Archiv der Kategorie '8. Mai 2012 - Nur Verlierer feiern nicht!'

Demmin: Nach langer Pause wieder NPD-Infostand

Nach dem jährlichen Aufmarsch der Nazis am 8. Mai wurde es dieses Jahr wieder sehr ruhig um die Peenestadt Demmin. Doch seit einigen Tagen rührt sich merklich etwas in der Stadt. Erst vor wenigen Tagen hatte das „Aktionsbündnis 8. Mai“ in Demmin eine Veranstaltungsreihe angekündigt, die im Oktober anfangen wird und bis zum Mai 2013 monatlich fortgeführt werden soll.


Bild: „Schere schlägt Papier – 8. Mai: Tag der Befreiung!“ – Auch in Demmin!

Doch auch die Nazis lassen sich wieder blicken. Nach längerer Pause hielt die Fraktion der neofaschistische NPD heute nachmittag einen als Kundgebung angemeldeten Infostand ab. Von 14 bis 17Uhr standen die „Kameraden“ unter einem knallroten Regenschirm und versuchten ihren üblichen geistigen Dünnpfiff in Form von Flugblättern und anderen Materialien an Passant_Innen zu verteilen. Nebenbei spielte mensch von Band etwas rechte Musik. Demmin ist es der vermeintlichen „nationalen Oppositionspartei“ offenbar nicht wert, Reden vor Ort zu halten und so wurden auch diese nur vom Band abgespielt.

Es dauerte auch nicht lange, da bekamen Antifaschist_Innen von dem braunen Treiben Wind und so bildete sich wie so oft eine spontane Gegenkundgebung nur wenige Meter neben den Nazis. Mit Flyern und Transpis konnte den Nazis ein weiteres Mal der Spaß an ihrem eigenem Infostand weitestgehend genommen werden. Unterm Strich foppte der Vorstoß der NPD in Demmin. Antifaschistischer Widerstand und das schlichte Desinteresse an der rechten Propaganda machten ihren Infostand zwecklos.

Demmin: Vor- und Nachbereitung zum achten Mai

Der achte Mai ist gerade vorbei und schon gehen die Vorbereitungen für 2013 los. Bereits jetzt gibt es die ersten Plaungen für eine für eine neue Veranstaltungsreihe in Demmin zum Thema Rechtsradikalismus, Krieg, Gewalt, Rassismus und angrenzende Themen. Vorschläge dazu werden vom Aktionsbündnis 8. Mai gerne entgegengenommen. Schreibt dazu eine Mail an achtermai[ätt]demmin.de.

Achtung!
Alle die während des 8. Mai Begegnungen mit Polizei oder (Neo)faschist_Innen hatten oder anderweitig interessantes zu berichten haben, sollten bald ein Protokoll machen, diese aber nur verschlüsselt oder persönlich dem Bündnis Demmin nazifrei zukommen lassen.

Nachgereicht: 8.Mai, Tag der Befreiung in Demmin 2012

Viel wurde die letzten Tage schon über den sogenannten „Ehrendienst“ der knapp 200 Neofaschist_Innen in Demmin geschrieben. Doch viele Menschen sind ehr visuell veranlagt und deshalb könnt ihr euch jetzt auch einige Fotos des „nationalen Spektakel“ vom 8. Mai anschauen. Klickt einfach hier. Viele Spaß. ;-)

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Auf Indymedia findet ihr einen weiteren Bericht über den achten Mai in Demmin.

„Landwirte im Widerstand 1933-1945″ im Schweriner Schloss zu sehen

Der Widerstand von Landwirten gegen das Naziregime ist Thema des Rostocker Autors und früheren Landwirts Gerhard Fischer. Seine vor zwei Jahren erarbeitete Wanderausstellung hat Fischer auf 90 Porträts und Berichte von Männern und Frauen erweitert, wie er am 8. Mai zur Eröffnung der Ausstellung im Schweriner Schloss sagte. Die Ausstellung ist bis zum 18. Juli in Schwerin zu sehen.
Mit der Ausstellung erinnert Fischer an jene Bauern, Gutsbesitzer, Agrapolitiker und Agrarwissenschaftler, die sich im Widerstand gegen Hitler beteiligten und dabei ihr Leben riskierten. Zu der Schau, die bereits in mehreren Bundesländern zu sehen war, ist ein Begleitheft mit Porträts von 90 Persönlichkeiten aus zwölf Regionen erschienen. Der Eröffnung der Ausstellung in den Räumen der Linksfraktion folgte eine Podiumsdiskussion.
Gerhard Fischer wurde 1936 in Ostpreußen als Sohn eines Landwirtes geboren. Nach seiner Flucht fand er mit seiner Familie in Ribnitz-Damgarten eine neue Heimat, wo der Vater einen neubauernhof übernahm. Fischer studierte in Rostock Landwirtschaft und arbeitete in Volkeigenen Gütern und einem Saatzuchtbetrieb. Fischer will mit der Ausstellung an die Männer und Frauen des Widerstandes gegen das Nazi-Regime erinnern und vor der Verbreitung faschistischen Gedankengutes warnen. Seit 1966 erforscht er Biografien auf dem Lande und gibt den in der Geschichtsschreibung oft wenig betrachteten Bauern ein Gesicht.

