Archiv der Kategorie 'Literatur- und Filmtipps'

„Gefährlich verankert“: Andrea Röpke über rechtsextreme Strukturen und neue Netzwerke in Mecklenburg-Vorpommern

Rocker, Bürgerwehren, Siedlergemeinschaften, Autonome Nationalisten und neonazistische Firmennetzwerke — Rechtsextremismusexpertin Andrea Röpke analysiert in ihrem neusten Buch die vielseitig ausdifferenzierte rechtsextreme Szene in Mecklenburg-Vorpommern.

Die erste Auflage ist bereits restlos vergriffen, so dass sich die SPD-Fraktion des Landtags gezwungen sah, nochmal eine zweite Auflage nachzulegen. ‚Gefährlich verankert – Rechtsextreme Graswurzelarbeit, Strategien und neue Netzwerke in Mecklenburg-Vorpommern‘ heißt das Buch, das die freie Journalistin und Rechtsextremismusexpertin Andrea Röpke zusammen mit der sozialdemokratischen Fraktion des Landtags in der ersten Jahreshälfte 2015 publizierte.


Bild: Andrea Röpkes Buch „Gefährlich verankert“, mittlerweile in der zweiten Auflage erhältlich.

Belege liefern, Verbindungen aufzeigen und vor rassistischen Biedermännern und -frauen warnen

Die SPD ist mit dem neonazistischen Problem — zumindest im Landesparlament — bestens vertraut, schließlich sitzen die Rechtsextremen dort seit 2006 ohne Unterbrechung und haben trotz leichter Verluste bei den letzten Landtagswahlen noch immer ihren einträglichen Fraktionsstatus halten können. Die SPD und zuvorderst Fraktionsvorsitzender Norbert Nieszery fühlen sich verpflichtet, “auf diese gefährlichen Entwicklungen hinzuweisen, Belege zu liefern, Verbindungen aufzuzeigen und vor rassistischen Biedermännern und -frauen zu warnen, die zu Brandstiftern werden”.

In ihrer gut recherchierten Analyse untersucht Andrea Röpke viele Facetten rechtsextremer Bewegungen in Mecklenburg-Vorpommern und geht in den neun Kapiteln auf unterschiedliche Strömungen der Szene ein: Angefangen bei Mischszenen von Neonazis und Rockern mit Kontakten ins Rotlichtmilieu über die rechte Siedlerbewegung, die verbotene Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) und die (Neo-)Artamanen bis zum parlamentarischen Rechtsextremismus im Landtag und der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN). Auch der NSU, die Rechtsrock-Szene, die Autonomen Nationalisten, die Identitäre Bewegung, die AfD Mecklenburg Vorpommern und schließlich die Unterwanderung und Instrumentalisierung der wutbürgerlichen Mvgida-Aufmärsche durch Neonazis werden von Röpke kritisch analysiert und eingeordnet.

Geschichten aus Greifswald

Da ‚Gefährlich verankert‘ auf rechte Szene und Strukturen in Mecklenburg-Vorpommern fokussiert, überrascht es nicht, dass auch einige Vorfälle aus der Hansestadt Greifswald in diesem Buch auftauchen. Dazu gehören die bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Bandidos und Hells Angels, die am helllichten Herrentag 2013 in der Bahnhofstraße aufeinander losgegangen sind, und der Angriff auf ein Hausprojekt, an dem sich auch Mandatsträger der NPD beteiligten. Die verhinderte Schöffenbewerbung des rechtsextremen Politikstudenten Marcus Gutsche, der nur ein halbes Jahr nach seiner Nichtzulassung einen Hochschul- und Kommunalpolitiker am Rande einer Kundgebung der NPD auf dem Greifswalder Marktplatz verletzte, wird ebenso erwähnt, wie die Rolle des langjährigen Greifswalder Kaders Frank Klawitter beim NPD-Ordnerdienst und das konspirative Rechtsrock-Konzert mit mutmaßlichem Bezug zum Neonazi-Netzwerk “Blood and Honour” am Gorzberg, zu dem im November 2014 mehr als 500 Neonazis nach Greifswald angereist sind.

