ab Ende 1941 im besetzten Polen errichtet wurden: Chełmno (Kulmhof) im „Wartheland“ war das erste Lager, das ausschließlich der Tötung von Menschen diente. Grund war die Überfüllung des Ghettos Łódz. In Chełmno wurde das „Sonderkommando Herbert Lange“ mit „Gaswagen“ stationiert. Lange hatte seit Sommer 1940 Erfahrungen mit der Ermordung Geisteskranker und anderer Behinderter im Rahmen der „Aktion T 4“ (Euthanasie-Aktion). In Chełmno pendelten die Gaswagen zwischen dem „Schloss“ und dem 5 km entfernten „Waldlager“, wo die auf dem Weg getöteten Opfer verscharrt bzw. später verbrannt wurden. Ermordet wurden dort mindestens 152 000 Juden, die aus Łódz stammten bzw. aus dem Wartheland oder dem Altreich zunächst dorthin deportiert worden waren. Typologisch sind die Todeslager den Mordstätten ganz ähnlich, die von den Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD und von anderen Einheiten der SS ad hoc bestimmt wurden, um Juden zu töten. Babij Jar am Stadtrand von Kiew, wo am 29. und 30. September 1941 33771 Juden erschossen wurden , war ein solcher Ort, Ponary vor den Toren Wilnas ein anderer, an dem von Juli 1941 bis Juli 1944 70000 bis 100000 Juden getötet wurden. Wieder ein anderer Exekutionsort war der Wald von Rumbuli, in dem die Insassen des Ghettos Riga den Tod fanden. Zahllose solcher Mordfelder gibt es auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion.
Die Erschießungsgruben und improvisierten Orte des Massenmords wurden schließlich abgelöst von Einrichtungen, an denen das Gleiche geschah – in Aktion gesetzte mörderische Rassenideologie-, zu denen aber das improvisierte und spontane Element nicht gehörte. In Weißrussland entwickelte sich das Lager Maly Trostinez, im Frühjahr 1942 vom Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD Minsk errichtet, vom Zwangsarbeitslager zur zentralen Vernichtungsstätte, in der bis Sommer 1944 mindestens 60000 Juden, unter ihnen. Deutsche, Tschechen und Österreicher, sowie sowjetische Kriegsgefangene und Widerstandskämpfer ermordet wurden. Vernichtung von Menschenleben wurde in den Todeslagern in ein System gebracht und organisiert, die Methoden waren andere als Pogrom und Massaker, es herrschten die Gesetze von Logistik und Effizienz. Geeignete Plätze wurden als Todeslager angelegt, zu ihrer Rationalität gehörte die abgeschiedene Lage, das diente der Geheimhaltung, gute Erreichbarkeit war ebenso notwendig. Deshalb wurden diese Lager im Osten Polens errichtet. In den drei Lagern der „Aktion Reinhardt“ wurden insgesamt etwa 1,75 Millionen Juden ermordet: in Bełzec 600000, in Treblinka 900000, in Sobibor 250000.
Eine letzte Perfektion des Massenmords erfolgte mit der Erweiterung des KZ Auschwitz, als mit dem Lagerbereich Birkenau das Konzentrationslager zum Vernichtungslager wurde. Auch die Methode, das Gift Zyklon B zu verwenden, bedeutete noch einmal eine Steigerung der Effizienz des Mordens (obwohl auch Erschießungskommandos bis zum Ende der nationalsozialistischen Herrschaft in Tätigkeit bleiben). Ein zweites Konzentrationslager, Lublin-Majdanek, erfüllte wie Auschwitz ab Herbst 1942 die Doppelfunktion eines Konzentrationslagers und eines Todeslagers. Die durchrationalisierten Handlungsabläufe vom Antransport der Opfer, ihrer Ausplünderung und Ermordung über die Beseitigung der Leichen bis zur Verwertung ihrer Habe kennzeichnen die letzte Phase des Holocaust, die in den Todeslagern stattfand.

