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Neues Material: 20 Jahre zapatistischer Aufstand in Mexiko

Am 1. Januar 1994 begannen die Zapatist_innen in Mexiko ihren Aufstand gegen die neoliberale Politik der mexikanischen Regierung. In den Jahren ihres Aufbaus flossen in die kategorisch antiimperialistische Ejército Zapatista de Liberación Nacional (EZLN) neben marxistischen auch anarchistische und sogar religiöse Einflüsse. Diese Verschmelzung verschiedenster Lebensphilosophien führte zu einer weltweit einmaligen Form des Zusammenlebens und wurde Vorbild für soziale und politische Gruppen in aller Welt.

Seit 20 Jahren liegen die Zapatist_innen mit der mexikanischen Regierung im Krieg und sind zunehmenden Angriffen durch von der mexikanischen Regierung bezahlten Paramilitärs ausgesetzt. Vom krieg der „niederen Intensität“ ist dabei oft die Rede.

Mit einer Neuauflage der Broschüre „Die zapatistische Bewegung in Chiapas/Mexiko“ und einem neuen Aufklebermotiv wollen wir euch die EZLN wieder ins Gedächtnis rufen. Das Heft gibt einen Überblick über die Geschichte und Arbeitsweisen der zapatistischen Bewegung. Welche Veränderungen hat ihre Bewegung durchlebt? Welche Ziele konnten sie erreichen und welche haben sie verfehlt. Diese und andere Fragen werden wir euch in unserem Heft ausführlich behandeln. Besonders empfehlen wir euch den Reisebericht von Jan Grünthal, der selber mehrere Monate in Mexiko gelebt und sich die Situation vor Ort selber angeschaut hat.

Ladet euch das Heft als pdf-Datei hier herunter, holt euch die kommenden Wochen die Hefte und Sticker in allen gutsortierten Infoläden MV’s oder bestellt das Material direkt bei uns per Mail.

Mexiko: Grösste Mobilisierung der Zapatistas seit dem Aufstand 1994

Nach langem Schweigen meldete sich gestern die zapatistische Bewegung in Chiapas mit der grössten Mobilisierung seit dem Aufstand 1994 auf der Bildfläche zurück. Laut der unabhängigen, mexikanischen Tageszeitung “La Jornada” versammelten sich dafür zeitgleich insgesamt ungefähr 40.000 Zapatist_innen auf den zentralen Plätzen der Städte San Crsistobal de las Casas, Las Magaritas, Ocosingo, Palenque und Alatarmirano. In San Cristobal de las Casas konnte das beeindruckende Schauspiel von schätzungsweise 20.000 mit pasamontañas (Schimasken) vermummten Zapatist_innen beobachtet werden, die in einem Schweigemarsch vorrübergehend den Hauptplatz besetzten, auf einer Erhöhung mit erhobener Faust an einer zaptistischen und einer mexikanischen Flagge vorbeizogen und dann ohne eine Kundgebung abzuhalten oder Parolen zu rufen wieder verschwanden. Zuvor hatten die Aufständischen eine lange Reise aus den fünf “caracoles” den basisdemokratischen Verwaltungszentren der Zapatistas angetreten, die über ganz Chiapas verteilt liegen.


Bild: Zapatistas demonstrierten zu zehntausenden in verschiedenen Städten Mexikos (Foto: de.indymedia.org)

Laut “La Jornada” ist an dem Aufmarsch besonders bemerkenswert, dass sich so viele junge Menschen unter den Angereisten befanden. Dieses Kommentar ist vorallem im Kontext, der von vielen “totgesagten” zapatistischen Bewegung zu sehen, die gestern auf beeindruckende Weise ihre nach wie vor vorhandene Stärke demonstrierte.


Bild: Erhobene Fäuste während der Demonstration in San Cristobal de las Casas (Foto: de.indymedia.org)


Bild: Insgesamt beteiligten sich etwa 40.0000 Menschen an den Demonstrationen der Zapatistas (Foto: de.indymedia.org)

Mit grosser Spannung wurde ausserdem eine neue Bekanntmachung des “revolutionären und indigenen Geheimkomitees” der Bewegung erwartet. Dieses ist seit gestern im Internet zu finden und beschränkt sich auf wenige Sätze: “Hört ihr es? Es ist das Geräusch ihrer Welt, die zusammenbricht. Es ist die unsere, die zurück kehrt. Der Tag der Tag war, wird Nacht und die Nacht die Nacht war wird Tag”. Das Communiqué bezieht sich auf den gestern zu Ende gegangenen Zyklus des Maya-Kalenders, bei dem es sich, wie “La Jornada” betont, nicht um eine Prophezeiung sondern eine mathematische Berechnung handelt.

In den letzten Monaten war es zu einer Zuspitzung der Situation in verschiedenen zapatistischen Unterstützungsgemeinden gekommen. Paramilitärische Gruppierungen verübten direkte, teils schwer bewaffnete und offene Angriffe und auch die durch die Regierung vorangetriebene Spaltung der Gemeinden, die von den Zapatist_innen als eine Taktik der Aufstandsbekämpfung bezeichnet wird, verschärften sich. Seit dem 1. Dezember ist der PRI-Kandidat Enrique Peña Nieto neues Regierungsoberhaupt Mexikos. Eine Demonstration, die dessen Amtsantritt begleitete, wurde von der Polizei brutal niedergeschlagen und viele Demonstrierende fanden sich im Gefaengniss wieder, teils mit der Aussicht auf bis zu 30 Jahren Haft. Von der Rückkehr der PRI und Enrique Peña Nietos, der bereits zwischen 2005 und 2011 das Amt des Gouverneurs des Bundesstaats Mexikos inne hatte und sich durch zahlreiche Menschenrechtsverletzungen auszeichnete, wird von vielen Seiten eine Verschärfung der Repression gegen soziale Bewegungen erwartet.

Übernommen von Indymedia nach CC Lizenz.

Land und Freiheit – Eine Geschichte aus dem Süden Mexicos

Ein Reisebericht von Jan Grünthal

1. Geschichtliches

Im Süden von Nordamerika liegt Mexico. Um die politischen, sozialen und ökonomischen Verhältnisse verstehen zu können, ist es gut einen kleinen Blick in die Geschichte zu werfen. Aus europäischer Sicht erschien Mexico 1517 auf der Weltkarte, damals herrschten die Azteken. Schon 1521 hatte der Spanier Hernan Cortes mit Hilfe von Verbündeten vor Ort, in leidvollen kriegerischen Auseinandersetzungen, die Azteken besiegt und Mexico wurde spanische Kolonie.

1810, also genau vor 200 Jahren wurde Mexico unabhängig. Es begann eine politisch instabile Zeit, neben dem anfänglichen Unabhängigkeitskrieg, gab es viele militärische Interventionen und zu erheblichen Gebietsverlusten. So „verlor“ Mexico Gebiete, die heute die Staaten Guatemala, Nicaragua, Costa Rica und El Salvador bilden und den Norden des Landes (das heutige Californien, New Mexico, Arizona, Nevada und Colorado) im Mexicanisch-Amerikanischen Krieg (1846-48) an die USA.

