Archiv der Kategorie '20 Jahre Pogrome in Rostock Lichtenhagen'

Rostock: Gewaltätiger AfD-Aufmarsch mit starker NPD-Beteiligung vergangenen Sonnabend

++ AfD-Aufmarsch vergangenen Sonnabend in Rostock mit starker NPD-Beteiligung +++ 700 Rassist*innen vor Ort +++ deutliche Kritik an Medien und Polizei +

Von Franziska Wilke, Janin Krude und Marko Neumann

Vergangenen Sonnabend marschierten rund 700 Alltagsrassist*innen, Nazis und Rechtspopulist*innen durch das Vorbahnhofsviertel in Rostock. An verschiedenen Stellen versuchten Teilnehmer*innen des AfD-Aufmarsches Gegendemonstrant*innen und Geflüchtete anzugreifen. Die Polizei konnte oder wollte der braunen Gewalt nur mit Mühe Einhalt gebieten.

Zunächst wollte die AfD quer durch die Rostocker Innenstadt marschieren, auf Grund angekündigter Proteste verlegte die rechtspopulistische Partei ihren Aufmarsch jedoch in die direkte Umgebung des Hauptbahnhofes und verkürzte ihre Marschroute auf wenige hundert Meter vom Hauptbahnhof zum Goetheplatz und wieder zurück. Neben AfD-Mitgliedern und Sympathisant*innen marschierten eine ganze Reihe organisierter Nazis in dem Aufzug mit. Nicht nur aus Rostock, sondern aus dem ganzen Bundesland kamen Nazi-Kader und -Sympathisant*innen angereist.

Rostock hetzt nicht – Rostock hilft!
Noch bevor die AfD sich am Bahnhof mit ihren Gesinnungsgenoss*innen traf, veranstalteten das Bündnis Rostock nazifrei! und der Initiative Rostock hilft eine Gegenkundgebung auf dem Neuen Markt. Auf der Kundgebung am Neuen Markt gab es Redebeiträge vom Theaterintendanten Sewan Latchinian, Wolfgang Richter und einer Gruppe syrischer Geflüchteter, die derzeit in einer Notunterkunft in Waldeck untergebracht sind. Wolfgang Richter erinnerte in seinem Redebeitrag an das rassistische Pogrom in Rostock-Lichtenhagen im Jahr 1992. Er betonte, dass es nicht ausreiche, den Brandstiftern entgegen zu treten. Man müsse auch jenen, die die Brandreden halten, ins Wort fallen. Schließlich wurde Spontandemonstration vom Neuen Markt in Richtung Hauptbahnhof angemeldet, der viele hundert Menschen folgten.


Bild: Wolfgang Richter während seines Redebeitrages.


Bild: Am Rande des Neuen Marktes provozierte die AfD mit einem Transpi. Doch auch hier galt: rechte Hetze bleibt nicht unwidersprochen – die Ver.di Jugend stellte sich demonstrativ neben die AfD. Später kam auch DIE PARTEI dazu.

Rechte Angriffe während und nach Aufmarsch
Von dem AfD-Aufzug gingen wiederholt Angriffe aus. Flaschen und Böller wurden geworfen und mehrfach versuchten Teilnehmer*innen aus dem Aufmarsch auszubrechen. Sie konnten nur mit Mühe von der Polizei gestoppt werden. „Diese Aggressivität und die Beteiligung aktiver Neonazis zeigen deutlich, welche Kreise die „AfD“ aktuell anspricht. Wir fordern alle zivilgesellschaftlichen Kräfte dazu auf, die Gefahren, die von solchen Aufmärschen ausgehen, ernst zu nehmen und sie auch künftig nicht unwidersprochen zuzulassen“, so Wanitschke abschließend. Auch verschiedene Landespolitiker*innen äußerten sich zu dem Aufmarsch der AfD in Rostock. So erklärte unter anderem Linksfraktionschef Helmut Holter „Die AfD ist klar rechtsextremistisch geworden, sie nutzt den Zustrom von Flüchtlingen, um ihre ausländerfeindlichen und deutschnationalen Parolen in die Öffentlichkeit zu bringen.“
Nach Angaben von Helfer*innen der Initiative Rostock hilft hatte die Polizei den gestrigen Einsatz am Bahnhof nicht unter Kontrolle. Die Helfer*innen wurden des Bahnhofs verwiesen, um AfD-Demonstrant*innen den Weg zu ebnen. Ein Angriff seitens Abreisender AfD-Demo-Teilnehmer*innen auf die Unterstützer*innen wurde von der Polizei nicht verhindert. Die Polizei war zum selben Zeitpunkt mit einem unverhältnismäßigen und gewaltvollen Einsatz gegen einige Punks zu Gange „Was ich heute am Bahnhof erlebt habe, wird mich noch lange beschäftigen“, so eine Helferin aus dem Welcome-Team. Die Polizei hatte die ehrenamtlichen Helfer*innen des Bahnhofs verwiesen, weil sie ihre Sicherheit nicht mehr gewährleisten konnten. Zuvor griffen die Beamt*innen nicht ein, während Nazis die Helfer*innen bepöbelten, beleidigten und körperlich bedrohten.