Die insgesamt 24 Hauptlager waren schließlich Mittelpunkt eines Netzes von ungefähr 1000 Lagern, das in hierarchischer Abstufung von Haupt- und Außenlagern und Arbeitskommandos gebildet wurde. Außerdem gab es Systeme weiterer Zwangslager, in denen die gleichen Bedingungen wie im KZ herrschten, nämlich etwa 200 „Arbeitserziehungslager“, eine unübersehbare Zahl von „Polizeihaftlagern“, von Zwangsarbeitslagern für Juden in den besetzten Gebieten, dann Hunderte Ghettos in Polen und Osteuropa, in denen Zustände wie im KZ herrschten. Die Orte des Terrors überzogen als engmaschiges Geflecht, dessen Dimension noch weitgehend unerforscht ist, das gesamte deutsche Herrschaftsgebiet.

Schwerin: 7. Aktionsfahrradtour „Unterwegs auf Straßen und Plätzen für Menschlichkeit und Frieden, gegen Neofaschismus“ vom 21. bis 24. April 2016

„Unterwegs auf Straßen und Plätzen für Menschlichkeit und Frieden , gegen Neofaschismus“ unter diesem Motto führt die VVN-BdA Westmecklenburg-Schwerin seit 2010 eine Aktionsfahrradtour als Gedenk- und Demonstrationstour auf den Streckenführungen der Todesmärsche durch.

Die Tagesetappen sind zwischen 35 km und 55 km lang. Mit dieser jährlich in der zweiten Aprilhälfte stattfindenden Radtour fördern wir die Erinnerung und das Gedenken an die Opfer der Todesmärsche, von Faschismus und Krieg.

Sie leistet einen Beitrag zur politischen-historischen Bildung an authentischen Orten durch Wahrnehmung und Auseinandersetzung auf verschiedenen Ebenen. Ein wesentlicher Bestandteil sind die Gespräche mit Bürgern und Bürgerinnen sowie Bündnissen gegen Rechtsextremismus.

Sie möchte zu einem stetigen persönlichen Engagement für Humanismus und und Demokratie ermutigen. Für die Verbreitung der Idee einer weltoffenen und multikulturellen Gesellschaft wird geworben, wie sich für Abrüstungsschritte und eine zivile Außen- und Sicherheitspolitik eingesetzt wird.

Die diesjährige Tourroute verläuft von Schwerin über Grevesmühlen nach Lübeck zu Mölln und endet in Hamburg. Nähere Informationen gibt es auf dem Flyer der.

Aktualisierte Liste bevorstehender Naziaufmärsche in Mecklenburg-Vorpommern

+ neue Aufmärsche in Neustrelitz und Ludwigslust angekündigt +++ AfD-Wahlkampfauftakt in Stralsund +++ weitere Aufmärsche in Schwerin und Demmin im Mai ++

Von Janin Krude und Marko Neumann

Nazis und andere Rassist*innen rufen erneut zu fremdenfeindlichen Aufmärschen in Meck-Vorpomm auf und die „Alternative für Deutschland“ plant ihren Wahlkampfauftakt in Stralsund. Genaue Informationen findet ihr wie immer in der Liste.

Rechter „Abendspaziergang“ am 15.04.16 in Neustrelitz
Die Facebook Gruppe „Neustrelitz sagt „nein“ zum Asyl-Wahn“ mobilisiert für den 15. April zu einem „Abendspaziergang“. Die Rassist*innen treffen sich 19 Uhr am Südbahnhof in Neustrelitz.

„MVGIDA“-Aufmarsch am 18.04.16 in Ludwigslust
Die NPD-Tarnorganisation „MVGIDA“ will am 18. April unter dem Motto „Wir sind das Volk. Gestern. Heute. Morgen.“ durch Ludwigslust marschieren. Die Rassist*innen treffen sich 19 Uhr am Bahnhofsvorplatz.