Zwei Jahre sollen die Recherchen für Gefährlich verankert gedauert haben. Die Autorin mahnte bei der feierlichen Buchvorstellung in Schwerin, dass es schwieriger werde, Neonazis zu erkennen. Organisierte Menschen mit rassistischem Weltbild tarnten sich durch Normalität innerhalb einer Gesellschaft voller Alltagsressentiments. Das Buch vermittelt einen analytischen Überblick über die vielgestaltige rechte Szene in Mecklenburg-Vorpommern und ist nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Farbfotos eine absolute Leseempfehlung für alle, die sich mit rechtsextremen Tendenzen und Strukturen im Land auseinandersetzen wollen. Das Buch kann kostenfrei bei der SPD-Landtagsfraktion MV (Bestellformular) bestellt werden.

Andrea Röpke ist Politologin und freie Journalistin, die seit vielen Jahren zum Thema Rechtsextremismus arbeitet und publiziert. Sie veröffentlichte unter anderem die Bücher Neonazis in Nadelstreifen — Die NPD auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft* (2008), Ferien im Führerbunker: Die neonazistische Kindererziehung der “Heimattreuen Deutschen Jugend”* (2007), Mädelssache. Frauen in der Neonazi-Szene* (2011) und Blut und Ehre: Geschichte und Gegenwart rechter Gewalt in Deutschland* (2013).

Der Text wurde übernommen mit freundlicher Genehmigung des Fleischervorstadt-Blogs.

Literaturtipp: „Die rechten ‚Mut‘-Bürger – Entstehung, Entwicklung, Personal & Positionen der ‚Alternative für Deutschland‘“

Mit der „Alternative für Deutschland“ (AfD) betrat im Frühjahr 2013 ein neuer Akteur die parteipolitische Bühne in Deutschland und verfehlte nur einige Monate später knapp den Einzug in den deutschen Bundestag. Was und wer verbirgt sich hinter der AfD?

Durch die Wahlerfolge der AfD eröffnen sich erstmals seit vielen Jahren wieder neue parteipolitische Handlungs­optionen für neoliberale, national­konservative und neurechte Kräfte. Die AfD bedient zudem Themen des Buchautors Thilo Sarrazin und besetzt damit die in Deutschland existente rechtspopulistische Lücke. Die AfD agiert so als weltanschauliche Stichwortgeberin für einen rechten Kulturkampf, der nicht zuletzt auch in Protesten auf der Straße, wie die „Besorgten Eltern“ gegen Sexualaufklärung bzw. die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, zum Ausdruck kommt

Die Autoren stellen die Entwicklung dieser neuen rechten Partei dar, analysieren deren Positionen und ihr Wählerpotenzial. Zudem werden die politischen Kontextbedingungen des AfD-Erfolgs sowie die Reaktionen des rechten Ran­des beschrieben – einschließlich der neurechten Medien. Abschließend werden die Erfolgsbedingungen einer „passiven Revolution“ (Gramsci) der AfD zur Etablierung eines neurechten politischen Blocks erörtert.

Das 160 Seiten starke Buch kann für 12,80€ im VSA-Verlag bestellt werden. ISBN 978-3-89965-640-4.

Literaturtipp: „Russlands Krieg 1941-1945“ von Richard Overy

++ Leseempfehlung anlässlich des 70. Jahrestag der Befreiung +++ Overy bietet Überblickswerk zum deutschen Überfall auf die Sowjetunion mit profunden Quellen +++ Versuch einer objektiver Gesamtdarstellung +

Von Franziska Wilke und Marko Neumann

Die Operation „Barbarossa“ – der deutsche Überfall auf die Sowjetunion – ist der gewalttätigste Feldzug der faschistischen Wehrmacht. Nicht zuletzt deshalb ist über den erklärten Vernichtungskrieg in der Wissenschaft am meisten geschrieben worden.
Meistens standen dabei jedoch bestimmte Einzelaspekte und –perspektiven im Zentrum des Interesses der jeweiligen Autor_innen. Eine wirkliche Gesamtdarstellung, die die Geschehnisse und Bedeutungen des Krieges zwischen Hitler-Deutschland und der Sowjetunion aus der Totalperspektive erfasst und analysiert hätte, ist bis vor einigen Jahren noch nicht erschienen. Ein Grund dafür dürften die zahlreichen verschlossenen Archive gewesen sein.