Schwerin: Den Opfern des Zweiten Weltkrieges gedacht

Im Rahmen der Gedenkveranstaltung der VVN-BdA zum 08. Mai 2012 sprach der Landtagsabgeordnete der LINKEN Henning Foerster am Dienstagvormittag zu den Teilnehmern auf dem Platz der OdF. In seiner Rede erinnerte der Linkspolitiker daran, dass die Völker der Sowjetunion den höchsten Blutzoll des 2. Weltkrieges zahlen mussten. Als Michael Gorbatschow nach 1985 die Archive öffnen ließ, wurde deutlich, dass neben 20 Millionen Soldaten auch noch einmal die gleiche Anzahl an zivilen Opfern zu beklagen war. Foerster erinnerte auch daran, dass die Führung des NS – Staates schlussendlich das eigene Volk in Geiselhaft genommen habe. So standen den 2,5 Millionen sowjetischen Soldaten, die im April 1945 zum Sturm auf die Hauptstadt des Deutschen Reiches antraten neben regulären Einheiten der Wehrmacht auch Kinder und alte Männer gegenüber. Der 8. Mai war und ist ein Tag der Befreiung. Dies gilt für die Völker, die seit 1939 von der deutschen Wehrmacht überfallen wurden ebenso, wie für die vielen Deutschen, die aufgrund ihrer politischen Überzeugungen in den Zuchthäusern und Konzentrationslagern litten, ganz gleich ob sie Kommunisten, Sozialdemokraten, Kirchenvertreter oder Gewerkschafter waren. Ihnen allen gilt unser Gedenken am 08. Mai 2012, so Foerster abschließend.

Rostock: DIG-Hochschulgruppe erinnert an jüdischen Anteil am Sieg über Hitlerdeutschland

Stellungnahme der Hochschulgruppe der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Rostock (DIG) zum 67. Jahrestag der Befreiung

Anlässlich des 67. Jahrestages der Kapitulation der Hitlerwehrmacht am 8. und 9. Mai 1945 erinnert die Hochschulgruppe der Deutsch-Israelischen Gesellschaft daran, dass Europa seine Befreiung den Armeen der Anti-Hitler-Koalition – der Keimzelle der Vereinten Nationen – und den Partisanenbewegungen in den von Nazideutschland unterjochten Ländern verdankt.


Bild: Der Puschkinplatz in Rostock nach der Kundgebung zum Tag der Befreiung.

Am Freiheitskrieg der Anti-Hitler-Koalition gegen den Rasseimperialismus der Nazis beteiligten sich Juden in beträchtlichem Maße an den verschiedenen Fronten des Krieges. Dies gilt für die Beteiligung der Juden im damaligen britischen Mandatsgebiet Palästina an den Kriegsanstrengungen der Alliierten wie für den Dienst einer halben Million sowjetischer Juden in der Roten Armee, die im Zentrum der Zerschlagung der Mordmaschinerie des „Dritten Reiches“ stand. Rund 160 Juden wurden mit dem höchsten sowjetischen Orden, „Held der Sowjetunion“, ausgezeichnet.

Wie Stephan J. Kramer, Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, mit Recht hervorhob, muss die Erinnerung an diesen Teil der europäischen und der jüdischen Geschichte am Leben erhalten werden: dass „die Juden von der Roten Armee nicht nur befreit wurden, sondern auch selbst einen erheblichen, von unseren Feinden gern verschwiegenen Beitrag zum sowjetischen Sieg über die Nazis geleistet haben“. In diesem Zusammenhang erinnert Kramer auch an den Dienst von Juden in anderen alliierten Armeen.