Wahlkampfauftakt der AfD am 23.04. in Stralsund
Die „Alternative für Deutschland“ will in den Schweriner Landtag einziehen. Ihr Wahlkampfauftakt findet am 23. April in Stralsund auf dem Neuen Markt statt. Beginnen soll die braun-blaue Veranstaltung um 10 Uhr. Als Redner*innen sind Leif-Erik Holm und Alexander Gauland angekündigt.

NPD-Aufmarsch am 01.05.16 in Schwerin
Während die NPD vergangenes Jahr in Neubrandenburg aufmarschierte, versucht es die Partei, gegen die momentan ein Verbotsverfahren läuft, dieses Jahr in der Landeshauptstadt Schwerin aufzulaufen. Das berichtet der Nordkurier in einem Beitrag. Weitere Informationen folgen.

Naziaufmarsch am 08.05.16 in Demmin
Zum zehnten Mal in Folge wollen Nazis am Jahrestag der Befreiung durch die Peenestadt Demmin marschieren. Die Gegenrpoteste organisiert unter anderem das Bündnis Demmin Nazifrei.

Bleibt informiert und achtet auf Ankündigungen! Nutzt dazu auch diese Kanäle:
Facebook: PortalNordost
Twitter: infonordost
Details: ino.blogsport.de

Klassenkampf statt Rassismus! Internationale Solidarität statt Ausgrenzung! – Aufruf zur Demonstration am 30.04.2016 in Greifswald

+ Vortagsdemo anlässlich des 1. Mai’s in Greifswald! +++ Klassenkampf statt Rassismus! Internationale Solidarität statt Ausgrenzung! +++ 30. April 2015 – 15 Uhr – Nexöplatz in Greifswald! ++

Aufruf der Antifa Defiant zur Demonstration am 30.04.16 in Greifswald

In Deutschland und ganz Europa ist derzeit ein beängstigender Rechtsruck zu erleben: Als Antwort auf die sogenannte „Flüchtlingskrise“, die in Wahrheit vielmehr eine Rassismuskrise ist, wird eine Abschottungspolitik auf die Spitze getrieben, im Zuge derer humanistische Werte und menschenrechtliche Prinzipien ausgehebelt und über Bord geworfen werden. Gleichzeitig werden flüchtende beziehungsweise zuwandernde Menschen generell als Gefahr für Europa, seinen Wohlstand und seine Kultur dargestellt und nationale Identitäten als Antwort auf diese angebliche Gefahr ausgegeben.

Die große Zustimmung zu solchen rassistischen und menschenverachtenden Ideen vor allem bei Arbeiter_innen, Geringverdiener_innen und Arbeitslosen spricht vor allem für eines: das Fehlen eines Bewusstsein für die eigene prekäre Situation, beziehungsweise die Ursachen für diese. Nicht die Geflüchteten, nicht die Zugewanderten sind dafür verantwortlich, dass Menschen unterbezahlt sind oder durch Hartz IV erniedrigt und entwürdigt werden, sondern eine marktwirtschaftliche Ordnung, die eine absolut ungerechte Verteilung des Reichtums, sowie die Ausbeutung der arbeitenden Bevölkerung ermöglicht.
Will man diese Zustände ändern, so nützt es nichts, gegen Flüchtlinge vorzugehen und Antworten auf die eigene schlechte Lage bei Parteien wie der AFD zu suchen. Im Gegenteil: Geflüchtete Menschen sind ebenso wie die arbeitende Bevölkerung Verlierer dieses Systems, nur dass sie sogar noch unter diesen stehen. Parteien wie die AFD hingegen werden mit ihren Programmen die Situation aller Geflüchteter und Arbeiter_innen nur weiter verschlechtern, da sie kein Interesse daran haben, die bestehende, unsoziale Gesellschaftsordnung zu verändern.

Die Antwort auf die derzeitigen Entwicklungen kann nur sein, sich mit allen Verlierern des Kapitalismus, also Arbeitnehmer_innen, Arbeitslosen ebenso wie Geflüchteten, solidarisch zu zeigen und gemeinsam mit diesen gegen Ausbeutung, Unterdrückung und Rassismus zu kämpfen.