Bild: Richard Overys Buch „Russlands Krieg 1941-45″.

Seit Ende der 1990er/Anfang der 2000er Jahre hat sich die Datenlage für die Forschung radikal verbessert. Zahlreiche Spezialstudien diesen Krieg betreffend konnten erstellt damit den „Ostfeldzug“ der deutschen Armeen und ihrer Verbündeten von allen Seiten immer heller beleuchtet werden. Der britische Militärhistoriker Richard Overy hat die Fülle der Forschungsergebnisse zu einer Gesamtansicht verdichtet. Dabei bezieht er in seine Darstellungen auch die Vorgeschichte der sowjetischen Verteidigungspolitik mit ein.

Als Hitler seine Militärmaschinerie in Bewegung setzte, um die Sowjetunion zu unterwerfen, tat er dies im Glauben an die eigene militärische – und völkische – Überlegenheit. Tatsächlich waren die deutschen Anfangserfolge mehr als erschreckend. Dass sich das Blatt doch wendete, hat seine Ursache unter anderem darin, dass Stalin gerade noch rechtzeitig einsah, dass er die konkreten militärischen Entscheidungen diejenigen treffen lassen sollte, die vom Kriegshandwerk unzweifelhaft mehr verstanden als er. Wie jede andere Einsicht vor und während dieses Krieges blieb auch diese dem deutschen „Führer“ versagt. Und so wurden im Laufe des Krieges nicht nur auf der sowjetischen Seite die richtigen, sondern zugleich und in zunehmendem Maße auf der deutschen Seite die falschen Entscheidungen getroffen. Eine weitere entscheidende Voraussetzung des sowjetischen Sieges darf natürlich nicht vergessen werden: die schier unbeschreibliche Leidensfähigkeit der sowjetischen Völker. „Man hat es schwer sich vorzustellen, dass die Schlacht um Stalingrad von US- oder britischen Truppen geschlagen worden wäre“ schreibt Overy in dem Artikel über den Kampf um die Wolga-Metropole.
Nach dem Krieg war es Stalin, welcher sich als den eigentlichen, wahren Sieger des „Großen Vaterländischen Krieges“ feierte und feiern ließ. Mit dem Sieg über das faschistische Deutschland und seine Verbündeten war die Sowjetunion zur Weltmacht aufgestiegen.

Overys Überblicks Werk unternimmt den bürgerlichen Versuch einer objektiven Gesamtdarstellung. Die differenzierte Analyse des „Großen Vaterländischen Krieges“ und dessen Vorgeschichte nötigt Respekt ab und lässt das über 500 Seiten starke Werk zu einem „Muss“ für Alle werden, die sich mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts und die Blütezeit des Faschismus in Europa befasst.

Publikation „Naturschutz und Rechtsextremismus“ erschienen

Angestoßen von praktischen Erfahrungen und bestärkt nach Recherchen, die eine breite Forschungs­lücke zum Themenfeld „Naturschutz und Rechtsradikalismus“ offenbarten, entschlossen sich die Evangelische Akademie der Nordkirche und das Bundesamt für Naturschutz (BfN), in Kooperation mit der Arbeitsstelle Politische Bildung der Universität Rostock, im Rahmen von zwei aufeinander folgenden Tagungen in den Jahren 2013 und 2014 bei der Internationalen Naturschutzakademie des BfN diesen Themenkomplex zu bearbeiten.
 
Das Ergebnis der kritischen Reflexion zu möglichen Verbindungslinien zwischen Argu­mentationen und Themen des Naturschutzes und des Rechtsextremismus sowie die differenzierte Betrachtung der jeweiligen Welt- und Menschenbilder liegt nun in Gestalt des BfN-Skript, Nr. 394, vor. Neben wissenschaftlichen Beiträgen finden sich darin journalistische Berichte, Essays, Interviews und Erfahrungsberichte aus der Praxis. Dank der intensiven Mitarbeit vieler Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Professionen – sowohl in dieser Publikation als auch während der Tagungen – wurde diese Dokumentation zum Stand der gesellschaftlichen Debatte zum Themenfeld möglich.