Bild: Plakat während der Spontandemo zum Hauptbahnhof.

Was bleibt von diesem Tag?
Die wieder stärker werdende Mobilisierung zu rassistischen Aufmärschen, wie den am vergangenen Sonnabend zeigen, dass menschenverachtende Einstellungen nach wie vor weit verbreitet sind in der Bevölkerung. Wenn auch eine „Volksfront von Rechts“ – zumindest offiziell abgestritten wird, klingen die Distanzierungsversuche der AfD gegenüber mit marschierenden NPD-Kadern, wie David Petereit, bestenfalls halbherzig. Ein Aufmarsch der NPD-Tarnorganisation MVGIDA mit knapp 550 Teilnehmer*innen in Parchim diesen Montag hat einmal mehr gezeigt, dass Massenaufmärsche wie der in Rostock keine Einzelfälle sind.
Politik und Gesellschaft müssen entschlossen rassistischer Hetze entgegentreten. Hass auf Geflüchtete und vermeintlich „andersartige“ Menschen, wie religiöse und sexuelle Minderheiten dürfen nicht als „Sorgen“ oder „Ängste“ verharmlost werden. Das teilweise skandalöse Verhalten der eingesetzten Polizeieinheiten stärkt Rassist*innen in ihrem Agieren und kriminalisiert Proteste gegen braunblaue Aufzüge, wie den vergangenen Sonnabend. Solange lokale Medien, wie OZ, NNN und co, die tatsächliche Zahl der angereisten Rassist*innen verdoppeln und verdreifachen und sie damit – gewollt oder ungewollt – unterstützen, ist ein rückläufiger Zuspruch kaum zu erwarten. Auch parteipolitische Online Portale wie die SPD-Seite Endstation Rechts sind von dieser Kritik nicht ausgenommen.

Rostock: Film- und Diskussionsabend „Lichtenhagen 92“ am 04.03.15

Aktuell zieht der Kinofilm „Wir sind jung. Wir sind stark.“ Millionen Menschen die Kinos. Abseits vom künstlerischen Spielfilm sollen im Rahmen des Themenabends die Ereignisse im August 1992 in Lichtenhagen beleuchten und die Hintergründe der Pogrome erforschen. Dazu wird die Dokumentation „The truth lies in Rostock“ gezeigt. Anschließend gibt es die Möglichkeit über die damaligen Ereignisse und nicht zuletzt über die aktuelle Flüchtlingsdebatte diskutieren.


Bild: „Grenzenlose Solidarität“ – über 6.000 Menschen nahmen 20 Jahre nach den Pogromen an einer Demonstration in Rostock in Erinnerung an die rassistischen Pogrome in Lichtenhagen teil.

Zwischen dem 22. Und dem 26. August attackierte ein deutscher Mob ein mehrheitlich von Vietnamesen bewohntes Haus in Rostock-Lichtenhagen. Dieses tagelange Pogrom wurde von einer applaudierenden Menge begleitet, die sich in einer volksfestähnlichen Stimmung befand. Dies waren die heftigsten rassistischen Ausschreitungen in der deutschen Nachkriegsgeschichte und zugleich ein Ausdruck der Stimmung in Deutschland nach der Wiedervereinigung.

Die Videodokumentation entstand 1993 unter maßgeblicher Beteiligung von Menschen, die sich zum Zeitpunkt der Geschehnisse im attackierten Wohnheim befanden. Deshalb zeichnet sich die Produktion nicht nur durch einen authentischen Charakter aus, sondern versteht sich auch Jahre danach als schonungslose Kritik an einer Grundstimmung in der bundesrepublikanischen Gesellschaft, die Pogrome gegen Migranten oder einfach nur „anders aussehende“ überhaupt erst möglich macht.

