Archiv der Kategorie 'Bildungsproteste'

Rostock: Vortrags- und Diskussionsveranstaltung „Zur Lebenssituation von Auszubildenden“ am 04.11.14

Auf dem Papier gibt es in Mecklenburg-Vorpommern mehr Ausbildungsplätze als junge Menschen, die diese besetzen könnten. Dennoch suchen Viele nach ihrer Schulausbildung vergebens nach einer Ausbildung, die ihren Namen verdient.

Doch auch wer eine Ausbildung durchläuft, hat oft mit einer ganzen Reihe von Problemen zu kämpfen. Unbezahlte Überstunden, sogenannte ausbildungsfremde Tätigkeiten und andere Widrigkeiten gehören oft zum Alltag von Azubis.

Wie genau sich die Probleme und Schwierigkeiten junger Azubis darstellen und wie auch junge Menschen für ihre Rechte eintreten können und wie wir den Kampf um faire Arbeitsbedingungen unterstützen können, darum soll es in dieser Veranstaltung gehen.

Fabian Scheller, Jugendbildungsreferent beim DGB nord, wird einen Einblick in die Lebenswelten junger Auszubildenden geben. Nach einem Eingangsreferat wird es Gelegenheit zur Diskussion geben.

Wo müsst ihr klingeln?
Die Veranstaltung findet im Büro der LINKEN Rostock statt (Kröpeliner Straße 24, Eingang Ecke Rungestraße). Dann mit dem Fahrstuhl in den 4. Stock fahren. Beginn ist 18 Uhr.

HINWEIS: Neofaschist*innen sind von der Veranstaltung ausgeschlossen. Ggf, wird Gebrauch vom Hausrecht gemacht.

Bildungsstreik: Nach der Schule ist vor der Schule – Rechte von Auszubildenden stärken!

++ Schüler_innenstreik am 17. Juni in Rostock +++ Rechte auch von Auszubildenden stärken +++ Prekarität eine Absage erteilen +

Von Christoph Lütge

Am 17. Juni findet in Rostock ein Schüler_innenstreik unter dem Motto „Bildung ist keine Ware!“ statt. Doch nach der Schulzeit gehen die Probleme für junge Menschen oft erst so richtig los. Gerade im Ausbildungsbereich gibt es nach wie vor große Schwierigkeiten.

Die Wirtschaft klagt über Fachkräftemangel, gleichzeitig sind zehntausende junge Menschen ohne Ausbildung. Kein Wunder, wenn noch nicht einmal jedes vierte Unternehmen ausbildet. Insbesondere diejenigen, die im ersten Anlauf keinen Platz abbekommen, sind von Zukunftsangst und Perspektivlosigkeit geplagt. Laut Bundesagentur für Arbeit kann nicht einmal die Hälfte aller Bewerber_innen mit einem betrieblichen Ausbildungsplatz versorgt werden.
Aber mit jedem Jahr in der Warteschleife werden die Chancen geringer. Somit stauen sich mehr und mehr Jugendliche an, die leer ausgehen. Die Konsequenz: Über eine Million Jugendliche sind bereits auf Hartz IV angewiesen und haben kaum Hoffnung auf eine Berufsperspektive, denn wer keine Ausbildung hat, kann dem Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkt kaum stand halten. Dies trifft in besonderer Weise junge Menschen mit Migrationshintergrund, die auch bei gleichen Zeugnisnoten deutlich schlechtere Chancen auf Ausbildungsplätze haben. Die Konsequenz: Ihr Arbeitslosigkeitsrisiko ist doppelt so hoch wie das deutscher Bewerber_innen.
Auch diejenigen, die einen Ausbildungsplatz ergattern können, haben keineswegs sichere Zukunftsaussichten. Denn auch die Unternehmen, die ausbilden, haben in den letzten Jahren ihr Angebot zurückgefahren und übernehmen junge Menschen immer seltener nach der Ausbildung. Gerade einmal einem Drittel der Azubis wird eine Zukunft im Ausbildungsbetrieb in Aussicht gestellt. Eine abgeschlossene Ausbildung ist schon lange keine Garantie mehr, danach in ein sicheres Beschäftigungsverhältnis zu gelangen. Es folgen stattdessen für die meisten befristete Verträge, Teil- oder Zeitarbeit, niedrig oder gar nicht bezahlte Übergangsmaßnahmen oder Arbeitslosigkeit. In jedem Fall aber Ungewissheit über die eigene Zukunft.
Azubis werden oftmals als billige Arbeitskräfte missbraucht. Gerade Frauen sind betroffen: Sie verdienen Nicht nur, weil Übernahme zur Ausnahme wird, sondern auch wegen der mangelnden Qualität der Ausbildung sind auch diejenigen Belastungen ausgesetzt, die eine Ausbildung machen können. Viel zu oft müssen (teilweise unbezahlte) Überstunden und ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichtet werden, zudem ist das Gehalt nicht selten viel zu niedrig. Ausbeutung steht auf der Tagesordnung, Azubis wöchentlich durchschnittlich 100 Euro weniger als männliche Azubis.