Das Leben der Bevölkerung war von Armut und Not geprägt. Das Land war an Großgrundbesitzerclans verteilt und die Bauern hatten, oft auch als Leibeigene auf diesen Gütern (Haziendas) zu arbeiten. Die sozialen Spannungen waren enorm und mündeten in der mexikanischen Revolution von 1910, also genau vor 100 Jahren. Der radikale Bauernführer Emiliano Zapata vertrieb mit seiner Armee die Großgrundbesitzer und verteilte das Land an die Bevölkerung, aus dieser Zeit stammt auch der Kampfruf „Tierra y Libertad“ (Land und Freiheit). Der Bürgerkrieg dauerte 10 Jahre und am Ende hatten ca. 1,5 Millionen Menschen (ca. 12 Prozent der Bevölkerung) ihr Leben verloren und die wirtschaftlichen Strukturen waren zerrüttet. Nach Revolution und Bürgerkrieg kontrollierte die PRI (Partei der institutionalisierten Revolution) das Land und der Wiederaufbau begann. Eine revolutionäre Verfassung hatte die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Bevölkerung im Blick, so wurden z.B. ca. 2 Millionen ha Land an die Dörfer als Allgemeinbesitz zurückgegeben.

Zur Zeit des Faschismus in Europa, stand Mexico auf der Seite der Alliierten und im spanischen Bürgerkrieg half Mexico der spanischen Republik mit Waffen und nahm auch fliehende Menschen auf. Die PRI regierte bis in die 1990er Jahre, also über 70 Jahre.

Am 1.1.1994 trat das NAFTA Abkommen in Kraft, das besagt, dass Waren, Geld und Dienstleistungen „frei“ zwischen den USA, Kanada und Mexico gehandelt werden können. Das hieß, dass die hoch entwickelte Industrie Kanadas und der USA mit der nicht so weit entwickelten in Mexico in direkter Konkurrenz trat. Folge war das umweltschädliche und personalintensive Produktion nach Mexico verlagert wurde und viele mexikanische Unternehmen durch US-amerikanische und kanadische Unternehmen aufgekauft wurden. Zugleich begann Mexico staatliche Unternehmen zu privatisieren und änderte die Verfassung so, dass Land was den Dörfern gehört verkauft werden kann, was die Verfassung bis dahin verbot. Am 1.1.1994 begann gegen diese unsoziale Politik der Aufstand der linken EZLN (Zapatistischen Streitkräfte zur nationalen Befreiung) im südlichen Bundesstaat Chiapas. 2000 bewaffnete Indigenas besetzten 5 größere Städte und es kam zu tagelangen Kampfhandlungen mit über hundert Toten. Nach 12 Tagen wurde auf Druck der Zivilgesellschaft (z.B. Massendemos in Mexico-Stadt) ein Waffenstillstand vereinbart und Verhandlungen begannen. Das Abkommen von San Andres (ein kleiner Ort bei San Cristobal, wo die Verhandlungen geführt worden sind) wurde geschlossen, jedoch von der Regierung nicht eingehalten.

Seit dem Aufstand der Zapatistas bauen die ihre eigenen basisdemokratischen Strukturen auf und zugleich militarisiert der Staat Chiapas, indem überall Militär stationiert wird, wo sich zapatistische Gemeinden befinden.

2. Soziale Bewegungen in Chiapas

Ich bin aus drei Gründen in den Süden Mexico gereist, zum einen wollte ich spanisch lernen, etwas von den Zapatistas und anderen sozialen Bewegungen mitbekommen und reisen. Insgesamt war ich 2009 3 Monate in Mexico. San Christobal ist die Stadt von der man gut in die Gebiete des Zapas kommt. San Christobal liegt in den Bergen und ist über 2000 m hoch. Es kann im Winter empfindlich kalt werden. Über die Wochen lernte ich viele Akteure der Zivilgesellschaft kennen, die an der Seite der Zapas und anderer sozialer Bewegungen für ein besseres Leben der Bevölkerung kämpfen. Die Zapas sind auch direkt in San Cristobal zu finden, ab und zu im Straßenbild mit den bekannten Wollmützen, die nur ein Schlitz für die Augen haben und in Märkten, wo Produkte der Zapas verkauft werden, z.B. Schuhe, Bücher, Filme, Musik, Kleidung. Auch politische Veranstaltungen, Demonstrationen und Protestcamps fanden statt und viele Wände waren mit linken politischen Losungen besprüht. Insgesamt machte die Stadt einen politisierten Eindruck. Ich hatte mit Leuten von Zivilgesellschaftlichen Organisationen Interviews geführt. Dabei unterstützen diese Organisationen die Zapas auf verschiedene Weisen, da gab es zum Beispiel SIPAZ und Frayba, die Menschenrechtsbeobachter_Innen in Gebiete schickten, um Angriffe auf soziale Bewegungen zu verhindern oder öffentlich zu machen, wenn diese geschehen; da gab es die Zapatistische Universität, bei der viele junge Leute ausgebildet wurden und dann gab es Ciepac, die Bildungsmaterialien für Zapas machen.

Zapatistische Gemeinden

Es gibt ca. 40 zapatistische Gemeinden, die jeweils zu einem der 5 Caracoles (Gemeindezentren) gehören. Im Caracol sitzt die „gute Regierung“. So nennt sich die Regierung des zapatistischen Gemeinden. Sie werden regelmässig gewählt und es gibt eine begrenzte Amtsdauer. im Caracol Oventic sind auch Schulen. Eine Primaria und eine Secundaria (bei uns Grundschule und Realschule). Die Schüler_Innen haben dort ihr Internat. Alle belange der zapatistsichen Gemeinden werden dort diskutiert und geklärt. Neben den Zapas gibt es ganz oft auch andere soziale Bewegungen, die auch ganze Gemeinden organisieren, so wie zum Beispiel die Abejas in Acteal oder die Bauernorganisationen des Stromwiderstandes. Einige von denen haben sich dem EZLN übergreifenden Bündnis der „Anderen Kampagne“ angeschlossen. Eine Kampagne, die den Staat ablehnt und demokratische, libertäre Strukturen im Land verbreiten möchte. Ein Prinzip der Zapas ist zum Beispiel keinerlei staatliche Gelder anzunehmen, weder für Ziegel und Dächer, auch nicht für Krankenhäuser und schulen. Wer Geld annimmt ist RAUS. So kann man sich schnell vorstellen wie arme Leute vor der Entscheidung stehen und genau diese Zwänge von den herrschenden geschickt genutzt werden können um Gemeinden zu spalten, was auch täglich geschieht.

Ciepac

Ciepac ist eine Organisation die in Chiapas arbeitet mit den indigenen Gemeinden. Dabei reicht spanisch meist nicht, weil dort vor allem die Maya Sprachen Tsotsil und Tsectal gesprochen werden. Die Organisation macht Filme, Berichte, Aufkleber, Plakate und Infobroschüren zu politischen Themen, die die Indigenas betreffen. Alle zwei Monate treffen sich Mitarbeiter_Innen der Organisation mit Vertreter_Innen der Gemeinden und es wird einen ganzen Tag beraten wie die Lage ist, was aktuell ist und wie sie unterstützt werden können. Für die Organisation arbeiten acht Angestellte und einige Freiwillige, unter anderem auch Anna. Themen sind zum Beispiel die hohen Strompreise, gentechnisch veränderter Mais und Monsanto, der Bau von Schnellstraßen auf Gemeinschaftsland der Indigenas, Aktionen um politische Gefangene oder andere Konflikte.

Das Beispiel Strom. Einige Gemeinden in Chiapas sind bis heute nicht an das Stromnetz angeschlossen. Die die angeschlossen sind müssen den Strom bezahlen. Viele Familien haben aber kein Geld, weil sie nur das anbauen, was sie verbrauchen, also nichts für den Markt, also kommt kein Geld rein. sie können den Strom nicht bezahlen. Und es gibt kein Licht, kein Kühlschrank und kein TV. Die Leute schließen sich schwarz an das Netz an. Bis die Firmen das wieder entfernen und so geht das hin und her. Die Kritik ist, dass die Indigenen mehr für den Strom bezahlen als die Firmen, denn die bekommen Energie zum Extrapreis.