Kommt daher am 30. April nach Greifswald, um gemeinsam mit uns gegen die herrschenden Verhältnisse und für internationale Solidarität zu demonstrieren! Klassenkampf statt Rassismus! Internationale Solidarität statt Ausgrenzung!

Erinnerungen an den Tag der Befreiung 1945 – Heinz Kessler: „Einer der schönsten Tage meines Lebens“

Heinz Kessler ist Jahrgang 1920 und schrieb seine Erinnerungen an den 8. Mai 1945 auf. Der Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in der Broschüre „Bob du musst rennen, der Krieg ist vorbei.“

Der für die Völker Europas und der Welt von Hitlerdeutschland begonnene furchtbare Raubkrieg hatte ein Ende gefunden. Nach meiner Rückkehr von der sowjetisch-deutschen Front nach Deutschland wurde ich als Leiter des Hauptjugendausschusses beim Magistrat von Berlin berufen. In den ersten Junitagen 1945 rief mich ein Genosse an, es war der spätere Vorsitzende der KPD Max Reimann, und sagte mir: „Deine Mutter lebt. Ich weiß, wo sie ist, nämlich dort, wo auch meine Anverwandten sind. Mach dich fertig, ich hole dich ab und wir fahren dorthin.“

Wir fuhren in den Berliner Stadtbezirk Tiergarten in eine Schule. Meine Mutter, eine vor 1933 schon aktive Antifaschistin und Kommunistin, war im Sommer 1941, nachdem ich auf die Seite der sowjetischen Armee übergelaufen war, in das berüchtigte größte Frauenkonzentrationslager deportiert worden. Beim Herannahen der Sowjetarmee hatten sich die Naziaufseherinnen zivile Kleidung angelegt und die noch lebenden Insassen des KZ zwischen die Fronten getrieben. Auf einem langen und entbehrungsvollen Marsch wurden sie schließlich von den sowjetischen Truppen in Gewahrsam genommen und in diese Schule gebracht. Nach der Identifizierung der Frauen wurden einige Angehörige, wie z.B. der oben genannte Genosse, informiert. Nach Ankunft in der Schule stand meine Mutter mir und ich ihr nach vielen Jahren das erste Mal wieder gegenüber. Wir umarmten uns und schämten uns unserer Tränen nicht. Meine Mutter, abgehärmt, erzählte mir brockenweise tief bewegt und erschüttert von den psychischen und physischen Demütigungen, von den Quälereien, von den vielen KZ-Insassen, die durch die faschistischen Aufseherinnen und Aufseher ums Leben gekommen waren. Sie gab ihrer Freude Ausdruck und verhehlte nicht ihren Stolz darüber, dass ich nicht zuletzt dank der durch sie erfahrenen Erziehung den antifaschistischen Ideen treu geblieben war und mich mit meinen bescheidenen Mitteln an der Seite der Sowjetarmee am Kampf gegen die Hitlerbarbarei unter Einsatz aller meiner Möglichkeiten beteiligt hatte. Ich selbst konnte neben meiner unendlichen Freude, meine Mutter wieder in den Armen zu halten, meine große Hochachtung vor dieser Frau, der Antifaschistin, Kommunistin nicht verbergen.