Die Publikation wird über die Reihe „BfN-Skripte“ mit der ISBN 978-3-89624-129-0 kostenlos veröffentlicht. Sie ist über den Buchhandel nicht erhältlich. Bestellungen der Printausgabe können über die Internationale Naturschutzakademie des Bundesamtes für Naturschutz, Dr. Norbert Wiersbinski, 18581 Putbus, Tel.: 49(0)38301-86-111, Mail: norbert.wiersbinski[ätt]bfn-vilm.de getätigt werden. Alternativ kann die Broschüre auch als pdf-Datei hier heruntergeladen werden.

Sie siedeln in ganz Deutschland: völkische Siedlungsbewegungen

In den vergangenen Jahren nehmen Ansiedlungen der völkischen Rechten im ländlichen Raum zu. Fernab der großen Städte bilden sie hier Gemeinschaften, die ihrem rassistischen Weltbild entsprechen. Eine neue Publikation der Amadeu Antonio Stiftung klärt auf und gibt Handlungsempfehlungen.

Mit ihren alternativen Lebenskonzepten fallen die völkischen Siedler/innen kaum auf. Einmal angekommen, etablieren sie sich als achtsame Ökobauern, geschickte Handwerker/innen und hilfsbereite Neuzugänge der Dorfgemeinschaft. In ihrer Umgebung treffen sie häufig auf viel Zustimmung mit ihren ökologischen Konzepten. Gerade das Thema Naturschutz erweist sich hier als Brückenbauer, weil es Menschen quer durch die Gesellschaft beschäftigt.


Bild: Screenshot der neuen Broschüre „Völkische Siedler_innen im ländlichen Raum“ von der Amadeu Antonio Stiftung.

Doch die so genannten völkischen Siedler verfolgen noch andere Interessen, denn dahinter verbirgt sich eine rechtsextreme Ideologie. In deren Vorstellung dient Naturschutz lediglich dazu, eine „deutsche Volksgemeinschaft“ und ihren „Lebensraum“ zu erhalten. Darin haben Vielfalt, Gleichberechtigung und Weltoffenheit keinen Platz.

Hinsehen – Informieren – Aktiv werden

Nur vereinzelt sind Nachbarschaft und Kommunen im Bilde, wer in so manchen Dorf nach und nach Häuser, Grundstücke und Felder aufkauft. Eine schleichende Normalisierung erreichen die Siedler/innen durch ihr Mitwirken in regionalen Projekten, Vereinen und sogar Erziehungseinrichtungen und Kirchenstrukturen. Hier bekommen sie Anerkennung und verbreiten geschickt ihre rassistische Ideologie.

Die neue Broschüre „Völkische Siedler/innen im ländlichen Raum – Basiswissen und Handlungsstrategien“ der Amadeu Antonio Stiftung gibt einen Überblick über die Aktivitäten von Völkischen Siedlern/innen, ihre Argumentationen und Erkennungsmerkmale. Anhand von Alltagssituationen werden Ansätze für Handlungsstrategien gezeigt. Die Broschüre dient Engagierten als Hilfestellung im Engagement gegen demokratiefeindliche Tendenzen. Sie richtet sich aber auch an Kommunen und all jene, die sich immer stärker mit den Völkischen Siedler/innen auseinander setzen müssen.

Gefördert wurde die Publikation durch das Bundesministerium des Innern im Rahmen des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“.

Die Broschüre kann online bestellt oder hier heruntergeladen werden.

Literaturtipp: „Neofaschisten in Griechenland“

Die schmerzhafteste Folge der vielseitigen griechischen Krise ist unzweifelhaft der triumphale Einzug einer offen faschistischen Partei ins Parlament. Seit der Ermordung des linken Rappers Pavlos Fyssas durch ein Mitglied der Partei Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte) hat sich das Klima für die Rechtsextremen war geändert: Mitglieder wurden verhaftet, die staatliche finanzielle Förderung gestrichen und die Regierung erwägt sogar ein Verbot. Doch auch wenn Politik und Justiz nun endlich zu handeln scheinen – die Konsequenzen sind offen, und das Buch von Dimitris Psarras, seine darin aufgeworfenen Fragen und vorgenommenen Analysen bleiben hochaktuell.