SIPAZ

Mitglieder der Organisation SIPAZ sind große Friedens- und Menschenrechtsorganisationen aus aller Welt. aus Deutschland ist der Berliner Carea Verein dabei, der auch die Vorbereitungsseminare für die deutschen Menschenrechtsbeobachter_Innen macht. Die Organisation will, das die Konflikte in der Region möglichst ohne Schäden für Menschen ablaufen. SIPAZ trifft sich mit den Leuten aus den Gemeinden in denen es Konflikte gibt und versucht zu helfen. Durch ihre Anwesenheit sind zum teil Vermittlungen möglich. Staat, Polizei, Militär und Paramilitärs reagieren anders, wenn westliche Beobachter_Innen dabei sind. Neben dem Begleiten der Gemeinden, gibt es auch Öffentlichkeitsarbeit. Die Welt wird informiert, wenn hier was geschieht. SIPAZ wurde 1995 gegründet, also ein Jahr nach dem Aufstand der Zapas. In der Zona Norte (Teil von Chiapas) gab es eine paramilitärische Gruppe, die gegen die Teile der Bevölkerung kämpfte, die nicht mit der Regierungspolitik übereinstimmten. Es gab über 100 Verschleppte und Tote und insgesamt 4000 Vertriebene. Genau dort begann SIPAZ zu arbeiten. Eines der Ziele war die Entspannung der Lage in dieser Region. Dieses Ziel wurde auch erreicht. Es gibt keine Ermordeten mehr. Dennoch spricht die Organisation von Krieg mit niederer Intensität. Die Gemeinden in der Zona Norte werden heute noch vier mal im Jahr besucht. Neben der Zona Norte arbeitet SIPAZ auch in Acteal und anderen Konfliktgebieten. Sie betreuen politische Gefangene und suchen politische Lösungen für Konflikte, wenn es auch manchmal nur sehr langsam oder kaum vorwärts geht. Immer wieder gibt es dennoch Erfolge und die Gemeinden wollen mit SIPAZ zusammenarbeiten. Zur zeit gibt es Konflikte wegen des Autobahnbaus. Es wird nämlich ne schön Autobahn gebaut, zwischen San Christobal und Palenque. Natürlich wird die Bevölkerung nicht gefragt und sogar die Pläne für den Bau (also welche strecke) verheimlicht, weil die Regierung Angst vor Protesten hat. Denn indigene Gemeinden wollen meist keine Autobahn, gerade auch weil es eine gewisse Landknappheit gibt.

Man kann viel Lernen in Chiapas, insbesondere, wie man sich organisieren kann, welche Protestformen es gibt, wie wichtig Solidarität ist und in Netzwerken mit vielen Verbündeten zu arbeiten. Gut war zu sehen wie viel Kraft und wie viel Geduld Menschen brauchen um besser Leben zu können. Es bedarf auch eines hohen Maßes an Respekt vor den beteiligten Organisationen und ihren Prinzipien, sie arbeiten zum Teil sehr verschieden und ich denke das diese Vielfältigkeit die Stärke der Bewegung ausmacht.

Tierra y Libertad! – Land und Freiheit!

Die La Otra Campaña – Die Andere Kampagne

Nach einer Zeit der internen Neuordnung der EZLN, trat am 29.06.2005 die Generalkommandantur der EZLN mit der „Sechsten Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald“, kurz „Sexta“, an die Öffentlichkeit. Kern der Erklärung war die Forderung nach einer Neuordnung Mexikos und der gesamten Welt. Eine Ordnung ohne klassische Parteien und ohne den auswuchernden Neoliberalismus. Eine neue Verfassung für Mexiko sollte geschaffen werden.
Das Ziel der Arbeit der EZLN und ihrer Sympathisant_Innen war also nicht mehr die gewaltsame Eroberung Mexikos oder irgendeines anderen Landstriches. Obwohl die sich selbst „zapatistische Armee der nationalen Befreiung“ nennende Organisation ursprünglich als typische Guerilla erdacht wurde, trägt sie heute nur noch den Namen „Armee.“ Die zunehmende Verschlechterung der sozialen Lage in Mexiko – die ansteigende Jugend- und Altersarmut, wachsende Arbeitslosigkeit und steigende Inflation der mexikanischen Währung – stand dem stetig wachsendem Reichtum einer kleinen Führungselite und größer werdende Kriminalität, auch der Drogenkartelle, gegenüber. Die Schere zwischen Arm und Reich klaffte in kaum einem anderen Land Südamerikas so weit aus einander, wie in Mexiko.

Nach mindestens sieben Vorbereitungstreffen begann dann endlich die friedliche Fortsetzung des zapatistischen Aufstandes von 1994 mit einer enormen Demonstration in San Cristóbal de las Casas, Chiapas. Eine Delegation der Zapatisten, mit Subcomandante Marcos – innerhalb der Delegation „Delegato Zero“ (Delegierter Null) genannt – an der Spitze, reiste für mehrere Monate durch Mexiko und führte mit hunderten Gruppen und Einzelpersonen Gespräche, um ihre Probleme und Bedürfnisse zu erfahren, um so bundesweite Strukturen für die Kampagne aufbauen und letztlich eine gerechte Verfassung für alle Mexikaner_Innen schaffen zu können. Viele dieser Treffen und Gespräche waren begleitet von verschiedenen Demonstrationen und Märschen.
Mit sozialen Projekten, Aufbauprogrammen und dem Ausbau autonom verwalteter Zentren wollten die Indigenas zur Verbesserung der Lebenssituation vor allem der ländlichen Bevölkerung beitragen. Diese Arbeit ist bis heute Kern der zapatistischen Anstrengungen. Mit internationalen Hilfs-, Austausch-, und Solidaritätsprojekten, wie dem Café Libertad, das zapatistischen Kaffee verkauft, wollen sowohl Mexikaner_Innen als auch Menschen aus fast allen Ecken der Welt versuchen, den versklavenden Neoliberalismus zu überwinden oder doch zumindest versuchen ihn zu unterhöhlen. Auch wenn bis heute scheinbar nur marginale Erfolge in Mexiko erzielt wurden, hat der Kampf für soziale Gleichheit begonnen.

„Wir müssen die Welt nicht erobern. Es reicht, sie neu zu schaffen. Heute. Durch uns!“
Subcomandante Marcos: Botschaften aus dem Lakandonischen Urwald