Es war vielleicht rückblickend einer der erlebnisreichsten und schönsten Tage meines Lebens. Ich versuchte sie zu überzeugen, hier in Berlin zu bleiben, um nach ihrer psychischen und physischen Gesundung am Aufbau der antifaschistischen demokratischen Ordnung teilzunehmen Sie versagte mir diesen Wunsch und erklärte, dass sie an ihre frühere politische Wirkungsstätte, wo ja auch meine Schwester Ruth lebte, nach Chemnitz zurückkehren wollte. Das fand bei mir Verständnis. Sowie sich ihre physischen Kräfte stabilisiert hatten, nahm sie teil am Aufbau der KPD, wirkte mit bei der Vereinigung von SPD und KPD und leistete, wie mir viele Genossen und Genossinnen bestätigten und ich bei meinen Besuchen in Chemnitz/Karl-Marx-Stadt selbst feststellen konnte, vor allem im sozialpolitischen Bereich in der Stadt und im Bezirk eine verantwortungsvolle und umfangreiche Arbeit. Ihre besondere Aufmerksamkeit widmete sie der Vermittlung ihrer politischen und Lebenserfahrungen bei den Kindern und den Jugendlichen. Es war ihre feste Überzeugung, dass die Eltern im Allgemeinen und die Mütter im Besonderen eine riesige Verantwortung dafür tragen, dass die heranwachsende Generation im humanitären Sinne erzogen, frei sein müsse von jeglichem Rassismus und lernen müsse für die Rechte der Jugend, der werktätigen Menschen zu kämpfen. Besonders lag ihr am Herzen, sich niemals dafür herzugeben, für die kapitalistische Gesellschaft Eroberungskriege durchzuführen.

Und so setzten wir, wie sie mich gelehrt hatte und ich selbst erfahren und gelernt hatte, unsere gesellschaftliche Tätigkeit für die Sicherung des Friedens gegen Eroberungskriege fort. Aus dieser Sicht hatte dich der Kreis mit einer prächtigen und mutigen Frau, meiner Mutter Hedwig Keßler und mir, den zum Antifaschisten gereiften und zum Kommunisten gewordenen Menschen, geschlossen.

Kirchenkampf, Reichsbischof und die „Deutsche Kirche“ – Die christlichen Kirchen im beginnenden Dritten Reich

Obwohl die christlichen Werte wie „Nächstenliebe“ und Gebote alá „du sollst nicht töten“ auf den ersten Blick diametral zur Weltanschauung der Nazis stehen, gab es vielfältige Kollaboration – aber auch Widerstand.

Von Franziska Wilke und Marko Neumann

Dieser Beitrag bietet einen abrissartigen Überblick der verschiedenen Facetten des Verhältnisses von Kirchen und der Nazi-Bewegung in den Anfängen des Dritten Reiches. Grundlage des Textes ist der Beitrag „Welche Rolle spielten die Kirchen im Dritten Reich“ von Wolfgang Benz aus dem Buch „Die 101 wichtigsten Fragen – Das Dritte Reich.

Widerspruch aus theologisch oder religiös begründeter Ablehnung des sich 193 erst im Aufbau befindlichen autotoritär-diktatorischen Nazis-Staates war zunächst auf Randgruppen und Einzelpersonen in beiden Kirchen beschränkt. Auf katholischer Seite waren die „Rhein-Main-Volkszeitung“ als Mittelpunkt eines Kreises sozial Engagierter und Männer der katholischen Arbeiterbewegung wie Jakob Kaiser sowie fromme Christen, die auf ihren Pfarrer hörten und mit der „neuheidnischen“ NS-Politik weiter nichts zu tun haben wollten. Auf der evangelischen Seite waren es Theologen wie Dietrich Bonhoeffer und Karl Barth, die Bedenken gegen en diktatorisches Regime hatten, weil sie den darin zum Ausdruck kommenden unbedingten Verfügungsanspruch über die Menschen ablehnten.