Eine Montage von Videomaterial, gedreht aus den angegriffenen Häusern heraus, Interviews mit Anti-Faschist*innen, den vietnamesischen Vertragsarbeiter*innen, der Polizei, mit Bürokraten, Neonazis und Anwohnern. Eine Dokumentation über das heimliche Einverständnis der Politik und über die verbreitete Angst.

Die Veranstaltung findet am Mittwoch, den 4. März in der Geschäftsstelle der LINKEN. Rostock (Kröpeliner Straße 24, Eingang Ecke Rungestraße) um 18 Uhr 30 statt. Störer*innen werden von der Veranstaltung ausgeschlossen, ggf. wird Gebrauch vom Hausrecht gemacht. Eine Veranstaltung der linksjugend [’solid] Rostock.

Rostock: Film „Wir sind jung. Wir sind stark.“ ab 22.01.15 im LiWu Metropol zu sehen

Rostock-Lichtenhagen 1992. In der verödeten Wohnsiedlung hängen die Jugendlichen herum und wissen nichts mit sich anzufangen. Tagsüber gelangweilt, harren sie der Nächte, um gegen Polizei und Ausländer zu randalieren. Auch Stefan (Jonas Nay), der Sohn eines Lokalpolitikers (Devid Striesow), streift mit seiner Clique ziellos durch die Gegend. Es brodelt, aber immer nur bis kurz vor dem Siedepunkt. Ohne Job und eine Aufgabe finden die Freunde immer nur sich selbst als Ziel kleinerer und großer Grausamkeiten. Liebe ist austauschbar, Freundschaft und Loyalität sind nur Beiwerk einer aufgesetzten Ideologie. Auch Lien (Trang Le Hong) lebt mit ihrem Bruder und ihrer Schwägerin in der Siedlung, im sogenannten Sonnenblumenhaus, das von Vietnamesen bewohnt wird. Sie glaubt in Deutschland eine Heimat gefunden zu haben und will auch nach der Wende bleiben. Ihr Bruder dagegen plant die Rückkehr, weil er vor dem Hintergrund der wachsenden Anfeindungen um die Zukunft seiner Familie fürchtet.

„Wir sind jung. Wir sind stark. erzählt die Geschichte eines Tages, dem 24. August 1992, aus dem Blickwinkel unterschiedlicher Menschen. Sie alle eint die Sehnsucht nach einer Heimat, Liebe und Anerkennung. Doch am Ende dieses Tages werden einige von ihnen um ihr Leben fürchten, während andere Molotow-Cocktails werfen und Interviews geben. Der Film zeigt, wie eine Gesellschaft vor den Augen der Weltpresse, in einer der schlimmsten Ausschreitungen der Nachkriegsgeschichte, moralisch gegen die Wand fährt.

Der Film ist ab Donnerstag, den 22. Januar, im Lichtspieltheater Wundervoll Metropol zu sehen. Zum Kinoprogramm geht’s hier hier lang.

Rostock: Vortrag & Fotoausstellung zu Pogromen 1991 in Hoyerswerda am 21.11.14 im Café Median

Vor wenigen Wochen wurde in Hoyerswerda ein offizielles Denkmal in Erinnerung an den Herbst 1991 eröffnet. Vor 23 Jahren attackierte ein Mob von Neonazis und vermeintlich ganz normalen Bürger_innen über mehrere Tage die in Hoyerswerda lebenden Asylsuchenden und DDR-Vertragsarbeiter_innen aus Mosambik und Vietnam. Die Initiative “Pogrom 91″ hat sich seit mehreren Jahren für ein Denkmal eingesetzt — kritisiert jedoch die Gestaltung des nun errichteten Mahnmals. In ihrem Vortrag erläutert die Gruppe den Wandel des Umgangs mit dem rassistischen Pogrom in Hoyerswerda und stellt Möglichkeiten und Grenzen linker Erinnerungspolitik zur Diskussion.

Begleitet von zahlreichen Videoaufnahmen und Interviews von Zeitzeugen wird außerdem beschrieben, was sich 1991 in Hoyerswerda konkret ereignet hat und welche Auswirkungen das rassistische Pogrom in der Stadt und bundesweit hatte.

Außerdem wird eine Fotoausstellung eröffnet. Gezeigt werden die Ergebnisse der diesjährigen Gedenkaktion an den Herbst 1991. “Pogrom 91″ hatte verschiedene Gruppen in ganz Deutschland aufgerufen, Erinnerungsplakate zu verkleben. Ausgestellt werden nun Fotos der Plakate sowie Bilder von Graffiti in Gedenken an das Ereignis.

Die Veranstaltung findet am 21.11.2014 ab 19 Uhr im Café Median statt. Die Ausstellung kann auch am Samstag ausnahmsweise schon ab 16 Uhr besichtigt werden.