Zur Entwicklung der FZLN

Die FZLN ist der wohl er­folg­reichs­te Ver­such der za­pa­tis­ti­schen Be­we­gung, einen fried­li­chen, zi­vi­len Arm ihrer Be­we­gung zu eta­blie­ren. Zwei Vor­gän­ger­or­ga­ni­sa­tio­nen, die CND (Con­vención Na­cio­nal De­mocrática) und die MLN (Mo­v­imi­en­to de Li­be­r­a­ción Na­cio­nal) waren zuvor mehr oder min­der ge­schei­tert.
Am ers­ten Ja­nu­ar 1996 gab die EZLN in ihrer „Vier­ten Er­klä­rung aus dem La­ca­do­ni­schen Ur­wald“ die Grün­dung die­ser Un­ter­or­ga­ni­sa­ti­on als po­li­ti­sche Sek­ti­on be­kannt. Es soll­te aber noch über an­dert­halb Jahre dau­ern, bis die ei­gent­li­che Grün­dung der FZLN Wirk­lich­keit wurde. Mehr als 3.​000 De­le­gier­te be­rie­ten über das po­li­ti­sche Pro­gramm und die Struk­tur, bevor im Sep­tem­ber 1997 die of­fi­zi­el­le Kon­sti­tu­ie­rung der Fren­te Za­pa­tis­ta de la Li­be­r­a­ción Na­cio­nal in Me­xi­ko-​Stadt ver­kün­det wer­den konn­te. Zehn­tau­sen­de Men­schen be­grüß­ten Mo­na­te zuvor die in die Stadt ein­zie­hen­den Za­pa­tis­ten, die zur Kon­sti­tu­ie­rung ein­ge­la­den hat­ten.
In ver­schie­de­nen so­zia­len Pro­jek­ten, die weit über den me­xi­ka­ni­schen Bun­des­staat Ch­ia­pas hin­aus­gin­gen, en­ga­gier­ten sich die Za­pa­tis­ten und deren An­hän­ger, um für mit­tel­eu­ro­päi­sche Ver­hält­nis­se selbst­ver­ständ­lich er­schei­nen­de Dinge, wie er­reich­ba­res Trink­was­ser, lebenswerter Wohnraum oder Schul­bil­dung zu kämp­fen. Aber auch Pro­ble­me wie Ar­beits­lo­sig­keit und Hun­ger ver­such­te die FZLN ein­zu­däm­men.
Am 20.​11.​2005 gab Sub­comm­man­dan­te Mar­cos in der „Sechs­ten Er­klä­rung aus dem La­ca­do­ni­schen Ur­wald“ im Auf­trag des „Ge­hei­men Re­vo­lu­tio­nä­ren In­di­ge­nen Ko­mi­tee“ die Auf­lö­sung der FZLN be­kannt:

„Ende Ok­to­ber 2005, traf sich eine De­le­ga­ti­on des CCRI-​CG der EZLN mit ei­ni­gen Mit­glie­dern der Za­pa­tis­ti­schen Front für Na­tio­na­le Be­frei­ung, und bat sie ge­mein­sam mit all ihren Compañeros und Compañeras über die Mög­lich­keit zu kon­sul­tie­ren, die or­ga­ni­sche Struk­tur der FZLN auf­zu­lö­sen […] Dies dien­te dem Zweck, es der EZLN frei­zu­stel­len eine za­pa­tis­ti­sche, zi­vi­le und fried­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on neu zu grün­den […] um zu ver­su­chen, die Feh­ler und Schwä­chen zu ver­mei­ den, die sich bei ihrer Ar­beit her­aus­ge­stellt haben, und dies­mal mit der di­rek­ten Be­tei­li­gung der Za­pa­tis­ten der EZLN.
Die EZLN ver­ei­nigt seit dem in sich so­wohl einen mi­li­tä­ri­schen Flü­gel, aber vor allem auch einen zi­vi­len, fried­li­chen und so­zi­al en­ga­gier­ten. Der Auf­bau au­to­no­mer Struk­tu­ren liegt nicht mehr nur in den Hän­den der Mi­li­zen, son­dern er liegt nun in allen Hän­den.“

Rechte Paramilitärs im Süden Mexikos – eine wachsende Gefahr

Seit dem Auf­stand der Za­pa­tis­ten in Me­xi­ko 1994 gab und gibt es viele Ver­su­che, au­to­no­me Struk­tu­ren auf­zu­bau­en. Weite Teile der in­di­ge­nen Be­völ­ke­rung wol­len sich nicht mehr unter das neo­li­be­ra­le Par­tei­en­sys­tem stel­len, dass ihnen eine Armut und Hilf­lo­sig­keit auf­zwingt, wie kaum ein an­de­res Sys­tem.

Die Ant­wort der me­xi­ka­ni­schen Re­gie­rung auf diese Be­frei­ungs­ver­su­che ist in vie­len Fäl­len nur eine: Ge­walt. Of­fi­zi­el­le Re­gie­rungs­trup­pen gegen die ei­ge­ne Be­völ­ke­rung ein­zu­set­zen ist – zu­min­dest noch – selbst bei den meis­ten west­li­chen im­pe­ria­lis­ti­schen Staa­ten ver­pönt. Der Staat Me­xi­ko setzt des­halb zu­neh­mend auf an­de­re Me­tho­den, die in­di­ge­ne Be­völ­ke­rung ein­zu­schüch­tern. Oft kom­men dabei so­ge­nann­te pa­ra­mi­li­tä­ri­sche Ein­hei­ten zum Ein­satz. Meis­tens von der Re­gie­rung be­zahlt, aus­ge­bil­det und/oder aus­ge­rüs­tet ter­ro­ri­sie­ren sie ganze Land­stri­che. Min­des­tens sechzehn die­ser ir­re­gu­lä­ren und il­le­ga­len Trup­pen agie­ren in den Bun­des­staa­ten Ch­ia­pas, Gu­er­re­ro, So­no­ra, Cam­pe­che und Ta­bas­co. Zu den be­kann­tes­ten Ter­ror­grup­pen ge­hö­ren „Paz y Jus­ti­cia“, „MIRA“, „Chin­chuli­nes“, die „Pu­na­les“, die „Guar­di­as Blan­cas“ und mitt­lerweile auch die UBI­SORT.
Die meis­ten von ihnen ope­rie­ren im Bun­des­staat Ch­ia­pas, einem der är­ms­ten Ge­bie­te Me­xi­kos. Mit Aus­nah­me der Guar­di­as Blan­cas („Weiße Gar­den“), die be­reits seit An­fang der fünf­zi­ger aktiv sind, wurde fast alle diese Grup­pie­run­gen Mitte oder Ende der Neun­zi­ger des zwan­zigs­ten Jahr­hun­dert, als di­rek­te Re­ak­ti­on auf die in­di­ge­nen Auf­stän­de, ge­grün­det.

Die „Union für das so­zia­le Wohl in der Tri­qui-​Re­gi­on“ (UBI­SORT)
Die UBI­SORT ist eine der we­ni­gen Mi­li­zen, die nicht in Ch­ia­pas agie­ren. Ob­wohl sie weder zu den äl­tes­ten, noch zu den größ­ten pa­ra­mi­li­tä­ri­schen Ver­bän­den in Me­xi­ko zählt, ist die Union in der Ver­gan­gen­heit des Öf­te­ren durch ihr bru­ta­les Vor­ge­hen auf­ge­fal­len. Die Grup­pe, die haupt­säch­lich aus Co­pa­la-​Be­woh­nern be­steht, kämpft gegen den am ers­ten Ja­nu­ar 2007 aus­ge­ru­fe­ne au­to­no­men Be­zirk San Juan Co­pa­la. Die UBI­SORT wird di­rekt von der sich selbst Re­vo­lu­tio­nä­ren in­sti­tu­tio­nel­len Par­tei (PRI) fi­nan­ziert. Die rechts­kon­ser­va­ti­ve PRI ist in Oa­xa­ca seit über 80 Jah­ren an der Re­gie­rung. Seit Ende 2009 be­la­gert die UBI­SORT das au­to­no­me Ge­biet Co­pa­la. Was­ser-​ und Strom­zu­fuh­ren wur­den ge­kappt, Leh­rer und Ärzte aus der Re­gi­on ver­trie­ben. Mehr als zwan­zig Men­schen sind be­reits wäh­rend die­ser Blo­cka­de von der UBI­SORT er­schos­sen wor­den, dar­un­ter auch Klein­kin­der. Gro­ßes Auf­se­hen er­reg­te der An­griff auf einen Hilfs­kon­voi, der im April 2010 Nah­rungs­mit­tel und Me­di­ka­men­te in das ab­ge­schnit­te­ne Dorf brin­gen woll­te. Zwei Ak­ti­vis­ten wur­den dabei durch ge­ziel­te Kopf­schüs­se re­gel­recht hin­ge­rich­tet, meh­re­re Teil­neh­mer_In­nen des Kon­vois wur­den ver­letzt. Al­lein der erste Jeep der Hilfs­trup­pe wurde mit über zwan­zig Ein­schüs­sen durch­lö­chert.