In Mecklenburg-Vorpommern, wo der 8. Mai seit 2002 als staatlicher Gedenktag, als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des 2. Weltkrieges, begangen wird, sieht sich unsere Hochschulgruppe in der Pflicht, jedwedem Geschichtsrevisionismus, der sich gegen das Gedenken des Sieges über den Hitlerfaschismus richtet, offensiv entgegenzutreten. Dies gilt auch für den gedenkpolitischen Vandalismus, wie er in den periodischen Vorstößen zu einer Umbenennung der Ilja-Ehrenburg-Straße in Rostock zum Ausdruck gebracht worden ist.

Geschrieben von: Daniel Leon Schikora

Thank you! Merci! Gracias! Спасибо! – Der Tag der Befreiung 2012 in Mecklenburg-Vorpommern

Wie jedes Jahr wurde auch 2012 an vielen Orten der Tag der Befreiung vom deutschen Faschismus begangen. Während in Demmin weniger als 200 Neofaschisten ihren „Trauerkranz“ wegen bunter Luftballons nicht in die Peene werfen wollten, gedachten hunderte Menschen in Rostock und Stralsund den bei der Befreiung der Hansestädte gefallenen Rotarmisten. Auch in anderen Städten kam es zu Aktionen.

Verteilaktion in Schwerin.
Im Rahmen der Kampagne „8.Mai 2012 – Nur Verlierer feiern nicht“ wurden die letzten Wochen tausende Flugblätter in verschiedenen Städten MVs verteilt. Am eigentlichen Tag der Befreiung gingen Aktivist_Innen auch in der Landeshauptstadt los, um Flugblätter in die Briefkästen der Menschen zu werfen. Erst vor Kurzem hatte die „Kameradschaft Schwerin“ im Internet damit angeben wollen, Gewerkschaftsplakate, die den achten Mai thematisierten, zerstört zu haben.
Ein Grund mehr, auf die historischen Hintergründe des achten Mai 1945 hinzuweisen. Erfolgreicher als lächerliche Pappschilder mit der Aufschrift „8.Mai – Wir feiern nicht“, die unter anderem am sowjetischen Friedhof von Neofaschisten gehangen wurden, war die Aktion auf jeden Fall.


Bild: Tausende Faltblätter wurden die letzten Wochen in MV verteilt.

Traditionelles Gedenken in Rostock.
Zwar wurde die Stadt am ersten Mai 1945 von der Roten Armee befreit, dennoch findet jedes Jahr am achten Mai am Puschkinplatz eine Kundgebung mit mehreren hundert Teilnehmer_Innen statt. Junge und alte Menschen gleichermaßen nahmen an der Zeremonie teil. Erst vor einer Woche wurden dort die Überreste mehrerer sowjetischer Panzersoldaten beerdigt. Sie saßen in dem ersten sowjetischen Panzer, der während der Befreiung Rostocks zerstört wurde. Bei sonnigem Wetter eröffnete Ida Schillen, Vorsitzende der Rostocker VVN-BdA, die Kundgebung. Neben Frau Schillen sprachen auch Cornelia Mannewitz von der Initiative Ilja Ehrenburg, die sich für den Erhalt der gleichnamigen Straße im Rostocker Stadtteil Toitenwinkel stark macht, Dr. Heinrich Fink, Bundessprecher der VVN-BdA und Juri Rosov, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Rostock. Ein junger Antifaschist, der ebenfalls eine kurze Rede hielt, rundete die Veranstaltung ab. Nach den Reden wurden auch hier Blumen und Gebinde an die Gräber der Rotarmisten gelegt.


Bild: Dr. Heinrich Fink während seiner Rede in Rostock.


Bild: Der Puschkinplatz nach dem Ende der Veranstaltung in Rostock.

Ehrung für die Sowjetsoldaten in Stralsund.
Auch in Stralsund fand wieder eine Kundgebung anlässlich der Befreiung statt. Mehrere dutzend Menschen kamen zum Sowjetdenkmal am Neuer Markt in der Hansestadt und legten nach kurzen den Redebeiträgen Blumen und Sträuße nieder. Die Rede eines jungen Antifaschisten wurde hier dokumentiert.


Bild: Auch in Stralsund nehmen junge Menschen an der Kundgebung teil.