Vertreter der evangelischen Kirchen kamen ab Frühjahr 1933 in Konflikt mit dem Staat, der zum „Kirchenkampf“ eskalierte. Sie widersetzten sich den Gleichschaltungsversuchen, die sich gegen die traditionelle Selbstverwaltungsstrukturen kirchlicher Organisationen richteten. Die Nationalsozialisten wollten eine Kirchenreform durchsetzen, die aus den 28 selbstständigen evangelischen Landeskirchen eine einheitliche und gleichförmige „Reichskirche“ gemacht hätte, die nur dem „Reichsbischof“ nach dem Führerprinzip organisiert sein sollte. Viele evangelische Christen hatten sich dem Nationalsozialismus angeschlossen; sie kämpften, vielfach erfolgreich, unter der Bezeichnung „Deutsche Christen“ bei den Wahlen für kirchliche Gremien, sogenannte Synoden, um ihre Mehrheit. Seit Herbst 1932 traten unter der Führung nationalsozialistischer Pfarrer die „Deutschen Christen“ auch als Organisation an die Öffentlichkeit. Ihnen standen evangelische Christen, Pfarrer wie Laien, gegenüber, die zunächst nur der Maxime folgten, dass die Kirche sich nicht in staatliche Angelegenheiten einmischen dürfte. Aus dieser Haltung heraus entwickelte sich, im Kampf um Tradition und Organisation der Landeskirchen, erst religiös und dann zunehmend auch politisch motivierte Opposition gegen den NS-Staat.

Überredet durch Hitlers kirchenfreundliche Zusicherungen, in Panik wegen des Radikalismus der NSDAP und beschwichtigt durch die Aussicht auf das Konkordat (das Abkommen zwischen der Reichsregierung und dem Vatikan vom Juli 1933, das die Rechte der Kirche in Deutschland festlegte und garantierte) stimmten die Parteien des politischen Katholizismus – Zentrum und Bayerische Volkspartei – im März 1933 dem „Ermächtigungsgesetz“ zu.
Für viele Christen entstand eine paradoxe Situation. Die Mehrzahl der Funktionsträger hatte eben noch in Versammlungen und Kundgebungen deutlich gemacht, dass Katholiken mit ihrer Überzeugung und ihrem Stimmzettel Hitler entgegentreten müssten, nun nahmen die katholischen Bischöfe in ihrer Kundgebung am 28. März 1933 ihre Warnungen vor Hitler und ihre Verurteilung der Ideologie der NSDAP offiziell zurück.

In der Abwehr der „Deutschen Christen“, die bei den Kirchenwahlen im Juli 1933 mit massiver Unterstützung der NSDAP mehr als 70 Prozent der abgegebenen Stimmen errungen hatten, organisierte sich allmählich die kirchliche Opposition in Form der bekennenden Kirche. Keimzelle war der „Pfarrernotbund“, den Pastor Martin Niemöller im September 1933 gründete, dem sich ein Drittel der evangelischen Pfarrer anschloss, weil sie den „Arierparagraphen“ – den die „Deutschen Christen“ auch in der Kirche propagierten – ablehnten. Auf der Synode der Bekennenden Kirche in Wuppertal – Barmen wurden im Mai 1934 grundsätzliche Einwände formuliert. Diese „Barmer Theologische Erklärung“ enthielt die Kernaussage, auch der totale Staat finde seine Grenze an den Geboten Gottes, und es sei Aufgabe der Kirche, „an die Verantwortung der Regierenden und Regierten“ zu erinnern.
Bei solchem Protest gegen die weltliche Obrigkeit ging es in erster Linie noch gegen die Kirchenpolitik des Nationalsozialismus. Die oppositionellen Kirchenvertreter, die immerhin Hitlers Absicht, die evangelische Kirche in das NS-System einzugliedern, durch ihre Haltung vereiteln konnten, blieben noch lange im Zwiespalt zwischen der vom Christen geforderten Loyalität gegenüber dem Staate einerseits und den staatlichen Verstößen gegen christliche Gebote andererseits.