Prekarität eine Absage erteilen.
Damit sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt verbessert, ist zu, Beispiel ein einklagbares Grundrecht auf Ausbildung und Übernahme notwendig. Es darf nicht sein, dass jungen Menschen der Zugang zu Ausbildung verwehrt bleibt und sie somit keinerlei Zukunftsperspektive haben.
Damit dieses Grundrecht verwirklicht werden kann, ist eine Ausbildungsplatzumlage unabdingbar. Unternehmen, die nicht ausbilden und sich ihrer Verantwortung entziehen, sollen zahlen und mit diesem Geld sollen neue Ausbildungsplätze und somit Perspektiven geschaffen werden. Diese Maßnahme soll Druck auf ausbildungsunwillige Unternehmen aufbauen und somit dazu beitragen, dass nicht mehr nur ein Viertel der Betriebe, sondern deutlich mehr ausbilden und ein auswahlfähiges Angebot für die Bewerber_innen bereitsteht. Nicht zuletzt sind Maßnahmen notwendig, die die Ausbildungsqualität verbessern, wie etwa die Stärkung und der Ausbau des Jugendarbeitsschutzes, der Azubis und nicht „Arbeitgeber_innen“ schützen soll, sowie ein Ausbildungsvergütung, die zum Leben reicht.

Und nu‘?
Fehlende Ausbildungsplätze und Jugendarmut sind keine kleinen Fehler in einem großen System. In einem Wirtschaftssystem, welches milliardenhohe Profite um jeden Preis macht, bleibt nun mal die Mehrheit auf der Strecke – was besonders uns junge Menschen trifft. Deshalb kämpfen wir für eine ganz andere Welt, eine, in der es um die Bedürfnisse der Menschen geht, und in der man nicht für die Wirtschaft, sondern für sich und nach seinen Interessen lernt und arbeitet.
Der Kampf für eine bessere Welt kann dabei schon im Betrieb beginnen. Azubis haben viele Rechte, von denen sie Gebrauch machen können und sollten. So können sie sich bei Problemen und Anliegen an den Betriebs- oder Personalrat oder – wenn vorhanden – an die Jugendauszubildendenvertretung (JAV) wenden oder dort selbst aktiv werden. Unbezahlte Überstunden, Arbeiten, die nicht zur Ausbildung gehören, und andere Widrigkeiten muss man sich nämlich nicht gefallen lassen. Und: Starke Gewerkschaften können gemeinsam Verbesserungen und die Rechte der Arbeitnehmer_innen durchsetzen, zum Beispiel durch Streiks, an denen sich auch Azubis beteiligen dürfen.

Rostock: Workshop-Reihe „Sei ma kritisch“ zum Bildungsstreik am 07.06.14

Am 07.06.2014 findet im Rostocker Heizhaus in der Südstadt die erste Workshop-Reihe zum Bildungsstreik 2014 statt. Unter dem Hauptthema „Sei ma‘ kritisch“ könnt Ihr außerdem noch an den Workshops „Deine Rechte als Schüler“ und „Raubt uns die Schule unsere Freizeit?“ teilnehmen.
Ihr seid alle herzlich eingeladen zum Diskutieren, Debattieren und natürlich Spaß haben – je mehr wir sind, desto besser. Im Anschluss kann, wer Lust hat, mit uns gemeinsam Transparente für den Bildungsstreik 10 Tage später gestalten und fertigstellen.