„Volkstreuer Ehrendienst“ für Massenmörder in Demmin
Es ist für die Nazis fast schon eine Tradition geworden, am 8. Mai durch die Peenestadt marschieren zu wollen. Die Erinnerung an den achten Mai als Tag der Befreiung ist den Ewiggestrigen seit Jahr und Tag ein Dorn im Auge. Besonders Demmin hat es ihnen angetan, tausende angebliche Selbstmorde beim Eintreffen der Roten Armee im April 1945 sind unter anderem der obligatorische Anlass, in der Stadt zu „trauern“. Einen Hintergrundbericht über die Befreiung Demmins findet ihr hier.
Mehrere hundert Menschen kamen nach Demmin, um den Geschichtsklitterern nicht die Stadt zu überlassen. Aus Greifswald wurden Busse organisiert und auch aus anderen Städten kamen engagierte Bürger_Innen angereist. Die Linksfraktion MV hielt eine öffentliche Tagung ab. Ein historischer Stadtrundgang, bei dem die Geschichte Demmins erzählt wurde, fand ebenfalls statt. Blockaden an verschiedenen Stellen zwangen die volkstreuen Trottel zu einer Änderung ihrer Route. Auch ihr vermeintliches Schlussspektakel konnten sie nicht wie geplant abhalten. Wütend mussten sie zur Kenntnis nehmen, dass die Peene voller bunter Luftballons war. Erst nachdem die ersten „Kameraden“ gehen wollten, entschloss mensch sich, den Kranz für die „armen deutschen Opfer“, die zuvor das Elend des Krieges erst ausgelöst hatten, in der Peene zu versenken. Offenbar war einer der nationalen Ehrendienstkameraden so gerührt von dem Strauß, dass er ihn gleich nochmal in die Peene werfen wollte. Kurz nachdem der volkstreue Kranz in den Peenestrom geworfen wurde, sprang ein Kamerad Kaputt hinterher, wohl nicht zuletzt, um ihn vor den bösen Bürger_Innen am anderen Ufer der Peene zu retten.

Trotz der Umdeutungsversuche von Rechts ist in vielen Städten Mecklenburg-Vorpommerns wieder klar geworden, was der achte Mai für die Mehrzahl der Menschen bedeutet. Immer mehr junge Leute werden sich dem historischen Erbe bewusst streiten für eine tolerante Welt in der es keinen neuen Tag der Befreiung geben muss, weil es keinen Tag des Überfalls gibt. Einschüchterungsversuchen und Provokationen durch die Nazis werden auch in Zukunft entschlossen begegnet werden. Es bleibt dabei: 8. Mai – Nur Verlierer feiern nicht!

Tribute to holocaust victims – We shall never forget

Letter to Jewish victims of the holocaust
written by Ilanushkah

Achter Mai in Demmin: Keinen Fußbreit den Faschisten!

Am achten Mai wollen Neofaschist_Innen zum fünften Mal in Folge durch die Stadt Demmin marschieren. Das Bündnis Demmin nazifrei ruft zu friedlichen, aber entschlossenen Blockaden auf. Doch bevor wir den Nazis nach Neubrandenburg am ersten Mai eine erneute Schlappe zufügen werden, hier die letzten Informationen zu morgen:

Treffpunkt für Alle ist 17 Uhr im Hafen von Demmin beim Fest zur Befreiung vom Faschismus. Genaue Informationen zum Fest und zu den anderen Veranstaltungen gibt es hier.

Die Naziroute findet ihr hier.

Infotelefon: 0160 6 82 14 82
Ermittlungsausschuß: 0151 237 458 08
Erreichbar sind beide morgen ab 16 Uhr

Den Twitterkanal findet ihr hier.

Eine passende Karte von Demmin findet ihr als pdf-Datei zum Download hier.

Es bleibt dabei: Naziaufmärsche blockieren ist unser Recht!
Wir sehen uns Demmin!