Presseschau zur AntiRa-Demo „Refugees welcome“ vergangenes Wochenende in Rostock

Rund 1.500 Menschen demonstrierten vergangenen Sonnabend gegen die rassistischen Zustände in der Bundesrepublik. Das mediale Echo war enorm und ist wohl nur der Demo „Grenzenlose Solidarität“ vergangenes Jahr anlässlich des 20. Jahrestages der Pogrome in Rostock-Lichtenhagen zu vergleichen.


Bild: Demozug am 19. Oktober durch Rostock. (Mit freundlicher Genehmigung von Renè Strammber)

Hier findet ihr eine Übersicht über Bericht und Beiträge zur Demo.

NDR: Rostocker gehen für Flüchtlinge auf die Straße

Tagesschau: Demonstration für mehr Solidarität mit Flüchtlingen

Nordkurier: Tausende zeigen Solidarität für Flüchtlinge

NNN: Aufbegehren gegen rassistische Hetze

rostock-heute.de: Refugees Welcome – Demo für Solidarität mit Flüchtlingen

Indymedia: Bis zu 1.500 bei Antira-Demo in Rostock

KomFort: Antira-Demo und kein Ende

Junge Welt: Mit den Geflüchteten auf der Straße

Rostock: Podiumsdiskussion „Lichtenhagen kommt (nie) wieder!?“ am 26. August im Café Median

Am 26.08.2013 findet im Café Median um 19 Uhr 30 eine Podiumsdiskussion zum bisherige Gedenken an das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen und die derzeitige Verantwortung statt.

Tagelang wütete im August 1992 ein gewalttätiger Mob und Neonazis unter dem Beifall Tausender BürgerInnen vor der Zentralen Aufnahmestelle für Flüchtlinge (ZAST) und einem Wohnheim ehemaliger vietnamesischer VertragsarbeiterInnen und steckte die Häuser schließlich in Brand, in denen sich noch etwa Hundert Menschen aufhielten. Die Polizei und die politisch Verantwortlichen der Kommune, des Landes sowie des Bundes zeigten sich unwillig und unfähig, den tobenden rassistischen Mob aufzuhalten und die Betroffenen zu schützen. Stattdessen verständigten sich CDU/CSU, FDP und SPD noch während des Pogroms über die de facto Abschaffung des Grundrechts auf Asyl.


Bild: „Grenzenlose Solidarität“ – über 6.000 Menschen nahmen 20 Jahre nach den Pogromen an einer Demonstration in Erinnerung an die rassistischen Übergriffe teil.

Bis heute ist die öffentliche Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit dem Pogrom in Rostock, MV aber auch auf Bundesebene marginal und oftmals von linken Zusammenhängen organisiert. Ein festes mahnendes Gedenken in Rostock sucht man immer noch vergebens. Während dessen findet erneut ein gesellschaftlicher Rechtsruck statt: BürgerInnen und Nazis hetzen wieder überall in Deutschland gegen Flüchtlinge, unterstützt durch Medien und eine passive Politik, Flüchtlingslager werden angegriffen. Dabei wird oft mit Sprüchen wie „Lichtenhagen kommt wieder“ oder „Rostock ist überall“ gedroht, so geschehen in Güstrow, Wolgast oder Waßmannsdorf (BB).

Die Podiumsdiskussion blickt zurück auf die Gedenkveranstaltungen zum 20. Jahrestag des Pogroms und darauf, was sich seither in Rostock getan hat. Wie kann ein Gedenken zwischen Stümpfen und abseits der „großen Jahrestage“ aussehen? Welche Rolle muss und kann dabei die linke Szene spielen? Welche Lehren müssen gerade angesichts der derzeitig zunehmenden rassistischen Hetze gegen Flüchtlinge aus Rostock-Lichtenhagen für eine linke Intervention gezogen werden?

Die Podiumsgäste sind: Markus Tervooren (Geschäftsführer VVN-BdA e.V.; Mitorganisator der Gedenkdemo zum 20. Jahrestag des Pogroms), Dirk Stegemann (Aktivist aus Berlin; Unterstützter des Refugee-Protest), Jonas Dogesch (Migrantenrat Rostock), Uljana Petrovic (Antirassistische Initiative Rostock)

Güstrow: „Lichtenhagen kommt wieder“? – Rechte Schmiererein aufgetaucht

In der Nacht zum 20. April wurde in Güstrow an die Hauswand des Bürgermeisters der Schriftzug „Lichtenhagen kommt wieder“ gesprüht. Zusätzlich tauchten in den vergangenen Tagen verstärkt Naziaufkleber in der Stadt auf. Dass das Graffiti ausgerechnet in der Nacht zu Adolf Hitlers Geburtstag gesprüht wurde, macht die Aktion besonders bedenklich.