„Wie sind wir Griechen dorthin gelangt? Wie wurde plötzlich der Sack des Aiolos geöffnet und die bis vor wenigen Jahren diskreditierte und marginale extreme Rechte in die Lage versetzt, heute die politische Tagesordnung zu gestalten? Wie konnten wir die Diktatur vergessen? Und wie können wir in Griechenland, wo die überwiegende Mehrheit der jüdischen Mitbürger in den Konzentrationslagern umgebracht wurde, die Leugnung des Holocaust tolerieren?“

Mit dem vorliegenden Band will der erfahrene Journalist Dimitris Psarras diese Fragen beantworten. In den Texten, den Symbolen und insbesondere in der Praxis der Chrysi Avgi lassen sich die Gründe aufspüren, die das Wiederauftauchen von »Sturmtruppen« in einem europäischen Land ermöglicht haben. Dimitris Psarras zeigt aber auch Ansätze auf, wie der Absturz in die Barbarei aufgehalten werden kann.

Zum Autor: Dimitris Psarras, 1953 in Athen geboren, ist Mitglied der Recherchegruppe »Ios« (Virus), die viel zum Entstehen des Buches beigetragen hat. Von 1990 bis zum Juni 2012 war Dimitris Psarras als Journalist für die griechische linksliberale Tageszeitung Eleftherotypia (Pressefreiheit) tätig. Seit November 2013 schreibt er für die vom Zeitungskollektiv in einer Genossenschaft herausgegebene Efimerida ton Syntakton (Zeitung der Redakteure).
Neofaschisten in Griechenland – Die Partei Chrysi Avgi (die griechische Originalausgabe erschien 2012 unter den Titel I mavri vivlos tis Chrysis Avgis) ist bereits das zweite Werk, in dem sich Psarras mit den Aktivitäten ultrarechter Organisationen in Griechenland beschäftigt. Schon 2010 gab der Athener Verlag Alexandria seine Studie Die heimliche Hand von Karatzaferis. Die mediale Auferstehung des griechischen Rechtsextremismus heraus.

Das Buch kann unter im Laika Verlag bestellt werden für 19,00€.

Buchrezension: Rechte Euro-Rebellion

Die Alternative für Deutschland ist im April 2013 als Anti-Euro-Partei gegründet worden, die sich konservativer und marktliberaler positioniert als CDU und FDP . Inhaltlich steht sie dem Netzwerk um den Verein Zivile Koalition e.V. des Ehepaares Beatrix und Sven von Storch nahe. In diesem Band werden Geschichte und Hintergründe der Alternative für Deutschland und der Zivilen Koalition e.V. beleuchtet. Aus dem Scheitern der rechtspopulistischen DM-Partei Bund Freier Bürger und der unternehmernahen Lobbyorganisation Bürgerkonvent e.V. sind rechtskonservativ-libertäre Fortsetzungsprojekte mit neuen Strategien entstanden. Das Besetzen von linken Begriffen wie Direkte Demokratie und Alternative Bewegung ist dabei nicht nur als rechte Diskurspiraterie zu interpretieren, sondern als neue politisch-praktische Strategie. There is no Alternative gilt für die deutsche Tea-Party-Bewegung nicht.

Andreas Kemper
Rechte Euro-Rebellion
Alternative für Deutschland und Zivile Koalition e.V.
farbig, TB, 110×180 mm
Reihe Antifaschistische Politik [RAP], Band 9
farbig, TB, 110×180 mm
ca. 96 Seiten, ca. 9.80 Euro
ISBN 978-3-942885-49-2 | WG 973
Neuerscheinung ca. Juli 2013

Literaturtipp: „Mutter Blamage – Warum die Nation Angela Merkel und ihre Politik nicht braucht“

Die Pflichtlektüre für den Wahlkampf 2013

Merkel blamiert Deutschland, und wir merken es nicht einmal. Hinter nebulösen Äußerungen und vermeintlich zögerlichem Handeln verbirgt sich in Wahrheit eine Politik, die sich an den Interessen der Wirtschaft orientiert. Anders als allgemein angenommen, so zeigt Stephan Hebel, ist Deutschland in den Merkel-Jahren unbedeutender, unberechenbarer und ungerechter geworden.