Paul Celan: Todesfuge

Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
Dein aschenes Haar Sulamith wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt
er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr andern spielt weiter zum Tanz auf

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen
Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland
er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken
der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus Deutschland

dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith

Mythos und Wirklichkeit – Die Befreiung Demmins 1945

Als die Rote Armee am 30. April 1945 vor der Stadt Demmin stand, waren die Nazi-Kader und die Wehrmachtseinheiten schon lange geflohen, dennoch wurden vorher die Brücken nach Demmin gesprengt, um den unaufhaltsamen Vormarsch der Roten Armee wenigstens zu verlangsamen. Der Befehl lautete schließlich auch hier, die Stadt bis auf den letzten Mann zu verteidigen.
Bereits vor der Machtübergabe an die Nazis 1933 war Demmin eine Hochburg der NSDAP. Und so war es auch 1945 noch. Obwohl eine weiße Fahne am Kirchturm die Kapitulation der Stadt anzeigte und obwohl den Stadtoberen von der Roten Armee im Vorfeld zugesichert wurde, die Stadt nicht zu geplündern, wurden die sowjetischen Parlamentäre, die über die Übergabe Demmins verhandeln wollten, erschossen.In der Treptower Straße schoss der Lehrer Moldenhauer auf eine Gruppe Rotgardisten – aus dem Luisentor feuerte eine Gruppe um den Drogeristen Christian Österlin ebenfalls auf sowjetische Soldaten. An diesem ersten Tag wurden insgesamt 17 Rotarmisten erschossen.

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges häuften sich – wie auch in anderen ostdeutschen Städten – in Demmin die Selbstmorde in der deutschen Bevölkerung. Besonders betroffen waren Menschen und deren Familien, die im Nazi-Reich höhere Positionen inne hatten. So brachten sich zum Beispiel der Haupttruppführer im Reichsarbeitsdienst, der Geschäftsführer einer Krankenkasse, ein Polizeihauptwachtmeister und ein Oberleutnant um.
Neonazis, die heute regelmäßig die Selbstmorde für ihre neofaschistische Propaganda instrumentalisieren behaupten, 1000, ja fast 2000 Menschen hätten sich in Demmin umgebracht. Tatsächlich waren es etwa 500 bis 600 Demminer_Innen, die den Freitod wählten. Genau ist die Zahl bis heute nicht geklärt. Die Angst, die sowjetischen Soldaten würden den Deutschen auch nur ansatzweise das antuhen, was diese jahrelang anderen Menschen angetan hatten, überwältigte die sonst allzu von sich überzeugten Herrenmenschen offenbar geradezu. Angebliche Massenvergewaltigungen und Massenhinrichtungen von deutschen Soldaten taten ihr Übriges, um die deutsche Bevölkerung in hysterische Verzweiflung zu versetzen. Die Anzahl der Vergewaltigungen wurden von der NS-Führung regelmäßig hochgeschraubt – oft einfach verzehnfacht – und in den Folgejahren von der bürgerlichen Geschichtsschreibung, ohne zu hinterfragen, übernommen. Bürgerliche Medien wollen die Suizide gerne in das Licht der Verzweiflung rücken. Als eine „kollektive Flucht vor der sowjetischen Besatzung“, also als einen Ausweg aus diesem zwar von den Deutschen mit all seinem Leid verursachten, aber dann doch nicht länger ertragbaren Krieg, wird der Selbstmord Vieler verharmlost. So perfide diese Mache scheint, so gewollt ist sie scheinbar. Auch weit ein halbes Jahrhundert nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges will mensch in der Öffentlichkeit offenbar weder die genauen Ursachen für das Ermöglichen der KZs und der verbrecherischen Angriffskriege gegen unzählige Nachbarstaaten und deren Bewohner_Innen, noch die Auswirkungen der NS-Tyrannei erforschen. Als „i“-Tüpfelchen wird das angeblich barbarische Verhalten der sowjetischen Truppen genannt, frei nach dem Motto: „Da konnten sich die Deutschen ja nur umbringen.“ Eine Geschichtsvergessenheit, die mittel und langfristig nur den „neuen“ Nazis in die Hände spielt.