Bild: Rechte Schmiererei „Liechten – Lichtenhagen kommt wieder“ (eingebunden über araf.blogsport.de)

Nazis machen seit Monaten Stimmung gegen ein neues Flüchtlingsheim, dass in der Stadt entstehen soll. Nach den ursprünglichen Plänen sollten die ersten Flüchtlinge bereits diesen Monat in ein ehemaliges Gebäude der Deutschen Bahn einziehen. Mittlerweile liegen die Unterkunftspläne auf Eis. Bislang ist noch kein Flüchtling in Güstrow angekommen.

Vermeintlich „normale Bürger“, sammelten unter anderem Unterschriften gegen die Flüchtlinge und lieferten der NPD damit eine regelrechte Einladung für ihren Aufmarsch am 23. März in der Stadt. Zuletzt versuchten Nazis mit einem offenen Brief weiter gegen Flüchtlinge zu hetzen und gaben sich wiederum als „einfache Bürger“ aus.

Die Antirassistische und Antifaschistische Kampagne Güstrow kommentierte die neuerliche Hetze gegen Flüchtlinge in Bezug auf das Graffiti sehr treffend: „Damit erreicht die Debatte um das Flüchtlingsheim ihren neuen Tiefpunkt.“.

Rostock: Veranstaltung „Nach der Eiche – Zur Diskussion des Gedenkens an Rostock­-Lichtenhagen: Die Natur der Nation“ am 30.04.2012

Im letzten Sommer rief die Pflanzung einer Eiche zum Gedenken an die Ereignisse von Rostock-Lichtenhagen heftige Kritik hervor. Letztendlich wurde der Baum von Unbekannten nach wenigen Tagen gefällt und bis heute kein Ersatz gepflanzt. Stattdessen diskutieren Lokalpolitik und Zivilgesellschaft über angemessene Formen der Erinnerung.

Doch warum hat sich an der Symbolik ‚deutscher Eichen‘ eine Kontroverse entzündet? Eine Veranstaltung des Instituts für Politik- und Verwaltungswissenschaften der Universität Rostock will dieser Frage in einer Veranstaltung mit Johannes Zechner unter dem Titel ‚Die Natur der Nation. Von deutschen Eichen, heiligen Hainen und ewigen Wäldern 1800-1945′ nachgehen. Der Historiker forscht an der Freien Universität Berlin über den Wald in der Ideengeschichte des deutschen Nationalismus. Dessen vorgebliche Prinzipien von Unveränderlichkeit, Unterordnung und Ungleichheit fungierten seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts als Gegenbild zur Gesellschaftsordnung der Französischen Revolution von 1789 mit ihren Werten von Freiheit und Gleichheit. Intellektuelle und Ideologen erklärten den ‚deutschen Wald‘ zur prototypischen Nationalnatur, womit gleichermaßen der Aufstieg der ‚deutschen Eiche‘ und des ‚heiligen Haines‘ zum Symbol eigener Geschichte und Kultur begann.

Der Vortrag geht anhand zahlreicher Quellenbelege zwischen Romantik und Nationalsozialismus der Frage nach, wie Poeten, Philologen, Publizisten und Propagandisten nationale Identität in einer vorgestellten Waldnatur begründen wollten.

Von deutschen Eichen, heiligen Hainen und ewigen Wäldern
Vortrag von Johannes Zechner (Freie Universität Berlin)
30. April 2013 // Universität Rostock
17.15 Uhr // Ulmenstraße 69 // Raum 018

Die Veranstaltung des Instituts für Politik- und
Verwaltungswissenschaften der Universität Rostock und von context.
Bausteine für historische und politische Bildung e.V. kann mit
Unterstützung des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des AStA der
Universität Rostock stattfinden.

Güstrow: „Refugees welcome?“ – Ein Reisebericht durch die Stadt

Güstrow gehört mit seinen 30.000 Einwohner_Innen alles andere als zu den Metropolen Mecklenburg-Vorpommerns, dennoch rückte die Stadt in den vergangenen Tagen in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Am 23. März will die neofaschistische NPD hier gegen ein neues Flüchtlingsheim „demonstrieren“. Einmal mehr werden katastrophenähnliche Zustände heraufbeschworen, sollten die Flüchtlinge am Rande der Stadt wirklich einquartiert werden. Von sogenannten „Asylmissbrauch“ und einer „Ausländerflut“ ist nicht selten die Rede. Diese und andere Vokabeln erinnern nicht zuletzt an die Hetzkampagne der CDU von vor 20 Jahren, die letztlich zu einer Pogromwelle in der ganzen Bundesrepublik führte, die auch in MV wütete.