Wann und wo? 07.Juni 2014 von 10 bis 18 Uhr im SBZ Heizhaus Rostock Südstadt, am neuen Edeka
Noch was? Bringt euch vielleicht ein paar Sprühfarben und Bettlaken o.Ä. mit für’s Transpi-Malen

Checkt regelmäßig die Mobi-Seite bildung-ist-keine-ware.jimdo.com.

Bildungsstreik: Für eine Schule des Miteinanders statt der Konkurrenz

++ Gegen Leistungsterror und soziale Ausgrenzung +++ inklusive Schulen umsetzen +++ für ein Bildungssystem des Miteinanders und des Zusammenhalts +

Von Christoph Lütge

Am 17. Juni findet in Rostock der diesjährige Schüler_innenstreik statt. Welche Probleme gibt es im hiesigen Bildungssystem – und vor allem: wie kann eine bessere Schule aussehen?
In unserer Gesellschaft dient das Bildungssystem in erster Linie der Stabilisierung und Reproduktion gesellschaftlicher Verhältnisse – und dazu gehören auch die sozialen Ungleichheiten. Zwar wird uns vorgegaukelt, dass jeder Mensch die gleichen Chancen auf eine hohe soziale Position habe, die Realität sieht jedoch anders aus: Kinder aus Familien mit hohem Einkommen werden stärker gefördert, bekommen für die gleichen Leistungen leichter gute Noten, machen öfter das Abitur und studieren häufiger als ihre Mitschüler_innen aus weniger reichen Familien. Für Kinder aus ärmeren, weniger gebildeten Elternhäusern oder aus Familien mit Migrationshintergrund ist es oft schwierig mitzuhalten. Sie werden ausgesiebt. Folglich findet ein Wechsel zwischen den Schulformen bei ihnen fast ausschließlich nach unten statt. Dank der sozialen Selektion sichert sich die Elite ihre Machtposition, während die Mittelschicht gegen die Unterschicht ausgespielt wird. Mit der Illusion, aufsteigen zu können, und der Angst vor dem sozialen Abstieg wird Kindern in der Schule bereits gezeigt, was später auf dem Arbeitsmarkt auf sie wartet.

Konkurrenzkampf und Leistungsdruck statt Förderung
Statt allen Schüler_innen die größtmögliche schulische Förderung zukommen zu lassen, basiert unser Schulsystem auf einem Konkurrenzsystem. Dieses ist von Anfang an darauf ausgerichtet, vermeintlich schwache Schüler_innen „auszusieben“, so dass nur die „Besten“ die Möglichkeit bekommen, das Gymnasium zu besuchen. Ganz einfach: Der_die Schwächste fliegt, muss die Schulform wechseln oder bleibt sitzen. Das Messen in „Gut“ und „Schlecht“ produziert automatisch Verlierer_innen. Der Mensch wird durch Noten bewertet, die das Spiegelbild des eigenen Wertes in der Gesellschaft wiedergeben sollen. Wer schlechte Noten hat, ist weniger „wertvoll“ und verliert zuletzt oft den Glauben an die eigenen Stärken und Fähigkeiten. Dabei sind schlechte Noten keineswegs ein Zeichen von Schwäche oder Leistungsunfähigkeit, genauso wie gute Noten in erster Linie ein Zeichen von Anpassungsfähigkeit sind.
In 9 bis 12 Jahren so viel Lernstoff in sich hineinzustopfen wie möglich, entspricht kapitalistischer Verwertungslogik – die (wirtschaftliche) Leistungsfähigkeit ist das Ziel des Bildungssystems. Auf diese Weise soll der Arbeitsmarkt mit „Leistungsträger_innen“ bedient werden, die es bereits gewohnt sind, 40 bis 60 Stunden pro Woche zu arbeiten und unter Druck Höchstleistungen zu erbringen. Wer bereits in der Schule diesem Druck nicht standhält, gehört zu den „Bildungsverlier_innen“, für die der Arbeitsmarkt keine „Verwertung“ findet. Der stetige Leistungsdruck und das Bewertungssystem, denen der/die Schüler_in ausgesetzt ist, führen außerdem zu einem Konkurrenzdenken. Es gehen wichtige Werte wie Solidarität, Zusammenhalt und Unterstützung untereinander verloren, da die Leistungsbewertung seiner_ihrer Selbst im Vordergrund steht.