Deutschlands beliebteste Politikerin verdankt ihren Erfolg einem permanenten Betrugsmanöver. Ihre politische Agenda hat keinen Namen und kein Gesicht, ganz Deutschland glaubt deshalb, es gäbe sie nicht. Das ist ein Irrglaube: Es gibt eine Agenda, die aber in erster Linie auf Erhalt von Macht ausgerichtet ist. Inhalte werden untergeordnet. Merkel hinterlässt uns – sollte sie abgewählt werden – ein Land im Reformstau. Ein Land, das sich auf Kosten anderer in kleinkariert nationaler Interessenpolitik ergeht und sich damit letztlich selbst schadet. Ein Land, das wichtig tut, aber ständig an Gewicht verliert. Ein Land, in dem die Ungerechtigkeit wächst und Millionen Bürger in Armut leben, auch wenn sie Arbeit haben. Ein Land, in dem die Politik sich selbst zur Erfüllungsgehilfin ökonomischer Interessen degradiert. Höchste Zeit für einen Politikwechsel!

Im Vorwort des Buches heißt es unter anderem: „Dieses Buch möchte die öffentliche Selbstdarstellung von Angela Merkel mit ihrer Politik konfrontieren. Es möchte im Jahr der Bundestagswahl dem Image der Superkanzlerin sachliche Argumente entgegenstellen. Es möchte mit diesen Argumenten all jene bestärken, die sich schon jetzt unbehaglich fühlen angesichts der Schönrednerei, mit der uns die Kanzlerin und ihre Entourage in Wissenschaft oder Medien umgarnen. Es möchte für Alternativen werben zu einer Politik, die auf Dauer Deutschland ungerechter macht und die gemeinsame Zukunft Europas verspielt.“

Über den Autor
Stephan Hebel, langjähriger Redakteur der Frankfurter Rundschau und politischer Autor, ist seit zwei Jahrzehnten Leitartikler und Kommentator. Er schreibt unter anderem auch für die Berliner Zeitung sowie für Deutschlandradio, Freitag, Publik Forum und weitere Medien. Er ist zudem regelmäßiger Gast im »Presseclub« der ARD und ständiges Mitglied in der Jury für das »Unwort des Jahres«.

Das Buch gibt es für 13,99€ zzgl. Porto beim Westend Verlag zu kaufen.

Literaturtipp: „Antifa… und wie!? – Tips und Trix zur politischen Praxis“

Dieses Handbuch herausgegeben von der Antifaschistischen Linken Berlin soll Anregungen für eine möglichst erfolgreiche antifaschistische Praxis geben.
In dem Buch werden wesentliche Bereiche einer antifaschistischen, außerparlamentarischen Praxis – wie Öffentlichkeits- und Bündnisarbeit, Antirepressionsarbeit und politische Kampagnen vorgestellt und Hinweise für konkrete Ansätze gegeben. Das Handbuch soll eine Unterstützung der eigenen politischen Arbeit sein oder aber das organisierte Starten einer eigenen Gruppe erleichtern.

Die Broschüre gibt es unter anderem bei Red Stuff für 3€ zzgl. Porto.

Buchtipp: Nationale Sammlung an Rhein und Ruhr: Friedrich Middelhauve und die nordrhein-westfälische FDP 1945-1953

Nationale Sammlung – das Schlagwort stand zu Beginn der Bundesrepublik für das politische Ziel, einen dritten Block rechts von CDU/CSU und SPD zu schaffen. Vordenker und Protagonist dieser Politik war Friedrich Middelhauve. Der Vorsitzende der nordrhein-westfälischen FDP wollte seinen Landesverband zum Ausgangspunkt einer rechtsnationalen Sammlungsbewegung machen und gewann für sein Vorhaben zahlreiche ehemalige Nationalsozialisten. Die Gefahr einer „Nazi-FDP“ (Theodor Heuss) konnte erst 1953 in Folge der sog. Naumann-Affäre gebannt werden, in der rechtsextreme Aktivisten mit Kontakten zum Umfeld Middelhauves durch die britische Besatzungsmacht verhaftet wurden. Kristian Buchna untersucht akribisch die Geschichte eines höchst umstrittenen politischen Projekts und stellt den Versuch der Nationalen Sammlung in die ideengeschichtlichen Traditionen des deutschen Liberalismus.

Kürzlich erschien im Spiegel ein Artikel zu den Buch. Den Artikel findet ihr hier.