Bild: Gebäude des neuen Flüchtlingsheims in Güstrow-Dettmannsdorf. (Foto eingebunden von parallaxe.blogsport.eu)

Während das Bündnis „Rassisten stoppen!“ zu Gegenaktivitäten aufruft haben sich andere Aktivist_Innen in Güstrow einmal umgesehen. Einen Reisebericht der etwas anderen Art, den wir euch nur empfehlen können. findet ihr auf dem Parallaxe Blog.

Greifswald: Veranstaltung „Das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen – Kontext, Dimensionen und Folgen der rassistischen Gewalt“

August 1992: Drei Tage und Nächte attackieren Neonazis im Schulterschluss mit sympathisierenden Bürgerinnen und Bürgern das Flüchtlingheim im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen mit Steinen, Flaschen und Brandsätzen. Nachdem die Polizei vor dem rassistischen Mob kapituliert und sich zurückzieht, steht das so genannte Sonnenblumenhaus in Flammen. Die über hundert darin eingeschlossenen Menschen können sich auf das Dach retten und entgehen nur knapp dem Flammentod.


Bild: Auf den ersten Blick ehr unscheinbar – das Sonnenblumenhaus.

Die kollektive Gewalt von Rostock-Lichtenhagen war kein Einzelfall, sondern markiert den Höhepunkt einer Pogrom- und Gewaltwelle, die im Herbst 1991 in Hoyerswerda ihren Anfang nahm und sich in allen Teilen des wiedervereinigten Deutschland zu einem rechten Flächenbrand ausweitete. Der Vortrag stellt das Rostocker Pogrom in den politisch-historischen Kontext zwischen aufgeheizter Asyldebatte und rassistischen Übergriffen zu Beginn der 1990er Jahre, setzt sich kritisch mit den Folgen und der Aufarbeitung der Ereignisse auseinander und fragt nach der Bedeutung des Geschehenen für die Gegenwart.

Vortrag und Diskussion mit Roman Guski, M.A., Politikwissenschaftler und Mitautor einer Studie des Instituts für Politik- und Verwaltungswissenschaften der Universität Rostock (2012) zur rassistischen Gewalt von Rostock-Lichtenhagen. Zuletzt ist von ihm erschienen: „Das Wort Pogrom kannte ich nur aus Geschichtsbüchern“ – Nachwendepogrome im vereinten Deutschland, in: Zeitgeschichte regional. Mitteilungen aus Mecklenburg-Vorpommern, 16. Jg., 2012, H. 2, S. 26-35.

Wo? IKUWO (Internationales Kultur- und Wohnprojekt), Goethestraße 1, 17489 Greifswald
Wann? Donnerstag, der 24.01.2013 ab 20 Uhr

Rostock: Gedenkplakette in Erinnerung an Lichtenhagen-Pogrom vor 20 Jahren erneuert

In der Nacht zum 5. Dezember ist die Replik einer Gedenkplakette, die auf die Erinnerung an die ausländerfeindlichen Pogrome vor 20 Jahren im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen vor dem Sonnenblumenhaus hinweist, von Neonazis demontiert und gestohlen worden. Diese war erst im August an das Rostocker Rathaus angebracht worden, nachdem das Original 1993 durch die Rostocker Behörden bei dem Versuch der Montage beschlagnahmt wurde.


Bild: Die Tafel wird erneuert …

Etwa 30 Menschen beteiligten sich an der Kundgebung, in deren Rahmen die Plakette nun erneuert wurde. Darunter waren Mitglieder der Rostocker Bürgerschaft, sowie mehrere Landtagsabgeordnete und Vertreter_Innen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes- Bund der Antifaschist_Innen (VVN-BdA), die die Erneuerung der Tafel initiiert hatte und anderer Initiativen.

In zwei kurzen Redebeiträgen wurde auf die Notwendigkeit hingewiesen, auch weiter gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit vorzugehen. Eine Vertreterin der Kampagne „Stop it! – Alle Lager schließen!“ prangerte unter anderem die Massenabschiebungen von Roma und Sinti an, wie sie seit einigen Wochen auch in Mecklenburg-Vorpommern vollzogen werden.