Die Guar­di­as Blan­cas („Weiße Gar­den“)
Die „Wei­ßen Gar­den“ wer­den ent­we­der von Groß­grund­be­sit­zern oder lo­ka­len po­li­ti­schen Macht­ha­bern en­ga­giert, fi­nan­ziert und be­waff­net. Meis­tens han­delt es sich bei die­sen Mi­li­zen um ehe­ma­li­ge Sol­da­ten und Si­cher­heits­kräf­te oder um ver­arm­te Bau­ern und Land­ar­bei­ter. Mit Hilfe die­ser il­le­ga­len An­griffs­kom­man­dos wol­len Guts­be­sit­zer und lo­ka­le Po­li­ti­ker – die oft unter einer Decke ste­cken oder sogar die sel­ben Per­so­nen sind – auf il­le­ga­lem Weg ihre öko­no­mi­schen und po­li­ti­schen In­ter­es­sen durch­set­zen. Auf das Konto der „Wei­ßen Gar­den“ gehen Ver­trei­bun­gen un­lieb­sa­mer Bau­ern aber auch Morde an gan­zen Fa­mi­li­en.

Pazy y jus­ti­cia (Frie­den und Ge­rech­tig­keit)
Die pa­ra­mi­li­tä­ri­sche Or­ga­ni­sa­ti­on „Paz y Jus­ti­cia“, die sich spä­ter in „Des­ar­rol­lo, Paz y Jus­ti­cia“ („Ent­wick­lung, Frie­den und Ge­rech­tig­keit“, kurz DPJ) um­be­nann­te, grün­de­te sich im Jahr 1995, kurz nach dem Auf­stand der Za­pa­tis­ten, in Ch­ia­pas. Die als mi­li­tä­ri­sche Arm der SO­CA­MA (So­li­da­ri­dad Cam­pe­si­no Ma­gis­te­ri­al; zu deutsch: Bau­ern-​Leh­rer-​So­li­da­ri­tät) gel­ten­de Miliz wurde unter an­de­rem von Sa­mu­el Sánchez Sánchez, Ab­ge­ord­ne­ter im ch­ia­pa­n­eki­schen Par­la­ment und Lei­ter der SOCAMA, mit­be­grün­det. Seit Mitte der neun­zi­ger Jahre des letz­ten Jahr­hun­derts hat „Frie­den und Ge­rech­tig­keit“ meh­re­re tau­send Bäue­rin­nen und Bau­ern ver­trie­ben, hun­der­te Qua­drat­ki­lo­me­ter Kaf­fee­pflan­zen ver­nich­tet, und ei­ni­ge der schlimms­ten Mas­sa­ker in Ch­ia­pas an­ge­rich­tet. Auch vor Ver­ge­wal­ti­gun­gen schre­cken die Pa­ra­mi­li­tärs nicht zu­rück.
Ur­sprüng­lich war „Paz y Jus­ti­cia“ eine Or­ga­ni­sa­ti­on, die so­zia­le Pro­jekt fi­nan­zier­te. Zu ihrer Füh­rung zähl­ten nicht zu­letzt PRI-​Ab­ge­ord­ne­te, lo­ka­le Po­li­ti­ker und ehe­ma­li­ge hoch­ran­gi­ge Ex-​Mi­li­tärs. Nach dem Auf­stand der EZLN for­mier­te sich die Or­ga­ni­sa­ti­on schnell zu einer il­le­ga­len Miliz, die von der me­xi­ka­ni­schen Po­li­zei und Armee be­waff­net und aus­ge­bil­det wurde.
Die Reihe von ter­ro­ris­ti­schen und il­le­ga­len Pa­ra­mi­li­tärs, die von der me­xi­ka­ni­schen Re­gie­rung ent­we­der un­ter­stützt oder ge­dul­det wer­den, ließe sich noch ewig fort­füh­ren. Mas­sa­ker und Ver­trei­bun­gen sind an der Ta­ges­ord­nung. Ein Ende die­ser An­grif­fe rechts­ge­rich­te­ter Mi­li­zen kann nur ge­sche­hen, wenn die­ses Pro­blem end­lich auch im Aus­land ernst ge­nom­men wird. Doch so­lan­ge Staa­ten wie die USA lie­ber Wirt­schafts-​ und Mi­li­tär­ab­kom­men mit Me­xi­ko schlie­ßen und sich in Sa­chen Men­schen­rech­te die Augen zu hal­ten, wird dies schwie­rig wer­den.

Der zapatistische Aufstand 1994

Ob­wohl sich die EZLN be­reits im No­vem­ber 1983 in der Selva La­can­do­na, einem Ur­wald­ge­biet an der Süd­ost­gren­ze Me­xi­kos, grün­de­te, trat sie erst knap­p ein Jahr­zehnt spä­ter öf­fent­lich in Er­schei­nung. Die an­fangs sehr klei­ne Grup­pe kon­zen­trier­te sich in den ers­ten Jah­ren ihres Be­ste­hen dar­auf, neue Mit­glie­der zu re­kru­tie­ren, was unter an­de­rem zu einer Ver­schmel­zung mit ver­schie­de­nen Le­bens­phi­lo­so­phi­en – trotz der mar­xis­ti­schen Ur­sprün­ge – führ­te.

Das NAF­TA-​Ab­kom­men.
Mit dem Ende des Kal­ten Krie­ges woll­ten die USA ihre po­li­ti­sche He­ge­mo­nie nicht nur über Eu­ro­pa, son­dern auch über ihren „ei­ge­nen“ Kon­ti­nent aus­bau­en. Eine ge­sam­t­ame­ri­ka­ni­sche Frei­han­dels­zo­ne sollte ge­schaf­fen wer­den. Die ers­ten Ver­hand­lun­gen be­gan­nen be­reits 1990 an deren Ende als Er­geb­nis das NAFTA-Abkommen (North Ame­ri­can Free Trade Agree­ment) stand. Für die Ver­ei­nig­ten Staa­ten war es der erste Eck­stein zum Auf­bau einer Frei­han­dels­zo­ne. Für den me­xi­ka­ni­schen Staat wie­der­um war es der Hö­he­punkt einer kon­se­quen­ten Neo­li­be­ra­li­sie­rung der me­xi­ka­ni­schen Wirt­schaft, deren Folgen negativer nicht hätten sein können: Pri­va­ti­sie­run­gen, das Feh­len von Bil­dungs­struk­tu­ren, vor allem in den är­me­ren Ge­bie­ten in Süd­me­xi­ko, das Stei­gen der Le­bens­mit­tel­prei­se waren unter anderem die Folgen. Für die me­xi­ka­ni­sche Mit­tel­schicht und Teile der In­dus­trie war NAFTA ein Fort­schritt, ent­fie­len doch teure Zölle und er­leich­ter­te oder er­mög­lich­te es der me­xi­k­ani­s­chen Wirt­schaft Pro­fit in ganz Ame­ri­ka zu ma­chen. Doch für die oh­ne­hin schon ver­arm­ten Bau­ern war es eine Ka­ta­stro­phe: die Prei­se für Ge­trei­de und Kaf­fee san­ken, so­dass die me­xi­ka­ni­schen Bau­ern in­ter­na­tio­nal nicht mehr kon­kur­renz­fä­hig waren. Eine noch weiter zu­neh­men­de Ver­ar­mung war die Folge.

