Der große Filmschauspieler Charlie Chaplin spielt in seinem letzten Film Hitler: Deutschlands Diktator wird als glückloser Geisteskranker, böser Verrückter dargestellt. Vor kurzem wurde dieser Film in London gezeigt. Der faschistische Diktator auf der Leinwand war lächerlich. In der Wirklichkeit ist er lächerlich und fürchterlich: Dieser Mensch, der von Größenwahn besessen ist, der die einfachen Freuden des Lebens entbehrt, hat beschlossen, die Geschichte zurückzudrehen, er hat das Volk Deutschlands in vorgeschichtliche Nacht zurückgeworfen.

Gegen uns marschiert eine Horde zeitgenössischer Wilder. Ich erinnere mich, wie eine Deutsche mir erzählte: „Meinen Mann haben sie im Konzentrationslager Dachau bis aufs Blut geschlagen. Und zu mir sagten sie: Bringen Sie Wäsche. Sie sorgten sich um die Hygiene.“ In Paris haben sie „Ordnung“ geschaffen. Busse und Bahnen hat man dort durch menschliche Zugkraft ersetzt – an den Bahnhöfen stehen Franzosen mit Handwagen. Die französischen Polizisten richten die Rikschakulis aus wie Autos. Ich war dabei, wie ein Arbeitsloser einen Schritt aus der Reihe heraustrat. Zu ihm trat ein Faschist und schlug ihm mit einem Revolver auf den Kopf. Der Franzose fiel hin, der Faschist zuckte mit keiner Wimper: Er war stolz auf seine Mission. Versuchen Sie ihm zu erklären, dass Frankreich seine eigene Kultur hatte, dass es nicht darum geht, wie die Rikschakulis ausgerichtet sind, sondern darum, warum die Franzosen unter der deutschen Okkupation Rikschakulis geworden sind – er wird es nicht begreifen. Er ist stolz darauf, dass er nicht denkt. Seine Sache ist es, auf den Kopf zu schlagen.

Sowie diese Wilden in Paris eingefallen waren, stellten sie die „Liste Otto“ auf – eine Liste der französischen Bücher, die zu vernichten waren. Darauf standen französische und aus anderen Sprachen übersetzte Romane, Klassiker, Gedichte … Sie haben sich Brandbomben ausgedacht. Ich habe gesehen, wie diese Bomben funktionieren. In Tours haben sie die Bibliothek mit Manuskripten von Balzac verbrannt. Das altehrwürdige Rouen mit seinen Museen und wunderbaren Altertümern haben sie verbrannt. Erbärmliche Barbaren!

Ich habe gesehen, wie sie Frankreich ausgeplündert haben: Sie kamen dürr hin und wurden vor unseren Augen fett. Als sie in Paris einmarschierten, freuten sie sich nicht – sie hatten anderes zu tun – , sie marschierten und aßen, aßen, aßen. Sie druckten Falschgeld – „Besatzungs“mark, die in Deutschland nicht gelten, gaben sie an ihre Soldaten aus und „kauften“ innerhalb von zwei Wochen alles auf. Die Offiziersburschen schufteten sich ab – sie schleppten Kisten, Truhen, Säcke mit allem möglichen Gut, das die Offiziere geraubt hatten. Das reiche Frankreich hat sich in eine Wüste verwandelt.

Ich bin durch Belgien, durch Holland gefahren – derselbe Anblick – Ruinen und hungrige, obdachlose Menschen. Hier sind Nomaden durchgezogen. Ihre Ökonomie ist einfach. Sie nehmen die gesamte Milch weg. Dann keulen die Bauern der geknechteten Länder das Vieh. Sie requirieren alle Eier. Die Bauern vernichten die Hühner. Sie nehmen alles Getreide mit. Und die Bauern säen nicht mehr.

Sie haben Fabrikausrüstungen und Türklinken, Bilder aus den Museen und Damenstrümpfe mitgenommen … Ich habe Eisenbahnzüge mit ihren „Trophäen“ gesehen, sie fuhren von Paris nach Berlin. Sie waren vollgestopft mit gestohlenem fremdem Gut.

Die faschistischen Räuber rauben nicht nur – sie quälen, sie töten; das ist eine boshafte Horde. Sie wissen, wie man einen Menschen erniedrigt. Die Muttersprache, in der der Mensch zum ersten Mal Worte der Zärtlichkeit hört, die Sprache der Mutter, ist eine große Freude. Die Faschisten verfolgen die Sprachen der geknechteten Völker. Sie ersetzen alte Namen durch deutsche. In den Pariser Theatern bringen sie deutsche Schauspieler heraus. In den holländischen Schulen lehren sie die Kinder Deutsch, die holländische Sprache ist ihrer Meinung nach eine „Mundart“. Vor kurzem wurden zweiundachtzigtausend tschechische Lehrer zu Feldarbeiten geschickt: Wozu soll den Kindern die niedrigstehende tschechische Sprache beigebracht werden? Sollen sie lieber in der Erde graben – die Sieger lieben Kartoffeln …

Sie beleidigen plump, auf faschistische Art: – Da hast du meinen Stiefel ..! Die Franzosen nennen sie „negerähnlich“. In Warschau haben sie ein Kino eingerichtet, in das Polen der Eintritt verboten ist, – sehen Sie, den Mördern gefällt der Geruch der Polen nicht!.. Sie haben das Denkmal für Adam Mickiewicz abgerissen.

In einer norwegischen Stadt haben sie die Nansenstraße in Göringstraße umbenannt.