Schließlich wurde die Tafel erneut an das Rathaus montiert. „Wir wollen es nicht zur Tradition machen, alle paar Wochen hier eine Tafel anzubringen.“ sagte ein Vertreter der VVN-BdA schließlich noch. Ob es zur Tradition wird, kann nur die Zukunft zeigen.

Rostock: Gedenkplakette an Sonnenhaus Pogrom wird erneuert

Vergangene Woche stahlen Neofaschist_Innen die Gedenkplakette am Rostocker Rathaus, die an die Pogrome im Stadtteil Lichtenhagen von vor 20 Jahren erinnert. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist_Innen (VVN-BdA), die schon im Rahmen des Gedenkens an die Rostocker Pogrome im August diesen Jahres die Anbringung der Tafel, deren ursprüngliches Original 1993 von Beate Klarsfeld und ihren Mitstreiter_Innen, von der Stadt nicht zugelassen wurde, lädt nun zur Erneuerung der Plakette ein.

Am 17. Dezember wird im Rahmen einer Kundgebung die Plakette durch die VVN-BdA erneuert. Mit vor Ort sein wird Dr. Axel Holz, Vorsitzender der VVN-BdA Mecklenburg-Vorpommern und Mitglied der Kampagnengruppe „NPD-Verbot jetzt!“ der VVN-BdA. Beginn ist 11Uhr vormittags am Rathaus.


Bild: Die Tafel am Rostocker Rathaus vor dem Diebstahl.

Für immer Rostock? – Lichtenhagen-Gedenkplakette von Nazis gestohlen

Nur drei Monate nach der Anbringung-Gedenktafel in Rostock entwendet – Neonazis schänden Gedenken an die Opfer des Pogroms von 1992 – Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten kündigt neue Tafel an

In der Nacht zum 5. Dezember 2012 entwendeten Neonazis am Rathaus von Rostock die Gedenktafel an das Pogrom in Rostock-Lichtenhagen. Die Täter ließen eine Tafel mit der Aufschrift „Für immer Deutschland“ zurück. Das „s“ in Deutschland war in Runenschrift geschrieben worden.


Bild: Die Tafel am Rostocker Rathaus. Sie hielt nur wenige Monate.

Schon am 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, waren elf Stolpersteine in Greifswald von Neonazis gestohlen worden. Am 16. November wurden Neonazischmierereien in Rostock-Lichtenhagen entdeckt, neben mehreren Hakenkreuzen auch das Wort Hass. Der Buchstabe „s“ wurde auch hier als Sigrune ausgeführt.

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Antifaschistinnen erklärt dazu:

Einen Tag vor der Beratung der Innenminister der Länder über das Verbot der neonazistischen NPD schritt das Klientel der Neonazi-Partei zur Tat. Die Hansestadt Rostock steht jetzt, 20 Jahre nach dem Pogrom, wiederum ohne Gedenkzeichen an die Ereignisse vom August 1992 da.

Die ursprüngliche Tafel, die am 19. Oktober 1992 von Beate Klarsfeld und die Organisation “Les Fils et Filles des Déportés Juifs de France” (Söhne und Töchter der deportierten Juden aus Frankreich) am Rathaus angebracht hatte, war damals sofort von der Stadt Rostock und der Polizei entfernt worden. Heute ist die Original-Tafel in der Stadtverwaltung Rostock nicht mehr auffindbar.

Eine Replik der Tafel konnte durch die VVN-BdA im August 2012 nur unter starkem öffentlichem Druck angebracht werden. Auch danach blieb die Gedenktafel in der Rostocker Bürgerschaft stark umstritten.

Die VVN-BdA erklärt weiter: 20 Jahre öffentliches Schweigen sind genug. Es ist nun an der Stadt Rostock endlich eine breite Diskussion um das Gedenken an das Pogrom von 1992 zu führen und sehr bald einen Erinnerungs-und Gedenkort einzurichten. Dabei sollten auch Beate Klarsfeld und die Organisation “Les Fils et Filles des Déportés Juifs de France”, Vertreterinnen der Sinti und Roma und der vietnamesischen Community in Deutschland einbezogen werden.

Es waren Juden aus Frankreich, die als erste an das Pogrom erinnerten. Es waren Arbeitsmigranntinnen und Flüchtlinge, die in Rostock von Neonazis und Rostocker_innen angegriffen und vertrieben wurden. Es liegt an den Rostockern, ob sie sich den rassistischen Zuständen stellen wollen – oder eben nicht.