Widerstand im politischen Sinne, in der Absicht, das nationalsozialistische Regime zu stürzen, hat auch die Bekennende Kirche als Ganzes nicht geleistet. Sie kämpfte erst für die Unversehrtheit ihrer organisatorischen Strukturen und dann für die Unabhängigkeit der kirchlichen Lehre, nach der die christlichen Gebote nicht der NS-Ideologie nachgeordnet werden durften. Das Regime aber fühlte sich durch diese kirchlich-theologische Widersetzlichkeit vielfach auch politisch-ideologisch getroffen. Durch alle Landeskirchen ging von nun an ein Riss, die Fronten waren durch die Anhänger der Bekennenden Kirche, die immer mehr in grundsätzliche Opposition zum Staat gerieten, einerseits und die „Deutschen Christen“, die überzeugte Nationalsozialisten waren, andererseits bestimmt. Bei vielen Christen der Bekennenden Kirche wurde aus der oppositionellen Haltung schließlich politischer Widerstand. Sie kämpften, ihrem Gewissen verpflichtet und oft ganz auf sich gestellt, manchmal auch von Gemeindemitgliedern unterstützt, mit ihren Mitteln – Predigt und Schrift – erst gegen Übergriffe des Staates ins kirchliche Leben, dann gegen die praktizierte nationalsozialistische Ideologie, die sich zum Beispiel gegen Behinderte richtete. Sie wendeten sich zudem gegen einen christlichen Glauben, der sich mit Antisemitismus und „neuheidnischen Irrlehren“ vermischte. Dazu gehörte die Forderung nach einem „heldischen Jesus“ ebenso wie das Verlangen nach „artgemäßem Glauben“, gegründet auf „Rasse, Volkstum und Nation.“

Auch das Vertrauen der katholischen Kirche in die Zusicherung Hitlers vom Frühjahr 1933 wich bald der Ernüchterung. Nationalsozialistische Demonstrationen und Straßenterror beim „Gesellentag“ des katholischen Kolpingvereins im Juni 1933 in München wurden offiziell noch als Missverständnis gewertet und mit bischöflichen Ermahnungen zu äußerster Zurückhaltung beantwortet. Provokationen bei Fronleichnamsprozessionen, die zunehmende Behinderung katholischer Vereinsarbeit, Propaganda gegen Bekenntnisschulen, gegen Kruzifixe in Schulen oder die Unterbindung katholischer Publizistik zeigten, was von Hitlers Anbiederungsversuchen an die katholische Kirche zu halten war.

Das Konkordat, das zwischen dem Deutschen Reich und dem Vatikan am 20. Juli 1933 abgeschlossen wurde, schien die Haltung der Katholischen Kirche zu honorieren. Der Staat garantierte feierlich die Freiheit des religiösen Bekenntnisses, seine öffentliche Ausübung, den Bestand und die Aktivitäten der katholischen Organisationen und Vereine, sofern sie sich auf religiöse, kulturelle und karitative Zwecke beschränkten. Bekenntnisschulen und Religionsunterricht waren gewährleistet. Im Gegenzug hatten neu eingesetzte Bischöfe einen Treueid auf die Reichsregierung zu leisten, und Priestern und Ordensleuten untersagte der Heilige Stuhl jede parteipolitische Betätigung. Als internationales Abkommen trug das Konkordat zur Stabilisierung und Reputation des neuen Regimes bei, machte den politischen Katholizismus mundtot und verhinderte vorläufig oppositionelle Regungen.