Das Taschenbuch gibt es unter anderem bei Amazon für 24,80€.

Buchtipp: „Das deutsche Volk klagt an“

»Bereits 1933 wusste man alles…«, so schreibt der französische Historiker Lionel Richard im Vorwort zur Neuauflage dieses bedeutenden Buches der deutschen Exilpresse. 1936 in Paris „anonym“ erschienen, um die Familien der Mitarbeiter vor der Verfolgung der Nationalsozialisten in Deutschland durch deren „Sippenhaft“ zu schützen, berichtet dieses Buch nahezu minutiös von der nationalsozialistischen Unterdrückung, Gewalt und Zerstörung. Die „Gefahr millionenfachen Todes in einem neuen Krieg“ liegt den Autoren bereits klar vor Augen, der Massenmord an den Juden ist in der antisemitischen Hetze bereits als Generalbefehl angekündigt.


Bild: Cover der Neuauflage des Buches „Das deutsche Volk klagt an“.

Herausgegeben wird diese nun erstmals in Deutschland erscheinende Materialsammlung über den Naziterror von 1933 bis 1936 von Katharina Schlieper, der Tochter von Maximilian Scheer, der damals die Auswahl der Berichte traf und sie durch seine entlarvenden Texte zu diesem beeindruckenden Tatsachenbuch zusammenfügte, indem er systematisch die bewusst verschwiegenen Zusammenhänge, Hintergründe, Verletzungen des Völkerrechts und Pläne des Regimes offenlegte.

Die Neuausgabe enthält das Vorwort aus der Originalausgabe von Romain Rolland sowie ein einleitendes Vorwort des französichen Historikers Lionel Richard und von Katharina Schlieper. Beigelegt ist dem Buch der Reprint der Übersichtskarte über die Konzentrationslager, Zuchthäuser und Gefängnisse in Deutschland von 1936. Weiter enthält die Neuauflage das Faksimile der Besondere Lagerordnung für das Gefangenen-Barackenlager Esterwegen und derDisziplinar- u. Strafordnung für das Gefangenenlager, jeweils 1.8.1934. Schließlich enthält das Buch einen ergänzenden Beitrag zu Willi Münzenberg, der im Pariser Verlag Editions du Carrefour auch die Herausgabe dieses Buches organisierte.

Das Buch gibt es unter anderem im Shop des LAIKA Verlags für 24€90 zzgl. Versand.

Buchtipp: „Wir lassen sie verhungern“

Der jährliche Hungertod von mehreren zehn Millionen Menschen ist der Skandal unseres Jahrhunderts. Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. Und das auf einem Planeten, der grenzenlosen Überfluss produziert. Dieser Massenvernichtung von menschlichem Leben begegnet die öffentliche Meinung mit eisiger Gleichgültigkeit – solange die alltäglichen Katastrophen nicht allzu aufdringlich »sichtbar« werden, wie etwa die Hungersnot, die seit Sommer 2011 in fünf Ländern am Horn von Afrika eine tödliche Bedrohung darstellt.

Jean Ziegler verbindet seine Erfahrungen aus acht Jahren als UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung mit seinem unermüdlichen Kampf für eine friedliche, gerechte Welt. Er erinnert an die dramatische ungleiche Verteilung von Reichtum, an die strukturelle Gewalt unserer Weltordnung, an Milliardenzocker, die Nahrungsmittel monströs verteuern, und er zeichnet das brutale Bild des Hungers.

Eine ausführliche Zusammenfassung des wütendmachenden Buches gibt es auf fairunterwegs.org.

Das Buch gibt es für 19,99€ unter anderem bei Amazon.


Bild: Jean Ziegler – „Wir lassen sie verhungern“

Filmtipp: „Die Zukunft pflanzen“ auf arte

Der deutsch-französische Sender arte hat an seinem Themenabend Bio für neun Milliarden am 16. Oktober 2012 in einem Dokumentarfilm von Marie-Monique Robin gezeigt, dass Hunger in der Welt (auch) ohne industrielle Nahrungsmittelproduktion überwunden werden kann. In der Ankündigung heißt es:

Ein Sechstel der Weltbevölkerung leidet gegenwärtig Hunger. Aber das ist kein unabwendbares Schicksal. Anhand von Beispielen aus Mexiko, Japan, Malawi, Kenia, Senegal, den USA und mehreren europäischen Ländern veranschaulicht Filmemacherin Marie-Monique Robin, dass radikales Umdenken gefordert ist und dass die Lebensmittelkette anders verwaltet und organisiert werden muss – und kann, um dem Hunger in der Welt Abhilfe zu schaffen.