Auf­stand der In­di­genas.
Nach­dem sich die Za­pa­tis­ten fast zehn Jahre auf einen Auf­stand vor­be­rei­tet hat­ten, sahen sie für den ers­ten Ja­nu­ar 1994 – dem Tag des In­kraft­tre­tens des NAF­TA-​Ab­kom­mens – ihre Zeit ge­kom­men. Die ers­ten Jahre ihres Be­ste­hens hatte die EZLN gut ge­nutzt: ihre Gue­ril­la-​Kämp­fer waren teil­wei­se bes­ser aus­ge­bil­det und aus­ge­rüs­tet, als die me­xi­ka­ni­sche Bun­des­ar­mee.
Ver­mumm­te Kämp­fer grif­fen na­he­zu gleich­zei­tig fünf Be­zirks­haupt­städ­te im Osten von Ch­ia­pas an und be­setz­ten diese. Die Za­pa­tis­ten er­klär­ten der me­xi­ka­ni­schen Re­gie­rung den Krieg und ver­kün­de­ten das Vor­ha­ben, bis nach Me­xi­ko-​Stadt vor­zu­mar­schie­ren und die bür­ger­li­che Re­gie­rung zu kap­pen. Das an­ge­streb­te Ziel, einen Auf­stand und damit eine Re­vo­lu­ti­on in ganz Me­xi­ko aus­zu­lö­sen, miss­lang dabei al­ler­dings. Nach nur we­ni­gen Tagen zogen sich die Za­pa­tis­ten aus den Städ­ten zu­rück in den Dschun­gel von Ch­ia­pas. In den nur schwer zu­gäng­li­chen Ge­bie­ten, in denen die Auf­stän­di­schen gro­ßen Rück­halt in der Be­völ­ke­rung be­sa­ßen, konn­ten sich die Za­pa­tis­ten neu ord­nen.

Der Ge­gen­schlag.
Etwa ein Jahr spä­ter, am 9. Fe­bru­ar 1995, star­te­te die me­xi­ka­ni­sche Armee einen Über­ra­schungs­an­griff auf die von den Za­pa­tis­ten be­setz­ten Ge­bie­te. Die Auf­stän­di­schen muss­ten sich dar­auf­hin aus den Re­gio­nen Las Cañadas und Selva La­can­do­na zu­rück­zie­hen. Meh­re­re 10.​000 me­xi­ka­ni­sche Sol­da­ten wur­den an den wich­tigs­ten Stich­stra­ßen sta­tio­niert. Gleich­zei­tig rief die me­xi­ka­ni­sche Re­gie­rung ver­schie­de­nen Hilfs­pro­gram­me für den Süden Me­xi­kos ins Leben. Mit dem Auf- und Aus­bau der In­fra­struk­tur und meh­re­ren Hilfs­pro­gram­men zur För­de­rung der Land­wirt­schaft woll­te der me­xi­ka­ni­sche Staat der Za­pa­tis­ten ihren Nähr­bo­den ent­zie­hen. Von die­sen Pro­gram­men pro­fi­tier­ten al­ler­dings nur re­gie­rungs­treue Bau­ern.
Ver­schie­de­ne pa­ra­mi­li­tä­ri­sche Grup­pie­run­gen wur­den ge­grün­det, die die Za­pa­tis­ten und ihre An­hän­ger mit an­hal­ten­den Über­fäl­len nach und nach auf­rei­ben sol­len. Der bis­lang schlimms­te Über­fall die­ser Art war das „Mas­sa­ker von Ac­te­al“ am 22. De­zember 1997. Wäh­rend eines Got­tes­dienst ver­sam­mel­te sich die Ge­mein­de nicht-​za­pa­tis­ti­scher „Abe­jas“ zum Gebet. Dabei wur­den sie von Pa­ra­mi­li­tärs an­ge­grif­fen. Es star­ben ins­ge­samt 45 Men­schen, dar­un­ter auch Kin­der und schwan­ge­re Frau­en.
Seit ihrem Auf­stand 1994 tritt die EZLN für eine De­mo­kra­ti­sie­rung Me­xi­kos und eine Ent­span­nung der so­zia­len Pro­ble­me, vor allem der in­di­ge­nen Be­völ­ke­rung, ein. Die Za­pa­tis­ten sind lange keine rein mi­li­tä­ri­sche For­ma­ti­on mehr, sie en­ga­gie­ren sich in ver­schie­de­nen so­zia­len In­itia­ti­ven, 2005 rie­fen sie sogar die „La Otra Campaña“ – die „An­de­ren Kam­pa­gne“ aus, um Al­ter­na­ti­ven zum neo­li­be­ra­len Sys­tem zu er­for­schen.

Aufstand der Indigenas.
Nachdem sich die Zapatisten fast zehn Jahre auf einen Aufstand vorbereitet hatten, sahen sie für den ersten Januar 1994 – dem Tag des Inkrafttretens des NAFTA-Abkommens – ihre Zeit gekommen. Die ersten Jahre ihres Bestehens hatte die EZLN gut genutzt: ihre Guerilla-Kämpfer waren teilweise besser ausgebildet und ausgerüstet, als die mexikanische Bundesarmee.
Vermummte Kämpfer griffen nahezu gleichzeitig fünf Bezirkshauptstädte im Osten von Chiapas an und besetzten diese. Die Zapatisten erklärten der mexikanischen Regierung den Krieg und verkündeten das Vorhaben, bis nach Mexiko-Stadt vorzumarschieren und die bürgerliche Regierung zu kappen. Das angestrebte Ziel, einen Aufstand und damit eine Revolution in ganz Mexiko auszulösen, misslang dabei allerdings. Nach nur wenigen Tagen zogen sich die Zapatisten aus den Städten zurück in den Dschungel in Chiapas. In den nur schwer zugänglichen Gebieten, in denen die Aufständischen großen Rückhalt in der Bevölkerung besaßen, konnten sich die Zapatisten neu ordnen.

Emiliano Zapata – Vorbild für die moderne zaptatistische Bewegung

Die mo­der­ne za­pa­tis­ti­sche Be­we­gung im Süden Me­xi­kos sieht sich heute in der Tra­di­ti­on des im Jahre 1919 er­mor­de­tet me­xi­ka­ni­schen Re­vo­lu­tio­ns­füh­rer Emi­lia­no Za­pa­ta. Doch wer war die­ser Re­vo­lu­tio­när? Wie kam er zu sei­nen Über­zeu­gun­gen? Und in wie weit prägt er die Neo­za­pa­tis­ten, denen er sei­nen Namen gab?