Im Gegensatz zur katholischen Kirche waren die Protestanten gespalten: Die „Deutschen Christen“, geführt vom „Reichsbischof“ Ludwig Müller, der, im September 1933 gewählt, im Dienst der weltlichen Obrigkeit aus den 28 evangelischen Landeskirchen eine einheitliche deutsche Nationalkirche im nationalsozialistischen Geist bilden wollte, waren die Exponenten des regimetreuen Flügels. Im Selbstverständnis der „Deutschen Christen“ im Dezember 1933 hieß es: „Wie jedem Volk, so hat auch unserem Volk der ewige Gott ein arteigenes Gesetz eingeschaffen. Es gewann Gestalt in dem Führer Adolf Hitler und in dem von ihm geformten nationalsozialistischen Staat.“ Die „Bekennende Kirche“ wurde in der Frontstellung zu den „Deutschen Christen“ das Sammelbecken der oppositionellen evangelischen Gläubigen. Die zweite Dahlemer Bekenntnissynode hatte schon im Oktober 1934 ein „kirchliches Notrecht“ gegen den totalen Staat postuliert. Die Kluft innerhalb der evangelischen Kirche wurde immer unüberbrückbarer. Die Errichtung eines Reichsministeriums für kirchliche Angelegenheiten unter Hanns Kerrl im Juli 1935 dämpfte den Kirchenkampf keineswegs. Er erreichte 1937 seinen Höhepunkt mit Verhaftungen von rund 800 Pastoren der Bekennenden Kirche.
Auf evangelischer Seite richteten sich einzelne Kanzelverkündigungen 1935 gegen die „rassisch-völkische Weltanschauung“. In einer Denkschrift des „radikalen Flügels“ der Bekennenden Kirche an Hitler wurde der staatlich verordnete Antisemitismus verurteilt, ebenso wie die Existenz der Konzentrationslager, die Willkür der Gestapo und andere Erscheinungen des NS-Staates. Aber die Denkschrift war geheim, und eine öffentliche Kanzelabkündigung ermahnte die Gläubigen zum Gehorsam gegenüber der weltlichen Obrigkeit. Weder gegen die Entrechtung der deutschen Juden durch die Nürnberger Gesetze im September 1935 noch gegen den Novemberpogrom 1938 haben die Kirchen als öffentliche Institutionen geschlossen und nachdrücklich protestiert.

Offener Widerstand aus christlicher Gesinnung wurde nur von einzelnen Personen, Pfarrern und engagierten Laien geleistet, die sich zu Wort meldeten, um Unrecht beim Namen zu nennen, wie der katholische Priester Max Josef Metzger, der mehrfach verhaftet und im April 1944 hingerichtet wurde, oder der evangelische Pastor Julius von Jan, der die Novemberpogrome 1938 öffentlich verurteilte, der Berliner katholische Domprobst Bernhard Lichtenberg oder der Protestant Heinrich Grüber, die sich offen für Juden einsetzten und dafür verfolgt wurden. Sie bildeten jedoch eine Minderheit und die Konsequenzen, die sie mit ihrem Protest bewusst auf sich nahmen, hatten sie allein zu tragen. Sie kamen ins Gefängnis, wurde in Konzentrationslager verschleppt oder ermordet.

Material zum ‚Tag der Befreiung‘ 2016: Jetzt im Alternativen Zentrum in deiner Nähe!

+ Material zum Tag der Befreiung erhältlich +++ Sticker, Hefte, Flyer und Soli-Sampler aufgelegt +++ Abholung im AJZ deiner Nähe! ++

Von Marko Neumann

Um es euch und uns einfacher zu machen, haben wir Materialpakete an Alternativen Jugendzentren und politische Jugendgruppen in M-V geschickt. Auf Nachfrage haben wir Sticker und Postkarten auch einige AJZ’s außerhalb M-V’s geschickt. Damit ihr wisst, wo ihr euch die Sachen abholen könnt, hier eine Übersicht. Ist euer AJZ nicht dabei? Schreibt uns eine Mail und wir holen das nach. ;-)


Bild: Das aktuelle Material zum Tag der Befreiung 2016.

… innerhalb M-V’s:
Internationales Kultur- und Wohnprojekt e.V. Greifswald
Komplex Schwerin
LJS Rostock
Projektwerkstatt Buntes Q Schwerin
Tacheles UER e.V. Ueckermünde
Tikozigalpa Wismar

… außerhalb M-V’s:
AJZ Chemnitz
AJZ FLA FLA Herford
Alternatives Zentrum Mülheim
Infoladen Korn Hannover
Jugendinitiative Wermelskirchen
Jugendzentrum HORTE Strausberg
Jugendzentrum in Selbstverwaltung ‚Altes Badhaus‘ Bingen
Jugendzentrum in Selbstverwaltung Friedrich Dürr Mannheim
Linkes Zentrum Hinterhof Düsseldorf
Selbstverwaltetes Aktions- und Kommunikationszentrum Oldenburg
Treibhaus e.V. Döbeln




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