Erinnerungen an den Tag der Befreiung 1945 – Werner Knapp: „Hurra, wir leben noch!“

Werner Knapp ist Jahrgang 1921 und schrieb seine Erinnerungen an den 8. Mai 1945 auf. Der Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in der mittlerweile vergriffenen Broschüre „Bob du musst rennen, der Krieg ist vorbei“.

Den 8. Mai 1945 erlebte ich als Angehöriger eines tschechoslowakischen Panzerregiments bei der zur Festung erklärten Stadt Dünkirchen. Tausende Wehrmachtsangehörige der 226. Granatwerferdivision, SS-Einheiten und Soldaten anderer Waffengattungen hatten sich dorthin geflüchtet. Noch wenige Tage vor Kriegsende war es ein letztes Mal zu heftigen Gefechten gekommen. Obwohl nach den Siegen der Roten Armee bei Stalingrad, Kursk und ihres siegreichen Vormarsches sowie des von den Alliierten eingenommenen Paris und weiteren Vorrückens an der 2. Front, die Niederlage des faschistischen Deutschlands besiegelt war, versuchten die Eingeschlossenen noch am 10. April 1945, unterstützt von schwerem Artilleriebeschuss und Flammenwerfern, von uns eingenommene Objekte zurückzuerobern. Sechs Tage dauerten die für beide Seiten verlustreichen Kämpfe, als sich die Angreifer auf ihre Ausgangspositionen zurückziehen mussten. Die Nachricht über die bedingungslose Kapitulation des faschistischen Deutschlands löste dann bei uns allen unbeschreiblichen Jubel aus, der sich mit der Begeisterung der örtlichen Bevölkerung (Bourbourg) verband. Neben der Genugtuung über den Sieg des antifaschistisch-demokratischen Anliegens der Völker war es die Freude darüber, diesen Krieg trotz vieler schlechter Erlebnisse überlebt zu haben.
In die Tschechoslowakei zurückgekehrt, stellte ein Erlass der Regierung allen Kriegsteilnehmern frei, sich demobilisieren zu lassen. Viele, mit denen man durch die Kriegstage eng verbunden war, verließen die Einheit und drängten nach den Jahren der Trennung zurück zu ihren Familien. Für lange Abschiedszeremonien gönnte man sich nur wenig Zeit. Auch in der Tschechoslowakei überschlugen sich die Ereignisse. Mein Ausscheiden aus der Armee war vor allem von den Erwartungen an eine ungewisse Zukunft in Deutschland bestimmt. Ohne falsche Illusionen kehrte ich nach Erledigung aller Formalitäten der Demobilisierung im Dezember 1945 in die damalige sowjetische Besatzungszone zurück, um mich, wie andere auch, in den Aufbau eines neuen antifaschistisch-demokratischen Deutschlands einzureihen. Meine Erinnerungen an den 8. Mai 1945 bleiben eng verknüpft mit den vorangegangenen Jahren der Emigration und des Krieges.


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