Mittlerweile beweisen weltweit aktive Initiativen, dass ökologische Landwirtschaft, die umweltgerecht und ressourcenschonend verfährt, nicht nur möglich, sondern auch ertragreicher ist als die industrielle Produktion von Nahrungsmitteln. Voraussetzung dafür ist allerdings auch, dass den Bauern – und nicht nur den Großproduzenten unter ihnen – wieder eine Schlüsselrolle in der für die Zukunft der Menschheit unabdingbaren Entwicklung zugebilligt wird.

Der Film wird noch öfter ausgestrahlt. Weitere Ausstrahlungstermine sind:
• Samstag, 20. Oktober 2012, 14:40
• Dienstag, 30. Oktober 2012, 10:35
• Donnerstag, 8. November 2012, 14:10

Wer sich den Film jetzt schon angucken möchte, kann dies hier und jetzt tun. ;)

Buchtipp: Neue Nazis – Jenseits der NPD: Populisten, Autonome Nationalisten und der Terror von rechts

Die extreme Rechte wandelt – und radikalisiert sich

Trotz des Auffliegens der »NSU«-Terrorzelle wird die Gefahr weiter unterschätzt: Die extreme Rechte in Deutschland hat sich in den letzten Jahren zugleich radikalisiert und verbürgerlicht – und die emsige Verbotsdiskussion um die NPD lenkt die Aufmerksamkeit in die falsche Richtung. Mit den »Autonomen Nationalisten« (AN) ist eine junge und äußerst gewaltbereite Neonazi-Strömung entstanden. Sie kopiert den popkulturellen Stil der Linksautonomen und bietet Action, wirkt anziehend auf Jugendliche. Dazu trägt auch die rechte Musikszene bei. Anhänger der AN sind mehrfach mit Vorbereitungen zu Terroranschlägen aufgeflogen. Am gemäßigten Rand der Szene erstarkten die Rechtspopulisten. Gruppen wie »Pro Deutschland« und »Die Freiheit« versuchen mit islamophoben Inhalten an nationalkonservative und bürgerliche Positionen anzuknüpfen – und »die Partei zum Sarrazin-Buch« zu werden. Zwischen diesen Polen wird die früher dominierende NPD womöglich zerrieben.

Das Buch gibt es unter anderem bei Red Stuff für 9,99€ zzgl. Versand.

Die Homepage zum Buch findet ihr hier.


Bild: Das Buch „Neue Nazis“ (Foto: www.neue-nazis.de)

Literaturtipp: „Blüten aus dem KZ“

Florian Osuch: „Blüten“ aus dem KZ. Die Falschgeldaktion „Operation Bernhard“ im Konzentrationslager Sachsenhausen.

1942 bis 1944 zwangen die Nazis jüdische Facharbeiter des grafischen Gewerbes, im KZ Sachsenhausen gefälschte britische Banknoten herzustellen. Nach dem Chef der Fälscherwerkstatt, dem SS-Sturmbannführer Bernhard Krüger, erhielt die Blüten-Produktion im Wert von 134 Millionen Pfund Sterling den Namen „Operation Bernhard“.

Nach der literarischen und der filmischen Aufarbeitung („Die Fälscher“) wird in diesem Buch erstmals der historisch-politische Rahmen mit den Details von Drucktechnik und Logistik dieser größten Geldfälscherei der Weltgeschichte verbunden. „Eine juristische Aufarbeitung der ‚Operation Bernhard‘ fand nicht statt“, konstatiert der Autor. Nach bisherigem Erkenntnisstand musste sich von den Nazi-Verbrechern, die die Falschgeldproduktion und die Ermordung von kranken Häftlinge betrieben haben, niemand je vor Gericht verantworten.

Das Buch gibt es unter anderem bei Red Stuff für 12,80€ zzgl. Versand zu kaufen.


Bild: Cover des Buches „Blüten aus dem KZ“.




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