Sie haben Millionen Menschen zu Sklaven gemacht. In Holland ist für die Weigerung, für die Deutschen zu arbeiten, die Todesstrafe eingeführt worden. Holländer und Belgier werden mit Gewalt zur Zwangsarbeit nach Deutschland geschickt. Wie Häftlinge arbeiten zwei Millionen Franzosen – das sind „Kriegsgefangene“. Über die Polen hat Goebbels verächtlich gesagt: „Eine übermäßig fruchtbare Rasse! Auch wenn man hunderttausend tötet, ändert sich nichts …“

Sie töten methodisch, akkurat, Tag für Tag. Zwei Belgier, den jungen Lefebvre und Fräulein Gouni – hinrichten: Sie haben verdächtige Leute versteckt. Hier, der Franzose Ducan – hinrichten: Er hat englisches Radio gehört. Und hier, der Pole Streszewski – hinrichten: Er hat dem Herrn Oberleutnant nicht den Weg freigemacht. Sie wüten in Bergen und in Belgrad – von einem Meer bis zum anderen.

In einer schwedischen Zeitung ist eine Korrespondenz aus Gdynia gedruckt worden. Das ist eine bescheidene, nüchterne Geschichte. Die Gestapo in Gdynia befindet sich in der Göringstraße. Die Faschisten beklagen sich – sie haben den Schlaf verloren.

In die Gestapo werden Polen gebracht, die nur deswegen verhaftet worden sind, weil sie polnisch gesprochen haben. Man foltert die Polen wissenschaftlich, zivilisiert. Und die unzivilisierten Polen schreien. Und das hindert die faschistischen Beamten, ihre Ruhe zu genießen.

Im hohen Norden, auf den Lofoten, haben die Faschisten achtundsechzig Fischer gefoltert – sie wollten wissen, wer den Engländern während ihrer Landung geholfen hatte. Ich war auf den Lofoten. Dort leben starke, mutige Menschen. Sie sind Sturm, Ozean, Tod gewöhnt. Aber noch nie zuvor haben sie es mit Faschisten zu tun gehabt. Von den achtundsechzig sind neunundzwanzig an irgendeiner geheimnisvollen Epidemie gestorben.

Millionen von Menschen der verschiedensten Völker, die von den Faschisten zur Verzweiflung getrieben worden sind, schauen voller Hass auf die Henker. Der Kampf im faschistischen Hinterland beginnt. Noch ist es ruhig auf den Straßen von Paris, aber die Sieger sind aufmerksam geworden. Sie haben Angst, die Arbeiterviertel zu betreten. Sie sitzen in den teuren Cafés und trinken unter dem Schutz der Posten die letzten Flaschen Champagner aus. Am elften November warfen Pariser Studenten einen faschistischen Offizier, der einer Französin zu nahe gekommen war, aus einem Fenster im dritten Stock. Das war ein Signal. Seit diesem Tag verschwinden von Zeit zu Zeit immer wieder Offiziere und Soldaten der deutschen Armee. In Polen schreiben die deutschen Zeitungen jeden Tag über das „Banditenunwesen“.

In Rotterdam haben die Deutschen Kinder mit Knüppeln verprügelt, die Blumen an die Gräber der Opfer der Bombardierungen vom vergangenen Jahr brachten. In Moravská Ostrava haben Faschisten einem Mädchen mit einem Rasiermesser das Gesicht zerschnitten – sie hatten ein Band mit den tschechischen Nationalfarben bei ihr gefunden. Es fällt mir schwer, mich an diese niederträchtigen Taten erinnern zu müssen.

Die Faschisten hatten es bisher mit schutzlosen Opfern zu tun. Die Holländer, Norweger und Dänen hatten keine Armee. An der Spitze Frankreichs standen die französischen Faschisten. Sie empfingen ihre Gleichgesinnten nicht mit Bomben, sondern mit Blumen. Das französische Volk verrieten sie: Sie gaben ihm nicht die Möglichkeit, sich zu verteidigen, aber dort, wo kleine Abteilungen Widerstand leisteten, blieben die Faschisten verwirrt stehen. So verteidigten zweihundert Offiziersschüler die kleine Stadt Saumur an der Loire – gegen den Willen der militärischen Führung: Zweihundert Halbwüchsige schlugen achtundvierzig Stunden lang die Angriffe einer deutschen Division zurück.

Sie haben vielleicht gedacht, dass das sowjetische Volk erschrecken wird? Vielleicht haben sie gedacht, dass sie unser Land überrumpeln werden, wie sie Jugoslawien überrumpelt haben, an dessen Spitze fast bis zu diesem schicksalhaften Tag faschistische Lakaien standen? Sie sind stolz auf den „Feldzug“ gegen Jugoslawien. Sie sagen nicht, dass die Jugoslawen keine Panzerabwehrkanonen hatten und dass die Geschütze dort von Ochsen gezogen wurden. Sie sind berauscht von der „Eroberung von Paris“. Sie haben verschwiegen, dass Paris ihnen von General Denz übergeben wurde.

Ich habe den Tag nicht vergessen, an dem ich auf den Straßen des freiheitsliebenden Paris das Stampfen der faschistischen Horde hörte. In den Winternächten erschien mir London – seine Altertümer und Häuser haben die Bomben der Faschisten zerschunden. Dann ist, wie der legendäre Recke Janko, in ungleichem Kampf, das jugoslawische Volk verblutet. Schwere Tage …

Wir wollen für uns kein fremdes Land, wir kämpfen für unser Land, für unsere Freiheit, und der Anblick unseres Mutes wird die Herzen der von Hitler geknechteten Menschen mit Hoffnung füllen.

25. Juni 1941

Übersetzung aus dem Russischen: C. Mannewitz
[erstmals in „Trud“, 25. Juni 1941; erster Artikel IEs, der im Großen Vaterländischen Krieg gedruckt wurde; in vielen Ausgaben nachgedruckt; hier nach „Trud“]




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