Für eine Schule des Miteinanders
Die Schule sollte stattdessen ein Ort sein, der uns Bildung vermittelt, die uns dazu anregt, Sachverhalte kritisch zu reflektieren und im Unterricht zu diskutieren. Wir möchten selbst bestimmt, unabhängig und unseren individuellen Bedürfnissen entsprechend lernen. Wir wollen mitreden und mitgestalten, wenn es um unsere Zukunft geht. Wir möchten die Möglichkeit haben, über den Tellerrand hinaus zu blicken, um Bestehendes nicht als unveränderbar hinzunehmen, sondern es zu hinterfragen und alternative Vorstellungen und Ideen zu erörtern. Für uns ist Schule mehr als Fakten anhäufen, um dieses Wissen in Prüfungen bulimieartig wieder loszuwerden. Wir wollen unseren eigenen Interessen folgen können, um uns weiterzuentwickeln und Hierarchien zu überwinden. Schule soll Bildung vermitteln, die sich nicht einteilt in unnützes, nicht verwertbares und nützliches, verwertbares Wissen. Aus diesem Grund muss Schulbildung mehr vermitteln als das, was am Arbeitsmarkt notwendig erscheint.
Die Schule muss Gemeinschaft und Zusammenhalt, das „soziale Miteinander“ sowie Respekt vor Andersdenkenden vermitteln und einen Beitrag zur Schaffung eines ökologischen, sozialen und gesellschaftlichen Bewusstseins leisten. Das gelingt nur, wenn alle junge Menschen gemeinsam mit- und voneinander lernen. Es bedeutet auch, dass Bildung unter Ausschluss jeglicher wirtschaftlicher, militärischer oder religiöser Interessen stattfindet.

Rostock: „Bildung ist (k)eine Ware“ – Schüler_innenstreik am 17. Juni

Am 17. Juni findet in Rostock ein Bildungsstreik unter dem Motto „Education is not for sale! Denn Bildungs ist keine Ware“ statt. Doch bevor es soweit ist, gibt es noch Einiges zu tun. In den kommenden zwei Wochen bekommt ihr hier aktuelle Termine und Hintergrundinformationen rund um das Thema Bildung und den anstehenden Bildungsstreik.

Mehr als 1,3 Millionen Menschen in diesem Land verdienen mit 40 Stunden Arbeit die Woche so wenig, dass es nicht zum Leben reicht. Viele arbeiten teilweise für weniger als 6 Euro pro Stunde und müssen ihren (Niedrig-)Lohn dann “aufstocken”, beziehen also zusätzlich Arbeitslosengeld II. Frauen sind davon besonders betroffen. Im Schnitt erhalten sie für die gleiche Arbeit ein Viertel weniger als Männer.

Die Ungerechtigkeit beginnt aber weit früher, als viele denken. Das deutsche Schulsystem sortiert nämlich gnadenlos aus: In manchen Bundesländern wird bereits nach der vierten Klasse entschieden, wer Abitur machen darf und wer nicht. Gerade Menschen mit Behinderungen und Kinder, die selbst oder deren Eltern nicht aus Deutschland stammen, werden dabei ausgesiebt. Ihnen wird schon früh die Chance auf eine Ausbildung oder ein Studium verbaut.

Immer mehr Menschen arbeiten nicht mehr in regulärer Festanstellung, sondern bei Leiharbeitsfirmen. Sie leisten die gleiche Arbeit wie ihre Kolleg_innen mit festem Arbeitsvertrag, sie erhalten aber weniger Lohn, können leichter gefeuert werden und ziemlich schnell vor dem Nichts stehen. Egal, wie sehr sie sich anstrengen, sie werden schlecht bezahlt. Den Nutzen haben die Unternehmen: Je niedriger die Löhne, umso höher die Gewinne.

Es lohnt sich, etwas gegen diese Zustände zu tun! Wir wollen nicht in einer Gesellschaft leben, in der die Mehrheit der Menschen ausgebeutet wird, damit eine Minderheit Reichtum anhäuft. Das zu ändern liegt auch an dir, werde aktiv.




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