Ju­gend und frühe po­li­ti­sche Ak­ti­vi­tä­ten.
Emi­lio Za­pa­ta wurde am 8. Au­gust 1879 in San Mi­guel Anen­e­cuil­co (Mo­re­los) als Sohn einer in­dia­ni­schen Mut­ter und eines wei­ßen Va­ters ge­bo­ren. Ob­wohl Emi­lio in einer be­hü­te­ten Fa­mi­lie auf­wuchs, er­kann­te er be­reits in frü­hen Jah­ren die Miss­stän­de, unter denen vor allem die in­di­ge­ne Be­völ­ke­rung, die haupt­säch­lich aus ver­arm­ten Bau­ern be­stand, litt. Die große po­li­ti­sche Bühne be­trat Emi­lio al­ler­dings erst im Jahre 1909, als sich er und an­de­re Bau­ern in Mo­re­los wäh­rend des Wahl­kamp­fes um den Pos­ten des Gou­ver­neurs an der Kam­pa­gne der le­ga­len Op­po­si­ti­on be­tei­lig­te. Im sel­ben Jahr wurde der mitt­lerweile schon drei­ßig­jäh­ri­ge Za­pa­ta zum Prä­si­den­ten des Ver­tei­di­gungs­ra­tes („junta de de­fen­sa“) von Anen­e­cuil­co ge­wählt. Bei die­sem Rat han­delt es sich um ein Ko­mi­tee zur Ver­tei­di­gung der Land­rech­te von Dör­fern.

End­gül­tig bei den Re­vo­lu­tio­nä­ren ge­lan­det.
Nur ein Jahr spä­ter fand Emi­lio di­rekt zu den me­xi­ka­ni­schen Re­vo­lu­tio­nä­ren, deren Haupt­ziel zu die­sem Zeit­punkt die Ver­trei­bung des Re­gimes Por­firio Díaz war. 1911 wurde Za­pa­ta dann zum Kom­man­deur der im Süden kämp­fen­den re­vo­lu­tio­nä­ren Trup­pen – die haupt­säch­lich aus be­sitz­lo­sen Bau­ern und Land­ar­bei­tern be­stand – ge­wählt. Trotz der zah­len­mä­ßi­gen und waf­fen­tech­ni­schen Un­ter­le­gen­heit der re­vo­lu­tio­nä­ren Trup­pen, ge­lang es ihnen in einem die me­xi­ka­ni­schen Bun­des­trup­pen zer­mür­ben­den Gue­ril­la­krieg, immer wie­der Er­fol­ge zu er­zie­len. Der Hö­he­punkt die­ser Er­fol­ge war die Ein­nah­me der Haupt­stadt Mo­re­los, Cu­er­na­va­ca.
Wäh­rend eines Put­sches im Jahr 1913 kam der äu­ßerst un­be­lieb­te Oberst Vic­to­ria­no Hu­er­ta an die Macht und Fran­cis­co Ma­de­ro, bis dahin Füh­rer der ge­sam­ten re­vol­utio­nä­ren Be­we­gung in Me­xi­ko, wurde vom Mi­li­tär er­mor­det. Za­pa­ta ver­bün­de­te sich dar­auf hin mit Pan­cho Villa, der Auf­stän­di­sche im Nor­den be­feh­lig­te und eben­falls eine Armee gegen die neue Re­gie­rung auf­ge­stellt hatte
Nur kurze Zeit spä­ter wurde Hu­er­tas er­mor­det und bald kam es zu Un­stim­mig­kei­ten unter ein­zel­nen re­vo­lu­tio­nä­ren Grup­pie­run­gen. Venus­tia­no Car­ran­za, der no­mi­nel­le Be­fehls­ha­ber aller re­vo­lu­tio­nä­ren Trup­pen, woll­te sich zum Prä­si­den­ten aus­ru­fen las­sen. Mit Un­ter­stüt­zung ei­ni­ger me­xi­ka­ni­scher Mi­li­tärs ge­lang dies Car­ran­za auch. Zur glei­chen Zeit kämpf­te Za­pa­ta im Süden Me­xi­kos wei­ter, ob­wohl der Sieg sei­nes Ri­va­len be­reits so gut wie si­cher war.

Za­pa­tas Tod.
Auf Car­ran­z­as Be­fehl wurde Emi­lio Za­pa­ta am 9. April 1919 von einem Oberst der me­xi­ka­ni­schen Armee, mit deren Hilfe Car­ran­z­as die Prä­si­dent­schaft er­rang, nach Chi­na­me­ca ein­ge­la­den. Zur Begrü­ndung gab der Oberst an, er wolle zu den Re­vo­lu­tio­nä­ren über­lau­fen. Als Za­pa­ta am nächs­ten Tag er­schien, wurde die­ser von me­xi­ka­ni­schen Bun­des­trup­pen er­war­tet und mit einem re­gel­rech­ten­ Ku­gel­ha­gel emp­fan­gen. Die Lei­che Za­pa­tas wurde an­schlie­ßend nach Cu­aut­la ge­bracht, dort aus­ge­stellt und nach ewi­gen Tagen auch be­gra­ben. Der Tod Za­pa­tas war ein re­gel­rech­ter Schock für die re­vo­lu­tio­nä­re Be­we­gung, die mehr und mehr zu­sam­men­brach. Ins­be­son­de­re der Ver­rat des ehe­ma­li­gen An­füh­rers der Re­vo­lu­tio­nä­re, Car­ran­z­as, ließ viele Bau­ern und Land­ar­bei­ter, die sich den Auf­stän­di­schen an­ge­schlos­sen hat­ten, von der Be­we­gung Ab­stand neh­men.

Za­pa­tas Vermächtnis.
Viele My­then ran­ken sich um Emi­lio Za­pa­ta, im eu­ro­päi­schen Raum ist er haupt­säch­lich durch Hol­ly­wood Filme be­kannt, die sein Leben mal mehr mal we­ni­ger au­then­tisch wie­der geben. Als Vor­bild – so­wohl in po­li­ti­scher aber oft auch in kul­tu­rel­ler Hin­sicht – dient Za­pa­ta heute in­di­ge­nen Be­völ­ke­run­gen in der gan­zen Welt. Be­son­ders in Süd­ame­ri­ka, spe­zi­ell in Me­xi­ko, neh­men Auf­stän­di­sche den Ehr­geiz und Wa­ge­mut Za­pa­tas als Vorbild für ihren Frei­heits­kampf. Be­fin­den sich die Neo­za­pa­tis­ten heute doch in einer ganz ähn­li­chen Si­tua­ti­on, wie die Re­vo­lu­tio­nä­re An­fang des zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts. Volkser­zäh­lun­gen, die oft schon ver­klä­rend die Per­son Emi­lio Za­pa­ta dar­stel­len, las­sen dabei schnell ver­ges­sen, dass nicht Za­pa­ta al­lei­ne, son­dern viele tau­send Men­schen in Me­xi­ko für ihre Frei­heit käm­pf­ten.

“¡Es mejor morir de pie que vivir toda una vida de ro­dil­las!“

„Bes­ser auf­recht ster­ben, als auf den Knien leben!“

Zur Ge­schich­te der za­pa­tisch­ti­schen Be­we­gung

Die Za­pa­tis­ten sind eine Be­we­gung im mit­tel­ame­ri­ka­ni­schen Raum, ge­nau­er in Me­xi­ko. In den 1980ern als typisch antiimperialistische Gue­ril­la des Kalten Krieges ge­grün­det, ver­schmol­zen in den Jahren des Aufbaus ver­schie­de­ne Ein­flüs­se in­ner­halb der Ejército Za­pa­tis­ta de Li­be­r­a­ción Na­cio­nal (EZLN). Die Ak­tio­nen und Kam­pa­gnen gegen die me­xi­ka­ni­sche neo­li­be­ra­le Re­gie­rung und die For­men des Zu­sam­men­le­bens der Za­pa­tis­ten sind in­ter­na­tio­nal zu Vor­bil­dern des an­ti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Kamp­fes ge­wor­den. Fol­gend fin­det ihr klei­ne Bio­gra­phie der EZLN.