Die VVN-BdA wird noch vor Weihnachten eine neue Gedenktafel am Rathaus anbringen. Sollte sich bis dahin das in der Stadtverwaltung „verlorene“ Original anfinden, würden wir uns sehr freuen.

Demmin: Solidarität mit Menschen ohne Hüsung*

Am vergangenen Sonnabend hatte das Aktionsbündnis 8. Mai Demmin zu einer Veranstaltung in den „Blumenladen“ des Demminer Hanse-Viertels eingeladen. Thema war die Situation von Flüchtlingen in Mecklenburg-Vorpommern. Gezeigt werden sollte der Film „Die Wahrheit lügt in Rostock“, der die Ereignisse des Pogroms von 1992 in dieser Stadt zeigt.


Bild: Kundgebung während der antirassistischen Demonstration 20 Jahre nach dem Pogrom in Rotock Lichtenhagen. Im Hintergrund das Sonnenblumenhaus.

Die meisten der 15 Besucher_innen der Veranstaltung kannten den Film, so dass die Zeit genutzt wurde, sich über die Lebensbedingungen der Flüchtlinge zu informieren. Zwei Frauen aus dem Flüchtlingsheim in Jürgenstorf sprachen darüber, was es konkret in der BRD bedeutet, Flüchtling zu sein: Nach oft Monate langer Flucht vor Krieg, Verfolgung, Folter, Hunger gerät man in eine Unterkunft, in der einem Menschen sechs Quadratmeter zustehen, in der Wand an Wand Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprachen, Gebräuche leben. Man teilt sich mit vielen Familien Küche, Bad und Toiletten. Will man die Sprache des Landes lernen, muss man sich den Deutschkurs organisieren und bezahlen. Ohne Deutschkenntnisse ist es kaum möglich, all die Hürden eines Asylverfahrens zu verstehen und Beratung in der fremden Sprache führt – falls es sie gibt – auch oft zu Missverständnissen. Wenn das Heim dazu noch in einem Dorf liegt, sind die Hürden zum Aufnehmen von Kontakten, dem täglich nötigen Einkauf, dem Arztbesuch u.a. sehr hoch. Der Zugang zum öffentlichen Leben ist fast unmöglich. So sind die Menschen auf die Gemeinschaftsunterkunft fixiert, sehen kaum eine Perspektive. Die Folge sind vor allem psychische Krankheiten wie Depressionen, Antriebslosigkeit bis hin zu physischen Krankheiten. Frau Ingrid Laatz, Leiterin des Jugendmigrationsdienstes des CJD Waren verwies auf die zu geringe Koordination aller Behörden des nun grösseren Landkreises, um den Flüchtlingen effektiv zu helfen.

Zu den oben beschriebenen Schwierigkeiten kommen noch die fremdenfeindlichen Haltungen, zum Teil erwachsen aus der Angst, selbst noch weiter ins gesellschaftliche Abseits zu driften und zum anderen aus rassistischer Einstellung allem Fremden gegenüber. Das Aktionsbündnis 8. Mai Demmin hatte sich gegründet, um die verbrecherische Interpretation des zweiten Weltkrieges durch die Neonazis aufzudecken und sich ihren Umzügen entgegen zu stellen. Mit dieser Veranstaltung wollte es einen Beitrag zur Sensibilisierung für die Gefahren, die aus Fremdenfeindlichkeit erwachsen, hinweisen Ebenfalls an diesem 13. Oktober fand in Berlin der Protestmarsch von Flüchtlingen und Unterstützer_innen von Würzburg nach Berlin seinen Abschluss. Mit diesem Marsch protestierten die Menschen für die Abschaffung der rassistischen Gesetze, die Schliessung der Lager und den Stopp der Abschiebungen von Menschen in ihren oft sicheren Tod.

* nach „Kein Hüsung“ von Fritz Reuter

Übernommen mit freundlicher Genehmigung des Bündnisses Demmin nazifrei.

Material zum Start der Veranstaltungsreihe des Aktionsbündnisses „8. Mai Demmin“ ist da!

Im Oktober startet in Demmin eine Veranstaltungsreihe, die bis in den Mai 2013 gehen soll. Am 13.10, wird der Film „The trues lies in Rostock“ gezeigt werden, der sich mit den Pogromen 1992 in Rostock Lichtenhagen am Sonnenblumenhaus befasst. Anschließend gibt es die Möglichkeit zur Diskussion.

Ab morgen gibt´s das Mobi Material für die Veranstaltung. Genaue Infos sowie das Material zum runterladen findet ihr unter demminnazifrei.blogsport.de




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