Eigentlich wollten sich die sowjetischen Verbände gar nicht lange in Demmin aufhalten, sondern nach Rostock weiterziehen. Aber die zerstörten Brücken zwangen sie zum ausharren. Dennoch zogen Truppen der Roten Armee bereits am ersten Mai mit Hilfe einer provisorischen Brücke über Peene in die Stadt ein. Das Luisentor, an dem tags zuvor noch auf Rotarmisten geschossen wurde brannte, ebenso einige andere Gebäude. Die Beherrschtheit der sowjetischen Truppen schwand nach den sinnlosen Morden am Vortag. Die Apothekerin der Stadt lud dennoch die Führungsoffiziere des sowjetischen Truppenteils zu einer Siegesfeier ein und vergiftete dabei alle Rotarmisten, die an diesem Treffen teilnahmen und sich selbst. Als Reaktion auf diese und weitere Vorfälle entschlossen sich die neuen Kommandeure für ein rigoroses Vorgehen gegen die Stadt. Häuser wurden in Brand gesetzt, mit den verbliebenen Nazi-Schergen und ihren Sympathisant_Innen wurde nicht mehr zimperlich umgegangen. Noch nach einigen Tagen brannten Teile der Stadt.
Nur wenige Tage nach dem Eintreffen der ersten sowjetischen Truppen vor Demmin, war der Krieg für die Nazis und ihre Mitläufer_Innen auch schon verloren. Am achten Mai unterzeichneten die deutschen Generale Wilhelm Keitel, Hans-Georg von Friedeburg und Hans-Jürgen Stumpff die Kapitulationsurkunde aller Wehrmachtsteile. Das Erschießen von 17 Rotarmisten, sowie der feige Mord an den Offizieren, war also mehr als sinnlos. Der Stadt wäre sicher auch die Brandschatzung erspart geblieben, hätten die Demminer_Innen die Rote Armee einfach passieren lassen. So wurde der „Endkampf“ um Demmin zu einem Symbol für die Idiotie des „Durchhaltens“ der deutschen Bevölkerung und des ganzen Zweiten Weltkrieges überhaupt.

Bunt und weltoffen statt braun und intolerant – Demmin zeigt Farbe!

Am 8. Mai wollen zum fünften Mal in Folge Neofaschist_Innen durch Demmin marschieren und nicht zuletzt einen Kranz für die „deutschen Opfer“ des Zweiten Weltkrieges in die Peene werfen. Die Stadt und ihre Bürger_Innen halten von diesem Anliegen denkbar wenig.
Schüler_Innen des Goethe-Gymnasiums in Demmin haben mit Hilfe der Stadt den braunen Untrieben eine klare Absage erteilt. Selbstgemachte Plakate und Transparente hängen nun in der ganzen Stadt. Einige Impressionen findet ihr auf demminnazi.blogsport.de ;-)

Nach dem Naziaufmarsch ist vor dem Naziaufmarsch: Demmin is calling!

Gerade erst haben den Nazis in Neubrandenburg eine herbe Schlappe beigebracht, da ruft schon der nächste Termin. Am Jahrestag der Befreiung vom Faschismus wollen Neofaschisten aller Couleur durch Demmin marschieren, um die Befreiung der Stadt durch die Rote Armee im April/Mai 1945 umzudeuten. Genaue Infos zum Aufmarsch der Nazis sowie der Gegenveranstaltungen findet ihr unter demminnazifrei.blogsport.de.


Bild: „Demmin will Farbe. Raus zum 8. Mai!“

Schwerin: Ver.di Plakate zum Tag der Befreiung zerstört

Die Gewerkschaft Ver.di hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen als Nazijäger-Gewerkschaft gemacht. Regelmäßig unterstützt die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft anti-Nazi Projekte, wie die „Neofaschismus in Deutschland“ Ausstellung der VVN-BdA.
Zum Tag der Befreiung hat die Gewerkschaft in der Landeshauptstadt Plakate mit der Aufschrift „8.Mai 1945 – 8. Mai 2012 – NPD, kehrt marsch!“ hängen lassen. Keine zwei Tage später waren viele der Plakate wie aus dem Nichts von den Laternen verschwunden. „Mupinfo“ veröffentlichte unlängst einen Artikel über die Zerstörung der Plakate durch die sogenannte „Kameradschaft Schwerin“. Bestückt mit aufschlussreichen Fotos wird ganz ungeniert die Sachbeschädigung dokumentiert. Die illegale Aktion der „Kameradschaft“ dürfte jedoch ein juristisches Nachspiel haben. Zumindest Axel Heider, der den Artikel auf dem rechten Portal veröffentlichte und David Petereit, Landtagsabgeordneter für die neofaschistische NPD im Schweriner Landtag, der für die Seite im Sinne des Presserechts verantwortlich zeichnet, können mit Post von der Staatsanwaltschaft rechnen.