Die EZLN ist heute – zumindest in Mitteleuropa – eine der be­kann­tes­ten sozialen Bewegungen Süd­ame­ri­kas und der gan­zen Welt. Ge­grün­det wurde sie in Ch­ia­pas, einem der ärms­ten Bun­des­staa­ten Me­xi­kos. Die Za­pa­tis­ten suchten schnell Kon­takt zur ein­hei­mi­schen Be­völ­ke­rung, die haupt­säch­lich aus christ­li­chen Bau­ern be­stand. Auf diese Art er­folg­te in den nächs­ten Jahren eine Ver­schmel­zung aus so­zia­lis­ti­schen, an­ar­chis­ti­schen, aus re­li­giö­sen und anderen gesellschaftspolitischen Einflüssen. Was die EZLN bis heute aus­zeich­net, ist ihr ra­di­ka­les ba­sis­de­mo­kra­ti­sches Ver­ständ­nis. So will sie auch nicht die Macht im me­xi­ka­ni­schem Staat über­neh­men. Viel­mehr will sie au­to­no­me Ver­wal­tungs­struk­tu­ren schaf­fen, in denen die Men­schen ihre Pro­ble­me ohne Be­vor­mun­dung An­de­rer lösen kön­nen.

Erst­mals in Er­schei­nung trat die EZLN am 1. Ja­nu­ar 1994. Ver­mumm­te Kämp­fer be­setz­ten fünf Ver­wal­tungs­zen­tren im öst­li­chen Ch­ia­pas und er­klär­ten der me­xi­ka­ni­schen Re­gie­rung den Krieg mit dem Ver­spre­chen, bis in die me­xi­ka­ni­sche Haupt­stadt vor­zu­drin­gen. Nach nur zwölf Tagen teil­wei­se er­bit­ter­ter Kämp­fe wurde ein Waf­fen­still­stand aus­ge­han­delt. Das ei­gent­li­che Ziel, einen all­ge­mei­nen Volk­s­auf­stand in ganz Me­xi­ko, ver­fehl­te die EZLN dabei. Sie zog sich nach ei­ni­gen Tagen aus den Städ­ten in den nur schwer für das me­xi­ka­ni­sche Mi­li­tär er­reich­ba­ren Dschun­gel zu­rück, in denen sie von der ver­arm­ten Be­völ­ke­rung Un­ter­stüt­zung er­hielt. Seit die­sem Auf­stand sind die Za­pa­tis­ten und ihre Sym­pa­thi­san­t_Innen immer wie­der Opfer von Über­fäl­len re­ak­tio­nä­rer Para­mi­li­tärs, die zu gro­ßen Tei­len von der me­xi­ka­ni­schen Re­gie­rung be­zahlt und ver­sorgt wer­den.

Die EZLN kämpft aber nicht nur mit Waf­fen gegen die zu­neh­men­de Ver­ar­mung der ein­fa­chen Be­völ­ke­rung, son­dern auch mit so­zia­len In­itia­ti­ven, die bei der Ver­bes­se­rung der Le­bens­si­tua­ti­on der Men­schen auch in den Städ­ten Me­xi­kos hel­fen. Die haupt­säch­lich aus Bau­ern­mi­li­zen be­ste­hen­de Be­we­gung hat be­reits zwei Mal zum „In­ter­ga­lak­ti­schen Tref­fen gegen Neo­li­be­ra­lis­mus und für Mensch­lich­keit“ ein­ge­la­den. Das zwei­te Tref­fen fand in Spa­ni­en statt, um den welt­wei­ten An­spruch der For­de­run­gen der EZLN zu un­ter­strei­chen. Zum ers­ten Tref­fen, 1996 in Ch­ia­pas, kamen mehr als 3.​000 Men­schen aus über 50 Län­dern. Ein Jahr spä­ter fand schon das zwei­te Tref­fen statt. Die wäh­rend den in­ter­na­tio­na­len Tref­fen ge­knüpf­ten Kon­tak­te hat­ten im Fe­bru­ar 1998 die Grün­dung der PGA (Peop­les Glo­bal Ac­tion), einem welt­wei­ten Netz­werk zur Ver­net­zung und zur Akti­ons­ko­or­di­na­ti­on, zur Folge. Wäh­rend des ge­sam­ten Pro­zes­ses löste sich der mi­li­tä­ri­sche Ap­pa­rat all­mäh­lich von der zi­vi­len Basis, so­dass auch zu­neh­mend Ge­walt­ver­mei­den­de Grup­pie­run­gen In­ter­es­se an der Ar­beit der EZLN fan­den.

Am 9. Au­gust 2003 wur­den die so ge­nann­ten „Ca­ra­co­les“ ge­grün­det. Es han­delt sich dabei um fünf kom­mu­na­le Ver­wal­tungs­zen­tren, in denen die „Jun­tas der Guten Re­gie­rung“ tagen. Sie sind re­gel­mä­ßig wech­seln­de, streng ba­sis­de­mo­kra­ti­sche Re­gie­run­gen, die sich mit den Sor­gen und Nöte aller Be­woh­ner_In­nen be­fas­sen.

2005 star­te­te die EZLN an­läss­lich der Prä­si­dent­schafts­wah­len in Me­xi­ko eine Kam­pa­gne gegen das ge­sam­te Par­tei­en­sys­tem und for­der­te statt­des­sen eine au­ßer­par­la­men­ta­ri­sche Mo­bi­li­sie­rung und be­gann mit der „an­de­ren Kam­pa­gne“. Meh­re­re Tref­fen mit allen lin­ken Grup­pie­run­gen in Me­xi­ko soll­te zu einer lan­des­wei­ten Ver­net­zung füh­ren. Diese Kam­pa­gne wird nicht zu­letzt durch immer wie­der wäh­ren­de An­grif­fe von rechts­ge­rich­te­ten Grup­pen und ehe­mals ver­bün­de­ten Bau­ern­mi­li­zen, mit denen sich die EZLN mitt­lerweile um ur­sprüng­lich ge­mein­sam be­setz­tes Land im Streit liegt, über­schat­tet. Mehr­mals ent­zog sich die Füh­rung der EZLN des­halb be­reits der Öf­fent­lich­keit, um sich auf dro­hen­de Kon­flik­te vor­zu­be­rei­ten.

Ab morgen: Zapatista – Soli Tage

Die Za­pa­tis­ten sind in Mit­tel­eu­ro­pa eine der be­kann­tes­ten Gue­ril­la La­tein­ame­ri­kas. Die in den Acht­zi­gern des letz­ten Jahr­hun­derts ge­grün­de­te Trup­pe wurde im Zuge des Kal­ten Krie­ges als klassische Un­ter­grund­ar­mee kon­zi­piert. In die ka­te­go­risch an­ti­im­pe­ria­lis­ti­sche Ejército Za­pa­tis­ta de Li­be­r­a­ción Na­cio­nal (EZLN) flos­sen bald auch an­ar­chis­ti­sche und sogar re­li­giö­se Ein­flüs­se. Diese Ver­schmel­zung ver­schie­dens­ter Le­bens­phi­lo­so­phi­en führ­te zu einer welt­weit ein­ma­li­gen Form des Zu­sam­men­le­bens. Sie wurde Vor­bild für so­zia­le und po­li­ti­sche Grup­pen in aller Welt.
Morgen starten wir mit unseren Zapatista – Soli Tagen. Hintergründe, Historisches und Reiseberichte werden den Alltag im Chiapas aufzeigen, Probleme beleuchten und Möglichkeiten des Widerstands gegen das neoliberale System, das in alle unsere Lebensbereiche eindringt, eröffnen. Es wird also spannend…




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