Bild: Mupinfo prahlt mit Zerstörung von Gewerkschaftsplakaten. (Screenshot Mupinfo)

Die Befreiung Stralsunds 1945

Wie in vielen anderen Städten des „Großdeutschen Reiches“ mussten auch die Bewohner_Innen Greifswalds am 30. Januar 1945 – dem Jahrestag der Machtübergabe an die Faschisten 1933 – zu einer Großkundgebung erscheinen. Wie schon so oft wurde noch einmal der „Endsieg“ propagiert und zum Kampf „bis zur letzten Patrone“ aufgerufen. Zwar war die Rote Armee noch nicht bis an die Stadt herangerückt, aber die aussichtslose Kriegslage musste selbst den fanatischsten Nazis, bis auf vielleicht den verblendeten und zum Hass erzogenen Hitler-Jungen, klar gewesen sein. Nur einen Tag nach dem Appell wurden die Lebensmittelmarken von acht auf neu Wochen „ausgedehnt“. Das hieß nichts anderes, als dass es für die Bevölkerung weniger zu essen gab. Nach „Endsieg“ sah auch diese Maßnahme nicht aus.


Bild: Vorrückende sowjetische Truppen.

Immer mehr Flüchtlinge, die aus dem Osten vor der Roten Armee flohen, kamen in die Stadt. Zu groß war die Angst, die faschistische Propaganda von Millionen Vergewaltigungen und Massenmorden an den Deutschen könne wahr sein und zu groß war die Angst, „die Russen“ würden sich ähnlich gebären, wie die Deutschen in den ehemals besetzten Gebieten Osteuropas.

Die letzten deutschen Soldaten in Greifswald bereiteten sich dennoch auf den herannahenden Rote Armee vor. Während öffentliche Gebäude wie die Post geschlossen wurden, wurden andere Häuser, wie etwa das Stadttheater, umfunktioniert. Panzerfallen, Schützengräben und andere Sperren sowie Feldstellungen an den äußeren Stadträndern sollten dafür sorgen, dass die Stadt auf direkten Befehl Hitlers ein viertel Jahr gehalten werden könne.
Mehrere Truppen, wie die Einheiten der berüchtigten Schutz Staffel (SS), wurden im April abgezogen und in andere Regionen geschickt. Noch während der Stadtkommandant, General Hauschulz, sein Gefechtsstand im Stadttheater bezog, wurde der Räumungsbefehl für die Zivilbevölkerung gegeben. Doch wohin? Das Nazi-Reich war mittler Weile kleiner geworden, als die noch zu gründende DDR. So irrten Zehntausende Flüchtlinge durch das heutige Vorpommern und strömten unter anderem nach Barth oder Rügen.

Gleichzeitig besetzten die deutschen Verbände ihre Stellungen. Neben regulären Wehrmachtssoldaten sollten auch Hitler-Jungen eingesetzt werden, teilweise ausgerüstet mit sowjetischen Beutewaffen. Ein Kampf, der schon von Beginn an sinn- und aussichtslos war. Bei einem ersten kleineren Gefecht bei Andershof, südlich von Stralsund, wurden insgesamt zwölf Hitler-Jungen getötet. Unterdessen kam es zu kleineren Gefechten in der Frankenvorstadt und am Bahnhof. Nun war klar: die sowjetischen Truppen stehen unmittelbar vor Stralsund. Tatsächlich waren große Truppenverbände bereits an der Stadt vorbeigezogen und weiter in Richtung Westen unterwegs. Bei den kurzen Kämpfen wurden drei sowjetische Panzer zerstört. In der darauf folgenden Nacht wurden sämtliche deutschen Truppen nach Rügen abgezogen. Pioniere, noch verbliebene SS-Einheiten und mehrere Stäbe setzten sich unter ständigem Beschuss der sowjetischen Artillerie weiter nach Westen ab. Gegen 5Uhr morgen wurde die erste weiße Fahne auf dem Speicher Poggendorf gehisst, worauf der Beschuss der Artillerie aufhört.
Dennoch war die Stadt nicht befreit. Am Stralsunder Hafen verschanzten sich immer noch deutsche Truppen mit leichten Geschützen. Sie wurden jedoch bald von sowjetischen Truppen eingeschlossen und mussten notgedrungen aufgeben. Am Nachmittag besetzte die 90. Schützendivision der Roten Armee unter Führung des Oberst Fomenko das gesamte Stadtgebiet Stralsunds. Der Krieg war damit für die Hansestadt zu Ende.
Der vom sowjetischen Kommandanten ernannte Bürgermeister Otto Kartüm war für die sofortige Beräumung der militärischen Sperranlagen beauftragt worden. Noch während diesen Aufräumarbeiten zogen einzelne sowjetische Truppenteile weiter nach Westen.




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